Titel: Ueber den Bakofen der HH. Lemare und Jammetel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. LVI./Miszelle 12 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/mi055056_12

Ueber den Bakofen der HH. Lemare und Jammetel.

Das Journal des connaissances usuelles, November 1834, S. 254 gibt folgende Notiz über einen höchst sonderbaren Bakofen, auf welchen sich die HH. Lemare und Jammetel in Paris kürzlich ein Patent ertheilen ließen, und den sie dem Publikum unter dem Namen Four aërotherme empfehlen. „Eine Feuerstelle von ziemlich kleiner Dimension, die jedoch mit dem Rauminhalte des Ofens im Verhältnisse steht, ist mit einem Mauerwerke, auf dem der Ofen ruht, umgeben. In diesem Gemäuer sind Canäle angebracht, welche Luft enthalten und mit einander communiciren; sie nehmen jedoch weder von Außen, noch auf dem Herde Luft auf, und haben nur Oeffnungen, die in den Ofen führen, so daß sie also nur durch das Bakofenloch mit frischer Luft versehen werden können. Ist das Feuer angezündet, so wird sowohl das Aschenloch, als das Bakofenloch verschlossen, und sämmtliche Oeffnungen luftdicht mit Thon verstrichen. Das Feuer brennt dessen ungeachtet lebhaft und mit solcher Heftigkeit fort, daß die Steinkohlen nur höchst feine, der Holzasche ähnliche Asche zurüklassen, und daß selbst Gußeisen und Eisen in Fluß kommt. Wir können nicht erklären, auf welche Weise die zur Unterhaltung des Feuers nöthige Luft in den Ofen gelangt, indem die Erfinder auch die Fugen zwischen den Baksteinen so gut verstreichen, daß keine Luft durchdringen kann. Merkwürdig ist, daß wenn man Luft in den Herd treten läßt, das Feuer, welches lebhaft weiß war, sogleich roth wird und endlich zu brennen aufhört. Hält man ein Blatt Papier über den Rauchfang, so wird dasselbe beinahe gar nicht gefärbt, zum Beweise, daß beinahe aller Rauch im Ofen verbrannt wird. Die in den Röhren enthaltene Luft erhizt sich dergestalt, daß Blei in ihr in Fluß geräth, wozu bekanntlich 280° des hundertgradigen Thermometers erforderlich sind. Dieser Ofen, der alle Theorie der Verbrennung umzustoßen scheint, dient zum Broddaken, zum Abdampfen von Flüssigkeiten, zum Verkohlen des Holzes, zum Rösten verschiedener Substanzen, zum Schmelzen von Talg etc.; und alles dieß geschieht mittelst heißer Luft, deren Anwendung immer häufiger und häufiger zu werden scheint. Hr. Mouchot, einer der verständigsten Bäker in Paris, hat sich von den beiden HH. Erfindern einen Ofen bauen lassen, und theilt uns nach mehrwöchentlicher Erfahrung folgende Resultate darüber mit: 1) Der neue Ofen läßt innerhalb derselben Zeit wenigstens dieselbe Anzahl von Gebäken zu, wie die gewöhnlichen Oefen. 2) Der Ofen wird mit Steinkohlen oder Kohks geheizt und verzehrt 35 bis 40 Kilogr. (jedes zu 2 Pfd.) in 24 Stunden, wobei man wenigstens 15 Gebäke machen kann. Holz und Torf eignet sich nicht zum Heizen dieses Ofens. 3) Die Arbeit ist viel einfacher, indem man nie die Gluth herauszunehmen und den Ofen auszukehren braucht; der Heizer ist während 24 Stunden höchstens eine halbe Stunde lang am Feuer in Dienst, und selbst dabei nicht der äußerst beschwerlichen und schädlichen Wirkung des Feuers ausgesezt. 4) Der neue Ofen ist immer rein, und das Brod wird weder verunreinigt, noch nimmt es einen Geruch an, indem es nur mit der heißen Luft in Berührung kommt. 5) Das Brod wird jedes Mal in allen Theilen vollkommen ausgebaken, und bekommt die schönste Farbe, indem die Temperatur überall gleich ist. 6) Die Temperatur des Ofens wird genau durch einen Pyrometer angedeutet, und der Arbeiter braucht daher keine besondere Uebung zu haben, um zu bestimmen, ob der Ofen die gehörige Temperatur hat. 7) Der neue Ofen öffnet nach meiner Ansicht dem Bäkergewerbe eine ganz neue Epoche; und der Bäker wird bei dem Gebrauche desselben eine bedeutende Ersparnis an Arbeitslohn und Brennmaterial machen.“ Dieß sind die Aussprüche eines erfahrenen Bäkers; wir werden nach weiteren Aufschlüssen forschen, und nicht säumen, dieselben unseren Lesern seiner Zeit mitzutheilen.

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