Titel: Ueber einige Materialien zur Bereitung von Pakpapier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. LXXXII./Miszelle 10 (S. 472–473)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/mi055082_10

Ueber einige Materialien zur Bereitung von Pakpapier.

Ein unter dem Namen Enort auftretender Correspondent des Mechanics' Magazine empfiehlt in No. 585 dieser Zeitschrift abermals die Verwendung der Spelzen des türkischen Kornes oder Mais und die aus verschiedenen Binsenarten verfertigten russischen Matten zur Papierfabrikation. Er versichert, daß man aus diesen Substanzen, wenn auch keine bessere Sorte, so doch unter Zusaz eines gleichen Antheiles alter Taue vortreffliches Pak- und Zukerpapier erhalten könne, ohne daß eine weitere Behandlung dieser Substanzen, als die Zermalmung in den Zeugmaschinen nöthig wäre. Eben so empfiehlt er auch altes Papier, welches zum Aufkleben von Papiertapeten diente, hiezu zu verwenden, welches, wenn es auch noch so sehr mit Kalk und Schmuz verunreinigt ist, doch noch ein ziemlich gutes Pakpapier gibt, und von den englischen Papierfabrikanten gegenwärtig auch schon mit 6 Pfd. Sterl. per Tonne bezahlt wird. Alle diese Substanzen werden, so viel wir wissen, auch auf dem Continente bereits zur Papierfabrikation benuzt; neu dürfte es aber unseren Fabrikanten seyn, daß man seit einigen Jahren zu Newcastle-upon-Tyne auch jene Abfälle, die sich in den Gerbereien beim Zuschneiden der Felle ergeben, zur Bereitung eines sehr starken braunen Papieres verwendet, welches in England unter dem Namen Imperial bekannt und nicht nur stärker, als alle andere Sorten ist, sondern auch die Tinte sehr gut annimmt, ohne dabei zu fließen. – Jedermann kennt das starke braune englische Pakpapier, welches in England unter dem Namen Royal-Hand verkauf wird, und zu welchem außer verschiedenen gröberen Materialien hauptsächlich auch alte Taue verwendet werden. In neuerer Zeit nun erzeugt man auch eine schlechtere, mehr weißliche Sorte dieses Papieres, über welches wegen seiner geringeren Stärke sehr geklagt wird. Zu dieser schlechteren Sorte nimmt man die aus den Misthaufen aufgelesenen alten Paktücher, Trümmer von Fußdeken, von Matten und dergl., und da diese Substanzen während der Maceration in der Maschine einen Gewichtsverlust von 25 bis 30 Proc. erleiden, so sezt man ihnen dafür eine entsprechende Quantität Thon zu, der der braunen Farbe sowohl, als der Festigkeit des Pakpapieres sehr nachtheilig ist. – Hr. Baddeley suchte in einem anderen, gleichfalls im Mechanics' Magazine enthaltenen Aufsaze zu beweisen, daß alle Versuche, die bisher angestellt wurden, um neue Materialien zur Papierfabrikation |473| aufzufinden, nur als Curiositäten einen Werth hatten, und daß durch sie die Aufgabe das Publicum um den niedrigsten Preis mit dem möglich besten Papiere zu versehen, um nichts in der weiteren Lösung fortschritt. Das beste Surrogat für die immer seltner werdenden Lumpen sind nach seiner Ansicht noch die Papierschnizel, obschon auch diese theils wegen des Verlustes, den man beim Reinigen erleidet, theils auch deßwegen in Mißcredit kamen, und gegenwärtig von den Fabrikanten nur mehr um die Hälfte des früheren Preises angenommen werden, weil die Stärke dieses Papieres wegen des öfteren Abschneidens, welches seine Faser erlitten hatte, bedeutend geringer wurde. Uebrigens gesteht Hr. Baddeley sehr gern zu, daß man wahrscheinlich aus Stroh, Maisspelzen und gar vielen anderen vegetabilischen Substanzen sehr gutes und wohlfeiles Papier wird verfertigen können, wenn man es ein Mal dahin gebracht haben wird, diese Substanzen in ihre Fasern, aus denen sie bestehen, aufzulösen; d.h. wenn man sie faserig und zum Filzen geeignet gemacht haben wird. Dahin haben nach seiner Ansicht alle Bestrebungen jener zu gehen, die sich mit Versuchen hierüber beschäftigen; denn durch das bloße Maceriren und Stampfen dieser Substanzen erhält man zwar allerdings mit Beimischung von Hanf oder Flachs eine Papiermasse, aber ein Papier ohne Körper und Festigkeit und von schlechtem Aeußeren.

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