Titel: Ueber die Fahrten des Dampfwagens des Hrn. d'Asda zu Paris
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. LXIX./Miszelle 2 (S. 394–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/mi055069_2

Ueber die Fahrten des Dampfwagens des Hrn. d'Asda zu Paris

entlehnen wir aus dem Messager folgende Notiz, in der das Vollständigste enthalten ist, was uns über diese Unternehmung bekannt geworden. „Dieser Dampfwagen, heißt es daselbst, fuhr am 18. Febr. in 89 Minuten von Paris nach Versailles und in 80 1/2 Minute zurük, wornach also im Hinfahren 3 Stunden und auf der Rükkehr 3 1/4 Stunde Weges auf die Stunde kamen. Hr. d'Asda ließ den Wagen absichtlich so langsam laufen, indem die Maschinerie, welche in England für macadamisirte Straßen erbaut wurde, nicht geeignet seyn dürfte, den heftigen Erschütterungen der Wagen auf unseren gepflasterten Straßen zu widerstehen. Die Geschwindigkeit des Wagens wird sich auf 10 Stunden Weges in einer Stunde Zeit treiben lassen, und derselbe wird mit Leichtigkeit 6 Stunden zurüklegen, wenn gewisse Vorkehrungen gegen die zu heftigen Erschütterungen getroffen sind. Hr. d'Asda ließ seinen Wagen um so weniger aus Furcht vor einer Explosion so langsam lausen, als sein Kessel aus 81 Röhren zusammengesezt ist, von denen jede an 4 Stellen mit den anderen communicirt: so daß demnach, wenn ja eine dieser Röhren bersten würde, dadurch nur ein zufälliges Ventil erzeugt würde, |395| wodurch jene allgemeine Explosion unmöglich gemacht wäre. Das Bersten einer einzelnen solchen Röhre kann unter diesen Umständen keine anderen nachtheiligen Folgen bewirken, als daß der Wagen stehen bleibt: ein Beweis hiefür ergab sich vor 14 Tagen auf dem Boulevard, wo der Wagen aus einem solchen Grunde stehen blieb, bis er nach kurzer Zeit an Ort und Stelle ausgebessert war. Alle Sachverständigen sind der Ueberzeugung, daß eine derlei Maschine gar keine Gefahr darbietet; und dieß ist um so schäzbarer, als man bei diesem Systeme röhrenförmiger Kessel mit aller Sicherheit das von unserem berühmten Arago so sehr gepriesene System des Hochdrukes anwenden, und dadurch große Kraft zugleich mit Leichtigkeit der Maschine und Ersparniß an Brennmaterial und Wasser erreichen kann. Der Dampfwagen des Hrn. d'Asda wiegt daher mit Inbegriff des Wassers und der Kohks, die er für eine Station braucht, nur 2200 Kilogr., und dieses Gewicht läßt sich sogar noch auf 2000 Kilogr. reduciren. – Um eine schiefe Fläche von 1/12 zu erklimmen, muß die Triebkraft auf einer Eisenbahn um das Zwanzigfache, auf einer gewöhnlichen Straße aber nur um das Doppelte vermehrt werden; denn die Kraft, welche nöthig ist, um ein Gewicht auf einer Eisenbahn fortzuschaffen, beträgt nur den 240sten Theil dieses Gewichtes, während es auf einer gewöhnlichen Straße die Hälfte beträgt; dagegen braucht man aber sowohl auf der einen, als auf der anderen, wenn es sich um Ueberschreitung einer Anhöhe mit einer Steigung von 1 in 12 handelt, eine Supplementarkraft, welche halb so groß ist, als das Gewicht, welches fortgeschafft werden soll. Der Wagen des Hrn. d'Asda hat daher beim Hinanfahren von Anhöhen vor den Eisenbahnwagen einen Vortheil von 20 gegen 1, und vor den mit 6 Pferden bespannten Wagen einen Vortheil von 3 gegen 1 voraus. Der Dampfwagen braucht auf ebenem Wege nur eine Kraft von 4 Pferden zu seinem Laufe; da seine Maschine jedoch eine Kraft von 14 Pferden entwikelt, so kann er im Falle eines Widerstandes seine Kraft verdreifachen. – Wir müssen übrigens gestehen, daß der Dampfwagen, als er gestern bei Auteuil von der Straße in einen kothigen Seitentheil hinabglitt, er sich nur mit Mühe wieder heraus arbeiten konnte. Einem derlei Unfalle wäre für die Zukunft leicht vorzubeugen, wenigstens läßt sich die Ursache desselben leicht erklären. Der Wagen fuhr mit einem Druke von 6 Atmosphären ab, und hatte ihrer kaum 8 erreicht, als sich der Widerstand darbot, zu dessen Ueberwindung 12 bis 14 erforderlich gewesen wären; es fehlte daher an Kraft. Dieß war aber noch nicht Alles; die Maschine greift nämlich nur in das linke Hinterrad, welches die drei anderen Räder in Bewegung sezt: eine Einrichtung welche nöthig ist, damit der Wagen kurz umwenden kann. Braucht man aber auf gerader oder leicht gekrümmter Bahn ein Supplementarrad, so muß auch das rechte Hinterrad eingehängt werden; dieß hätte denn auch geschehen sollen, als der Wagen gestern von der Straße hinabglitt, und zwar um so mehr, als der Wagen zur Rechten abglitt, und als die Triebkraft, die den Wagen wieder auf das Pflaster heraufschaffen sollte, nur von der Linken kam. Leider ward aber der Haken zu kurz, so daß das Rad nicht gefaßt werden konnte. – Wir halten also dessen ungeachtet das große Problem für gelöst, obschon noch viel zu thun übrig ist, bis die Dampfwagen den regelmäßigen Dienst auf unseren Straßen versehen werden. Wir haben den Unfall, der den Wagen des Herrn d'Asda traf, offen dargestellt, und wir bezeichnen selbst noch eine andere Unvollkommenheit, nämlich die, daß das Treibrad auf weichem Boden glitscht, und beinahe 2 Umgänge macht, ehe die übrigen Räder, die sich verkleistern, und die deßhalb mit Krazeisen versehen seyn müssen, deren eine machen. Wir sezen jedoch alles Vertrauen in Hrn. d'Asda und seine Associé's, welche kein Hinderniß verhehlen, und sie zu besiegen nicht müde werden. Die beiden Ingenieurs, welche auf Befehl der Regierung der gestrigen Probefahrt beiwohnten, scheinen keinen Zweifel über das endliche Gelingen zu hegen. Was die Ersparniß bei diesen Fahrten betrifft, so ist dieselbe offenbar. Die Fahrt nach Versailles und zurük kostete 280 Kilogr. Kohks und 900 Liter Wasser; rechnet man die Fuhr Kohks zu 28 Fr., so gibt dieß eine Ausgabe von beiläufig 11 Fr. Dieß kann jedoch bei der Berechnung im Großen nicht als Basis dienen, indem der Kessel nur 4 1/2 Stunden lang geheizt wurde, und also verhältnißmäßig weit mehr Kohks brauchte, als er gebraucht hätte, wenn er eine längere Zeit und zu mehreren Fahrten ununterbrochen fort geheizt worden wäre; der Wagen besaß nämlich bei seiner Ankunft noch so viel Feuer und Dampf, daß er füglich noch ein Paar Stunden |396| hätte damit zurüklegen können. Hr. d'Asda ist seinem Ziele nahe und er wird es auch erreichen, denn es fehlt ihm weder an Ausdauer, noch an Sachkenntniß. Seine Versuche werden fortgesezt werden, so wie die Vorsichtsmaßregeln gegen das Abgleiten des Wagens von dem Straßenpflaster getroffen sind.“

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