Titel: Ueber Firnißbereitung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 56, Nr. LXIII. (S. 349–364)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj056/ar056063

LXIII.  Ueber Firnißbereitung.

Aus dem Dictionnaire technologique, Bd. XXII., S. 135.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Unter dem Worte Firniß verstehen wir eine Flüssigkeit oder jede andere Substanz, die auf die Oberfläche der Körper aufgetragen, darauf durchscheinend zurükbleibt, ihnen ein glänzendes Ansehen ertheilt, etwa demjenigen ähnlich, welches sie haben könnten, wenn sie befeuchtet wären, und welche endlich dasselbe bewirkt wie ein Spiegelglas, hinter welchem sie sich befänden.49)

Der Gebrauch der Firnisse ist bei den Indiern und Chinesen sehr alt, war aber den Griechen zu der Zeit, wo die Künste bei ihnen blühten, noch nicht bekannt. Es scheint nach Plinius, daß Apelles der erste und einzige war, welcher sich ihrer bediente; wir wissen aber nicht, ob er denselben Firniß wie die Chinesen oder eine Composition von seiner eigenen Erfindung gebrauchte. Der Geschichtschreiber sagt bloß, daß dieser berühmte Künstler von Niemand nachgeahmt wurde, weil er seine Gemälde nach ihrer Vollendung mit einem atramentum überzog, welcher ihnen ein glänzendes Aussehen ertheilte, die Farben lebhafter machte, und sie gegen Staub und alle anderen nachtheiligen Einflüsse schüzte. Alle diese Eigenschaften können nur einem Firniß zukommen.

Der Firniß der Chinesen und Japaner ist ein Harz, welches die Aylanthus glandulosa aus dem Geschlechte der Terpenthinbäume liefert; die Eingebornen nennen diesen Baum tsi-chou oder Firnißbaum. Derselbe wächst wild in vielen Provinzen von China und Japan; er kommt auch sehr gut in Europa fort und erreicht eine bedeutende Größe. Obgleich er in China und Japan aber sehr häufig ist, so scheint es doch, daß die Bewohner dieser Länder ihn anbauen, und daß das Harz, welches sie von ihm erhalten, dann besser als das von dem wild gewachsenen Baume ist. Dieses halbflüssige Harz, welches ungefähr die Consistenz des dünnflüssigsten Terpenthins hat, wird in mehreren Jahreszeiten geerntet. Um es zu erhalten, braucht man nur in die Rinde der Bäume mittelst eines |350| scharfen Messers Einschnitte zu machen, gerade so wie man in Europa bei der Terpenthinernte verfährt.

Es scheint, daß dieses Harz nach der Jahreszeit, zu welcher es gewonnen wurde, verschiedene Eigenschaften besizt. Die Eingeborenen des Landes vermischen es in gewissen Verhältnissen und nachdem es einige Veränderungen erlitten hat; dieses Gemenge ist dann der Firniß, dessen sie sich zum Ueberziehen der niedlichen Kunstwerke bedienen, die uns die Kaufleute von Canton liefern: jener Firniß ist bei uns unter dem Namen chinesischer oder japanischer Lak bekannt.

Die Aylanthus glandulosa, welche man in Frankreich zur Zierde anbaut, liefert ebenfalls das flüssige Harz, wovon wir gesprochen haben, und man kann es durch das oben angegebene Verfahren aus dem Baume erhalten; verändert aber unser Klima nicht die Eigenschaften dieses Harzes, und ist es identisch mit dem in China gesammelten? Kennen wir wirklich die Operationen, welche die Orientalen vor der Anwendung desselben mit ihm vornehmen, genau? Wir glauben nicht. Wenn aber auch alle diese Fragen bejahend gelöst würden, so dürften wir doch schwerlich unseren ganzen Bedarf davon in Europa erzeugen können, da jeder Baum bei uns nur eine sehr kleine Menge davon liefert, und unsere Industrie täglich eine ungeheure Masse von Firniß verbraucht.

Es geht in China und Japan mit der Firnißfabrikation wie mit allen anderen Industriezweigen; sie wird so viel als möglich geheim gehalten; ja die Vorsicht soll nach Aussage einiger europäischen Reisenden hinsichtlich der Firnißfabrikation in China so weit getrieben werden, daß man aus diesem Lande nie das zu derselben dienende Harz bekommt, ohne daß es durch die Handelsleute so verändert worden wäre, daß es zum Firnissen untauglich ist.

Dieses Harz wird in Europa gar nicht angewandt, und bloß als Gegenstand der Wissenschaft oder der Neugierde gesucht; wer sich über seine Eigenschaften und den Baum, der es liefert, weiter unterrichten will, lese die Abhandlung Dincarville's im III. Bd. der Memoires des savants étrangers.

Da die Missionäre des Jesuitenordens die ersten waren, welche in das Innere von China eindrangen, so verdanken wir ihnen auch die ersten Nachrichten über die Fabrikation der Firnisse. Die europäischen Maler benuzten die ersten Versuche, welche die Jesuiten anstellten, und überfirnißten ihre Kunstwerke nach dem Beispiele des berühmten griechischen Malers, um deren Glanz zu erhöhen, und sie gegen die äußeren Einflüsse zu verwahren. Da der Geschmak und der Luxus aber die Anwendung der Firnisse auf eine Menge verschiedenartiger |351| Gegenstände ausdehnten, für die sie ursprünglich nicht bestimmt waren, so mußte sich natürlich eine große Anzahl von Leuten aus verschiedenen Gewerben mit ihrer Bereitung beschäftigen.

Man änderte die bereits bekannten Vorschriften zu verschiedenen Zweken auf tausenderlei Art ab, und jeder hielt das Recept, dessen er sich bediente, sehr sorgfältig geheim. Es erschien endlich eine Menge von Büchern über die Bereitung der Firnisse, die meistens von einander abgeschrieben waren, und alle die sonderbarsten, oft unausführbare, Vorschriften enthielten. Dieses war noch der Zustand unserer Kenntnisse in der Firnißfabrikation gegen die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, obgleich man damals schon die schönen Arbeiten der berühmten Lakirer Martin und Clément 50) bewunderte. Gegen das Ende desselben Jahrhunderts erschien endlich das Werk von Watin, welches freilich nicht frei von den Irrthümern und Vorurtheilen der damaligen Zeit ist, aber doch einiges Licht über die Kunst des Lakirens verbreitete. Nach diesem gab im Anfange des neunzehnten Jahrhunderts Tingry, ein gelehrter Professor der Chemie in Genf, ein Werk unter dem Titel Traité des vernis heraus, welches ganz dem damaligen Standpunkt der Wissenschaft angemessen war, und in diesem Fache Epoche machte; er theilt darin eine Menge sehr ins Kleinliche gehender Versuche mit, die er theils über den Copal, theils über die anderen zur Firnißbereitung dienenden Substanzen anstellte.

Obgleich die Wissenschaften und die Künste seit der Herausgabe dieser beiden Werke sehr große Fortschritte gemacht haben, so sind sie doch jezt noch das Beste und Vollständigste, was wir über diesen Gegenstand kennen.51)

Ehe wir die Fabrikation der Firnisse beschreiben, wollen wir die Haupteigenschaften der Substanzen, welche meistens zu ihrer Bereitung angewandt werden, angeben. Wir werden daher zuerst von den Harzen und dann von den Flüssigkeiten reden, welche als Auflösungsmittel dienen.

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Der Asphalt, Judenpech, ist ein bituminöses Harz, welches auf dem todten Meere schwimmt; das Wasser jenes Sees ist nämlich sehr salzig und daher specifisch schwerer als reines Wasser, so daß der Asphalt darauf schwimmen kann, obgleich er etwas schwerer als gewöhnliches Wasser ist. Sein Bruch ist muschlig, schön und glänzend schwarz. Er bildet feste, sehr spröde Stüke. Bei der gewöhnlichen Temperatur riecht er nicht merklich, wohl aber beim Reiben, wobei er zugleich negativ elektrisch wird; er verbrennt mit Flamme, und hinterläßt wenig Rükstand.

Unter allen Harzen wird er am meisten zur Fabrikation schwärzer Firnisse, besonders der für eiserne Gegenstände bestimmten, angewandt. Gehörig zubereitet läßt er sich auch für die Oehlmalerei benuzen, und obgleich seine Anwendung für die feine Malerei mit einigen Schwierigkeiten verknüpft ist, so hat man ihn bis jezt doch noch durch keine andere Substanz ersezen können.

Am gewöhnlichsten verfälscht man ihn mit Schwarzpech oder mit dem Rükstande, welcher bei der Bernsteinsäurebereitung durch Destillation des Bernsteins bleibt. Diese beiden Substanzen sind leicht zu erkennen; erstere ist viel spröder als der Asphalt; ihr Geruch ist auch verschieden; sie erweicht sich zwischen den Fingern; wenn man sie in den Flüssigkeiten, welche zur Firnißfabrikation dienen, zergehen läßt, troknet sie nur sehr schwer aus. Die zweite ist härter als der Asphalt; ihr Bruch ist muschlig, strahlig und matt; sie schmilzt nicht. Erhizt man sie in einem Gefäße mit fixen Oehlen, so verschlukt sie dieselben, erweicht sich, bläht sich wie ein Schwamm auf, und bleibt in diesem Zustande, es sey denn, daß man die Temperatur sehr stark erhöht.

Copal. Im Handel führen zwei Harze diesen Namen, und gewöhnlich sind sie mit einander gemengt. Das eine ist sehr hart, und das andere ist weich. Beide werden zur Firnißfabrikation angewandt, aber die Resultate, welche sie liefern, sind so verschieden, daß man sie wohl von einander zu unterscheiden wissen muß.

Harter Copal. Dieses Harz, welches geschäzter ist, erhalten wir aus Indien. Je nachdem es mehr oder weniger gereinigt wurde, hat es eine gelblichweiße, bisweilen auch citronengelbe Farbe. Es ist so hart, daß es von den Nägeln keine Eindrüke annimmt; man kann es nur mittelst eines eisernen Instrumentes rizen. Sein Bruch ist glasig, und wenn es farblos ist, gleichen die kleinen Stüke, welche beim Zerbrechen desselben abfallen, vollkommen Krystallstüken. Seine äußere Kruste ist immer dunkler gefärbt, matt, und zeigt stets Eindrüke von einem sehr groben Sande, worin es gelegen zu haben scheint; bisweilen hängt dieser Sand sogar noch daran. In |353| der Kälte ist es geschmak- und beinahe geruchlos; beim Erhizen erweicht es, und verbreitet einen eigenthümlichen Geruch; es schmilzt erst bei einer sehr hohen Temperatur; um es schmelzen zu können, ohne daß es sich färbt, muß man sich eines gläsernen Kolbens bedienen, und den Boden desselben über Kohlengluth schnell zum Rothglühen bringen. Es erweicht dann, bläht sich auf und schmilzt. Der geschmolzene Theil kommt ins Kochen, und bläht sich so stark auf, daß er einen drei bis vier Mal größeren Raum einnimmt; dieses Aufblähen dauert so lange, bis das Harz vollständig geschmolzen ist, worauf es nachläßt und die Masse ruhig kocht. Während dieser ganzen Zeit entwikelt sich daraus ein flüchtiges, sehr scharfes, den Augen und dem Halse nachtheiliges Oehl in sehr großer Menge.

Die Zusammensezung des Copalharzes scheint sehr verwikelt zu seyn.52) Weingeist von 36° Baumé löst nur eine sehr geringe Menge davon auf. Der unauflösliche Rükstand wird bei Behandlung mit Aether ebenfalls nur zum Theil aufgelöst, und es bleibt, wenn man den Copal mit Weingeist und Aether erschöpft hat, noch immer ein sehr beträchtlicher Rükstand. Lavendel-, Spik-, Rosmarinöhl, in einem flüchtigen Oehle oder in Weingeist aufgelöster Kampher, lösen in der Kälte nur eine sehr geringe Menge Copal auf. Terpenthinöhl, womit sich der Copal sehr leicht verbinden läßt, wenn man ihn zuerst auf die weiter unten angegebene Art schmilzt, wirkt in der Kälte nicht auf ihn. Eben so verhalten sich die fixen Oehle.

Das Copalharz hat viele Aehnlichkeit mit dem Bernstein; wie dieser enthält es sehr oft Insecten. Bei der Destillation liefert es nach Hrn. Guibourt Wasser, Oehl und Kohle in eben so großer Menge, wie der Bernstein; ferner dieselbe gelbe Substanz, welche Robiquet und Colin in den Producten von der Destillation des Bernsteins auffanden, aber keine Bernsteinsäure.

Weicher Copal. Dieses Harz kommt ebenfalls aus Indien. Mit hartem Copal gemengt, ist es weniger schwer, als reiner harter Copal; manche Stüke sind schön durchsichtig, andere etwas undurchsichtig und milchig. Es ist leichter zu schmelzen, und kann auch mit einem harten Körper leicht gerizt werden; es riecht nur schwach, aber sehr angenehm. Die äußere Kruste zeigt ebenfalls Eindrüke von einem Sande, worin es lag. Obgleich es denselben äußeren Einflüssen wie der harte Copal ausgesezt gewesen zu seyn |354| scheint, so erlangte es doch nicht dieselben Eigenschaften. Es dürfte daher auch einem anderen Baume aus der Gattung hymenea angehören. In kaltem Weingeist löst es sich zum Theil auf; der unauflösliche Theil erweicht sich beträchtlich, und erlangt denjenigen des Klebers analoge Eigenschaften.

Unter den flüchtigen Oehlen lösen das Lavendel-, Spik- und Rosmarinöhl nur wenig von diesem Harz auf; das Terpenthinöhl erweicht es vollständig, und verwandelt es in eine zitternde Gallerte. Wenn man es in diesem Zustande zwischen den Fingern ausdrükt, sondert sich der gallertartige Theil ab, welcher sich wie sehr weicher Kautschuk verlängert und zusammenzieht. Kocht man es mit diesen flüchtigen Oehlen, so löst es sich darin vollständig und in allen Verhältnissen auf.

Gummilak. Diese harzige Materie erhalten wir aus Ostindien; sie quillt aus den jungen Zweigen der ficus religiosa, ficus indica und besonders des croton lacciferum aus, und zwar dadurch, daß die Weibchen einer Art Schildlaus (coccus lacca) in dieselben im befruchteten Zustande stechen. Dieses Insect hüllt sich dann in den Saft ein und erzeugt darin eine sehr große Menge Würmchen, die selbst wieder zu Insecten werden, welche dann durch eine Oeffnung entweichen, die sie in den Saft, worin sie sich befanden, bohren, nachdem derselbe Consistenz erlangt hat.

Man kennt im Handel drei Sorten von Lakharz: den Stoklak, Körnerlak und Tafellak; alle drei sind dieselbe Sache. Der Stoklak führt diesen Namen, weil er noch an den kleinen Zweigen des Baumes hängt, welcher ihn lieferte; Körnerlak heißt der von denselben getrennte; um Tafellak zu erhalten, kocht man den Körnerlak mit alkalischem Wasser, um den rothen Farbstoff daraus abzusondern, und gießt ihn dann in dünner Schichte auf eine ebene Fläche. Er ist nach dem Grade der Entfärbung und der Dike der Tafeln mehr oder weniger dunkel. Daher die Benennungen blonder, rother oder brauner Lak.

Nach der Analyse von Hatchett enthält der Lak außer dem Harze, welches die Basis mehrerer sehr gesuchter Firnisse ist, eine sehr große Menge rothen Farbstoffs, dann Wachs und Kleber. Alle drei Laksorten werden ohne Unterschied zur Firnißfabrikation angewandt; es scheint uns unnüz anzugeben, welchem man den Vorzug geben muß, weil der Künstler sie nach dem Gegenstande, für den der zu bereitende Firniß bestimmt ist, auswählen können muß.

Mastix. Wir erhalten dieses Harz aus mehreren Ländern; auf der Insel Chios scheint man es in größter Menge zu ernten; daselbst wird sogar die pistacia lentiscus Lin., der Baum, welcher |355| es liefert, sorgfältig angebaut. Man erntet es auf die Art, daß man in die Baumrinde Einschnitte macht; ein Theil des ausfließenden Harzes hängt sich dann an den Baum an und erstarrt daran; dieses ist der Mastix in Tropfen oder Körnern; dasjenige, welches auf den Boden fällt, macht den gemeinen Mastix aus, den man am häufigsten im Handel antrifft. Dieses Harz kommt in blaßgelben Körnern vor; die größten sind abgeplattet und von unregelmäßiger Form. Ihre Oberfläche ist matt und mehlartig, weil sich die Körner beständig an einander reiben. Auf dem Bruch ist es glatt; es ist nicht immer vollkommen durchsichtig. Sein Geruch ist mild und sehr angenehm, der Geschmak aromatisch. Wenn man es kaut, zermalmt es sich unter den Zähnen, ohne an denselben kleben zu bleiben, und wird sehr geschmeidig.

Der Mastix besteht aus zwei besonderen Harzen, welche leicht von einander zu trennen sind. Wenn man ihn mit Terpenthinöhl behandelt, so bleibt ungefähr ein Zehntel davon unaufgelöst; dieser Rükstand löst sich in Weingeist von 36° B. vollständig schon in der Kälte auf. Bringt man leztere Harzauflösung dann in ein flaches Gefäß, und stellt dasselbe, um den Weingeist zu verdunsten, entweder an die Sonne oder in eine Trokenstube, so erhält man ein etwas braunes, nicht ganz durchsichtiges Harz, welches angenehm, beinahe wie Weihrauch riecht. Der andere im Terpenthinöhl aufgelöste Theil macht, wenn die Auflösung genug Harz enthält, den gewöhnlichen Gemäldefirniß aus.

Man verfälscht den Mastix oft mit Sandarak; dieser Betrug ist aber leicht zu entdeken, entweder durch bloßes Besichtigen oder durch Kauen. Der Sandarak erweicht sich nämlich nicht unter den Zähnen wie der Mastix, sondern zerreibt sich. Um diese Verfälschung ganz sicher zu entdeken, braucht man endlich nur einen Theil Harz, ohne es zu pulvern, mit vier Theilen Terpenthinöhl im Wasserbade zu behandeln; es wird sich dann nur der Mastix auflösen, und die Sandarakkörner werden beinahe unversehrt zurükbleiben. Den Mastix muß man, ehe man ihn anwendet, waschen, um die Erde davon abzusondern und dann die holzigen Theile und die gefärbten Stüke aus ihm auslesen.

Sandarak. Der Sandarak ist ein Harz, welches wir aus Afrika erhalten; es läuft aus der thuya articulata aus, und kommt in blaßgelben Körnern vor, die mit einem weißen Staube überzogen sind, welcher durch die Reibung entstand. Auf dem Bruch ist er glasig und durchscheinend. Er ist geschmaklos und riecht nicht merklich.

In Wasser und Terpenthinöhl ist er unauflöslich.

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Man verfälscht ihn oft mit grobem weißem Sande, kleinen Stüken von Bergkrystall oder auch mit kleinen Stüken Copal, wenn dieser sehr wohlfeil ist. Diese Verfälschungen sind aber leicht zu erkennen, weil alle diese Substanzen in Weingeist unauflöslich sind, während sich der Sandarak vollständig darin auflöst.

Der Candarak macht in Verbindung mit anderen Harzen, welche seine Dürre und Sprödigkeit etwas verbessern, die Grundlage beinahe aller Weingeistfirnisse aus. Um schöne Producte zu erhalten, muß man ihn aber vollständig auswaschen und alle Holztheile und gefärbten Stüke auslesen. Die alten Firnißfabrikanten empfahlen ihn mit Weingeist zu waschen. Wir halten dieses für unnüz und kostspielig, und glauben, daß Auswaschen mir Wasser und gutes Sortiren genügt.

Bernstein. Der Bernstein ist in Weingeist beinahe unauflöslich. Die fixen und flüchtigen Oehle wirken in der Kälte nicht auf ihn; im geschmolzenen Zustande läßt er sich aber mit lezteren leicht verbinden, wodurch man die Bernsteinfirnisse erhält. Dieser Firniß wird wenig angewandt, obgleich er sehr dauerhaft und gut ist, wenn er in geeigneten Verhältnissen bereitet wurde; der Grund hievon ist, daß er immer stark gefärbt und überdieß der Bernstein gewöhnlich theurer als der Copal ist, welcher leztere ihn sehr wohl ersezen kann.

Ueber die Flüssigkeiten, welche man zur Firnißfabrikation anwendet.

Nur zwei Flüssigkeiten dienen bei der Fabrikation der Firnisse als Auflösungsmittel der Harze: der Weingeist und das Terpenthinöhl. Lein- und Nußöhl, die man austroknend gemacht hat, kommen auch zu gewissen Firnissen, können aber nicht als Auflösungsmittel betrachtet werden, da sie nur dazu dienen, die Eigenschaften der Firnisse abzuändern. Manchmal wendet man zur Firnißbereitung zwar auch Aether, flüchtige Oehle und sogar Wasser an; aber solche Firnisse werden nur selten gebraucht.

Weingeist. Der Weingeist, welchen man in der Regel zur Firnißbereitung anwendet, ist gewöhnlicher nicht entfuselter, wie man ihn aus Cider, Bier, Kartoffeln, Melasse etc. erhält. Er muß jedoch nach dem Firniß, wozu er bestimmt ist, die gehörige Stärke haben, und auch ganz klar seyn. In der Regel nimmt man solchen, der 33° an Cartiers Aräometer oder 85° am Centesimalalkohometer zeigt. Weingeist von dieser Stärke löst bei einer Temperatur von 36° bis 40° R. die meisten Harze sehr leicht auf.

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Terpenthinöhl. Dieses flüchtige Oehl ist eine der wichtigsten Substanzen für die Firnißfabrikation; es wird nicht nur bei allen sogenannten Terpenthinöhlfirnissen, sondern auch bei denjenigen, welche man fette Firnisse nennt, angewandt.

Das im Handel vorkommende ist immer schwach grünlich gelb gefärbt; man muß stets solches auswählen, welches am schnellsten troknet und am wenigsten gefärbt ist. Bisweilen ist es klebrig, entweder wegen eines Gehaltes von Terpenthin oder in Folge einer Art von Verharzung, die mit der Zeit eintritt; in diesem Zustande troknet es schwer, und kann nicht zur Firnißfabrikation angewandt werden.

Um mittelst Terpenthinöhl farblose und schnell austroknende Firnisse darstellen zu können, wie z.B. Gemäldefirniß, muß man es nochmals destilliren, damit man es farblos und von dem wenigen Terpenthin, den es immer enthält, ganz frei erhält. Man schreibt es der Gegenwart dieses Harzes zu, daß Terpenthinöhlfirniß, welcher nicht mit Sorgfalt bereitet wurde, in kurzer Zeit gelb und spröde wird. Für Firnisse zu den Malereien der Gebäude braucht man das Terpenthinöhl hingegen nicht zu destilliren, weil diese Firnisse immer stark gefärbt sind, und das im Oehl allenfalls enthaltene Harz nicht schadet.

Leinöhl. Unter allen fixen Oehlen wird das Leinöhl am meisten zur Bereitung gewisser Firnisse, die man fette nennt, angewandt; man gibt ihm deßwegen den Vorzug, weil es fettiger als die anderen Oehle ist, an der Luft schneller in festen Zustand übergeht, und beim Austroknen durchsichtiger bleibt. Es mag kalt oder warm aus den Leinsamen dargestellt worden seyn, so ist es immer deutlich gelb gefärbt. Diese Farbe, welche man der das Oehl enthaltenden Samenhülle zuschreibt, kann ihm leicht benommen werden; man braucht dazu das Oehl bloß in dünnen Schichten der directen Einwirkung der Sonnenstrahlen auszusezen. Durch Bleisalze läßt sich die Entfärbung zwar auch bewirken, aber dieses Verfahren ist langwierig, und dann ist auch das so entfärbte Oehl niemals klar, weil sich nach und nach eine kleine Menge Bleioxyd abscheidet und darin suspendirt bleibt. Das Leinöhl hat an und für sich schon in hohem Grade die Eigenschaft auszutroknen; diese kann aber leicht noch erhöht werden, was man behufs seiner Anwendung zu Firnissen immer thun sollte; bekanntlich geschieht dieß dadurch, daß man das Oehl mit mehr oder weniger Bleioxyd verbindet. In allen älteren Werken über die Firnißbereitung findet man schon Recepte, um das Leinöhl austroknend zu machen; sie sind aber fast alle von einander abweichend; in den einen wird Knoblauch als eine sehr nüzliche Substanz |358| empfohlen, in anderen die Brodkrume; in vielen endlich wird gepulverter Talkstein und Umbraerde in beträchtlicher Menge vorgeschrieben: einige dieser Recepte enthalten sogar alle diese Stoffe mit einander. Im Grunde laufen diese Vorschriften jedoch auf dasselbe hinaus, indem sie alle die Anwendung des Bleioxyds oder eines Bleisalzes, und bisweilen auch eines Zinksalzes verordnen, welches eigentlich allein die Substanzen sind, die die Eigenschaften des Oehles, indem sie sich mit ihm verbinden, etwas verändern können. Jezt, wo wir in der organischen Chemie größere Fortschritte gemacht haben, und durch die schönen Untersuchungen des Hrn. Chevreul die Wirkung der verschiedenen Metalloxyde auf die fetten Körper kennen, läßt man alle als unnüz erkannten Substanzen weg, und wendet nur noch das Bleioxyd an, um das Leinöhl austroknend zu machen.

Die Trokenöhle werden entweder für sich allein oder mit einigen Farbstoffen vermengt, in gewissen Fällen als Firnisse angewandt. Sie sind nicht schwer zu bereiten, wenn eine Färbung, welche sie durch die Einwirkung des Feuers erleiden könnten, bei der Anwendung, wozu sie bestimmt sind, nicht in Betracht kommt; anders verhält es sich aber, wenn man sie wenig oder gar nicht gefärbt zu erhalten wünscht. Im ersten Falle verfährt man ganz einfach folgender Maßen: man bringt eine gewisse Menge Leinöhl in einen kupfernen Kessel, versezt es mit einem oder zwei Procent (dem Gewichte nach) sehr fein gepulverter Bleiglätte, und macht unter dem Kessel ein schwaches Feuer, so jedoch, daß das Oehl ins Sieden kommen kann, worin man es erhält, während man es sehr oft mit einer Spatel umrührt, damit sich das Bleioxyd nicht auf den Boden niederschlagen und an denselben anhängen kann. Bei etwas starkem Sieden bläht sich das Oehl so auf, daß es über den Rand des Kessels läuft, wenn man denselben nicht frühzeitig genug vom Feuer nimmt, und er nicht so groß ist, daß er zwei Mal so viel Oehl faßt, als man hineinbrachte. Nach einstündigem Kochen ist die Operation gewöhnlich beendigt, jedenfalls ist dieß der Fall, wenn der Schaum beinahe ganz verschwunden ist. Man läßt das Oehl in dem Kessel erkalten, und gießt es dann in Steingutgefäße, worin es einen sehr beträchtlichen Saz bildet. Dieses Oehl ist, je nachdem es mehr oder weniger stark und lange erhizt wurde, auch mehr oder weniger schwarz, wird aber nach mehrtägigem Stehen klar genug, so daß man es zu den verschiedenen Malereien in Gebäuden anwenden kann. Soll es aber zu zarten Operationen gebraucht werden, so filtrirt man es durch Papier; diese Operation ist langwierig, kann aber dadurch sehr beschleunigt werden, daß man den Filtrirapparat in ein warmes Zimmer bringt. Im zweiten Falle, wenn |359| es sich darum handelt, möglichst wenig gefärbte Trokenöhle zu bereiten, kann man auf verschiedene Art verfahren.

Erstens kann man wie oben das mit Bleiglätte vermengte Oehl ungefähr zwei Stunden lang über einem sehr mäßigen Feuer lassen, so daß es nicht ins Kochen kommt, wobei man beständig mit einer Spatel umrührt, damit sich das Bleioxyd nicht niederschlagen kann; der Kessel muß aber sogleich vom Feuer genommen werden, wenn man bemerkt, daß der Schaum ein wenig röthlich wird. Man erhält auf diese Art freilich ein Oehl, welches nicht so schnell austroknet, wie das nach der oben angegebenen Methode gewonnene; es besizt jedoch diese Eigenschaft in einem für die feine Malerei und selbst für die Verzierungsmalerei hinreichenden Grade. In diesem Zustande kann es sogar zur Bereitung fetter Firnisse vortheilhafter angewandt werden, als jenes, weil es weniger gefärbt ist. Bei diesem Verfahren muß man aber sogleich nach Beendigung der Operation das Oehl sehr schnell abkühlen, indem man den Boden des Kessels in einen mit Wasser gefüllten Trog taucht, und es dann sogleich in erwärmte Steingut- oder Glasgefäße gießen, die man gut verschließt. Wenn man nämlich diese Vorsicht nicht gebraucht, sondern das Oehl langsam erkalten läßt, so gesteht es zu einer Masse von der Consistenz einer halb zitternden Gallerte; es könnte sich daher in der Ruhe nicht mehr klären, und wäre folglich auch nicht mehr anwendbar. Bringt man es in diesem Zustande auf ein Filter, so scheidet sich daraus langsam eine sehr große Menge Trokenöhl ab, welches alle erforderlichen Eigenschaften besizt; der auf dem Filter bleibende Theil erlangt, indem sich das flüssige Oehl von ihm trennt und hindurchgeht, eine salbenartige Consistenz, wodurch man einen beträchtlichen Verlust erleidet.

Wenn man das Gemenge von Leinöhl und Bleiglätte noch mit Wasser vermischt, und lezteres in dem Maaße, als es verdampft, wieder ersezt, so wirkt dasselbe gleichsam als Marienbad, und man erhält ein Oehl, welches beinahe eben so austroknend ist, wie das nach dem vorhergehenden Verfahren gewonnene; es ist etwas weniger gefärbt als das natürliche Leinöhl, und entfärbt sich mit der Zeit noch ein wenig. Dieses Verfahren ist mit mehr Schwierigkeiten verbunden, als das erste. Wurde die Operation etwas zu weit getrieben, so wird das Oehl beinahe so schwer wie Wasser, und ein Theil desselben ändert sich in eine Art Pflaster um, welches sich sehr schwer von ihm trennen läßt.

Wenn man endlich in ein auf 20° R. geheiztes Zimmer ein aus gleichen Theilen vorher entfärbten Leinöhls und fein gepulverter Bleiglätte bestehendes Gemenge bringt, und dasselbe 15 Tage oder |360| drei Wochen lang auf dieser Temperatur erhält, wobei man es von Zeit zu Zeit umrührt, so erhält man ein hinreichend austroknendes farbloses Oehl, das sich vortheilhaft zur Bereitung der farblosen fetten Firnisse anwenden läßt.

Was wir hier über das Leinöhl gesagt haben, läßt sich auch auf das Nußöhl anwenden und auf alle anderen Oehle, die man austroknend machen kann.

Bereitung der Firnisse.

Alle Firnisse werden mit Substanzen bereitet, die sich sehr leicht entzünden; man muß daher alle Vorsichtsmaßregeln anwenden, um Unfälle, welche dadurch veranlaßt werden könnten, zu verhindern. Eben deßhalb dürfen Firnißfabriken nie in den Städten angelegt werden.

Die Weingeistfirnisse, von welchen wir zuerst sprechen wollen, sind leicht zu bereiten, und erheischen nur sehr einfache Apparate. Wenn man nur kleine Quantitäten davon darstellen will, reicht ein Glaskolben hin; bei Bereitung großer Massen bedient man sich eines vollständigen Destillirapparates, d.h. einer vollkommen ausgerüsteten Blase, und nimmt die Operation stets bei der Temperatur des Marienbades vor. Durch den Helm dieser Blase, welcher übrigens demjenigen der gewöhnlichen Destillirapparate ganz ähnlich ist, geht unten quer ein Eisenstük, das an beiden Enden am inneren Rande des Helms befestigt ist. In der Mitte ist dasselbe mit einem Loch versehen, welches einer oben im Helm angebrachten Dille senkrecht gegenübersteht. Auf diese Art kann man eine zugerundete Eisenstange, die in die Dille und das Loch des Querstükes paßt, in senkrechter Lage erhalten. Diese Eisenstange, welche bis auf den Boden des Marienbades reicht, wird unten mit einem eisernen Kreuz versehen; oben reicht sie zwei Zoll über den Helm hinaus, und endigt sich in ein kleines Vierek, auf welchem sich eine Schraube mit Mutter befindet: auf dieses Vierek paßt eine kleine Kurbel, welche man leicht wegnehmen können muß. In die Dille des Helms stekt man einen Korkstöpsel, welcher in der Mitte so durchbohrt ist, daß die Eisenstange (die an ihrem oberen Theile gut zugerundet seyn muß) fest hindurch geht. Diesen Theil der Stange schmiert man auch ein wenig ein, um die Reibung zu vermindern. (Man sehe Fig. 6, 7, 8, 9 und 10.)

Um Firniß in diesem Apparat zu bereiten, bringt man die Substanzen, woraus er zusammengesezt werden soll, in das Marienbad, sezt den Helm auf, verbindet mit ihm das Kühlrohr, und schürt dann das Feuer an; man erhizt die Masse, bis der Weingeist ins |361| Sieden kommt, was man daran erkennt, daß er anfängt überzudestilliren; dann löscht man das Feuer aus, und läßt den Apparat längere oder kürzere Zeit in diesem Zustande, je nachdem die Harze schwerer oder leichter zergehen. Muß man sie umrühren, um ihre Auflösung zu erleichtern, so geschieht dieses, indem man die Kurbel dreht. Die Operation ist beendigt, wenn man die Kurbel ohne Schwierigkeit umdrehen kann. Man nimmt dann den Apparat aus einander, seiht den Firniß durch Leinewand und gießt ihn in große Steingutgefäße, wo er sich absezt und klärt; will man ihn aber sogleich anwenden, so filtrirt man ihn durch Papier. Lezteres Verfahren läßt sich im Kleinen gut anwenden, denn es liefert ein viel besseres Produkt; im Großen aber ist es langwierig, kostspielig und unanwendbar.

Während der Auflösung der Harze destillirt immer eine gewisse Menge Weingeist über; da diese also dem Firniß abginge, so vermischt man sie mit ihm, um ihm wieder die gehörige Flüssigkeit zu geben.

Das Marienbad darf man nur zur Hälfte oder zu zwei Drittel anfüllen, denn wenn der Weingeist etwas klebrig geworden ist, so kann er beim Kochen leicht so schäumen, daß er in den Hals des Helms treten würde, welcher also durch das mitgerissene Harz verstopft werden könnte; es wäre dann den Dämpfen jeder Ausgang versperrt, sie würden folglich den Helm aufheben, und könnten dadurch einen Brand verursachen, der bei einer etwas beträchtlichen Masse Firniß sehr schwer zu löschen wäre.

Weißer Weingeistfirniß Nr. 1.

Sandarak 8 1/3 Unzen.
Mastix in Körnern 2
Elemiharz 1
Terpenthin 2

Weingeist von 33° Cartier (0,8598 specif. Gew.) 1 Maaß.53)

Man bringt den Sandarak, den Mastix und das Elemiharz in einen Kolben oder in ein Marienbad, je nach der Quantität, die man in Arbeit nimmt, gießt den Weingeist darauf und verfährt auf angegebene Weise; den Terpenthin schmilzt man für sich im Marienbade, und sezt ihn dann der Auflösung der anderen Harze zu, wenn diese vollständig erfolgt ist; hierauf filtrirt man den Firniß durch Leinewand oder Papier, und bewahrt ihn in gut schließenden Gefäßen auf. Dieser Firniß ist sehr glänzend, wenig gefärbt, und |362| kann gebimst und polirt werden, obgleich er keine sehr große Härte hat. Man wendet ihn meistens im Innern für das Täfelwerk der Zimmer an, oder auf farbigem Papiere, welches polirtes Holz nachahmen soll, und im Allgemeinen für alle Gegenstände, welche nicht mit harten Körpern gerieben werden.

Im Handel kommen noch zwei andere, mit Nr. 2 und Nr. 3 bezeichnete Firnisse vor, die nach demselben Verfahren bereitet werden. Sie unterscheiden sich von dem oben angegebenen nur dadurch, daß bei Nr. 2 das Elemiharz durch die doppelte Menge weißen Fichtenharzes, und bei Nr. 3 der Mastix durch sein gleiches Gewicht Fichtenharz ersezt ist; der Terpenthin ist in beiden bloß solcher von Bordeaux.54) Diese beiden Firnisse sind weder so schön noch so dauerhaft wie Nr. 1, und werden für Gegenstände von geringerem Werthe angewandt.

Firniß für hölzerne Kunstwerke.

Weicher Copal 25 Unzen.
Mastix in Körnern 4 –
Venetianischer Terpenthin 2 –
Alkohol von 40° Cartier 1 Maaß.

Man läßt zuerst den Alkohol auf den Copal wirken, wobei sich der in Alkohol unauflösliche Theil dieses Harzes in eine Substanz verwandelt, die weich und elastisch wie Kautschuk ist; man seiht die Masse durch Leinewand, um das Unaufgelöste abzusondern, und sezt dann den Mastix zu; nachdem derselbe zergangen ist, sezt man auch den Terpenthin zu, welchen man vorher im Marienbade zergehen ließ; nach einigem Schütteln vereinigt er sich mit den übrigen Substanzen; man braucht nun diesen Firniß nur noch zu filtriren. Alle diese Manipulationen müssen in der Kälte oder bei einer niedrigen Temperatur vorgenommen werden, wenn man ein schönes Product erhalten will.

Dieser für kleine hölzerne Kunstwerke bestimmte Firniß muß weiß seyn, schnell troknen, und gebimst und polirt werden können.

Firniß für Kutschengestelle.

Sandarak 6 1/3 Unzen.
Blondes Gummilak 3
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Kolophonium

4

Unzen.
Terpenthin von Bordeaux 6
Weingeist von 33° Cartier 1 Maaß.

Man löst die Harze im Weingeist auf, sezt dann den Terpenthin zu, seiht den Firniß durch, und bewahrt ihn in gut verschlossenen Gefäßen auf.

Dieser Firniß dient zum Anrühren der Farben, womit man das Gestell und die Räder kostspieliger Kutschen zulezt anstreicht.

Firniß für musikalische Instrumente.

Sandarak in Körnern 4 Unzen.
Gummilak in Körnern 2 –
Mastix in Körnern 2 –
Venetianischer Terpenthin 2 –

Dieser Firniß wird ganz wie die vorhergehenden bereitet; er muß durch Papier filtrirt werden.

Firniß der Kunstschreiner.

Blonder Gummilak 25 Unzen.
Mastix in Körnern 2 –
Weingeist von 36° Cartier (0,843 specif. Gew.) 1 Maaß.

Die Harze werden in der Kälte in einem Kolben unter öfterem Umrühren aufgelöst; dieser Firniß, welcher dauerhaft und stark gefärbt ist, dient um Meubles den Glanz von Mahagoniholz zu geben. Die Kunstschreiner wenden ihn an, ohne ihn durchzuseihen; er ist immer trübe.

Mit denselben Harzen erhält man, wenn man sie in dem angegebenen Verhältniß in absolutem Alkohol auflöst, einen Firniß, welcher viel schneller troknet und von den Buchbindern angewandt wird. Nach Beendigung aller Operationen beim Einbinden der Bücher hat der Glanz des Saffians immer, so sorgfältig der Buchbinder auch verfahren mochte, gelitten; er läßt sich aber sehr leicht wieder herstellen, wenn man mit einem baumwollenen Tupfbällchen eine sehr schwache Schichte von jenem Firniß darauf streicht. Hiezu muß der Firniß aber sorgfältig bereitet und filtrirt worden seyn.

Watin's Firniß für die Vergoldung.

Gummilak in Körnern 4 Unzen.
Gummigutt 4 –
Drachenblut 4 –
Orlean 4 –
Safran 1 –
|364|

Man läßt jedes Harz in der Kälte in 56 Loth Weingeist von 36° Cartier zergehen; das Drachenblut und den Orlean löst man jedes für sich in 28 Loth Weingeist von derselben Stärke auf; diese verschiedenen Auflösungen und Tincturen filtrirt man, und bewahrt sie in besonderen Gefäßen auf. Vor dem Gebrauche vermischt man sie in den geeigneten Verhältnissen, um die gewünschten goldgelben Nüancen zu erhalten.

Man bereitet noch viele Firnisse dieser Art für die Folienfabrikation; Tingry gibt dazu in seinem Werke mehrere Vorschriften, welche uns die Aufmerksamkeit derjenigen zu verdienen scheinen, die sich mit diesem Industriezweige beschäftigen.

Firniß für Gegenabdrüke.

Um die Kupferstiche oder Lithographien auf dem Holze zu befestigen, worauf man sie übertragen will, wendet man einen im Handel unter dem Namen Beize bekannten Firniß an, den man wie die anderen bereitet; nur kommt dazu eine größere Menge Terpenthin, um ihn klebriger zu machen.

Sandarak 8 1/3 Unzen.
Mastix in Körnern 2
Weißes Fichtenharz in Körnern 4
Venetianischer Terpenthin 8

Dieser Firniß troknet langsam; er muß sorgfältig bereitet und filtrirt werden, damit er die Lithographien, worauf man ihn aufträgt, nicht beschmuzt.

Man bereitet auch einige Firnisse mit Aether, in welche Copal oder Kautschuk kommt; wir lassen sie hier weg, weil sie nur in seltenen Fällen angewandt werden, und man in Tingry's Werke mehrere Vorschläge findet, die einen Leitfaden zur Bereitung anderer abgeben können.

(Fortsezung und Beschluß im nächsten Hefte.)

|349|

Wir haben im vergangenen Jahre im Polyt. Journ. Bd. LII. S. 279 einen sehr schäzbaren Aufsaz eines englischen Fabrikanten über Firnißbereitung mitgetheilt, welchen wir mit gegenwärtiger Abhandlung zu vergleichen bitten. Zu einzelnen Firnissen für verschiedene Zweke findet man im Polyt. Journale Bd. VIII. S. 370, Bd. IX. S. 121 und 494, Bd. XIII. S. 151, Bd. XXII. S. 454, Bd. XXIV. S. 233, Bd. XXVII. S. 463, Bd. XL. S. 76, Bd. XLIII. S. 398 Vorschriften. A. d. R.

|351|

Martin und Clément waren zwei Lakirer, die sich in ihrer Kunst berühmt machten; sie waren jedoch nur gewöhnliche Arbeiter ohne Kenntnisse, die bloß mit größerer Sorgfalt bei ihren Manipulationen verfuhren; ihre Verfahrungsarten hielten sie immer geheim; nur Martin hat eines oder zwei Recepte zur Bereitung des Copalfirnisses bekannt gemacht, welche jedoch bei weitem kein so vorzügliches Product liefern, wie unser gegenwärtiger Copalfirniß es ist. A. d. O.

|351|

Von Tingry's Werk erschien im Jahre 1804 in Leipzig in 2 Bänden eine Uebersezung von Eschenbach unter dem Titel: Tingry's neues Handbuch für Maler und Lakirer. Außerdem sind empfehlenswerth: Stöckel's Handbuch für Künstler, Lakirliebhaber etc., München 1817; 4te Auflage, 4 Bde.; Thon's vollständige Anleitung zur Lakirkunst, Ilmenau 1825, 3te Auflage. A. d. R.

|353|

Der afrikanische Copal enthält nach der Analyse von Unverdorben (Schweigger's neues Journal der Chemie Bd. XXIX. S. 460) nicht weniger als fünf verschiedene Harze. A. d. R.

|361|

Ein Loth ist = 240 Gran Apothekergewicht; 1 Maaß = 2 Pfd. Wasser.

|362|

Man unterscheidet in Frankreich folgende Qualitäten von Terpenthin: 1) Térébenthine de Strasbourg, Straßburger Terpenthin, aus dem Elsaß, Schwarzwald etc.; 2) de Provence, aus der Gegend von Cuges, zwischen Marseille und Toulon: er ist van sehr geringer Art; 3) de Bordeaux oder de Bayonne, aus den Heidestreken zwischen Bordeaux nach Bayonne zu.a. d. R.

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