Titel: Anhang zu Neil's Abhandlung über die Firnißbereitung.
Autor: Neil, J. Wilson
Fundstelle: 1835, Band 56, Nr. LXXXII. (S. 459–461)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj056/ar056082

LXXXII. Anhang zu Hrn. Wilson Neil's Abhandlung über die Firnißbereitung.67)

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. März 1835, S. 203.

Leinöhl.

Man gebe 25 Gallons Leinöhl in einen eisernen oder kupfernen Topf, welcher wenigstens 30 Gallons zu fassen vermag, zünde ein Feuer darunter an, und steigere die Hize allmählich so, daß das Oehl zwei Stunden lang gelinde siedet. Während dieser Zeit verdunstet die in dem Oehle enthaltene Feuchtigkeit, und wenn sich Schaum auf die Oberfläche erhebt, so nehme man diesen ab, und bewahre ihn zu niedrigeren Zweken eigens auf. Hierauf steigere man das Feuer allmählich, und streue in kleinen Quantitäten 3 Pfd. schuppige Bleiglätte (W. B. scale litharge), 3 Pfd. guten Mennig und 2 Pfd. türkischen Oker (umber) ein, welche vollkommen troken und frei von aller Feuchtigkeit seyn müssen. Würde man feuchte Troknungsmittel anwenden, so würde sich das Oehl aufblähen, dunkel werden, trüb und dik, klebrig und zäh aussehen, nicht in gehöriger Zeit troknen und erhärten, und beim Auftragen nicht nur wie eine Haut auf den Gegenständen liegen, sondern sich auch sehr leicht in Bläschen erheben.

Sobald nun die Troknungsmittel dem Oehle zugesezt worden sind, verhindere man durch fortwährendes Umrühren, daß sie sich zu |460| Boden sezen, weil sie sonst anbrennen und das Oehl schwarz färben, oder es auch zu dik machen würden, bevor es noch hinreichend gekocht hat. Das Feuer ist so zu regeln, daß das Oehl vom Zeitpunkte des Zusazes der Troknungsmittel an drei Stunden lang langsam fortsiedet; sobald sich nach Ablauf dieser Zeit kein Schaum mehr bildet, und wenig oder gar kein Rauch aus dem Oehle emporsteigt, muß man sich einiger Federspulen bedienen. Dergleichen Federspulen muß man nämlich alle 2 Minuten in das Oehl eintauchen; denn wenn das Oehl hinreichend gekocht hat, so werden die Federn knattern, oder sich ganz verbrannt aufkrümmen. Ist dieß der Fall, so lösche man das Feuer alsogleich aus, und lasse das Oehl wenigstens 10 bis 24 Stunden lang oder darüber in dem Topfe stehen, denn die Troknungsmittel sezen sich weit schneller zu Boden, wenn man das Oehl in dem Topfe selbst abkühlen läßt, als sie sich sezen, wenn dieses unmittelbar nach dem Sieden aus dem Topfe herausgenommen wird.

Das gesottene Oehl soll jederzeit in dazu eingerichteten Gefäßen oder in Behältern, welche mir Blei ausgefüttert und gegen die Sonne geschüzt sind, aufbewahrt werden; bleierne Behälter begünstigen die Klärung und die troknende Eigenschaft. Es muß vor dem Zutritte der Luft und der Sonne verwahrt bleiben, indem es sonst schmierig und klebrig, oder, wie man zu sagen pflegt, kleistrig wird. Gutes, nach diesen Anweisungen gesottenes Oehl wird blaß, dünn, flüssig und glänzend seyn; es wird sich mit dem Pinsel oder der Bürste leicht auftragen lassen, und beim Troknen glänzend und hart werden, ohne Unebenheiten zu bekommen. Einige Firnißsieder sezen dem gesottenen Oehle Harz zu, um auf diese Weise dessen Quantität zu vermehren; dieß ist jedoch ein Betrug, denn der Art verfälschtes Oehl wird den Farben sehr schädlich, indem es lange klebrig bleibt, und sich beim Auftragen mit dem Pinsel schmierig zeigt, oder sich verkleistert. Selbst wenn solches Oehl getroknet ist, wird dessen Oberfläche gewöhnlich schwarz; auch fällt es bald ab, so daß die Gegenstände, die dadurch geschüzt werden sollen, weder der Sonne, noch der Witterung Stich halten.

Mohnöhl.

Auch dieses bekanntlich sehr milde Oehl erfordert eine vorläufige Behandlung, um es schneller troknen zu machen. Da es eine blässere Farbe hat, als die übrigen Oehle, und da die Erfahrung zeigte, daß sich zarte Farben, wenn sie mit diesem Oehle abgerieben werden, nicht so leicht verändern, so gibt man ihm in solchen Fällen |461| den Vorzug vor den übrigen Oehlen. Ich theile hier folgende beide Methoden das Mohnöhl schnell troknend zu machen mit.

Erstes Verfahren. Man gebe in vier Pinten reinen weichen Wassers zwei Unzen ausländischen weißen Vitriol (foreign white copperas), und erwärme das Wasser in einem reinen kupfernen oder glasirten irdenen Gefäße, bis der Vitriol aufgelöst ist. Dann gieße man die Auflösung in eine reine gläserne oder steinerne Flasche, welche drei Gallons zu fassen vermag, seze ihr 1 1/2 Gallons Mohnöhl bei, und schüttle die Flasche regelmäßig und lebhaft wenigstens zwei Stunden lang. Nach Ablauf dieser Zeit gieße man den Inhalt in eine weite irdene Schale aus, in der man ihn acht Tage ruhig stehen lassen soll, wo dann das Oehl klar und hell obenauf stehen wird, und mit einem Löffel abgenommen werden kann. Endlich seze man das abgenommene Oehl in einer gläsernen Flasche der Einwirkung des Lichtes aus, an welchem es in wenigen Wochen vollkommen klar und farblos werden wird.

Zweites Verfahren. Man gibt in vier Pinten reinen weichen Wassers zwei Unzen weißen Vitriol, und erwärmt das Wasser wie beim vorigen Verfahren. Dann sezt man 1 1/2 Gallons Mohnöhl, eine Unze calcinirte Bittererde, und eine Unze gepülverten Braunstein zu, und schüttelt die Flasche wenigstens zwei Stunden lang sehr lebhaft, worauf man die Masse in einen neuen flanellenen, über einem flachen irdenen Geschirre aufgehängten Sak leert. Wenn die Flüssigkeit durch den Sak gelaufen ist, so werden die Troknungsmittel herausgeschafft, der Sak ausgewaschen und zu einer neuen Operation aufbewahrt. Das Oehl und das Wasser werden dann, nachdem sie eine Woche lang ruhig gestanden haben, auf die oben beschriebene Weise von einander geschieden. Man stellt das Oehl in einer Flasche an das Licht; je länger es aufbewahrt wird, um so blässer wird es, und um so schneller wird es troknen.

Nußöhl.

Das ohne Mitwirkung der Wärme aus den Wallnüssen gewonnene Oehl ist sehr blaß und sehr rein; von weit schlechterer Beschaffenheit ist jedoch jenes, dessen man sich gewöhnlich in den Künsten und Gewerben bedient; dieses troknet nämlich wegen der Röstung oder Erhizung, der man die Nüsse vor dem Auspressen aussezte, weit schneller, als das kalt gepreßte; leider ist es aber dabei auch weit dunkler von Farbe. Das kalt gepreßte Nußöhl muß, wenn man es schneller troknen machen will, auf dieselbe Weise behandelt werden, wie das Mohnöhl.

Der höchst interessante Aufsaz des Hrn. Neil, zu welchem gegenwärtiger Nachtrag gehört, ist im Polytechn. Journale Bd. LII. S. 302 u. S. 372 enthalten. A. d. R.

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