Titel: Ueber die Tiefe der tiefsten Bergwerke, und über einige in denselben angestellte Versuche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. LXIX./Miszelle 5 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/mi055069_5

Ueber die Tiefe der tiefsten Bergwerke, und über einige in denselben angestellte Versuche.

Hr. Taylor hielt vor der dritten Versammlung der British Association einen Vortrag über die größten Tiefen, bis zu welchen man in verschiedenen Bergwerken gedrungen ist. Wir entlehnen hieraus folgende Zusammenstellung, so wie sie in dem über die angegebene Versammlung erschienenen Berichte enthalten ist.

1. Eine der Gruben zu Kitzbühl in Tyrol hat eine Tiefe von 2764 Fuß.
2. Die Sampson-Grube zu Andreasberg am Harz 2230 –
3. Die Valenciana-Grube zu Guanaxuato in Mexico 1770 –
4. Die Pearce's-Grube an den Consolidated Mines in Cornwallis 1464 –
3. Die Wheel-Abraham-Grube ebendaselbst 1452 –
6. Die Dolcoath-Grube ebendaselbst 1410 –
7. Die Ecton-Grube in Staffordshire 1380 –
8. Die Woolfs-Grube an den Consolidated Mines 1350 –

In Hinsicht auf die Entfernung von dem Mittelpunkte der Erde sind diese Gruben äußerst verschieden; denn die Woolf's-Grube reicht bis auf eine Tiefe von 1230 Fuß unter die Meeresfläche, während der Grund der Valenciana-Grube noch volle 6000 Fuß über der Meeresfläche liegt. Nimmt man den Durchmesser der Erde zu 8000 Meilen an, sagt Hr. Taylor, und die größte Tiefe, auf die man in den Bergwerken unter die Meeresfläche gelangte, zu 1230 Fuß oder beiläufig zu 1/4 Meile, so folgt, daß wir bisher nur erst bis auf den 1/32000 Theil des Durchmessers in unsere Erdkugel gedrungen sind. – Etwas weiter sind wir dem Durham Advertiser zu Folge in neuester Zeit gekommen, denn die Pearce's-Grube hat gegenwärtig eine Tiefe von 1650 Fuß, wovon 1338 Fuß unter der Meeresfläche. Die größte relative Tiefe hat jedoch die Steinkohlengrube Monkwearmouth bei Sunderland, die bei einer absoluten Tiefe von 1600 Fuß, nicht weniger als 1513 Fuß tief unter die Meeresfläche reicht, obschon sie erst im Jahre 1826 eröffnet wurde. Man wird uns verzeihen, wenn wir über dieses merkwürdige unterirdische Unternehmen in einige ausführlichere Details eingehen; man wird daraus, wenn auch gar nichts anderes, so doch wenigstens das ersehen, mit welcher Ausdauer der Engländer ein Vorhaben verfolgt, welches am Ende einen auch nur einiger Maßen wahrscheinlichen Erfolg verspricht. Der Schacht wurde anfangs durch ein 330 Fuß tiefes Lager Bitterkalk |398| getrieben, an dessen Grund sich in jeder Minute gegen 3000 Gallons Wasser ansammelten. Um dieß zu gewältigen, wurde eine Dampfmaschine von 180 bis zu 200 Pferdekräften nöthig erachtet. Im August 1831 kam man in einer Tiefe von 344 Fuß zuerst auf ein 1 1/2 Zoll dikes Lager Steinkohlen, wo es dann auch endlich gelungen war das gewaltige Hereinbrechen der Grubenwasser, welches den Arbeiten so hinderlich war, durch cylindrische metallene Röhren oder Gehäuse, die ringsum von dem Kohlenlager bis zu einer Tiefe von 78 Fuß emporreichten, zu bemeistern. Man grub hierauf bis in eine Tiefe von 600 Fuß, und weit tiefer, als man sonst mehrere bekannte Kohlenlager erreichte. In einer Tiefe von 1000 Fuß kam man abermals auf einen Wasserquell, der neue Auslagen für Pumpen nöthig machte. Jedermann hielt das Unternehmen für hoffnungslos, nur die Eigenthümer, die HH. Pemberton, ließen sich nicht abschreken, bis sie endlich in einer Tiefe von 1578 Fuß ein ergiebiges Kohlenlager erreichten. – Gegen Ende Novembers begab sich nun eine Gesellschaft mehrerer wissenschaftlich gebildeter Männer in diese Grube, um daselbst verschiedene Beobachtungen anzustellen, bei denen ihnen die Unternehmer allen möglichen Vorschub leisteten. Am Eingange des Schachtes, der 87 Fuß über der Meeresfläche liegt, zeigte das Barometer bei 53° F. 30,518; am Grunde des neuen Bergwerkes hingegen, d.h. in einer Tiefe von 1584 Fuß unter der Meeresfläche, zeigte es 32,280 bei 58° F., ein Stand, den früher wahrscheinlich noch kein menschliches Auge beobachtet hatte. In dem Kohlenlager sind nun 4 Stollen begonnen, von denen der längste 66 Fuß lang und 6 Fuß breit ist. Dieser, in welchen das Ende des Ventilir-Apparates reichte, und aus welchem die Arbeiter eben fortgegangen waren, gab bei den angestellten Versuchen folgende Resultate. Die Temperatur der Luft zeigte am Anfange des Stollens 62, an dessen Ende hingegen 63° F., und außer dem Luftstrome 68°. Man nahm ein Stük Kohle vom Grunde, sezte 2 Thermometer an deren Stelle, und bedekte die Kugeln mit Kohlenstaub, worauf die Temperatur auf 71° stieg. Am Ende des Stollens befand sich eine kleine Wasserpfüze, deren Wasser eine Temperatur von 70° F. und 3 Stunden später von 69 1/2° hatte. Ein Register-Thermometer wurde 30 Fuß vom Eingange des Stollens entfernt 18 Zoll tief in den Boden versenkt; nach 40 Minuten zeigten sich als Maximum der Temperatur 67°; ein zweites Register-Thermometer, welches am Ende des Stollens vergraben wurde, zeigte 70°; in ein noch tieferes Loch versenkt, aus dessen Seiten etwas Wasser hervorsikerte, zeigten sich als Maximum 71 1/2°; in das Wasser untergetaucht, welches sich in dem Loche ansammelt und aus welchem sich Blasen von brennbarem Gase entwikelten, wechselte die Temperatur von 71,5 bis zu 72,6°. Ein anderes Thermometer, welches in einem anderen Schachte 2 1/2 Fuß eingegraben wurde, und an welchem man allen Luftzutritt verhinderte, zeigte nach 48 Stunden 71,2° F. Man beabsichtigt eine Reihe weiterer Versuche.

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