Titel: Einiges über die Leistungen der Dampfwagen auf der Liverpool-Manchester-Eisenbahn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. LXIX./Miszelle 3 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/mi055069_3

Einiges über die Leistungen der Dampfwagen auf der Liverpool-Manchester-Eisenbahn.

Wir entlehnen aus dem Examen, welches Hr. William Reed, Agent der Gesellschaft zur Erbauung der Southampton-Eisenbahn, bei der Durchführung der hiezu nöthigen Bill vor dem Unterhause zu bestehen hatte, folgende Daten, welche einige der Leistungen der Liverpool-Manchester-Eisenbahn in noch helleres Licht sezen dürften. Hr. Reed beantwortete nämlich folgende Fragen der Commission auf folgende Weise. – Fr. Können Sie Beispiele einer großen, auf der Liverpool-Manchester-Eisenbahn erreichten Geschwindigkeit angeben? A. Ich fuhr drei oder vier Tage lang auf dieser Eisenbahn hin und her, und notirte die Zeit, welche die Wagenzüge hiebei brauchten. Am 5. Mai 1833 legte die Maschine Leeds mit einem Zuge von 5 Kutschen, in denen sich 64 Reisende befanden, die Streke zwischen Liverpool und Manchester in einer Stunde und 20 Minuten zurük, und dabei wurde die Maschine an der schiefen Fläche, welche eine Steigung von 1 in 96 hat, auf keine Weise unterstüzt. Den nächstfolgenden Tag fuhr ich mit der Maschine Aetna von Manchester nach Newton, eine Streke von 15 englischen Meilen; die Ladung bestand aus 5 Tonnen, 5 Kutschen mit 64 Reisenden und 2 Maschinenwärtern. Wir fuhren die erste Meile in 3 Minuten 10 Secunden, die zweite in 2 Min. und 56 Sec. und die dritte in 2 Min. 55 Sec.; in Newton langten wir in 43 Min. an. Ich fuhr noch denselben Tag von hier bis auf 6 oder 7 Meilen von Liverpool. Wir begegneten hier von Liverpool kommend der Maschine Firefly mit 14 angehängten Karren, von denen 2 mit Schweinen, 4 mit Bauholz und 8 mit Baumwolle beladen waren. Am Fuße der schiefen Fläche von Whiston, deren Steigung 1 in 96 beträgt, hielten wir an, indem wir dieselbe ohne Beihülfe eines Bewegungsmomentes hinanfahren wollten. Wir machten 6 der Karren los, und fuhren mit den 8 übrigen, deren Last 40 Tonnen betrug, die erste halbe Meile in 2 Min. 2 Sec., die zweite in 2 Min. 20 Sec., die nächste Viertelstunde in 1 Min. 25 Sec. und die lezte in 1 Min. 15 Sec. hinan. Wir legten demnach bei einer Ladung, welche 150 Personen gleichkam, die 1 1/2 Meilen in 6 Min. 58 Sec. zurük, woraus sich also im Durchschnitte eine Geschwindigkeit von 13 engl. Meilen in der Stunde ergab. Auf gleiche Weise wurden auch die 6 übrigen Karren heraufgeschafft, worauf wir dann oben angelangt mit allen 14 Karren und 70 Tonnen Ladung mit einer Geschwindigkeit von 14 engl. Meilen in der Stunde fortfuhren. Dieselbe Maschine legte, wie mich der Maschinist versicherte, bereits 40,000 engl. Meilen zurük, ohne einer Ausbesserung bedurft zu haben. – Fr. Ergab sich bereits eine Gelegenheit Truppen auf der Eisenbahn zu transportiren? A. Ja; am 8. Mai 1834 rükte in Manchester ein Regiment, welches nach Irland bestimmt war, zwischen 5 und 6 Uhr Morgens aus seiner Kaserne. Es waren 31 Wagen, die einen einzigen Zug bildeten, und an welche zwei Maschinen gespannt wurden, hergerichtet. Auf diesen Zug wurden sogleich 634 Mann mit Waffen und Gepäk gesezt, und in 2 Stunden 14 Minuten war die Mannschaft in Liverpool, obschon zu Newton zur Einnahme von Wasser etwas angehalten werden mußte. Die übrige Mannschaft kam auf gleiche Weise an, und bevor noch der Mittag gekommen war, befand sich das ganze Regiment an Bord und unter Segel nach Irland! Die 31 Wagen hatten ein Gewicht von 62 Tonnen, und rechnet man hiezu noch die 634 Mann, jeden mit Waffen und Gepäk zu 200 Pfund, so gibt dieß eine Last von 125 Tonnen. – Fr. Wirkten hier beide Maschinen gleich anfangs zusammen? A. In einer der Maschinen war der Dampf anfangs noch nicht gehörig entwikelt, so daß sie selbst von der andern Maschine fortgezogen werden mußte, und daß sie erst, nachdem 4 bis 5 Meilen zurükgelegt waren, mitwirken konnte. – Fr. Wurden die Maschinen in den lezten Jahren wesentlich verbessert? A. Allerdings, obschon die Verbesserungen weniger in deren Einrichtung, als vielmehr darin bestanden, daß man Maschinen von größerer Kraft baute. – Fr. Ließ man die Triebkraft in den lezten Jahren nicht sowohl |397| auf die hinteren als auf die vorderen Räder wirken? A. Man machte in dieser Hinsicht Versuche; man ist aber, wie mir scheint, noch nicht darüber einig, welche Methode die beste ist. – Fr. Sind die neueren Verbesserungen so bedeutend, daß man es nicht der Mühe werth und lohnend hält, die alten Maschinen auszubessern? A. Viele der anfänglich gebrauchten Maschinen liegen nun unbenuzt und bedürfen einer bedeutenden Ausgabe, um sie wieder brauchbar zu machen. Ich glaube daher, daß die Gesellschaft auf den Ankauf neuer Maschinen eine größere Summe verwendet.

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