Titel: Maschinen zum Auslesen oder Sortiren des Kieses für den Straßenbau.
Autor: Schlumberger, Albert
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. XVI. (S. 85–97)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/ar055016

XVI. Bericht des Hrn. Albert Schlumberger über die beiden von Hrn. Augustin und Hrn. Baumann erfundenen Maschinen zum Auslesen oder Sortiren des Kieses für den Straßenbau.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen, No. 33, S. 303.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Hr. Carl Dollfus, dem die Gesellschaft schon so viele interessante Mittheilungen verdankt, hat derselben kürzlich eine Notiz über eine Maschine zum Sortiren des Kieses für den Straßenbau vorgelegt, welche von Hrn. Joseph Augustin, Sattler in Cernai und Straßenbau-Unternehmer an der Straße von Straßburg nach Lyon erfunden worden war. Kurze Zeit darauf legte auch Hr. Baumann, Aufseher der Steinzerklopfer in der Gemeinde von Altkirch, der Gesellschaft eine Maschine vor, die er zu gleichem Zweke erfunden hatte.

Beide Maschinen wurden von der Gesellschaft an das Comité der mechanischen Künste verwiesen, um von diesem vergleichsweise Versuche mit denselben und dem gewöhnlichen Verfahren anstellen zu lassen. Die Commission hat sich diesem Auftrage unterzogen, und bedauert nur, daß sie diese Versuche nicht zugleich auch auf jenen Apparat ausdehnen konnte, dessen Zeichnung und Beschreibung Hr. Zuber-Karth im Jahre 1828 der Gesellschaft zur Beurtheilung vorlegte. Sie hat das Resultat ihrer Versuche, und ihre Ansicht über die beiden Maschinen in einem einzigen Berichte zusammengefaßt, und am Schlusse noch einige allgemeine Bemerkungen über die Straßen, welche sie der Güte des Straßen- und Brükenbauingenieurs, Hrn. Bazaine, verdankt, beigefügt. Sie ergreift diese Gelegenheit, um Lezterem zugleich für die Beihülfe, die er ihr bei ihren Arbeiten leistete, und für die Aufschlüsse, durch welche er ihr ihr Urtheil über die fraglichen Apparate sehr erleichterte, zu danken.

Um den Zwek, den die HH. Augustin und Naumann bei dem Baue ihrer Maschinen im Auge haben mußten, klarer in's Licht zu stellen, erlauben wir uns in wenigen Worten folgende Bemerkungen vorauszuschiken.

Es ist bekanntlich ein allgemein angenommener Grundsaz, daß zur Unterhaltung guter Straßen vollkommen reine Materialien, und zwar Materialien von gleicher Große erforderlich sind. Der Kies, welcher zum Bauen oder Beschütten der Straßen genommen wird, darf weder Sand, noch Erde, noch irgend andere fremdartige Körper enthalten. Für die königlichen sowohl als Departementsstraßen |86| müssen die Steine in jeder Richtung durch einen Ring von 6 Centimetern (2 Zoll 2 1/2 Lin.) im Durchmesser gehen, so daß die Seiten dieser Steine nur 3 bis 4 Centimeter Länge haben können.

Das gewöhnliche Verfahren, dessen man sich zur Vorbereitung des Kieses bedient, besteht darin, daß man ihn roh, so wie er aus den Gruben kommt, auf ein schief gestelltes Gitter aus Holz, Draht oder Eisenstäben wirft, damit der Sand hindurch fällt, während der reine Kies herabrollt, und dann in Haufen zusammengeworfen wird. Aus diesen Haufen sucht dann ein anderer Arbeiter, welcher beständig gekrümmt ist, mit der Hand und nach dem Augenmaße die zu großen Steine aus.

Daß man auf diese Weise unmöglich eine gute Reinigung, eine gleichmäßige Sortirung des Kieses zu bewerkstelligen im Stande ist, ist längst anerkannt. Der Haufen, welcher sich am Fuße des Gitters bildet, und der Arbeiter, der denselben wegschaffen muß, zwingen jenen Arbeiter, welcher den Kies auf das Gitter wirft, in einer solchen Entfernung zu bleiben, daß er die Steine mit der Schaufel sehr häufig nicht bis an das obere Ende des Gitters zu werfen vermag, wo dann ein Theil des Sandes zugleich mit dem Kiese herabrollt. Auch bemerkt Hr. Dollfus, daß die Arbeiter, welche nach dem Gedinge verwendet werden, gewöhnlich auf diese Weise arbeiten. Das Aussuchen der großen Steine mit der Hand, welches beinahe gänzlich der Willkür des Arbeiters überlassen ist, geschieht so unregelmäßig, daß sich die Ingenieure gewöhnlich vorbehalten, die zu großen Steine auf Kosten der Unternehmer zerschlagen zu lassen. Ueberdieß ist dasselbe eine der mühseligsten Arbeiten, indem der Körper dabei immer gekrümmt ist, und auch die Hände wund werden, wenn der Arbeiter einige Tage lang nassen Kies ausklauben muß.

Die HH. Augustin und Baumann haben als tägliche Zeugen dieses höchst unvollkommenen, mühseligen und doch so häufig angewendeten Verfahrens auf Maschinen gedacht, mit deren Hülfe sich eine vollkommene Sortirung und eine Abscheidung des rohen Kieses in drei verschiedene Theile, nämlich in Sand, Kies zum Straßenbaue, und grobe Kiesel bezweken läßt.

Die Maschine des Hrn. Augustin besteht aus zwei Sieben von verschiedener Weite, welche einen Winkel von beiläufig 40 Grad mit einander bilden, nach entgegengesezten Richtungen geneigt, und durch starke Bänder aus Eisenblech fest mit einander verbunden sind. Das obere Sieb, welches zum Abscheiden der großen Steine dient, hat eine Neigung von 20 bis 30°, und bewegt sich an dem einen Ende in Charniergelenken, während es an dem anderen Ende an Riemen aufgehängt ist, welche an Federn aus hartem |87| Holze befestigt sind. Durch diese Riemen wird es in größerer oder geringerer Höhe über einem eisernen Rade mit Zahnen von excentrischer Form erhalten. Dieses Rad wird mittelst eines langen Kurbelstükes, welches an der Welle des Rades angebracht ist, umgedreht; an der der Kurbel entgegengesezten Seite muß ein Flugrad angebracht werden, welches jedoch an den Maschinen, mit denen wir unsere Versuche anstellten, nicht aufgezogen war; obschon wir glauben, daß ein solches Flugrad bei länger fortdauernder Arbeit von sehr großem Vortheile seyn würde, indem es der Bewegung mehr Regelmäßigkeit und Milde geben müßte. Jeder Zahn des Rades hebt das Sieb bei der Umdrehung der Welle empor und läßt es auch wieder fallen; und in Folge dieses beständigen Hebens und Fallens, welches durch die an den hölzernen Federn befestigten Riemen gemäßigt wird, befindet sich das obere Sieb beständig in einer bebenden Bewegung, welche sich auch auf das untere Sieb fortpflanzt, weil dieses fest mit ersterem verbunden ist.

Ueber diesen beiden Sieben ist ein hölzerner Trichter angebracht, in welchen der rohe Kies geworfen wird; durch diesen gelangt er zuerst auf das obere Sieb, von dem die großen Steine abrollen, während der sortirte Kies und der Sand auf das zweite Sieb fallen, von welchem der eigentliche Kies gleichfalls wieder abrollt, während der Sand durchfallt. Hieraus folgt also, daß der rohe Kies durch die Maschine in die drei oben erwähnten Theile sortirt wird.

Die Maschine des Hrn. Baumann hat gleichfalls zwei Siebe oder Gitter von verschiedener Weite, von denen das obere zum Abscheiden der großen Steine, das untere zum Reinigen des Kieses bestimmt ist. Allein beide Siebe sind mir Riemen an einander aufgehängt, und in paralleler Richtung geneigt. Das obere, welches das größere ist, ruht mit seinen beiden Enden auf Walzen, und steht oben mit einem senkrechten Kniehebel in Verbindung, welcher durch ein horizontales Getrieb um seinen Mittelpunkt gedreht wird. Der Kniehebel zieht bei seiner Bewegung das große Sieb an sich, und bewirkt, daß dasselbe über die Tragwalzen hingleitet; da dieses Sieb aber andererseits von einer starken hölzernen Feder in Anspruch genommen wird, so strebt es immer wieder seine natürliche Stellung einzunehmen, so daß beide Siebe eine beständige Hin- und Herbewegung haben, welche jedoch zugleich auch mit einer bebenden Bewegung verbunden ist.

Das Getrieb befindet sich an einer Welle mit einer Kurbel, und diese Welle ist zur Ausgleichung und Erleichterung der Bewegung zugleich auch mit einem schweren Flugrade verbunden.

Aus dieser kurzen Beschreibung erhellt hinreichend, in wie fern |88| die beiden Apparate einander ähnlich sind; man könnte sie beide füglich Kies-Beutelapparate nennen, indem sie sich den Beutelvorrichtungen in den Mühlen sehr nähern.

Bei den Versuchen, die wir zu wiederholten Malen mit diesen beiden Maschinen anstellten, arbeiteten sie in einer und derselben Sandgrube, und zugleich arbeiteten daselbst auch einige Arbeiter mit dem gewöhnlichen Wurfgitter. Der Kies war naß; der Sand hing fest an demselben. Der Kub. Meter rohen Kieses bestand im Durchschnitte aus 0,36 Kub. Meter Steinen von gehöriger Größe; 0,11 Kub. Meter Steinen, welche zerschlagen werden mußten, und 0,53 Kub. Meter Sand, so daß der Sand also mehr als die Hälfte ausmachte. Die Resultate unserer Versuche waren folgende.

Arbeit mit dem gewöhnlichen Wurfgitter.

2 Arbeiter warfen den Kies auf das schief geneigte Wurfgitter.

1 Arbeiter warf den Kies, welcher an den Fuß des Gitters herabrollte, mit einer Schaufel auf einen Haufen, welcher einige Meter davon entfernt war.

1 Arbeiter las die großen Steine aus diesem Haufen in dem Maaße aus, in welchem eine Schaufel Kies auf denselben geworfen ward.

––––––

4 Arbeiter.

Nach 10stündiger Arbeit waren auf diese Weise 15 Kubikmeter roher Kies auf das Wurfgitter gebracht, und diese gaben:

Guten Kies von gehöriger Größe 5,40
Kies welcher zerschlagen werden mußte 1,54
Sand 8,06
–––––
Kub. Met. 15,00

Arbeit mit der Maschine des Hrn. Augustin.

3 Arbeiter warfen den rohen Kies in den Trichter; manchmal sezte jedoch einer derselben etwas aus, um den Kies in der Sandgrube durch ein Paar Hiebe mit der Haue loszumachen.

1 Arbeiter drehte die Kurbel mittelst eines Griffes.

2 Arbeiter waren beschäftigt den aus der Maschine herauskommenden Kies, Sand und die großen Steine wegzuschaffen.

––––––––

6 Arbeiter.

Nach 10stündiger Arbeit wurden 50 Kub. Met. roher Kies in den Trichter geworfen, und in folgende Theile geschieden:

18 Kub. Met. Kies von gehöriger Größe,
5 Steine zum Zerschlagen,
27 Sand.
|89|

Arbeit mit der Maschine des Hrn. Baumann.

3 Arbeiter warfen den Kies in den Trichter,

1 Arbeiter drehte die Kurbel,

3 Arbeiter reinigten die Maschine von dem Kiese, dem Sande und den Steinen, welche aus derselben kamen.

––––––––

7 Arbeiter.

Innerhalb 10 Stunden wurden 61 Kub. Met. roher Kies in den Trichter geworfen, und in folgende Theile geschieden:

21,96 Met. Kies von gehöriger Größe,
6,71 – Steine zum Zerschlagen,
32,33 – Sand.
–––––––––
61,00 Met.

Stellt man diese Resultate zusammen, und theilt man sie durch die Zahl der Arbeiter, so ergibt sich auf einen Arbeiter:

Textabbildung Bd. 55, S. 89

Oder, wenn man die Arbeit mit dem gewöhnlichen Wurfgitter zu 1,00 annimmt, so ist jene mit der Maschine Augustin's durch 2,22 oder durch etwas weniger als 2 1/4; jene mit der Maschine Baumann's durch 2,32 oder durch 2 1/3 bezeichnet.

Die Versuche haben erwiesen, daß man mit Arbeitern, welche an diese Art von Arbeit gewöhnt sind, und welche in leicht ausbeutbaren Sandgruben nach dem Gedinge arbeiten, der Quantität nach beinahe das Dreifache erzielen kann, während man der Qualität nach einen weit besseren und gleichartigeren Kies erhält.

An dem gewöhnlichen Wurfgitter kann ein Arbeiter wegen der Aufmerksamkeit, die er auf seine Arbeit verwenden muß; wegen der Anstrengung, die es ihm kostet, den Kies gehörig zu werfen; und wegen der Zeit, die er bei der Veränderung seines Standpunktes und bei der Reinigung des Wurfgitters verliert, bei einer 10stündigen täglichen Arbeit kaum mehr als 7 Kub. Meter rohen Kies durchwerfen. Dagegen kann ein Arbeiter innerhalb derselben Zeit leicht 21 Kub. Met. Kies in einen Trichter, welcher nur 3 bis 4 Fuß von dem Boden entfernt ist, und 15 Kub. Met. in einen 6 Fuß hohen Trichter werfen.

Da an den neuen Maschinen sämmtliche Arbeiter zugleich beschäftigt sind, so können, wenn auch nur einer derselben aussezt, die übrigen auch nicht lange mehr fortarbeiten, und daher werden sie, |90| wenn sie nach dem Gedinge arbeiten, schon aus eigenem Antriebe keine Unterbrechung dulden. Und würden sie andererseits ihre Arbeit zu beschleunigen suchen, so würde dadurch das Product derselben doch keinen Schaden leiden; denn nicht sie sind es, welche das Siebgeschäft vollbringen, sondern die Maschine, welche weder Willen noch Laune hat; die Arbeiter sind bloß da, um der Maschine das Material zu liefern, um sie in Bewegung zu sezen, und um die Producte, die sie liefert, wegzuschaffen.

Vergleicht man die beiden Maschinen mit einander, so ergibt sich, daß jene des Hrn. Augustin leichter, weniger complicirt, besser zu transportiren, und leichter wagerecht zu stellen ist; daß die Siebe an derselben eine solche Stellung haben, daß sich die aus der Maschine herausgelangenden Materialien leichter entfernen lassen, und daß sie nur halb so viel kostet.

Die Maschine des Hrn. Baumann ist zwar mehr zusammengesezt, kann aber doch von jedem Landzimmermann gebaut werden. Allein das ganze Gewicht befindet sich an derselben beinahe immer an dem einen Ende, so daß man sie oft an dem entgegengesezten Ende belasten muß, um ihr die gehörige Stätigkeit zu geben. Das untere Sieb ist nicht weit genug vom Boden entfernt, woher es denn kommt, daß man, wenn man 100 Kub. Met. Kies mit ihr behandelt hat, ihren Plaz ändern muß, was Verlust an Zeit und Mühe verursacht, und wobei man überdieß Gefahr läuft, daß ein oder der andere Theil der Maschine in Unordnung gerathen könnte. Der feine Sand, der gute Kies und die großen Steine fallen zu nahe an einander nieder, und können sich sogar zum Theil wieder mit einander vermengen. Auch läßt sich die Maschine nicht wohl zu anderen Zweken verwenden: selbst wenn man deren Dimensionen vermindern würde. Dagegen ist aber an ihr der Trichter besser gebaut, auch ist die Bewegung der Gitter, welche eben so wohl eine stoßweise als gleitende ist, günstiger, und zum Behufe der Sortirung des Kieses so vortheilhaft, daß dieselbe schneller und selbst auch vollkommener von Statten geht. Die Maschine liefert auch etwas mehr Arbeit; da jedoch zum Wegschaffen der gesiebten Stoffe hier drei Menschen nöthig sind, während an der anderen nur zwei erforderlich sind, so sind beide Maschinen in Hinsicht auf gelieferte Arbeit so ziemlich gleich. Bei allem dem zweifeln wir keinen Augenblik, daß die Maschine des Hrn. Augustin dennoch von größerem Nuzen seyn dürfte, und zwar weil sie leichter, wohlfeiler, und bei Veränderung der Dimensionen der Gittermaschen auch zu manchen anderen Zweken anwendbar ist.

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Wir glaubten nicht untersuchen zu müssen, wer der erste Erfinder dieser Maschinen ist. Wir finden nämlich, daß beide Maschinen sowohl der Bewegung, als der Form und dem Baue der Siebe oder Gitter nach wesentlich von einander verschieden sind, und wir glauben, daß das Verdienst nicht so sehr darin liegt, eine so einfache Maschine erfunden zu haben, als vielmehr in der Mühe und Sorgfalt, welche sich die HH. Augustin und Baumann gaben, um sie in praktische Anwendung zu bringen, und um deren Gebrauch allgemeiner zu verbreiten.

Wir sind demnach der Meinung, daß die Gesellschaft diesen beiden Herren ihren Dank für diese höchst interessanten Mittheilungen ausdrüken, den Straßen- und Brükenbau-Administrationen, so wie auch dem Präfecten, die beiden neuen Apparate empfehlen, und deren Erfinder den Behörden zu einer angemessenen Belohnung, oder vielmehr zu einer gehörigen Entschädigung für die Kosten, welche ihnen der Bau ihrer Maschinen verursachen mußte, in Vorschlag bringen sollte. Wir glauben endlich, daß sowohl dieser Bericht, als die Bemerkungen des Hrn. Bazaine, welcher für den der Commission geleisteten Vorschub besonderen Dank der Gesellschaft verdient hat, so wie auch die Beschreibung und Abbildung der beiden Maschinen durch den Druk bekannt gemacht werden sollen.

Beschreibung der Maschine des Hrn. Augustin.

Fig. 7 ist ein Durchschnitt nach der Linie A, B in Fig. 8.

Fig. 8 ist ein Grundriß.

a sind 4 Pfosten aus Tannenholz.

b 4 Querhölzer zwischen diesen Pfosten.

c 4 andere Querhölzer, welche die Seitentheile mit einander verbinden, und das Gehäuse der Maschine bilden.

d ein hölzerner, mit Eisen gefütterter Trichter, in welchen der Kies geworfen wird.

e 4 Stüzen dieses Trichters.

f die untere Mündung desselben.

g schief geneigte Gitter oder Siebe.

h eine schief geneigte Fläche aus Holz, auf welche der Kies fällt, welcher durch das obere Sieb gegangen ist, und von der er auf das untere Sieb oder Gitter gelangt.

i 2 Federn aus hartem Holze, welche an einem der Querhölzer, wodurch die beiden Seitentheile verbunden sind, befestigt ist.

k 2 an diesen Federn befestigte Riemen, durch welche die schiefen Flächen auf beliebiger Höhe erhalten werden.

l ein Rad mit excentrischen Zähnen von 18 Linien.

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m ein Stük hartes Holz, welches unter der ersten schiefen Fläche befestigt ist, und auf welchem sich die Zähne des Rades, die auf diese Weise die schiefen Flächen emporheben, reiben. Diese Bewegung von Oben nach Unten in Verbindung mit den durch die beiden Federn bewirkten Schwingungen zwingt den Kies durch die Maschen des Siebes oder Gitters zu fallen, während das was zu klein oder zu groß ist, an der einen oder der anderen Seite der schiefen Flächen wegfällt.

n eine eiserne Welle, welche sich in messingenen Zapfenlagern dreht, und an der das Rad l aufgezogen ist.

o die Kurbel, und p der Griff, womit die Welle umgedreht wird. Der lange Griff ist nöthig, damit die Erschütterungen weniger fühlbar sind.

q ein Flugrad.

r 4 Stüke aus starkem Eisenbleche, wodurch die beiden schiefen Flächen in einem Winkel von beiläufig 40 Graden erhalten werden.

s ein Charniergelenk, wodurch die beiden schiefen Flächen an einem der Querhölzer befestigt sind.

t Bretter, wodurch die verschiedenen Materialien von einander geschieden sind, und welche am Fuße der Pfosten angenagelt werden.

u ein Haufen großer Kiesel.

v ein Haufen Sand.

x ein Haufen Kies von gehöriger Größe.

Beschreibung der Maschine des Herrn Baumann.

Fig. 9 ist ein Durchschnitt nach der Linie C, D des Grundrisses, den Fig. 10 vorstellt.

a sind 4 Pfosten.

b 2 Querhölzer zwischen diesen Pfosten.

c andere Querhölzer, wodurch die beiden Seiten b mit einander verbunden sind.

d ein hölzerner Trichter.

e das obere Sieb oder Gitter.

f das untere Gitter.

g lederne Riemen, mit denen das untere Gitter an dem oberen aufgehängt ist.

h Walzen, auf denen das obere Gitter hingleitet.

i ein eiserner Haken, womit das Gitter an dem Kniehebel k angehängt wird.

l eine Welle, um welche sich dieser Kniehebel drehen kann.

m Pfosten, durch welche die Welle l geht.

|93|

n ein Getrieb, welches den Kniehebel emporhebt. Der Kniehebel zieht mittelst des Hakens i das obere Gitter, welches auf den beiden Walzen hingleitet, nach sich.

o ein Flugrad.

p die Welle des Flugrades und des Getriebes.

q die Kurbel.

r das Querholz, welches die Welle des Getriebes trägt.

s Pfosten, welche an dem Querholze c aufgehängt sind, und welche zwei Walzen, so wie auch den Kopf des oberen Gitters tragen.

t hölzerne, an dem oberen Gitter befestigte Federn.

u Seile, welche zum Spannen dieser Federn dienen.

v die Achse der Feder.

w ein Pfosten, der die Feder trägt.

x ein Sperrrad, welches dem Seile als Zaum dient.

y ein Haufen grober Steine.

z ein Haufen guten Kieses.

z' ein Haufen Sand und kleinen Kieses.

Allgemeine Bemerkungen über die Straßen. Von Hrn. Straßen- und Brükenbau-Ingenieur Bazaine.

Frankreich war in neueren Zeiten das erste Land in Europa, welches schöne und große Straßen besaß. Sie wurden durch Frohndienst gebaut, und nach ihrer Vollendung auf dieselbe Weise unterhalten, auf welche gegenwärtig unsere Vicinalwege unterhalten werden, wenn man dieß ja noch eine Unterhaltung nennen kann. Alle Jahre rief nämlich der Frohndienst die Leute ein Mal auf die Straße; dieselbe wurde hiebei beschüttet, und die Löcher und Geleise mit Steinen ausgefüllt; und nachdem dieß geschehen war, war Niemand mehr auf der Straße zu sehen, bis der Dienst die Leute nach einem Jahre neuerdings wieder auf dieselbe trieb. Bei einem solchen Unterhaltungssysteme mußten die Straßen nothwendig sehr fest und sehr dik gebaut werden, damit sie lange Zeit allen möglichen schädlichen Einwirkungen zu widerstehen im Stande waren. Denn würde man die Straßen damals eben so wie heut zu Tage erbaut haben: d.h. hätte man ihnen nur einen halben Fuß Dike in kleinem Kiese oder anderen kleinen, zwischen zwei Seitenwände aus Erde gebrachte Materialien gegeben, so würden sie gewiß kein Jahr lang dem Gütertransporte, dem Regen, dem Froste etc. widerstanden, sondern eher gänzlich verschwunden seyn. Damals war daher, um Einheit in den Bau und die Unterhaltsmethode zu bringen, das, was man |94| that, durchaus nothwendig: d.h. man brauchte große Steine von 1 1/2 Fuß Dike.

Später, wo der Frohndienst glüklicher Weise verschwand, wurde die Unterhaltung der Straßen im Ausstreiche zuerkannt, und der Unternehmer lieferte die Arbeiter, während ein Ingenieurcorps die oberste Aufsicht führte. Selbst dann bestand jedoch die Unterhaltung nur in der Anwendung mehr oder weniger regelmäßiger Materialien, wobei weder Kunst noch Einheit Statt fand. Unter dem Kaiserreiche, unter welchem diese neuen Anordnungen eingeführt wurden, baute man mehr neue als gute Straßen; man baute mehr, als man unterhielt; und daher waren die Straßen auch im Ganzen in einem erbärmlichen Zustande, was wohl zum Theil auch von den fortwährenden großen Heereszügen auf denselben herrührte. In den ersten Jahren der Restauration wurden sie noch schlechter, weil man gar nichts für deren Unterhalt that, und weil die dazu bewilligten Fonds zu gering waren.

Erst im Jahre 1816 ersezte man die Straßenbaupächter durch besoldete Wegmacher, weil man endlich die Nothwendigkeit einer regelmäßigen und fortwährenden Pflege der Straßen erkannt hatte; und nun erst kamen die allgemeinen Klagen gegen den schlechten Zustand der Straßen, oder vielmehr das dringende Verlangen nach guten Straßen: denn wenn gleich die bestehenden Straßen schlecht waren, so waren sie doch kaum schlechter, als die früheren.

Um dieselbe Zeit begann man in England, wo man erst seit einem Duzend von Jahren gute Straßen hat, wo man keine Frohndienste aufzulegen wagen durfte, und wo es keine Könige gab, welche 5000 Meilen wahrhaft königlicher Straßen herzustellen im Stande waren; um eben diese Zeit, sage ich, begann man in England, nicht an den königlichen, sondern an anderen hinlänglich breiten Straßen eine Verbesserung in Anwendung zu bringen. Man beseitigte, die Haufen großer Steine, welche man auf denselben aufzufahren gewohnt war; man zerschlug diese großen Blöke in kleine Steine, welche sämmtlich durch einen Ring von bestimmter Größe gehen sollten, und welche man reinigte, ja sogar abwusch. Diese zerschlagenen Steine breitete man in dünnen Schichten über einander aus, wobei man ihnen jedes Mal Zeit ließ gehörig zu erhärten, und sich mit einander zu verbinden. Man stellte zahlreiche, an bestimmte Streken gebundene Arbeiter auf, welche die Löcher und Geleise auszufüllen und den Koth zu entfernen hatten; man gab die starken Wölbungen der Straßen, welche man nur mehr an den großen gepflasterten Straßen in der Umgebung von Paris sieht, auf, und wollte auch keine starken Abhänge im Profile der Straßen mehr. Diese |95| große Metamorphose verdanken wir einem einfachen Straßenaufseher, dem berühmten Mac Adam.

Seit 8 Jahren, seit welchen die allgemeine Aufmerksamkeit in so hohem Grade auf diesen Gegenstand gerichtet ist, wurden zahlreiche Verbesserungen in diesem Fache gemacht, und nicht ein Jahr verging, in welchem sich nicht wenigstens ein Fortschritt nachweisen ließe. Die Kunst des Baues und der Unterhaltung der Straßen ist auf ganz neue Principien zurükgeführt worden.

Statt der grob zerschlagenen und unreinen Steine wendet man gegenwärtig Steine an, welche man zerschlägt, und denen man so viel als möglich gleiche Größe gibt, während man sie zugleich sorgfältig vom Sande und dergleichen reinigt. Man wirft diese Steine nicht mehr so auf die Straßen, wie diese sind, sondern man entfernt vorher den Koth von denselben; man zerschlägt selbst die großen Steine, die ihnen zur Grundlage dienten, in so fern man ihrer habhaft werden kann; man unterhält die Straßengräben in gutem Zustande, und statt daß man die Straßen zwischen die Erdwälle einzwängt, erhebt man sie vielmehr über diese lezteren. Die Handarbeit vermehrt sich, und darin liegt gleichfalls ein wesentlicher Vortheil; besonders wenn man bedenkt, daß sich die Zahl der Wegmacher in kurzer Zeit vermehren wird, während die Menge der zu liefernden Straßenbaumaterialien in demselben Maßstabe abnehmen muß.23)

|96|

Einer der Hauptgrundsäze in Bezug auf die Unterhaltung guter Straßen ist daher: nur gute, gereinigte und gleich große Materialien anzuwenden. Und gerade in dieser Hinsicht scheinen mir die Maschinen der HH. Augustin und Baumann mehr zu leisten, als alle übrigen früher angewendeten Apparate und Methoden. Die beste Vorrichtung wäre unstreitig jene, welche wirklich nur lauter Stüke von vollkommen gleicher Größe lieferte; die beiden angegebenen Maschinen leisten dieß nicht vollkommen, sondern sie liefern nur Materialien, deren Größe durch die Weite der Maschen der beiden Siebe beschränkt ist. Dessen ungeachtet sind jedoch diese beiden Maschinen von außerordentlichem Nuzen, und durch eine neuere Verordnung in Frankreich beinahe unentbehrlich geworden. Die Straßen- und Brükenbau-Administration fordert nämlich in einer für ganz Frankreich gültigen Verordnung, daß die zum Straßenbaue bestimmten Materialien in jeder Richtung durch einen Ring von höchstens 6 Centimeter im Durchmesser gehen müssen; und daß sie hingegen nicht kleiner seyn dürfen, als ein Ring, dessen Minimum dem Ermessen der Bauingenieurs anheim gestellt ist. Die HH. Augustin und Baumann dürfen daher den Maschen ihrer Siebe oder Gitter nur dieses Maximum und Minimum des Durchmessers geben, und der Unternehmer sowohl, als die Administration werden sicher seyn, daß die mit diesen Maschinen behandelten Materialien die verlangte Beschaffenheit haben. Wollte man der neuen Vorschrift des Minimums der Größe der Steine nach der alten Methode entsprechen, so müßte man nicht nur die zu großen, sondern auch die zu kleinen Steine mit der Hand aussuchen lassen, was unsäglich mühevoll und kostspielig seyn, und doch nie so vollkommen zum Zweke führen würde.

Die Anwendung dieser Maschinen wird endlich auch noch aus einem anderen Grunde höchst wünschenswerth; nämlich wegen der damit verbundenen Ersparung. Man zählt in unserem Gemeindebezirke für das Durchwerfen durch das Wurfgitter, das Ausgleichen des Sandes und für den Transport des Kieses bis zur Stelle, wo er auf die Wagen geladen wird, per Kubikmeter Kies beiläufig 80 Centimen. Mit der Maschine des Hrn. Augustin ließe sich dasselbe für 36, und mit jener des Hrn. Baumann für 34 Centimen erreichen, so daß sich also im Durchschnitte eine Ersparniß von 45 Cent. per Kubikmeter ergeben würde. Dieß gäbe also für 1000 |97| Kubikmeter eine Ersparniß von 450 Franken, und für den einzigen Bezirk von Altkirch, in welchem jährlich 3 bis 4000 Kubikmeter Kies erforderlich sind, eine Ersparniß von 1500 bis 1800 Franken, wonach sich die jährliche Ersparniß hieran allein für das ganze Departement wahrscheinlich auf 4000 Franken belaufen dürfte.

Für das Aussuchen der großen Kiesel, und für den Transport derselben an den Ort, an welchem sie geschlagen werden, zahlt man gegenwärtig 50 Centimen per Kubikmeter. Bei Anwendung der Maschine würde sich nach unserer Erfahrung auch hieran per Kubikmeter eine Ersparniß von 28 Centimen ergeben. Hieraus entstünde abermals eine jährliche Ersparniß von 400 bis 600 Franken, und diese zu obiger Verminderung der Kosten gerechnet, würde für den Bezirk von Altkirch allein jährlich eine Ersparniß von beiläufig 2000 Franken bewirken. Daß diese Berechnungen eher zu niedrig, als zu hoch ausgefallen sind, hat sich aus unseren Versuchen hinreichend erwiesen.

Die Maschinen der HH. Augustin und Baumann können aus allen diesen Gründen nicht nur der Straßen- und Brükenbau-Administration, sondern eben so dringend auch den Gemeinden empfohlen werden, welche sich mit deren Hülfe die Materialien, deren ihre Straßen so sehr bedürfen, verschaffen könnten. Die Gemeinden könnten auf diese Weise leicht veranlaßt, wenn nicht gezwungen werden, lediglich nur solche Materialien zum Straßenbau zu verwenden, durch welche die Vicinalstraßen gewiß in Kürze wesentlich verbessert werden würden.

|95|

Wenn wir uns auch bei vielen unserer Leser entschuldigen müssen, daß wir ihnen diese anerkannten Principien des Straßenbaues, die schon in so vielen Gegenden Deutschlands wirklich ins praktische Leben übergegangen sind, welche in so vielen Werken über den Straßenbau nachzulesen, und in unserem Journale selbst schon mannigfaltig erörtert sind, abermals in's Gedächtniß riefen; so halten wir diese Wiederholung oder vielmehr dieses abermalige Wiederkauen doch für manche Gegenden, und namentlich für manche Striche Süddeutschlands für höchst nothwendig. Denn leider sehen wir hier den Straßenbau noch in seiner ganzen Kindheit, es ist, als wären die Verbesserungen und Fortschritte, deren er sich in anderen Staaten erfreute, gar nicht zur Welt gekommen, so wenig scheint man davon zu wissen.

Wir kennen z.B. eine Residenzstadt, in welcher sich die Baukunst eines außerordentlichen Aufschwunges erfreut, und in welcher man, wenn auch nicht sehr viel Zwekmäßiges, doch sehr viel Schönes bewundern muß. In dieser Stadt ist man – vielleicht weil man zu sehr im Sublimen schwebt, und dafür weniger an die liebe gute Erde denkt, die sich ja doch geduldig mit Füßen treten läßt – noch so weit im Straßenbaue zurük, daß man die ungepflasterten Vorstädte jährlich mit einem Kiese überführt, welcher aus bloßen abgerundeten Geschieben von mittlerer Größe bis zur Sandform besteht, und welcher nie eine feste Straße geben kann. An einigen Stellen machte man Versuche mit zerschlagenen Steinen, wobei man jedoch auch wieder Alles unter einander aufschüttete, und die großen Steine durchaus nicht von den vielen kleinen, beim Zerschlagen entstandenen Splittern abschied. Obwohl diese Straßenstreken selbst bei dieser Halbheit die festesten wurden, die man in irgend einer der übrigen Vorstädte findet, so hatte dieß doch nicht den geringsten Einfluß; sondern man beschüttet nach gutem altem Herkommen fortwährend mit den aus dem versandeten Flußbette genommenen rohen Geschieben! |96| Und bei allem dem klagt man bei trokener Witterung dennoch über unerträglichen Staub, und bei Regenwetter über bodenlosen Schmuz! So viel zu unserer Entschuldigung bei allen denen, in deren Gegend man den Straßenbau besser versteht, als in dem erwähnten Musensize. A. d. R.

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