Titel: Ueber Hrn. Lemare's neuen Ofen, Pantotherme genannt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. XXVIII./Miszelle 12 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/mi055028_12

Ueber Hrn. Lemare's neuen Ofen, Pantotherme genannt.

Hr. Lemare in Paris, Quai Conti, ist bereits durch seine Kaffeekannen, leine Filtrir- und künstlichen Brütapparate, seine Feldkessel, seine Sparherde und |160| Sparöfen, und durch jene Apparate, mittelst welcher man für 4 Sous ein Bad und die zum Abtroknen nöthige Wäsche wärmen kann, sowohl in Paris, als anderwärts rühmlich bekannt. Eine neue Erfindung von ihm, die man zuerst bei der lezten Industrieausstellung in Paris sehen konnte, bewährte seinen Ruf neuerdings. Sie besteht in einer Art von Ofen, dem er den Namen Pantotherme gab, weil in ihm alle Wärme nüzlich verwendet werden soll. Die ganze Vorrichtung hat nicht mehr als 30 Zoll Höhe und 10 bis 12 Zoll im Durchmesser, und dessen ungeachtet kann man mit deren Hülfe und mit 2 1/2 Pfd. Holz ein Gemach von 10 Fuß im Gevierte nicht weniger als 3 Stunden lang heizen. Sie ist so einfach, daß sie an allen Oefen angebracht werden kann, und der Apparat, in welchem der Rauch circulirt, läßt sich mit nichts besser vergleichen, als mit einer Archimed'schen Schraube. Diese Schraube befindet sich in einem Gehäuse, in welches die Luft von Unten eintritt, um dann, nachdem sie sich auf einer Oberfläche von mehr dann 8 Quadratmeter erhizt, durch Wärmelöcher, welche sich leicht öffnen und verschließen lassen, wieder auszutreten. Die Röhre dieses Ofens ist kurz und der Feuerherd außerordentlich klein, so daß, wenn man auch wollte, nicht viel Brennmaterial auf denselben gebracht werden könnte; ein Umstand, der vorzüglich dann von großer Wichtigkeit wird, wenn Dienstboten das Heizgeschäft vollbringen. Die Luft erhizt sich, indem sie durch acht spiralförmig gestellte Trommeln circulirt, und die Wärme wird so gut verwerthet, daß das Ofenrohr schon in geringer Entfernung ganz kühl ist. Ein Ofen dieser Art, welcher in einem Hause in Paris angebracht ist, heizt mit 30 Kilogr. Steinkohlen einen Raum von 18000 Kubikfuß, nämlich ein großes Vorzimmer und eine Stiege von 40 Fuß Höhe; das Rohr, welches 7 Zoll im Durchmesser hat, ist gleich am Anfange des Rauchfanges vollkommen kühl. Ein gewöhnlicher Ofen dieser Art kostet, je nachdem er aus Eisen- oder Kupferblech besteht, 60 bis 80 Fr. Wir können, bemerkt daß Journal des connaissances usuelles in seinem lezten Novemberhefte, die ganze Vorrichtung wegen ihrer Einfachheit sowohl, als wegen der Leichtigkeit sie unterzubringen, und wegen der damit bedingten Ersparniß an Brennmaterial nicht genug empfehlen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: