Titel: Gegenwärtiger Zustand ihres Industriezweige in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. XXVII. (S. 145–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/ar055027

XXVII. Ansichten verschiedener französischer Fabrikanten über den gegenwärtigen Zustand ihres Industriezweiges in Frankreich, und über die Folgen der Aufhebung des Prohibitivsystemes für ihre Fabriken.

Im Auszuge aus dem Temps und Moniteur universel.

(Fortsezung von Heft 1, S. 67.)

2. Aussagen des Hrn. Legentil, Abgeordneten der Handelskammer in Paris.

Fr. Was wissen Sie über die Tuchfabrikation Frankreichs im Vergleiche mit jener des Auslandes anzugeben? – A. Da nur sehr wenig fremdes Tuch nach Frankreich kommt, so fällt mir ein solcher Vergleich sehr schwer. Es ist überdieß kaum möglich, Tuch von feiner Qualität auf 15 Procent hin abzuschäzen, wenn man nicht große Massen vor sich hat, und wenn man in derlei Schäzungen nicht sehr geübt ist. Ich sah kürzlich belgisches Tuch, und es schien mir nicht, daß der Unterschied zwischen ihm und unserem französischen Tuche bedeutend wäre.

Fr. Hr. Lefort sagte uns, daß Elbeuf sowohl in Hinsicht auf den Preis, als auf die Güte seiner Tücher mit dem Auslande auf gleicher Stufe stehe; sind Sie derselben Ansicht? – A. Ich will dieß um so mehr glauben, da keine Tücher geschmuggelt werden, und da die Schmuggelei durch kein Hinderniß ganz gehoben werden kann, sobald wirklich ein Vortheil dabei ist.

Fr. Welche Schwankungen im Preise haben die Tücher seit 15 bis 20 Jahren erfahren, und sind Sie auch der Meinung des Hrn. Lefort, nach welcher Tuch, welches im Jahre 1816 zu 24 bis 36 Fr. die Elle verkauft ward, gegenwärtig nur 14 bis 18 Fr. gilt? – A. Ich bin nicht im Stande so weit zurükzugehen; übrigens haben die Preise der Tücher beinahe dieselben Schwankungen durchgemacht, wie jene der Wolle; denn nach unserer Berechnung bildet die Wolle immer die Hälfte des Gestehungspreises der Tücher. Das von Hrn. Lefort angegebene Sinken der Preise scheint mir etwas zu groß.

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Fr. Sie wissen, daß die französischen Tücher mit einer Prämie von 13 1/2 Procent auf den ausländischen Märkten Concurrenz halten; würden nun unsere Tücher nicht auch auf unseren eigenen Märkten hinreichend geschützt seyn, wenn man die fremden Tücher mit einem Zolle belegte, der das Doppelte dieser Prämie ausmacht? – A. Ich habe auf dieselbe Weise geurtheilt, und glaube, daß unter den angegebenen Bedingungen nicht ein einziger auswärtiger Fabrikant mit uns Concurrenz halten könnte. Die Furcht der Fabrikanten liegt auch nicht hierin, sondern in der höchst hypothetischen und Ungewissen Annahme einer Ueberschwemmung unserer Märkte mit fremden Fabrikaten, wogegen sich gar viel einwenden läßt. Ich glaube gar nicht, daß man Leute finden wird, die geneigt sind, große Verluste zu machen, um ihre Gegner oder Rivalen zu unterdrücken; allein, wenn man auch mit einem Male eine große Masse fremder Tücher auf unsere Märkte bringen würde, was wäre die Folge hievon? Wer würde denn z.B. unter diesen Umständen Spekulanten verhindern, die eingeführten Tücher aufzukaufen, um sie unter dem Genusse der Ausfuhrprämie wieder auszuführen, und auf den fremden Märkten so wohlfeil zu verkaufen, daß der Nachtheil, den unsere Rivalen uns zufügen wollten, auf sie zurückfallen müßte? Man könnte ihnen auf diese Weise leicht die fürchterlichste Concurrenz bereiten, und sie mit ihren eigenen Waffen schlagen, wenn sie ihre Opfer nicht auf sämmtliche Märkte ausdehnen würden. Und wer möchte wohl auf solche Speculationen hin einen unberechenbaren Verlust wagen? Man beobachtete ein Ringen dieser Art nur höchst selten, nur in beschränkten Industriezweigen, und von Individuen gegen Individuen, und selbst dann gewannen beide Rivalen gewöhnlich mehr, als sie verloren, indem der Verkehr dadurch mehr belebt wurde. Daß aber Nationen gegen Nationen in ausgedehnteren Industriezweigen auf solche Weise gegen einander auftreten könnten, halte ich gar nicht für möglich. Ich glaube daher, daß man vor der fremden Concurrenz durchaus nicht so sehr zurückschrecken dürfe, und daß dieselbe keine anderen Folgen haben würde, als daß sich unsere Fabrikanten mehr auf jene Industriezweige verlegen würden, in denen sie sich auszeichnen, und daß sie dafür andere, die sie mit weniger Vortheil betreiben, aufgeben müßten. Unsere Production wird dabei gewiß nur gewinnen; und was Gegenstände der Mode und der Phantasie betrifft, so dürfen wir hierin um so weniger etwas fürchten, indem hauptsächlich Frankreich die Moden schafft, und indem wir gerade in dieser Hinsicht weit mehr geben, als empfangen.

Fr. Die Fabrikanten scheinen hauptsächlich von der Schwierigkeit befangen, mit der es verbunden wäre, den Zoll von allen fremden Fabrikaten, die eingeführt werden, zu erheben, und zu verhindern, daß mit der Aufhebung des Einfuhrverbotes nicht auch der Schmuggelhandel bedeutend begünstigt werde. Welcher Ansicht sind Sie in dieser Beziehung? – A. Der Betrug durch Schmuggelei ist allerdings leichter, wenn eine Waare gegen einen Zoll eingeführt werden darf; allein die Tücher können schon ihres Umfanges und ihres Gewichtes wegen kein bedeutender Schmuggelartikel werden, und ich glaube nicht, daß die Schmuggelprämie hier je unter 20 bis 25 Procent herabsinken würde. Ich will nur ein Beispiel anführen. Die indischen Foulards sind z.B. verboten, aber im Inneren keiner Nachforschung unterworfen; dessen ungeachtet, und obschon sich dieser Artikel leicht auf alle Art zusammenlegen und in ein kleines Volumen bringen läßt, und obschon der Werth in Hinsicht auf das Gewicht sehr bedeutend ist, beträgt die Schmuggelprämie immer noch |147| 15 bis 20 Procent. Der Betrug hat wie eine andere Art von Arbeit gleichfalls seinen Preis, und man irrt sich sehr, wenn man glaubt, daß dieser Preis unter gewisse Gränzen herabsinken wird.

Fr. Sie glauben also, daß unsere Fabriken bei einem Einfuhrzolle von 25 bis 30 Procent die fremde Concurrenz nicht zu fürchten hätten? – A. Allerdings, wenn man der Erhebung dieses Zolles sicher ist. Die Fabrikanten von Elbeuf gestehen selbst, daß sie die Concurrenz nicht fürchten; und unsere Tücher gehen sogar nach Belgien, wo sie ungeachtet der Schmuggelprämie, die sie zu zahlen haben, und welche beinahe unsere Ausfuhrprämie aufwiegt, dennoch mit den Tüchern von Verviers die Concurrenz halten.

Fr. Wonach sollte sich, Ihrer Meinung nach, der Zoll richten? – A. Es ist sehr schwer, dieß zu bestimmen; das Gewicht müßte mit dem Werthe in Verbindung gebracht werden, indem sonst die feinen Tücher begünstigt seyn würden, und indem bei einer Waare, deren Werth von 12 bis zu 50 Fr. per Elle variirt, das Gewicht nie als Basis eines Zolles angenommen werden kann. Was übrigens die Feststellung des Zolles selbst betrifft, so bin ich auf die Lösung dieser Frage nicht gehörig vorbereitet.

3. Aussagen des Hrn. Victor Graudin, Tuchfabrikanten zu Elbeuf, und Abgeordneten der dortigen Handelskammer.

Fr. Wie viele Stücke Tuch erzeugen Sie jährlich? – A. Meine Fabrik liefert gegenwärtig jährlich 2500 Stücke. In den Jahren 1827, 28 und 29 erzeugte ich jährlich 5000 von 40 Ellen, indem ich damals mit China Verbindungen anzuknüpfen suchte, die ich jedoch aufgeben mußte, weil die ostindische Compagnie zur Unterdrückung unserer Concurrenz ihre Tuchpreise herabsetzte. Gegenwärtig, wo das Monopol dieser Compagnie aufgehört, wäre es vielleicht möglich, diese Verbindungen wieder zu erneuern. Die Verminderung meiner Produktion rührt demnach nicht von einer Verminderung des Absatzes im Inneren, sondern von der Verstopfung einer Absatzquelle nach Außen her.

Fr. Wie viele Arbeiter beschäftigen Sie? – A. Ich beschäftige jährlich 800 bis 1000 Arbeiter; zur Zeit, wo ich jährlich 5000 Stücke erzeugte, waren die Geschäfte nicht sehr lebhaft, so daß ich leicht außer meiner Fabrik Werkstätten und Hände fand, die für mich arbeiteten.

Fr. Wie bezahlen Sie Ihre Arbeiter, wie leben sie, und können sie sich etwas ersparen? – A. Gute Weber verdienen täglich 3 bis 4 Fr., und der schlechteste Arbeiter verdient 30 Sous; so daß im Durchschnitte jeder Arbeiter täglich auf 35 bis 40 Sous angeschlagen ist. Die Weiber verdienen täglich 20 bis 25, und die Kinder 15 bis 20 Sous. Die Fabrikmeister haben einen Jahrgehalt, und von diesen verdienen manche, was von der Art der Arbeit abhängt, sehr viel. So habe ich z.B. für die Färberei einen gelehrten Chemiker, dem ich jährlich 6 bis 8000 Fr. bezahle; übrigens fällt dieser hohe Gehalt nicht mir allein zur Last, indem ich für mehrere andere Fabriken arbeite. Diese große Prämie, die ich den Kenntnissen eines Mannes bewilligte, war mir früher durchaus nicht beschwerlich; gegenwärtig jedoch, wo die Kenntnisse sich täglich weiter verbreiten, und wo es mehrere Färber gibt, die eben so gut und eben so wohlfeil arbeiten, als ich, würde ich mich auf keine so hohen Bedingungen |148| mehr einlassen. Nur vier der Fabriken zu Elbeuf färben selbst; die übrigen lassen bei Färbern färben. – Was unsere Arbeiter betrifft, so sind sie gegenwärtig nicht so beschäftigt, als sie es seyn könnten, weßhalb denn auch ihr Lohn etwas gesunken ist. Sind sie hinreichend beschäftigt, so leben sie ziemlich gemächlich; überhaupt ist unsere arbeitende Bevölkerung im Ganzen gut, von sanften Sitten, nicht zu Excessen geneigt, und mit dem Nöthigen zufrieden. Wir haben hauptsächlich zweierlei Arbeiter; die einen leben in der Stadt, und diese sind nicht so ordentlich; diese lassen sich's, wenn die Geschäfte gut gehen, am Sonntage gut geschehen, und schwelgen sogar manchmal bis in den Montag hinüber. Die anderen, und diese bilden die Mehrzahl, leben auf dem Lande; diese ersparen sich etwas, und verwenden ihre Ersparnisse zum Ankaufe eines Stükes Grund und Boden und einer Hütte. Wir haben jedoch im Sinne eine Sparkasse zu errichten.

Fr. Woher beziehen Sie Ihre Dampfmaschinen? – A. Die drei Maschinen, mit denen ich arbeite, bezog ich aus England von dem Hause Hallo-Dartford; ich glaube jedoch, daß man in Frankreich eben so gute Maschinen bauen kann; und wenn ich heute neuer Maschinen bedürfte, so würde ich sie in Frankreich kaufen, indem sie bei gleicher Güte wohlfeiler zu stehen kommen.

Fr. Woher beziehen Sie Ihre Steinkohlen und wie hoch kommen sie Ihnen zu stehen? – A. Ich betreibe meine Maschinen mit Steinkohlen von Mons, indem sich die Steinkohlen von Anzin nicht für meine Art von Oefen eignen, und nicht nur in denselben schmelzen, sondern überhaupt nicht so vortheilhaft sind, als jene Art von Kohlen, die zu Mons unter dem Namen flénu bekannt sind. Eine Fuhr dieser Steinkohlen, welche 7 1/2 Hectoliter enthält, kam bisher auf 40 bis 42 Fr. zu stehen; gegenwärtig kostet sie jedoch nur 27 bis 28 Fr., so daß mich der Hectoliter auf 3 Fr. 75 Cent. zu stehen kommt. Dieser Unterschied im Preise rührt von den Transportkosten her, die verschiedenen Zufälligkeiten ausgesezt sind. Wenn der Winter z.B. lange dauert, und die Canäle gefroren bleiben, so entsteht zuweilen eine solche Roth, daß der Preis der Fuhr bis auf 50 Fr. steigt. Uebrigens wird der Preis jezt immer niederer bleiben, indem neue Canäle eröffnet wurden, indem sich die Compagnien, die sich vereinigt hatten, wieder trennten, und indem dadurch eine Concurrenz eintrat, die selbst eine Verminderung der Transportkosten nach sich zog.

Fr. Wie groß ist Ihr jährlicher Bedarf an Steinkohlen, und würden Sie englische Steinkohlen anwenden, wenn deren Einfuhr frei gegeben würde? – A. Ich verbrauche jährlich 4000 Fuhren, oder 30,000 Hectoliter. Was die englischen Steinkohlen betrifft, so haben wir nie welche gebraucht, so daß wir nichts über dieselben sagen können. Der Zoll, der auf den fremden Steinkohlen lastet, ist für uns bei weitem nicht von dem Belange, wie die Transportkosten. An diesen dürfte durch Verminderung der Zölle auf den Canälen, durch Eröffnung neuer Canäle, durch die Anlegung von Eisenbahnen und durch die Auffindung von Steinkohlengruben, die mehr in unserer Nähe liegen, Vieles erspart werden. Nach meinen Berechnungen beträgt der Ankaufspreis der Steinkohlen an der Grube kaum den vierten Theil der Summe, auf welche sie uns zu Elbeuf zu stehen kommen.

Fr. Haben die Kardätsch- und Rauhmaschinen seit einigen Jahren wesentliche Verbesserungen erfahren, und glauben Sie, daß die französischen Maschinen auch in dieser Hinsicht so gut sind, wie die englischen? – A. Allerdings; |149| und was namentlich die Kardätschmaschinen betrifft, so bin vielleicht ich der einzige, der Ihnen mit Genauigkeit den zwischen den in beiden Ländern gebräuchlichen Maschinen bestehenden Unterschied genau angeben kann. Ich habe nämlich in meiner Fabrik Kardätschmaschinen errichtet, welche nach einem neuen, in England nicht gebräuchlichen Systeme erbaut sind. Ich ließ sowohl die Modelle, als die Arbeiter aus Amerika kommen, und arbeite nun mit Maschinen, mit welchen ein Arbeiter so viel Arbeit liefert, als früher ihrer fünf, und zwar Arbeit, die an Güte der englischen wenigstens nicht nachsteht. Ich glaube demnach, daß unsere Maschinen in dieser Hinsicht einen Vorzug vor den englischen haben.

Fr. Kommen die französischen Maschinen also im Ganzen jenen des Auslandes gleich? – A. Mehrere meiner Collegen, unter denen ich bloß Hrn. Jourdain von Louviers, Hrn. Lefebvre-Duruflé von Pont-Anthau anführen will, und ich brauchten nicht erst durch die fremde Concurrenz angespornt zu werden; denn wir scheuten nie eine Anstrengung, um unsere Industrie auf derselben Stufe zu erhalten, auf der sie bei unseren Nachbarn steht. Ich selbst, wenn ich von mir sprechen darf, war seit dem J. 1817 mehrere Male in England, und war beinahe jedes Mal so glüklich bis in die dortigen Tuchfabriken einzudringen, und eine oder die andere neue Maschine, ein oder das andere neue Verfahren zurükzubringen. Auf meiner lezten Reise sah ich jedoch nichts, was wir nicht bereits gehabt hätten, so daß ich mit allem Rechte sagen kann, daß wir in dieser Hinsicht mit den Engländern auf gleicher Stufe stehen.

Fr. Wollen Sie uns sagen, welche Verminderungen der Preise die Tücher seit 20 Jahren in Frankreich erfahren haben? – A. Im J. 1814, wo Belgien von Frankreich getrennt ward, galt die Wolle 5 bis 6 Fr. per Kilogr., und aus dieser Wolle erzeugten wir Tücher, die mit 26 bis 34 Fr. die Elle bezahlt wurden. Gegenwärtig erzeugen wir aus derselben Wolle, die wir nun zu 10 bis 12 Fr. per Kilogr. bezahlen, Tücher, die wir zu 18 bis 26 Fr. die Elle verkaufen. Der Preis der Tücher ist daher um den dritten Theil gefallen, während der Preis der Wolle um nicht weniger, als um die Hälfte stieg.

Fr. Glauben Sie, daß bei der Vollkommenheit, auf die Sie Ihre Fabrikation gebracht haben, Ihre Fabrikate an Schönheit, Feinheit und Dauerhaftigkeit den belgischen und englischen Fabrikaten gleichkommen? – A. Ehe ich auf diese Frage eingehe, erlaube ich mir eine Bemerkung vorauszuschiken. Ich brachte im J. 1828 ein Verfahren nach Frankreich, dem ich den Namen unzerstörbarer Appret (apprèt indestructibile) gab. Ich hatte nämlich bemerkt, daß die englischen Tücher einen Glanz hatten, der sie sehr gesucht machte und den die unserigen nicht besaßen; ich fand ferner, daß dieser Glanz, den weder Luft noch Wasser zerstört, dadurch erzielt werde, daß man das Tuch der Einwirkung des Dampfes aussezte, und daß es den Engländern gelungen war, jenen Glanz, der unseren Tüchern durch das Decatiren wieder genommen werden muß, zu fixiren. Das erste Jahr, während welchem ich dieses Verfahren befolgte, verkaufte ich meine Tücher mit Vortheil; allein das Geheimniß ward bald bekannt, und es zeigte sich, daß wenn das Tuch auch mehr Glanz hatte, dieß auf Kosten der Güte der Fall war. Die Engländer benuzten lange Zeit den trügerischen Glanz ihrer Tücher zu unserem Nachtheile auf den europäischen sowohl als amerikanischen Markten. Allein gegenwärtig wendet man sich wieder an uns, indem man sich überzeugte, daß, wenn unsere Tücher auch weniger Glanz besaßen, sie hoch in der That besser waren. Es scheint, daß auch die |150| Belgier, die sich gleichfalls dieses Verfahrens bedienten, nunmehr dasselbe wieder aufgegeben haben.

Fr. Können Sie angeben, wie hoch sich die französische Fabrikation vor der Trennung Belgiens belief, und was sie seither geworden? – A. Zur Zeit der Trennung Belgiens von Frankreich producirte Elbeuf jährlich nur 15 bis 18,000 Stücke Tuch, und von einer Dampfmaschine war noch keine Rede. Im J. 1810 bestanden 10 Pferdegöpel, die im J. 1814 auf 40 bis so angewachsen waren. Im J. 1816 ward die erste Dampfmaschine errichtet, und seither hat sich deren Zahl bis auf 50 vermehrt. Die zu Elbeuf bestandenen Pferdegetriebe gaben die Kraft von 100 Dampfpferden, d.h. von 200 lebenden Pferden. Die Dampfmaschinen hingegen, von denen man im Durchschnitte eine jede zu 15 Pferdekräften annehmen kann, entsprechen 750 Pferdekräften oder 1500 lebenden Pferden. Hieraus ergibt sich, daß sich die frühere Fabrikation zur gegenwärtigen wie 2 zu 15 oder wie 1 zu 7 verhält; und daß dieses Verhältniß ein noch größeres seyn würde, wenn ich alle die benachbarten Orte, welche sämmtlich für Elbeuf arbeiten, in Anschlag gebracht hätte.

Fr. Wie theuer verkauften Sie Ihr Tuch zur Zeit der Trennung Belgiens? – A. Um ein Drittheil theurer, als gegenwärtig.

Fr. Wohin führten Sie früher, und wohin führen Sie gegenwärtig aus? – A. Bis zum J. 1823, wo der spanische Krieg ausbrach, brauchten wir nicht zur Ausfuhr unsere Zuflucht zu nehmen; wir organisirten nur unsere Fabriken, um im Stande zu seyn, den inneren Bedarf zu deken, und da unser Gewinn hiebei ziemlich hübsch war, so kamen wir nicht in Versuchung, uns in die Wagnisse der Ausfuhr einzulassen. Später, nachdem die Magazine im Inlande gefüllt waren, und die Concurrenz unter uns selbst fühlbarer wurde, suchten wir nach Außen Absazwege. Die ersten Sendungen, die ich machte, waren nach der Südsee gerichtet; sie gaben zwar keinen ansehnlichen Gewinn, doch waren sie von der Art, daß ich mich veranlaßt fand, sie fortzusezen. Nur durch Anwendung verschiedener, von der Fabrikation unabhängiger Mittel gelingt es uns jedoch auf den fremden Märkten mit den Engländern Concurrenz halten zu können. Wir suchen demnach jene Zeitpunkte auszuspähen, wo die fremden Märkte schwach versehen sind; während die Engländer hierauf weniger Rüksicht nehmen, und mit Verlust verkaufen, wenn die Märkte übersezt sind. Wir sind ferner gezwungen, zugleich mit unseren Tüchern auch noch andere Zeuge, Seidenzeuge und verschiedene andere Gegenstände auszuführen, und uns an dem Verkaufe dieser schadlos zu halten, wenn allenfalls die Tücher schlechten Absaz finden sollten. Wir nehmen endlich, um leichter Absaz finden zu können, die Produkte der Eingebornen in Tausch an, die die Engländer nicht immer brauchen können, weil ihr Verbrauch mehr beschränkt ist, und weil bei uns die Einfuhr derselben auf englischen Schiffen nicht erlaubt ist. Bedenkt man überdieß noch, daß wir uns im Allgemeinen damit begnügen, die Aehren aufzulesen, wo die Engländer eine reiche Ernte machten, so wird man sich erklären können, wie wir auf den auswärtigen Märkten mit ihnen concurriren können. Wir führen beiläufig den fünften Theil unserer Production aus, wobei jedoch alle die angegebenen Maßregeln angewendet werden müssen. Seit drei Jahren habe ich angefangen nach Nordamerika auszuführen; die Versuche, die mein Vater vor 10 oder 12 Jahren in gleicher Absicht machte, waren unglüklich ausgefallen, so daß er ihnen entsagen mußte. In Folge der Krisis vom J. 1830 waren unsere Magazine mit Waaren überfüllt, und wir mußten große Opfer bringen, |151| um dieselben zu räumen. Einige amerikanische Kaufleute machten damals, durch unsere niederen Preise gereizt, bedeutende Ankäufe, und seit dieser Zeit lernte man unsere Fabrikate in Nordamerika kennen und schäzen. Wäre in diesem Jahre in den Vereinigten Staaten nicht die berüchtigte Finanzkrisis ausgebrochen, so würden wir gewiß Heuer sehr viel dahin abgesezt haben.

Fr. Gesezt, die Einfuhr der englischen und belgischen Tücher wäre in Frankreich erlaubt, welchen Zoll würden Sie dann zur Beschüzung der französischen Fabriken für nothwendig erachten? – A. Welchen Zoll man auch immer einführen möchte, so müßte ich diese Maßregel doch immer für ein großes Unglük für unsere Fabriken betrachten. Es gibt hier nur zwei Fälle: entweder der Zoll ist so hoch, daß kein fremdes Tuch eingeführt werden kann, und dann wäre es besser, das Verbot bestehen zu lassen; oder der Zoll ist so mäßig, daß eine Einfuhr Statt finden kann, und dann wären unsere Fabriken den ungünstigsten Chancen ausgesezt. Wenn z.B. in Amerika oder irgend anderswo eine Krisis eintritt, so wird diese auf England zurükwirken; die englischen Fabrikanten werden dann ihren Absaz anderwärts suchen und auf unsere Märkte kommen; hier werden sie enorme Opfer bringen und wir werden, da wir keine solche Concurrenz auszuhalten im Stande sind, mit unseren Arbeitern zu arbeiten aufhören müssen und ruinirt seyn.

Fr. Alles dieß hängt, wie mir scheint, von der Größe des Zolles ab? – A. Wenn der Zoll so berechnet ist, daß nur ein wenig Tuch eingeführt werden kann, so sehe ich nicht ein, warum nicht auch eine größere Menge eingeführt werden könnte, besonders wenn die Ausländer zu Opfern gezwungen seyn sollten. Würde das Einfuhrverbot aufgehoben, so wäre der Betrug nicht mehr so leicht zu ertappen und zu verfolgen; man könnte englische Tücher einschmuggeln, sie dann als französische zur Ausfuhr bringen, und sich dafür die Ausfuhrprämie bezahlen lassen. Welche Unordnung dieß in unsere Industrie bringen würde, und welcher Schaden dem Staatsschaze daraus erwachsen würde, erhellt von selbst.

Fr. Es scheint, es wird gegenwärtig kein fremdes Tuch eingeschmuggelt? – A. Ich weiß, daß dieß beim Tuche kaum möglich ist, und dieß rührt nicht bloß von dem Volumen desselben, sondern hauptsächlich von der Furcht her, die dadurch eingeflößt wird, daß die Mauth das fremde Tuch überall, wo sie auf dasselbe stößt, wegnehmen kann. Wenn ja fremdes Tuch nach Frankreich kommt, st sind es Muster, die mit Genehmigung der Mauth eingeführt werden, und die dann wieder ausgeführt werden müssen. So erhielt ich einst von der Mauthdirection die Erlaubniß, zwei Ballen Tücher, die ich nothwendig brauchte, um einem Auftrage nachkommen zu können, bis nach Elbeuf bringen zu dürfen. Die Mauth versah jedes Stük Tuch mit ihrem Siegel, und später wurden beide Ballen, wie ich mich dazu verpflichtet hatte, wieder ausgeführt. Man konnte die Tücher, die ich nach diesen Mustern verfertigte, und an denen ich sowohl den Anschnitt, als die Sahlbänder, wie an den englischen und belgischen Tüchern arbeiten ließ, füglich für solche halten. Diese Tücher wurden zu Paris auch um 25 Procent höher verkauft, als ganz gleiche, aber mit Elbeuf bezeichnete Tücher.

Fr. Was wird aber. Ihrer Ansicht nach, kommen, wenn, was doch die gewöhnliche Annahme ist, der Handel einen bleibenden und regelmäßigen Gang behält? – A. Da ich den Zwek dieser Frage nicht verkenne, so kann ich auf diese Annahme gar nicht eingehen. In der Lage, in der wir uns befinden, |152| dürfen wir die Möglichkeit einer Handelskrisis, in Folge deren unsere Märkte mit einer großen Menge von Tüchern überschwemmt würden, nie aus den Augen verlieren; denn ich behaupte, daß wir nicht zwei oder drei solche Krisen auszuhalten im Stande wären, und bloß die Voraussicht einer solchen Krisis würde unsere Fabriken nöthigen, ihre Fabrikation zu beschränken. Ich muß hiebei auch bemerken, daß es in unserem Handelssysteme einige ehrenvolle Scrupel gibt, die in England nicht in demselben Grade bestehen. In England betrachtet man die Fallimente z.B. als viel unbedeutendere Dinge, als bei uns, und ein Kaufmann, der heute fallirt hat, kann morgen wieder von Neuem beginnen. Bei uns ist dieß anders, und dieß ist ein Grund mehr, warum wir uns hüten sollen, mit dem englischen Handel zu innige Verbindungen einzugehen, indem hier aller Nachtheil auf unserer Seite ist.

Fr. Erlauben Sie mir, auf die an Sie gerichtete Frage zurükzukommen. Die Verwaltung hält es für wesentlich zu wissen, welcher Unterschied zwischen dem möglichen Verkaufspreise in England und dem möglichen Verkaufspreise in Frankreich bestehe. Wir sammeln bloß Thatsachen, um dieselben gehörig herstellen zu können; wollen Sie daher keine Folgerungen daraus ziehen? – A. Sie besizen selbst die Mittel zur Berechnung des Unterschiedes in den Preisen der Rohstoffe, und zur Erwägung, ob man die auf diesen lastenden Zölle herabsezen kann, ohne anderen Industriezweigen, die unter dem Schuze dieser Zölle gedeihen, zu sehr zu schaden. Was mich betrifft, so muß ich erklären, daß wir als Fabrikanten uns nicht dazu hergeben können, zur Einführung eines Systemes mitzuwirken, welches wir für nachtheilig und verderblich halten; ich enthalte mich daher aller Antwort auf diese Frage.

Fr. Bemerken Sie wohl, daß wir Sie nicht um Ihre Ansicht über dieses oder jenes System befragen; wir wenden uns an Sie, als an eine der aufgeklärtesten Personen Ihres Vaterlandes, und ersuchen Sie, uns Aufschlüsse über den Preis der Rohstoffe in England, im Vergleiche der Preise dieser Substanzen in Frankreich zu geben, damit sich danach der englische und der französische Gestehungspreis berechnen läßt. Behalten Sie für einen Augenblik nur die Facta, abgesehen von allen Folgerungen, von denen ein ander Mal die Rede seyn wird, im Auge. – A. Es läßt sich keine Parität zwischen beiden Ländern herstellen, indem sie nach verschiedenen Gesezen verwaltet werden; in Frankreich besteht z.B. keine Armentare, die in England zu gewissen Zeiten die Production begünstigt.

Fr. Erlauben Sie mir darauf zu beharren, daß dieser Vergleich sehr wohl angestellt werden kann. Ich frage Sie bloß, wie hoch eine Elle Tuch dem französischen Fabrikanten kommt, und wie hoch die Elle ähnlichen Tuches dem Engländer kommt? – A. Ich verstehe Ihre Frage sehr wohl; allein ich fühle in mir einen Drang, sie nicht zu beantworten, indem ich die Folgerungen fürchte, die man allenfalls daraus ziehen möchte. Ich glaube, ich mag nun Recht oder Unrecht haben, daß Ihre Frage darauf abzielt, zu einer Differentialzahl zu gelangen, die, wenn darauf gebaut würde, uns zum Untergange führen würde. Ich erschreke vor den Resultaten, die ich voraussehe.

Fr. Wir glauben, Sie haben sehr Unrecht, zu erschreken, und ich muß Ihnen bemerken, daß diese Verweigerung der Antwort für die französische Industrie sehr ungünstig ausgelegt werden kann. – A. Wenn ich die Antwort verweigere, so geschieht dieß nicht bloß in meinem Interesse, sondern im Interesse aller derer, die den Schuz des Tarifes bedürfen. Wäre es uns nur um unser |153| eigenes Interesse zu thun, so würden wir eine Herabsezung des Zolles auf die Rohstoffe verlangen, indem wir dann wohlfeiler fabriciren könnten, und indem hieraus ein vermehrter Absaz folgen müßte. Wenn Sie aber durchaus eine Berechnung verlangen, so wollen wir sie gemeinschaftlich anstellen, und ich kann um so eher hierauf eingehen, als der Unterschied nicht so bedeutend ist, als man glauben möchte, indem die bessere Lage Englands zum Theil wieder dadurch aufgewogen wird, daß bei uns der Arbeitslohn wohlfeiler ist. Ich abstrahire jedoch, wie gesagt, immer von der Armentare, die öfter zur Erhöhung der Production beiträgt. Ich will mit dem Eisen beginnen, und bemerke hier, daß dasselbe, als Element des Gestehungspreises betrachtet, unsere Fabrikate kaum um ein Procent gegen die englischen theurer macht. Die Wolle können Sie eben so gut abschäzen, als ich; sie beträgt mehr als die Hälfte, ja beinahe 2/3 des Gestehungspreises des Tuches. Der Arbeitslohn wurde früher zur Hälfte angeschlagen; allein seit der Einführung und Verbesserung der Maschinen kommt er, oder vielmehr die Zeit nur mehr zu 1/7 in Anschlag. In Betreff der Steinkohlen ist der Unterschied enorm. Ich verbrauche jährlich, je nach dem Preise derselben, für 80 bis 100,000 Fr.; davon muß ich den vierten Theil, der zum Färben anderer Tücher als der meinigen verwendet wird, abziehen, so daß ich also zur Erzeugung meiner 2500 Stüke Tuch für 60,000 Fr. Steinkohle brauche, während dieselbe Quantität Kohle zu Halifax oder Leeds nur den vierten Theil dieser Summe kostet. Der Unterschied, den der Preis des Brennmateriales bedingt, beträgt demnach allein 3 Procent. Was die Farbstoffe betrifft, so zahlen wir auch diese in Folge des Privilegiums, welches die französische Schifffahrt in dieser Hinsicht genießt, theurer. Der Tarif fordert von dem auf französischen Schiffen eingeführten Indigo einen Zoll von 75 Proc. per Kilogr., und doch verkaufen die Rheder von Bordeaux und Marseille, auf ihr Privilegium sich stüzend, ihren Indigo eben so theuer wie die Fremden, so daß es uns oft mehr convenirt unseren Indigo in London zu kaufen, und ihn über Ostende zu beziehen, obschon er auf diesem Wege 3 Fr. 50 Cent. Zoll zahlen muß.

Fr. Die Bücher der Mauth weisen jedoch aus, daß nur der 20ste Theil des Indigo auf solche Weise bezogen wird. – A. Wenn auch nur 10 Kisten eingeführt würden, so geschähe dieß nicht ohne Roth. Ich war gleich im vorigen Jahre gezwungen, meinen Indigo von London zu beziehen. Ich kenne den Indigohandel sehr genau; denn zur Zeit, als mein Bruder unsere Tücher nach China führte, nahmen wir daselbst Thee entgegen, und kauften in Calcutta Indigo, indem wir gleichfalls von dem den französischen Rhedern zugestandenen Privilegium Gebrauch machten.

Fr. Können Sie uns die Gesammtzahl der Differenz angeben? – A. Ich bemerke, daß ich sehr Unrecht hatte, mich in diese Berechnungen hineinzuwagen, auf die ich um so weniger vorbereitet war, als ich diese Fragen umgehen zu können glaubte. Ich gab diese Erklärungen bloß, weil Sie mir sagten, daß mein Stillschweigen ungünstig ausgelegt werden könnte. Um jedoch nicht in Unrichtigkeiten zu verfallen, erlaube ich mir, mich auf eine Tabelle zu beziehen, welche Hr. Pattay im J. 1830 bey Gelegenheit der Prämie anfertigte. Dieser Tabelle gemäß, welche ziemlich genau ist, wird man finden, daß wir uns gegen England in einer Inferiorität befinden, die auf 17 1/2 Proc. angeschlagen werden kann.

Fr. Wie hoch schäzen Sie die Ersparniß an Arbeitslohn in Frankreich |154| im Vergleiche mit England? – A. Diese Abschäzung ist sehr schwierig. Die Engländer haben für jede Operation sogenannte Meisterarbeiter. Beim Rauhen z.B. hat ein Meisterarbeiter 2 oder 3 andere Arbeiter unter sich; ersterer verdient täglich 5 1/2 Schill., leztere täglich nur 2 Schill. Unsere Arbeiter beziehen keinen so hohen Lohn, wie die englischen; allein wir müssen sie von Werkführern, die sehr theuer bezahlt werden, beaufsichtigen lassen. Der französische Arbeiter hat nicht dieselbe Beharrlichkeit, wie der englische; auch sind unsere Arbeiter nicht so sehr an eine und dieselbe Arbeit gebunden; sie haben daher mehr allgemeine Kenntnisse, als die englischen, allein in einzelnen Zweigen bringen sie es zu keiner solchen Vollkommenheit, wie diese. Aus diesem Grunde müssen wir sie auch mehr beaufsichtigen. Die englischen Fabrikanten brauchen etwas weniger Leute als wir, zahlen ihnen aber etwas mehr.

Fr. Sie haben von Ihrer Ausfuhr nach China und von dem Opfer gesprochen, welches die ostindische Compagnie brachte, um die Preise daselbst herabzudrüken; wie hoch schäzen sie dieses Opfer? – A. Auf 12 bis 15 Procent. Die Compagnie verlor an den zu Canton bestehenden Vorräthen 3 Millionen, und wir hatten doch beiläufig nur für 700,000 Fr. ausgeführt.

Fr. Glauben Sie, daß Sie auf unseren eigenen Markten Concurrenz halten könnten, wenn auf die fremden Tücher nach dem Werthe derselben ein Zoll von 25 bis 30 Procent gelegt würde? – A. Ich muß zuerst bemerken, daß ein Zoll von 25 Proc. dem Wesen nach eigentlich nur einen Zoll von 12 Proc. repräsentiren würde. Es wäre unmöglich, den Werth des Tuches genau abzuschäzen, und man würde eine Menge falscher Deklarationen machen, gleichwie dieß zur Zeit des Vertrages vom J. 1786 geschah, wo man nur den dritten Theil des Zolles erhob. Allein gesezt auch, man erhöbe die Hälfte, welchen Schuz wird uns ein solcher Zoll zur Zeit einer Handelskrisis gewähren, dergleichen sich in England so häufig ereignen, und bei denen die englischen Fabrikanten auf unseren Märkten mit 40 bis 50, ja sogar mit 80 Procent Verlust losschlagen würden. Ich beziehe mich in dieser Hinsicht auf Hrn. Brice-Michel von Sct. Malo, einen angesehenen Rheder, der schon seit 15 Jahren Schifffahrt treibt, und der mich versicherte, zu Calcutta von leichten englischen Tüchern die Vare oder spanische Elle zu 1 1/2 Schill. gekauft zu haben. Bei der im Jahre 1826 eingetretenen Handelskrisis gab es englische Fabriken, die in Newyork allein 600,000 Fr. am Gestehungspreise verloren! Wäre dieß auf unseren französischen Märkten geschehen, so wären unsere Fabriken ruinirt gewesen. Seit einem Jahre, seit welcher Zeit diese Fragen besprochen werden, hält sich jeder von uns zurük, indem wir den Einbruch der englischen Tücher befürchten, und wir beklagen, im Vertrauen auf die Vertrage, so große Capitalien in unsere Fabriken gestekt zu haben. Man behauptet, daß die englische Concurrenz nöthig sey, um uns anzuspornen; allein wir haben nicht auf diese Concurrenz gewartet, um uns auf gleiche Stufe mit unseren Rivalen zu erheben. Unsere eigene Concurrenz treibt uns hinreichend an; und was meine Person betrifft, so kann ich wohl versichern, daß ich all meinen Gewinn zur Erweiterung meiner Anstalten und zur Vervollkommnung meines Industriezweiges verwendete. Allein, wenn die englischen Tücher auf dem inländischen Markte zugelassen werden sollten, so würde ich mich glüklich schäzen, wenn ich noch den dritten Theil meines Capitals retten könnte.

Fr. Die englischen Tücher dürfen doch in Belgien gegen einen Zoll von 15 Procent eingeführt werden; wenn daher die Handelskrisen so nachtheilig |155| wirken können, wie Sie sagten, so müßten wohl auch die belgischen Fabriken schon zu Grunde gegangen seyn? – A. Belgien befindet sich unter ähnlichen Verhältnissen wie England, und ich würde die belgischen Tücher beinahe noch mehr fürchten, als die englischen.

Fr. Wenn man von Seite der englischen Fabriken die Möglichkeit eines Opfers von 80 Procent annähme, welche Industrie könnte ihnen dann noch widerstehen? – A. Ich kann nicht für Belgien sprechen; allein ich muß wiederholen, daß in Frankreich, wo die Produktion bereits größer ist, als der Verbrauch, und schon bei der geringsten Abnahme der Nachfrage mit einer Unterbrechung bedroht ist, die Fabriken einer solchen Krisis, wie ich sie voraussehe, nicht zu widerstehen im Stande seyn werden. Man eröffne uns neue Absazquellen, und bewirke dadurch, daß wir unsere Production erhöhen können, und wir werden uns in einer Lage befinden, in der wir einen solchen Wettstreit eher aushalten könnten. England führte im Jahre 1833 nicht weniger als 597,000 Stüke Tuch zu 25 bis 30 Ellen aus. Elbeuf fabricirt jährlich 70,000 Stüke, d.h. den fünften Theil der Production von ganz Frankreich, welche ich aus 350,000 Stüke anschlage. Die 597,000 englischen Stüke geben 14,925,000 franz. Ellen; unsere 350,000 Stüke geben 14 Mill. Ellen; die Quantität, welche England ausführt, und deren Werth auf 6 Mill. Pfd. Sterl. angeschlagen wird, ist demnach allein größer, als die Production von ganz Frankreich.

Fr. Ist diese Annahme nicht zu hoch und nach alten angenommenen Preisen berechnet? – A. Sie basirt sich auf den declarirten Werth, und die Engländer haben kein Interesse falsch zu declariren, weil sie keine Ausfuhrprämie genießen. Die Wolle zahlt in England nur ein Waaggeld von 1/2 Procent, und ist nicht zur Wiederausfuhr gezwungen. Es ist Thatsache, daß die englischen Fabriken nicht bestehen könnten, wenn sie, wie die unserigen, nur auf den Absaz im eigenen Lande beschränkt wären. Daher beschleunigt England den Zeitpunkt, in welchem seine Producte bei uns zugelassen werden sollen, so viel in seinen Kräften steht.

Fr. In welchem Verhältnisse steht die Ausfuhr der Engländer zu ihrem eigenen Verbrauche? – A. Ich meine sie führen 4/5 ihrer Tuchfabrikate aus, und verbrauchen 1/5 bei sich; wir hingegen verbrauchen 4/5 für uns und 1/5 führen wir aus.

(Fortsezung folgt.)

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