Titel: Ueber einige an der Kerzenflamme bemerkbare Erscheinungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. LXIX./Miszelle 6 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/mi055069_6

Ueber einige an der Kerzenflamme bemerkbare Erscheinungen.

Der Aufsaz des Hrn. J. O. N. Rutter, den wir im Polyt. Journale Bd. LIII. S. 186 über diesen Gegenstand aus dem Mechanics' Magazine mittheilten, hat in eben diesem Journale mehrere Aufsäze veranlaßt, auf welche wir diejenigen, die dieser Gegenstand besonders interessirt, aufmerksam machen. Wir begnügen uns zur Ergänzung des Gesagten nur noch Folgendes beizufügen. – Die Versuche des Hrn. Rutter wurden mehrseitig wiederholt, und richtig befunden, obschon sie gegen die von Davy aufgestellte Theorie sprechen. Ein Correspondent des Mech. Mag. sagt in Nr. 586 dieser Blätter, daß es hienach gar keinem Zweifel mehr unterliege, daß die Flamme im Inneren hohl sey, und keinen Sauerstoff enthalte, sondern nur ein Magazin von gekohltem Wasserstoffgase, wie es schon das schwarze kohlige Aussehen eines nicht zu langen Dochtes andeute. Sollte dieß nicht genügen, so kann man sich, wie Hr. W. Baddeley in Nr. 590 zeigte, am leichtesten von der Wahrheit dieser Behauptung überzeugen, wenn man den Schatten betrachtet, den eine brennende Lampe mittelst der reflectirten Sonnenstrahlen auf weißes Papier wirft; man wird nämlich an diesem sehr deutlich die durch die Hohlheit der Flamme veranlaßte Durchsichtigkeit bemerken, so wie man bei diesem Versuche, zu welchem die directen Sonnenstrahlen zu stark sind, sehr schön auch die emporsteigenden Säulen erhizter Luft und Rauch beobachten |399| kann. Einen zweiten Beweis erhält man, wenn man ein Stük Papier, welches mit vielen feinen Löchern durchbohrt ist, in eine Flamme bringt, und wieder herausnimmt, bevor es noch verkohlen konnte. Man wird hier nämlich im Umfange der Flamme einen braunen Ring bemerken, während die inneren Theile des Papieres beinahe unverändert blieben. – Die Versuche, welche Hr. John Davies zu Manchester hierüber anstellte, und welche Hrn. Rutter nicht bekannt waren, obschon sie in den Annals of Philosophy Vol. VIII. bekannt gemacht wurden, sind höchst einfach und schlagend. Er brachte ein Stük Phosphor oder einen anderen brennenden Körper in die Flamme eines Kerzenlichtes oder in die Weingeistflamme, und fand, daß sich dieser Körper weder in der einen, noch in der anderen entzündete. Der Phosphor entzündet sich zwar, so wie er in die Flamme gebracht wird; allein er verlischt auch alsogleich wieder, so wie er ganz und gar von ihr umgeben ist. Bläst man die Flamme etwas schief, so daß deren Rand mit dem Phospor in Berührung kommt, so brennt dieser alsogleich wieder auf, um unmittelbar wieder zu verlöschen, wenn man die Flamme abermals ruhig und senkrecht emporsteigen läßt. Wenn der Phosphor ganz von der Weingeistflamme umgeben ist, so kann man ihn sehr wohl mit einem rothglühenden Drahte berühren, ohne daß er dadurch in Entzündung geriethe. – Uebrigens darf nicht vergessen werden, daß Franklin der erste war, der auch in dieser Hinsicht Versuche anstellte. Er hielt nämlich einen Docht quer durch eine Kerzenflamme, und fand hiebei, daß jene Theile, die den Rändern der Flamme entsprachen, am schnellsten und am stärksten verkohlt wurden. Er schloß hieraus sehr richtig, daß im Innern der Flamme keine Verbrennung vor sich gehe; und es ist nur zu wundern, daß diese Versuche einem Manne von der Gelehrsamkeit Davy's entging. – Schließlich erwähnen wir noch folgenden Versuches, der gleichfalls in N. 586 des Mechanics' Magazine angegeben ist. Wenn man einen Strom öhlerzeugenden Gas über einem Drahtgitter von 950 Löchern auf den Quadratzoll entzündet, so gibt er ein sehr schönes Licht, welches um so schwächer wird, je höher man das Drahtgitter über die Spize der Flamme erhebt, während dafür der Kohlenstoff, der sich unter dem Drahtgitter absezt, in demselben Verhältnisse zunimmt. Die schwache blaue Flamme, die man hiedurch erhält, besizt jedoch eine solche Kraft, daß ein Stük Platindraht in derselben augenbliklich zum Weißglühen kommt, was offenbar von dem Wärmestoffe herzurühren scheint, der durch die Fixirung des Kohlenstoffes frei wird. – Nach demselben Correspondenten bleibt es daher einfach bei der alten Theorie der Flamme; d.h. der flüssige, in dem Dochte emporsteigende Talg wird zersezt; durch die Bildung von Kohlensäuere wird so viel Wärme frei, daß eine weitere Zersezung des Kohlenwasserstoffes Statt finden kann, der Kohlenstoff fällt nieder und vermehrt das Licht der Flamme, während sich der Wasserstoff mit dem Sauerstoffe der Luft zu Wasser verbindet, welches sogleich verdampft, und mit bedeutender Kraft nach allen Seiten der Kerze geschleudert wird.

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