Titel: Ueber die Benuzung verschiedener Faserstoffe statt Hanf und Flachs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. XII./Miszelle 31 (S. 78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/mi055012_31

Ueber die Benuzung verschiedener Faserstoffe statt Hanf und Flachs.

Hr. George Harris Esq., von Gast Dulwich in der Grafschaft Surrey, ließ sich am 1. Junius 1833 bekanntlich ein Patent auf eine neue Methode, verschiedene vegetabilische Faserstoffe, die bisher noch nicht zu diesem Zweke verwendet wurden, zu verschiedenen neuen oder solchen Artikeln zu verarbeiten, welche bisher aus Hanf und Flachs erzeugt wurden, ertheilen. Das London Journal of Arts gibt nun in seinem neuesten Oktoberhefte, S. 107 einen Auszug aus diesem Patente folgenden wesentlichen Inhaltes. Die Faserstoffe, welche der Patentträger verarbeitet, bestehen aus Palmenstrünken und vielerlei anderen in den Tropenländern Asiens, Afrika's und Amerika's wachsenden faserigen Pflanzen. Die erste Zubereitung erhalten diese Stoffe gegenwärtig schon in den Ländern, in denen sie wachsen; und diese Zubereitung, welche der Patentträger nicht als seine Erfindung in Anspruch nimmt, besteht gewöhnlich darin, daß man die Stängel, Strünke etc. der Länge nach spaltet, 24 Stunden und darüber in heißes oder kaltes Wasser einweicht, und dann, um sie von den markigen Substanzen zu befreien, wie Zukerrohr durch Walzen laufen läßt. Die hiedurch ausgepreßten Stängel etc. werden in Bündel gebunden, in fließendes Wasser eingeweicht, und endlich, nachdem sie an freier Luft und an der Sonne getroknet worden, verpakt und nach Europa versendet. Hier nun beginnt erst das Verfahren, durch welches sie der Patentträger zum Hecheln und Spinnen vorbereiten will. Er legt diese Stoffe nämlich in Schichten von 1/2 Zoll Dike kreuzweise in einen kupfernen Kessel oder in ein anderes geeignetes Gefäß, und streut zwischen jede Schichte eine bestimmte (in der Patentbeschreibung, nicht angegebene) Quantität eines aus gleichen Theilen Soda, Potasche und Aezkalk bestehenden Gemenges. Wenn der Kessel auf diese Weise gefüllt ist, so sprizt er oben so lange Seewasser darauf, bis der Kessel vollends damit gefüllt ist. In Ermangelung des Seewassers kann man auch eine Kochsalzauflösung, der auf 10 Gallons Wasser eine Unze Aezkalk zugesezt wurde, anwenden. In diesem Zustande läßt man die ganze Masse eine gute Zeit über kochen, wobei man den Kessel immer im Maaße des Verdünstens mit Wasser auffüllt. Die Zeit des Siedens hängt von der Qualität des Materiales, welche sich bloß durch die Erfahrung ermessen läßt, ab. Nach diesem Sieden wird der Faserstoff gut ausgewaschen, getroknet, und endlich unter die Hechel gebracht. Man kann die Masse statt des Siedens eben so gut auch mit Wasserdampf behandeln. – Unsere Leser weiden hieraus ersehen, daß an dem ganzen Patente nichts Neues ist, sondern daß dasselbe lediglich auf einer schon von mehreren Reisenden empfohlenen Behandlung der Palmstrünke, Pisangstängel, Agaven- und Ananasblätter etc. beruht. Wir bemerken nur, daß in Frankreich in neuester Zeit verschiedene Fabrikate aus derlei Faserstoffen zu Markte kamen.

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