Titel: Ueber die Bereitung einiger Weinfabrikate.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 55, Nr. LXXXII./Miszelle 12 (S. 473–474)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj055/mi055082_12

Ueber die Bereitung einiger Weinfabrikate.

Wir entlehnen aus dem Journal des connaissances usuelles, Dec. 1834, S. 310 folgende Recepte zu einigen künstlichen Weinen, nicht als ob wir dieselben empfehlen möchten, sondern um zu zeigen, welche Pantschereien man selbst in Weinländern treibt. – 1) Künstlicher Madera. Man verseze eine bestimmte Quantität süßen Aepfelmost mit so viel Honig, daß ein Ei darauf schwimmt, und koche das Gemenge in einem verzinnten oder irdenen Gefäße, wobei man dasselbe gehörig abschäumt. Die abgekühlte Flüssigkeit gieße man in ein Faß, in welchem man sie bis zum nächsten Frühjahre liegen läßt, ehe man sie in Flaschen füllt. Je älter dieses Getränk wird, um so mehr wird sein Geschmak dem Madera ähnlich werden. – Ein anderes Verfahren ist folgendes. Man nehme auf 100 Liter süßen Aepfelmost 7 bis 10 Kilogr. ausgewaschene und getroknete Holzasche, wovon man unter Umrühren nach und nach so lange zusezt, als noch ein Aufbrausen Statt findet. Nach 2 Tagen Ruhe ziehe man die Flüssigkeit klar ab, und verseze sie auf 100 Theile mit 15 bis 20 Liter guter Melasse oder Erdäpfelzuker, worauf man sie über einem Feuer so lange eindikt, bis sie ein Einträgt. Nachdem dieß geschehen, seze man 20 Liter guten Branntwein zu, und bringe das Ganze nach gehörigem Umrühren und einiger Ruhe in ein Faß; in diesem wird die Gährung bald eintreten und nach 2 Jahren wird der Wein geschönt und in Bouteillen abgezogen. Einige Fabrikanten pflegen diesen Ingredienzien auch noch geringe Mengen aromatischer Substanzen zuzusezen. – 2) Künstlicher Malaga. Man digerire 3 Flaschen weißen Chablis, 2 Pfd. Rohzuker, |474| 1 1/2 Pfd. Malagaweinbeeren, 1 Pfd. Honig, 1/2 Liter Weingeist 3 Stunden lang in einem Trokenofen; lasse das Ganze 6 Wochen bis 2 Monate lang in einem Fasse oder Kruge bei einer Temperatur von 10 bis 12° R. stehen, und ziehe es, nachdem man es mit dem Eiweiße von 2 Eiern geschönt und filtrirt, in Flaschen. Nach einem anderen Verfahren soll man 5 Pfd. Malagaweinbeeren und 3 Unzen Pfirsichblüthen 2 Monate lang mit 10 Flaschen gutem weißen Chablis oder noch besser mit Champagner angegossen lassen; nach dieser Zeit soll man die Masse gut umrühren und abermals 2 Monate stehen lassen, um sie dann endlich abzuziehen, nach 3 Wochen Ruhe zu schönen und in Flaschen zu füllen. – 3) Künstlicher Muscat wird bereitet, indem man 10 Flaschen guten weißen Wein auf 5 Pfd. trokenen Muscatellertrauben und 3 Unzen Hollunderblüthen stehen läßt, und übrigens wie beim Malaga verfährt. – 4) Gekochter Wein. Man kocht 6 Pinten Most in einem Kessel und unter Abschäumen bis auf die Hälfte ein, und gießt die Flüssigkeit siedend auf drei Pinten Branntwein, dem man eine Prise Coriander und Anis, ein halbes Quentchen Zimmt, 4 zerstoßene Apricosen- und eben so viel Pfirsichkerne zugesezt. Wenn das Gefäß dann 2 bis 3 Tage gut verschlossen gestanden, so seiht man die Flüssigkeit ab, um sie den Winter über ruhig stehen zu lassen. – Alles dieß wird als Wein verkauft und getrunken!

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