Titel: Beschreibung einer verbesserten Jagdflinte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. LXIII. (S. 343–353)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/ar055063

LXIII. Beschreibung einer verbesserten Jagdflinte.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Als Besizer einer bedeutenden Gewehrsammlung, welche ziemlich Alles enthält, was in diesem Fache Neues von einigem praktischen Werthe bisher erfunden wurde, und als großer Jagdfreund, war ich schon längst hinsichtlich der Einrichtung der gewöhnlichen Jagdgewehre nicht ganz befriedigt. Dieß veranlaßte mich schon vor ungefähr 12 Jahren darüber nachzudenken, wie eine Jagdflinte so eingerichtet werden könnte, daß sie keinen der bisherigen Mängel mehr darbietet, und zugleich eine größere Sicherheit mit ihrem Gebrauche verbunden ist. Nach langen und mühsamen Versuchen construirte ich endlich zu damaliger Zeit eine Doppelflinte, welche von Hinten mit eisernen Patronen geladen wird, und die ich erst im J. 1827 im 1sten Oktoberhefte des XXVI. Bandes des Polytechnischen Journals, so wie auch in einigen anderen Zeitschriften bekannt machte, und zwar deßwegen so spät, weil ich zuvor durch vielfältigen Gebrauch dieses Jagdgewehres die Ueberzeugung gewinnen wollte, daß es in jeder Beziehung Alles leistet, was ich davon erwartet hatte.

Seitdem erhielt ich aus Paris mehrere französische, meiner Erfindung mehr oder weniger nachgeahmte Flinten, und zwar zuerst die eines Hrn. Pauly, welche äußerst complicirt, dabei unbequem und sehr theuer, aber vortrefflich gearbeitet ist; hierauf eine von Hrn. Plondeur erfundene, die auch vorzüglich gearbeitet, allein in ihrem Mechanismus so zusammengesezt und so kostspielig ist, daß nicht viele Liebhaber sich entschließen möchten, sich ein solches Gewehr anzuschaffen, besonders da es bei öfterem Gebrauche bald Schaden leidet.

Kaum hatte Hr. Robert seine neue Gewehreinrichtung bekannt gemacht, welche von Vielen für das Non plus ultra gehalten wird, als mir eine sehr schöne Doppelflinte nach seiner Construction zukam, so wie auch ein trefflich gearbeiteter Zwilling des Hrn. Pottet.

Die Erfindung des Hrn. Pauly hatte lange Zeit sich der Ehre zu erfreuen, die hohe Protektion des großen Jagdfreundes Karl X zu besizen; sie scheint aber nur dazu geeignet, einen Herrn, welchem Duzende von Jägern zu Diensten stehen, befriedigen zu können, denn |344| die Behandlung einer solchen Flinte erfordert nothwendig mehrere Augen und Hände, indem in jede papierne Patrone eine durchbohrte mit einer messingenen Kappe versehene Schraube eingeschraubt werden muß, um dann ein Knallkörnchen als Zündkraut aufsezen zu können; sie möchte auch immer auf der Jagd einen mit seinem Werkzeuge versehenen Büchsenmacher nicht überflüssig machen. Alle hier erwähnten Gewehre werden, so wie das von mir schon vor 12 Jahren erfundene, ebenfalls von Hinten geladen, aber nicht mit eisernen, sondern mit papiernen Patronen, deren Anfertigung nicht nur sehr zeitraubend ist, sondern auch Geschiklichkeit erfordert. Die größte Genauigkeit ist unumgänglich nöthig, um solche Patronen anwenden zu können, denn sowohl das Schießpulver, als auch das Blei, womit sie gefüllt werden, müssen mit der größten Festigkeit hinein gepreßt werden, damit die Patronen, welche sehr genau in die Läufe passen müssen, keine Runzeln bekommen, sonst möchten sie schwerlich eingeschoben werden können. Davon abgesehen fragt es sich, ob das mit Zwang in diese Patrone eingepreßte Schießpulver nicht zum Theil zu Mehlpulver zerquetscht wird, wo alsdann der Schuß an seiner Kraft unausbleiblich verlieren müßte? Auch möchte ich diejenigen, welche viel mit solchen genau passenden Patronen schießen, fragen, ob es nicht oft vorgekommen ist, daß der Pulverdampf und Ruß, der sich nach mehreren Schüssen in den Läufen ansezt, es nicht nothwendig macht, dieselben zu reinigen, um die Patronen ohne Hinderniß einschieben zu können? Ich weiß, daß viele gute Jäger, nachdem sie die Eigenschaften solcher schönen Gewehre kennen gelernt hatten, erklärten, daß sie ihnen ihre gewöhnlichen Flinten vorziehen; eine genaue Prüfung der Sache ergibt auch, daß dieses Urtheil nicht aus Vorliebe für das Gewohnte entsprang. Man darf auch nicht übersehen, daß diese Patronen von verschiedenfarbigem Papier gemacht oder numerirt werden müssen, damit man sich, da sie sehr dicht verleimt sind, merken kann, welche Schrotnummern sie enthalten; denn eine Verwechselung müßte ärgerlich seyn, und wollte man auf 36 Schritte, falls aus Versehen mit Becassinschrot geladen wäre, einen Fuchs oder einen Rehbok schießen, so müßte offenbar Samiel helfen, wenn nicht gepudelt werden sollte. Die Verfertiger solcher Gewehre pflegen ihre Abnehmer auch mit Patronen dieser Art von verschiedenen Schrotnummern zu versehen, die sehr elegant sind; ich besize deren sogar rosafarbige! Mit den Flinten von der Erfindung des Hrn. Robert wurden mir keine buntfarbigen Patronen zu Theil, sondern weiße papierne; sie sind mit einer Zündröhre (stupile) versehen, die mit chemischem Pulver gefüllt ist, und durch deren Zerquetschung die Entladung des Schusses bewirkt wird. |345| Diese Zündröhren oder auch Zündnadeln, wie sie genannt werden, steken zur Hälfte ihrer Länge in dem mit Pulver ausgefüllten Raum der Patronen. Damit nun derjenige Theil dieser Zündröhren, welcher herausragt, geschüzt ist, so hat jede Patrone einen papiernen Ueberzug, eine Art Futteral, welcher an dem Theil, der die Zündröhre bedekt, mit einem eingekerbten Stükchen Holz versehen ist, und vor dem Laden abgezogen wird. Es scheint mir indessen, daß wenn die Patronen des Hrn. Robert sehr dicht und hart gemacht und die Zündröhren darin fest eingezwängt und eingeleimt würden, dieser Ueberzug überflüssig wäre. Die Erfindung des Hrn. Robert hat indessen mit der Art und Weise und in der Schnelligkeit, mit welcher geladen wird, mit der von mir vor 12 Jahren gemachten eine große Aehnlichkeit; nur bedient er sich keiner eisernen Patronen, so wie ich, und sein Gewehr spannt sich durch einen besonderen Mechanismus sogleich und bleibt gespannt, wenn die Bedekung aufgelupft wird, um die Patronen in die Läufe einschieben zu können. Uebrigens Ehre dem Ehre gebührt! Hr. Robert hat das große Verdienst, den Mechanismus der Gewehre sehr vereinfacht, so wie zugleich, indem er sich der Zündröhren (stupilés) statt der allgemein angewandten Zündhütchen bedient, manche Nachtheile der lezteren beseitigt zu haben. Unter diese Nachtheile zähle ich besonders, daß es öfters geschieht, daß durch den Schlag des Hahns und das dadurch bewirkte Zerplazen des Zündhütchens kleine Metallbroken die Oeffnung des Pistons verstopfen, besonders wenn diese klein ist, um die Kraft des Schusses so wenig als möglich zu schwachen. Darauf nahm ich auch bei dem von mir erfundenen Gewehr, welches unten beschrieben ist, besonders Rüksicht. Schade, daß Hr. Robert bei seiner sehr sinnreichen Erfindung die Sicherheit der Schnelligkeit geopfert hat, und man bei einer solchen Flinte, nachdem man geladen hat, genöthigt ist, immer ein gespanntes Gewehr zu tragen. Ich werde mir alle Mühe geben, bei der Benuzung des sehr verdienstlichen Mechanismus des Hrn. Robert diesen Nachtheil zu beseitigen, und sollte es mir gelingen, nicht anstehen, es bekannt zu machen. Zu bemerken ist auch noch, daß alle Gewehre, welche von Hinten mit papiernen Patronen geladen werden, meistens nach jedem Schuß ihre Hülsen in den Läufen zurüklassen, und diese Hülsen erst herausgenommen werden müssen, um eine frische Patrone einschieben zu können. Oft hängen sich diese Hülsen sehr fest an, besonders nachdem oft geschossen worden ist, denn hier findet kein hinlänglicher Schuz statt, weder vor Pulverdampf noch vor dem Ruß, die jedes Schießpulver mehr oder weniger nach jedem Schuß zurükläßt, was bei meinen eisernen Patronen nicht der Fall seyn kann.

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Dadurch geht nur Zeit verloren, während doch die Erfindung des Hrn. Robert hauptsächlich auf Zeitgewinn berechnet zu seyn scheint.

Was die Erfindung des Hrn. Pottet anbelangt, der, wie es scheint, die erste Anwendung der Spiralfedern (ressorts à Boudins) sich aneignet, so ist schon früher im Polytechnischen Journale angemerkt worden, daß sich der Hr. Patentträger darin eine kleine Licencia poetica erlaubt; denn seit länger als 20 Jahren besize ich Büchsen-Zwillinge und einfache Flinten in meiner Sammlung, welche alle à Percussion eingerichtet sind, deren Stoßkraft durch Spiralfedern (ressorts à Boudins) bewirkt wird. Im übrigen ist die Erfindung, auf welche Hr. Pottet Anspruch macht, recht zwekmäßig, und er hat auch, was die Vorbeugung der Gefahr anbetrifft, besser gesorgt, als Hr. Robert; der Mechanismus seines Gewehres ist aber nicht so einfach, wie er behauptet, und ich mußte für seine Doppelflinte, an welcher außer der sehr sparsamen Gravirung ihrer Garnitur sonst gar keine Verzierungen angebracht sind, den unverhältnißmäßigen Preis von 1000 Franken bezahlen; es scheint, daß Hr. Pottet seine rosafarbenen gefüllten Patronen, womit ich versehen wurde, so wie einiges Zubehör zu ihrer Verfertigung, ihrer Zierlichkeit wegen etwas hoch anrechnet. Ich hielt es für zwekmäßig, alles das bisher Gesagte voraus zu schiken, bevor ich das von mir construirte Gewehr zu beschreiben beginne, und zwar aus dem einfachen Grunde, um die Leser dieses Journales in Stand zu sezen, Vergleichungen anstellen zu können, und dann meine Erfindung gehörig zu beurtheilen.

Ich habe bei meinem Gewehre theils früher von mir Erfundenes mit neu Erdachtem verbunden, theils brauchbare, von Anderen angegebene Mechanismen benuzt; so findet man an demselben die Spiralfedern, welche mir längst als zwekmäßig bekannt waren; bei einem anderen Gewehre habe ich an Statt derselben halbe verdekte Schlösser mit Schlagfedern angewendet, aus dem Grunde, weil sie weniger brechen, als jene, und wenn ja dieser Fall vorkommen sollte, von jedem mittelmäßigen Arbeiter leicht wieder ersezt werden können.

Dieses neue Gewehr wird eben so, wie mein schon vor zwölf Jahren erfundenes, von Hinten mit eisernen Patronen geladen. Die Patronen werden aber ganz verschieden von den früheren angefertigt, und haben tief im Innern verschraubte und verlöthete Schwanzschrauben, auf welchen die Pistons zur Aufnahme der Zündhütchen angeschraubt sind, und zwar so, daß dieser hintere Theil der eisernen Patronen so weit hervorragt, daß die Zündhütchen davon hinlänglich beschüzt sind, und, wenn ja bei dem Laden der Patronen eine solche auf einen harten Körper fällt, sie dadurch keinen Stoß |347| erleiden, und eine Entladung derselben Statt finden könnte. Ich brauche kaum zu erwähnen, daß diese Patronen eben so geladen, und mit ihren tiefliegenden Zündhütchen versehen werden, als wie jedes gewöhnliche Gewehr, und man sie so Monate lang vorräthig geladen lassen kann, wie dieses manche Jäger zu thun pflegen, welche eben deßwegen vor dem sogenannten Nachbrennen nicht sicher sind.

Eine an dem Bügel des Gewehrs angebrachte Einrichtung mit einer Feder bewirkt, wenn sie vorgeschoben wird, daß die Läufe, welche ebenfalls auf einer Feder ruhen, und statt des hölzernen Vorderschaftes in einer von Eisen verfertigten, genau anpassenden und mit einem Charnier versehenen Einfassung aufliegen, sich sehr schnell nach Vorne zu senken, und zwar so viel als es nöthig ist, um die eisernen Patronen in die Läufe einschieben zu können. Ist dieses nun geschehen, so klappt man mit einem leichten Druk die Läufe wieder in ihre gewöhnliche Lage zu, spannt die kleinen Hähne, und drükt ab. Damit der Dampf, der aus der Oeffnung des Pistons herauskommt, sich nicht wegen Mangel an einem Ausgang ansezen, und dadurch zu manchem Nachtheil Anlaß geben kann, so ist jede Patrone an dem oberen Theil derselben, auf welchem eine kleine vierekige Erhabenheit (wegen welcher die Flintenläufe aufgeschlizt sind) aufgelöthet ist, mit einem Loche versehen, welches groß genug ist, daß bei jedem Schusse der Pulverdampf herauskommen kann, und auch um die Patronen bequem herausnehmen zu können. Ein dicht vor dem Ort, wo der Hintere Theil der geladenen Patrone zu liegen kommt, angebrachter Cylinder, der von Außen wie ein verlängertes Stük eines doppelten Laufes aussieht, enthält statt eines anderen Schlosses die Spiralfedern (ressorts à Boudins), welche einen Bolzen mit Kraft vorwärts stoßen, wenn durch die Drüker die gespannten Spiralfedern sich plözlich ausdehnen. Die inneren Zapfen der Hähne sind vorsezlich zum Spannen nicht bloß mit einer einzigen Raste in der Nuß versehen, sondern sie haben deren zwei, und zwar deßwegen, weil, wenn sie in Ruhe sind, und durch irgend eine zufällige Hebung der Hähne aus derselben kommen, alsdann die Bolzen durch die kaum gespannten Spiralfedern keine hinlängliche Kraft haben können, die Zündhütchen, da sie in dieser Lage denselben ganz nahe stehen, zu zerquetschen. Auch können die Bolzen durch die Hähne ganz sanft hervor gelassen werden, und so zwar, daß sie auf den Zündhütchen ruhen, ohne daß man eine Entladung des Schusses befürchten dürfte, wenn sie schnell etwas gehoben würden. Hiedurch zeichnen sich die Spiralfedern vor den sogenannten Schlagfedern sehr vorteilhaft aus, denn ich möchte Niemand |348| rathen, der gewöhnliche Percussionsschlösser an seinem Gewehre hat, die Hähne auf die Zündhütchen herabzulassen, und deßwegen sich und Andere sicher zu glauben, da die geringste schnelle Hebung derselben, und wäre es auch nur um einen halben Zoll, die Entladung des Schusses gar leicht bewirken könnte. Leider fehlt es nicht an vielen Unglüksfällen, welche dieser Meinung und leider sehr verbreiteten Gewohnheit ihre Entstehung verdanken. Sollte ja dennoch einiger Zweifel sich erheben, daß bei meiner Erfindung die herabgelassenen Hähne möglicher Weise durch das plözliche Brechen einer Nuß, Raste oder der Stange zu einer unwillkürlichen Schußentladung Anlaß geben könnten, so braucht man, um sich ganz zu sichern, während man das Gewehr auf der Achsel trägt, bloß auf die am Bügel angebrachte Vorrichtung einen kleinen Druk auszuüben, um die Läufe aus ihrer Lage zu bringen, wo es alsdann dem Bolzen unmöglich wird, die Zündhütchen zu berühren. Ueberdieß ist die Art und Weise, mit welcher mein Gewehr geladen und entladen wird, so leicht und so äußerst schnell, daß es wahrlich keine Mühe kosten kann, seine Patronen herauszunehmen, und daher hinsichtlich der gänzlichen Hebung der Gefahr Alles zu thun, was jedes Unglük ganz unmöglich macht. Die Gewehre nach meiner Einrichtung haben also wegen der eisernen Patronen, mit welchen sie geladen werden, nicht bloß hinsichtlich der Schnelligkeit des Ladens einen Vorzug, sondern der Schüze ist dabei auch vollkommen sicher, daß, spränge auch eine solche Patrone, ihm eben so wenig Schaden zugefügt werden kann, als den Läufen, worin die Patronensprengung erfolgte. Dieses leuchtet Jedem ein, der nur einige physikalische Kenntnisse besizt, indem der auch noch so geringe Luftraum, welcher sich zwischen den genau angepaßten Patronen und den Läufen befindet, völlig dazu hinreicht, um diese zu isoliren, und bei dem Versprengen der Patronen es zu verhindern, daß die Läufe Schaden leiden.

Ich erwähnte bereits, daß es öfters geschieht, daß durch das Zerquetschen der Zündhütchen sich kleine Broten derselben absondern, und durch den Schlag des Hahnes, welcher als eine Art Hammer zu betrachten ist, in die Pistonsröhre fest eingetrieben werden, weßwegen ich die Anwendung der Zündröhren (stupilés) als Zündkraut vorzöge. Die Erfahrung hat mich indessen belehrt, daß dieser Nachtheil nicht vorhanden ist, wenn die Zerschlagung der Zündhütchen auf diejenige Art wie bei meinem Gewehre bewirkt wird. Um dieses zu beweisen, braucht man nur, so wie ich es gethan habe, 100 Zündhütchen nach einander verknallen zu lassen, und dabei jedes Mal die Patrone, welche zu dieser Prüfung gebraucht wird, zu untersuchen, |349| um sich zu versichern, ob der Piston durch kleine Metallbroken verstopft worden sey. Da der Schlag, der durch die schnelle Ausdehnung der Spiralfeder bewirkt wird, bei weitem nicht so stark ist, als bei den sogenannten Schlagfedern, und derselbe bei meinem Gewehre eher nur einem Stoß ähnlich ist, so scheint mir hierin die Ursache zu liegen, daß sich auf diese Weise die Pistons nicht leicht verstopfen. Auch kommt es viel darauf an, ob das Metallhütchen zähe oder spröde ist, und es wäre zu wünschen, daß die Zündhütchen-Fabrikanten ihre zu verarbeitenden Metallplatten so geschmeidig als möglich durch das öftere Ausglühen derselben zubereiten möchten. Da meine eisernen Patronen geladen, und mit ihrem Zündkraut versehen, in einer besonders dazu eingerichteten Tasche, welche um den Leib geschnallt wird, aufbewahrt werden, so sind auch die Pistons, worauf die Zündhütchen aufgesezt sind, geringelt, um zu vermeiden, daß leztere nicht herabfallen können. Diese Patronen sind hinreichend lang, um drei volle Ladungen aufnehmen zu können, und sie wurden sämmtlich gehörig geprüft, nicht etwa um sich zu versichern, daß man durch das Zerspringen einer derselben keine Verlezung zu befürchten habe, denn dieses ist unmöglich, sondern nur um sich zu versichern, daß keine zerspringen kann, wenn sie gehörig, d.h. nicht hohl geladen wird. Obgleich ich schon früher in einigen Journalen mich über die vollständige Gefahrlosigkeit meiner eisernen Patronen geäußert zu haben erinnere, so glaube ich doch, da dieses vielleicht von vielen verehelichen Lesern vergessen seyn mag, nichts Ueberflüssiges darüber zu sagen, wenn ich dasjenige wieder erwähne, was mir mit zwei solchen Patronen, welche zerplazten, begegnet ist. Als mein äußerst geschikter Büchsenmacher, Hr. Sailer, ein denkender Künstler, in meiner eigenen vollständig eingerichteten Werkstatt, eben damit beschäftigt war, einen rohen Flintenlauf zur Verfertigung von eisernen Patronen abzuschneiden, zeigte er mir ein Stük Rohr, welches unganz und also unbrauchbar war. Dieß verschaffte mir Gelegenheit, zu beweisen, daß die Zerplazung meiner Patronen weder dem Schüzen noch dem Flintenlaufe im mindesten nachtheilig seyn könne; ich ließ nämlich die unganze Patrone wie jede andere bearbeiten, und dann sehr stark laden, damit sie wo möglich die erste Probe nicht aushalten sollte. Mein Büchsenmacher nahm auch nicht den geringsten Anstand, mein Gewehr an den Baken zu nehmen, und ein sehr heftiger und etwas pfeifender Knall, ohne aber nach seiner Behauptung ihm einen starken Stoß beigebracht zu haben, überzeugte uns gleich, daß unser Zwek, diese schlechte Patrone zu zerspringen, vollkommen erreicht sey. Sie war von Oben herab zerrissen; aber ihre verlöthete und genau eingeschraubte |350| Schwanzschraube lag noch fest überall, wo die Patrone noch ganz war. Weder an dem Flintenlauf noch sonst wo, war auch nur die mindeste Spur des Vorgegangenen wahrzunehmen, sondern Alles im normalen Zustande geblieben. Auf der Schnepfenjagd begegnete es mir einst, daß mein Jäger mir eine solche eiserne Patrone, mit welcher ich schon recht oft seit mehreren Jahren geschossen hatte, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gehörig lud, denn bei der Erlegung einer Schnepfe zerplazte sie; ich merkte hiebei aber nichts, als daß der Schuß viel stärker knallte, als gewöhnlich, und einen besonderen Ton vernehmen ließ. Als ich aber meine Patrone herausnehmen wollte, um eine geladene einzuschieben, konnte ich dieses nur mittelst eines eisernen Ladstokes, weil meine Patrone bei ihrem Zerplazen sich ihrer Länge nach, so weit sie konnte, ausgedehnt und fest in den Flintenlauf, als wäre sie darin mit aller Gewalt eingezwängt worden, eingerammt hatte. Ich glaube, daß das hier Gesagte nicht wenig dazu beitragen wird, meine Erfindung zu empfehlen, denn ich habe doch wahrlich kein anderes Interesse dabei, als den Wunsch, daß eine nüzliche und aller Gefahr vorbeugende Erfindung als solche unparteiisch beurtheilt und angewandt werde. Wer sich nur einmal eines solchen Gewehres auf der Jagd bedient haben wird, der wird nimmermehr ein anderes gebrauchen. Ich habe die Wahl unter einer großen Zahl von Flinten, und besize Alles, was nur Anspruch auf Brauchbarkeit machen kann, allein so weit würde wahrlich nicht meine Vorliebe für meine eigene Erfindung gehen, daß ich als leidenschaftlicher Jagdfreund mich vorzugsweise derselben bedienen sollte, hätte ich nicht die völlige Ueberzeugung gewonnen, daß sie die vorzüglichste ist. Dieses zu meiner Rechtfertigung. Ehe ich auf die Beschreibung der einzelnen Theile meiner neuen Erfindung übergehe, will ich noch Einiges für diejenigen bemerken, welche einen besonderen Werth auf die schnellste Art zu laden legen, und ein Mittel angeben, welches ihnen, besonders wenn sie es mit meinem Gewehre angewendet haben werden, nicht leicht etwas zu wünschen übrig lassen wird. Um meine eisernen Patronen noch schneller und viel leichter als auf gewöhnliche Art zu laden, braucht man nur sich dazu der von Hrn. Sellier, dem rühmlich bekannten Fabrikanten und Verbesserer der Zündhütchen, erfundenen Patronen zu bedienen, welche besonders für das mit Percussionsgewehren versehene Militär äußerst vortheilhaft sind, und die ich schon an mehreren Orten empfohlen habe.59) Diese Patronen sind wie die gewöhnlichen von Papier verfertigt, |351| und müssen verleimt seyn. Am vorderen Ende derselben, wo das Blei zu liegen kommt, wird ein rundes Stük diken Filzes, das ein rundes Loch in seiner Mitte hat, in die Patrone eingeleimt, um in dasselbe ein Zündhütchen einsteken zu können, welches durch die Elasticität des Filzes aufgehalten, nicht herausfallen kann. Um zu laden, nimmt man die Patrone in die rechte Hand, und sezt das Zündhütchen auf den desfalls geringelten Piston auf; man wird dann finden, wie leicht das vor dem Herausfallen durch die Anwendung des Filzes geschüzte Zündhütchen abgeht. Hierauf wird wie gewöhnlich geladen, aber etwas stärker mit dem Ladstok aufgesezt, wenn man ohne Patronen ladet. Diese papiernen Patronen muß man aber, wie alle mit Schrot gefüllten, zeichnen, um zu wissen, welche Schrotnummer sie enthalten. Sie sind nicht schwer zu machen, aber man braucht einen gut gehärteten Durchschlag, der genau mit dem Kaliber der Flintenläufe übereinstimmt, um die kleinen Filzplatten weder zu groß noch zu klein schlagen zu können.

Hier folgt nun die einzelne Beschreibung meines Gewehres nach der Zeichnung.

a sind die Läufe, welche hinten genau so lang und so weit ausgebohrt sind, daß die eisernen Patronen hinein geschoben werden können, um dann in dem eisernen und broncirten Vorderschaft b genau passend ruhen zu können. c stellt eine von den eisernen Patronen vor, deren mehr als 12 Stüke zu besizen ich für überflüssig halte. d ist der ganze (und d' einer der einzelnen) Behälter der Spiralfedern (ressorts à Boudins), welcher in einen Zapfen passend, auf einem starken Eisenstük in den vorderen Schaft festgeschraubt wird, und dazu dient, sowohl die Patronen fest anzudrüken, als auch zu verhindern, daß, wenn geschossen wird, sie nicht zurükprellen können. e ist der Drüker oder Schluß, welcher in die Gabel am unteren hinteren Theil mit einem Charnier befestigt wird, und durch die Feder f bei dem Hinunterdrüken der Läufe auf den aufgeschraubten Stahl am Vorderschaft einschnappt. g ist der eine Kolben, welcher durch die um denselben herumgewundene Spiralfeder auf das Zündhütchen kräftig getrieben wird, und ganz genau passend gemacht, gar keine Schwankung desselben gestattet. h stellt einen kleinen, bloß der äußerlich sichtbaren Spannung wegen an der Seite angebrachten Hahn vor; i eine Nuß, deren zwei nöthig sind; k ist eine der Stangen; l eine Stangenfeder; m ist ein Gelenk, welches mit dem Kolben und der Nuß in Verbindung steht; n ist der Zapfen der Nuß, an welchem der Hahn angebracht wird; o ist eine Schraube, welche mit dem daneben gezeichneten Schraubenschlüssel |352| o in den Spiralfederbehälter eingeschraubt, die Spiralfedern einspannt; p ist der hölzerne Schaft; q ist eine Feder, welche dazu dient, mit ihrem Drüker die Kolbenkappe zu schließen; r ist einer der Drüker; s ist der Theil, welcher dazu bestimmt ist, die Läufe in dem Vorderschaft fest zu halten; t ist ein starkes und langes Eisen, welches dazu dient, nicht nur den Hals des Schaftes zu verstärken, sondern auch um als Dekel alles darin Angebrachte zu schüzen; u ist der Bügel über den Drükern; v bedeutet einen Drüker mit seiner Feder, wodurch die Garniturkappe aufspringen kann; unter diesem liegt im Schaft ein Behälter für die Zündhütchen, der eiserne kurze Ladstok mit seinem Kräzer, die Ladung, und eine mit einem Knopf versehene Räumnadel.

Dieses Gewehr zeichnet sich übrigens auch durch seine meisterhafte Ausführung und geschmakvolle Verzierung aus. Ich ließ kürzlich durch meinen Büchsenmacher Sailer auch ein anderes Gewehr nach demselben System verfertigen, nur mit dem Unterschiede, daß die Stoßkraft zur Zerquetschung der Zündhütchen nicht durch Spiralfedern, sondern durch Schlagfedern mit sogenannten Halbschlössern erzeugt wird. Dieses Zwillingsgewehr schießt ganz vorzüglich, sowohl Schrot als Kugeln. Auch ließ ich dazu eine von denen Doppelkugelformen verfertigen, die ich schon vor mehreren Jahren erdacht, und in der Aschaffenburger allgemeinen Forst- und Jagdzeitung bekannt gemacht habe. Denjenigen verehrlichen Lesern dieses Journals, welchen sie nicht bekannt ist, möge zur Notiz dienen, daß ich, nachdem ich häufig die Erfahrung gemacht hatte, daß gar viele Flinten zwei Kugeln nicht gehörig nahe an einander schießen, man mag die Pulverladung verstärken oder schwächen, auch die Kugeln aufschlizen, und was die Jäger gemeiniglich auf einander schrauben heißen, auf den Gedanken kam, einen Kugelmodel verfertigen zu lassen, worin zwei Kugeln neben einander gegossen werden, und zwar so, daß solche an einander hinlänglich hängen, um nicht gleich nach dem Schusse sich zu trennen. Mein Versuch gelang vollkommen, denn wenn ich meine Flintenladung nach der Stärke des Pulvers berichtigte, so hatte ich sehr oft die Freude, auf eine Weite von 80, 100, ja sogar von 120 Schritten, meine zwei Kugeln sehr nahe an einander einschlagen zu sehen. Bisweilen geschah es sogar, daß sie sich auf 80 bis 90 Schritte wenig oder gar nicht trennten. Diese Kugeln werden in dünnen Barchent fest eingenäht, dann mit Unschlitt eingelassen, und, da sie genau in die Läufe passen, auf dieselbe Art wie bei den Kugelstuzen gepflastert. Da meine eisernen Patronen das Kaliber meiner Flintenläufe ungeachtet ihrer gehörigen Dike und Stärke von dem Augenblik an halten, wo in |353| den Läufen die Widerstandskolbung derselben aufhört, so haben meine Kugeln das gehörige Kaliber, welches mit den gewöhnlichen Scheibenbüchsen übereinkommt. Auch habe ich noch nie, wenn ich traf, was als eine Folge langer Uebung meistens auf gehörige Weite der Fall ist, gefunden, daß meine zwei Kugeln nicht hinlängliche Kraft gehabt hätten, um Knochen und andere harte Theile, sowohl bei Hirschen als bei Wildpret, zu zerschmettern, daher ich diese Doppelkugeln als bewährt empfehlen kann.

Wenn mein Gewehr übrigens gegen manche andere ziemlich complicirt erscheinen sollte, so wird man diesen Umstand wohl dadurch entschuldigen, daß ich besonders die vollkommenste Sicherheit des Gebrauchs dabei zu erreichen suchte.

Damit man die Federn meiner Flinte nicht gar zu stark zu machen braucht, wodurch ihre Spannung durch die kleinen Hähne erschwert würde, so muß man eine Gattung von Zündhütchen wählen, welche von sehr weichem Metall verfertigt sind; ich kann hiezu ganz besonders die Zündhütchen, vornehmlich die weißen, aus der Fabrik der HH. Collenbusch und Dreise in Sömmerda empfehlen, welche mit einem Adler bezeichnet und deren Zündmassen mit einem Metallplättchen bedekt sind. Manche Büchsenmacher begehen den Fehler, daß sie die Pistons nicht ganz genau nach der Größe der Zündhütchen, deren man sich gewöhnlich bedienen will, bearbeiten, wodurch es dann freilich öfters geschieht, daß keine gehörige Entzündung erfolgt. Dieses geschah mir sogar öftens mit den vortrefflichen von den HH. Sellier und Bellot erfundenen gespaltenen Zündhütchen, und aus keinem anderen Grunde, als weil der Piston zu stark war, und der Widerstand des Zündhütchens ungeachtet des heftigen Aufschlagens des Hahns die Zündmasse nicht nahe genug auf den Piston brachte, um zermalmt werden zu können, und also sich zu entzünden.

Heinrich, Herzog von Würtemberg,
mehrerer gelehrten Gesellschaften theils wirklichem, theils
Ehrenmitgliede.

|350|

Es ist mir kaum begreiflich, daß man auf diese für das Militär nicht genug zu lobende Erfindung bis jezt nicht mehr Rüksicht genommen hat.

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