Titel: Bericht über die von der Kammer aus ladbaren Jagdflinten.
Autor: Séguier, Armand Pierre
Fundstelle: 1835, Band 58, Nr. XVII. (S. 146–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj058/ar058017

XVII. Bericht des Hrn. Baron Séguier über die von Hrn. Lefaucheux, Büchsenmacher in Paris, erfundenen, von der Kammer aus ladbaren Jagdflinten.

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. März 1835, S. 97.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Schon seit außerordentlich langer Zeit weiß man, daß die Musketen, oder die Flinten mir gezogenen Laufen viel weiter tragen, als alle übrigen, und doch beschäftigte man sich bisher nur sehr wenig damit, diese Vorzüge auch den mit Schroten zu ladenden Jagdflinten zuzuwenden. Die Sache hatte auch wirklich ihre Schwierigkeiten; und das einzige mögliche Mittel zur Erreichung dieses Zwekes schien darin zu liegen, die Flinten mit Patronen zu laden, an denen die Schrote durch eine Scheidewand, deren Durchmesser etwas größer gewesen wäre, als jener des Flintenlaufes, von dem Pulver getrennt wären. Eine derlei Patrone konnte aber nur mit großem Kraftaufwands bis in die Kammer gebracht werden; und selbst in diesem Falle nicht ein Mal ohne einen theilweisen Verlust der beabsichtigten Vortheile. Denn die zwischen das Blei und das Pulver gebrachte Scheidewand würde sich doch gleich dem Durchmesser des Laufes so angepaßt haben, daß sie kaum etwas besser gewesen wäre, als ein gut eingerammter Pfropf.

Allein nicht ein Mal diese Methode konnte füglich in Anwendung gebracht werden, weil eine Jagdflinte, wenn sie gut schießen soll, an ihrer Mündung etwas enger seyn muß, als an der Kammer oder an der Schwanzschraube. Wenn daher der fragliche Zwek erreicht werden soll, so muß die auf die angegebene Weise verfertigte Patrone in eine Kammer gebracht werden, deren Durchmesser etwas größer ist, als jener des Laufes, und die sich kegelförmig mit lezterem verbindet. Dergleichen Gewehre können demnach nur von der Kammer oder von der Schwanzschraube aus geladen werden, worauf denn auch gleich mehrere Büchsenmacher eingingen, nachdem ein Mal die ersten Feuergewehre mit beweglicher Schwanzschraube oder mit sogenanntem gebrochenem Laufe erfunden waren.

Es ist hier nicht meine Aufgabe in eine historische Aufzählung aller der Modificationen, welche bisher in dieser Hinsicht an den Feuergewehren angebracht wurden, einzugehen; ich bemerke nur, daß Hr. Pauly der erste war, der diese Art von Gewehren, die früher nur für Curiositäten galten, in den Handel brachte.

Hr. Lefaucheux, der lange in den Werkstätten Pauly's arbeitete, |147| und der dessen Erfindungen von Anfang an verfolgte, hat der Gesellschaft die Zeichnungen der verschiedenen Modificationen vorgelegt, denen er die Erfindung Pauly's unterwarf, um sie auf jenen Grad von Vollkommenheit zu bringen, auf welchem sie sich gegenwärtig befindet. Die Erfahrung zeigte ihm die praktischen Nachtheile, die mit jeder der früheren Modificationen verbunden waren, und brachte ihn endlich auf eine Flinte, welche sich vielfach bewährte, und welche er dem Urtheile der Gesellschaft unterlegte.

Die Flinte des Hrn. Lefaucheux besteht aus einem Laufe, der mittelst einem an seinem Umfange angebrachten Tangenten-Charnier an einem im Winkel gebogenen Eisenstüke, gegen welches sich dessen unteres Ende stemmt, befestigt ist. Mit diesem Stüke, welches als Kammer oder Schwanzschraube dient, wird der Lauf mittelst eines Tförmigen Zugbandes, dessen Kopf zwischen zwei unter dem Laufe angeschweißte Haken eingreift, in Berührung erhalten. Das die Schwanzschraube bildende Stük dient zugleich als Schwengelstük oder Schaukel, und ist wie gewöhnlich zwischen den beiden Schloßblechen in das Holz eingelassen. Der Kopf des T ist so gebaut, daß er, wenn man die Flinte zum Behufe des Abfeuerns schließen will, den Lauf gegen das die Schwanzschraube bildende Stük anzieht; während er, wenn man eine neue Patrone einlegen will, den Lauf leicht emporhebt, um die Adhärenz der verschiedenen Theile an einander zu überwinden. Das T selbst wird bald mit einem eigenen Hebel, bald mit der Bügelbrüke in Bewegung gesezt. Das Pulver wird, wie gewöhnlich, durch den Schlag eines Hahnes auf einen in den Lauf geschraubten Piston entzündet.

Man wird sich vielleicht bei genauer Untersuchung dieser Flinte fragen, warum das Charnier, welches den Lauf mit dem Schafte verbindet, unter dem Lauf angebracht wurde, und warum das Abfeuern nicht in der Achse geschieht. Auch uns drängte sich diese Bemerkung auf, und wir wollen daher die Gründe anführen, die Hrn. Lefaucheux zur Befolgung dieser Methode veranlaßten. Das Abfeuern in der Achse (le tirage dans I'axe) kann, wenn das Ende des Laufes dicht an dem die Schwanzschraube oder die Kammer bildenden Stüke erhalten werden soll, nur mit Hülfe von Seitenplatten Statt finden, die aber, wie die Erfahrung lehrte, selbst nach kurzer Zeit schon durch den Gebrauch des Feuergewehres eine so merkwürdige Veränderung erleiden, daß ich mir einige Bemerkungen darüber erlaube.

Es zeigt sich nämlich an dieser Art von Flinten selbst schon nach sehr kurzem Gebrauche da wo sich der Lauf endigt, eine Art von Furche, die immer tiefer wird. Ist nun diese Ausfurchung, |148| welche im Stahle oder in Eisen, welches noch härter ist, indem es in Paketen gehärtet und dann nicht mehr angelassen wurde, entsteht, das Resultat einer mechanischen Wirkung, welche das Gas bei seinem Entweichen ausübt, oder ist sie vielmehr das Resultat einer chemischen Wirkung, die durch eine Verbindung des Schwefels des Schießpulvers mit dem Eisen bedingt ist? Wir haben Untersuchungen hierüber angestellt, und dabei gefunden, daß die angegangenen Theile der Platte härter geworden, als alle übrigen Stellen derselben, und daß an der Kupferplatte, welche zwischen den beiden Läufen angebracht ist, damit sich das Feuer des einen nicht auch auf den anderen fortpflanzen kann, gar keine oder wenigstens keine merkliche Veränderung dieser Art vorgegangen. Der gute Zustand der kupfernen Zwischenplatten an Flinten, deren Seitenplatten bereits tief gefurcht waren, ließ demnach keinen Zweifel, daß diese schnelle Abnüzung der lezteren, abgesehen von den mechanischen Einflüssen, hauptsächlich durch eine chemische Verbindung bewirkt wird.

Hr. Lefaucheux hätte hierauf gestüzt diesen Nachtheilen leicht dadurch ausweichen können, daß er die Seitenplatten mit Kupfer gefüttert hätte; er zog es jedoch vor diese Seitenplatten lieber ganz entbehrlich zu machen, was ihm denn auch gelungen ist. Man hätte glauben sollen, daß seine einfache Vorrichtung, die die Handhabung des Gewehres leicht und bequem machte, die Jäger endlich zufrieden stellen würde; dem war jedoch nicht so, denn je näher die neue Erfindung ihrer Vollendung kam, um so höher steigerte man die Ansprüche an dieselbe; und da man gegen deren Mechanismen nichts mehr vorzubringen wußte, so machte man ihr den Vorwurf, daß Gas bei ihr verloren gehe.

Dieses Entweichen bewirkte nach der Ansicht der Mehrzahl eine Verminderung der Schußweite, so wie denn, in dessen Folge auch die Finger beschwärzt wurden. Wir unsererseits fanden nur den lezteren dieser Vorwürfe begründet, und so unbedeutend derselbe auch an und für sich ist, so machte sich Hr. Lefaucheux doch neuerdings an die Arbeit, um auch ihn zu beseitigen. Er kam hiebei auf die glükliche Idee die Schließmethode der hydraulischen Pressen auch auf die Flinten anzuwenden. Man bedient sich an lezteren nämlich bekanntlich einer ledernen Kapsel, deren Ränder sich mit um so größerer Kraft gegen die Wände eines Gefäßes anlegen, je mehr die darin enthaltene Flüssigkeit comprimirt wird, und mit je größerer Kraft sie folglich zu entweichen trachtet. Da es sich nun an den Flinten nicht um das Entweichen einer Flüssigkeit, sondern um jenes eines entzündeten Gases handelte, so wendete Hr. Lefaucheux natürlich kein Leder an, sondern er versah seine Patrone mit einer Unterschale |149| aus dünnem Kupfer. Die biegsamen Ränder dieser Unterschale oder dieses Hütchens, welches die Form einer großen Kapsel hat, dehnen sich im Augenblike der Explosion aus, und legen sich mit solcher Genauigkeit gegen die Wände des Laufes an, daß auch nicht das geringste Entweichen von Gas möglich ist. Wir halten diese eben so einfache, als sinnreiche Vorrichtung, die so glüklich von der hydraulischen Presse auf die Flinten übertragen wurde, für eine der wesentlichsten Verbesserungen, die seit langer Zeit an den von der Kammer aus ladbaren Flinten gemacht wurde. Wir glauben sogar, daß der ganzen Büchsenmacherkunst hiedurch ein großer Dienst geleistet wurde, indem man nun selbst Schließungen, die nicht sehr genau passen, nicht nur gegen das Entweichen von Gas verwahren kann, sondern indem es nunmehr weniger auf die Genauigkeit, als auf die Festigkeit und Solidität der Schließung ankommen wird, so daß eine der größten Schwierigkeiten, die die Verfertigung der Flinten mit gebrochenem Laufe darbot, gehoben seyn dürfte. Wir bemerken nur noch, daß sich Hr. Lefaucheux die Vortheile, die er aus seiner Erfindung zu ziehen hoffen darf, durch ein Patent gesichert hat.

Die Commission hat auf das Verlangen des Erfinders mehrere vergleichsweise Versuche mit seiner neuen Flinte, deren Resultate wir hier mittheilen wollen, angestellt. Wir bemerken vorläufig nur, daß bei den Versuchen blaues halbgeleimtes Papier, weißes Rosenpapier (papier blanc rose), und graues ungeleimtes Papier angewendet ward, und daß sämmtliche Flinten mit gleichem Papiere versucht wurden.

Erster Versuch mit weißem Rosenpapiere.

Lefaucheux's Flinte mit einer Ladung von 70 Gran Pulver und einer Unze Blei Nr. 4 schlug durch 37, und bei einem zweiten Schusse mit gleicher Ladung durch 49 Bogen Papier. Pottet's Flinte mit einer Ladung von 55 Gran Pulver und einer gleichen Menge Blei schlug durch 41 Bogen. – Da hier wegen der Ungleichheit der Ladungen kein Vergleich angestellt werden konnte, so wurden die Ladungen bei den nächsten Versuchen gleich gemacht; und um vollkommene Gleichheit des Pulvers zu erzielen, wurde die Flinte Lefaucheux's mit Patronen, die für die Flinte Pottet's bestimmt waren, geladen. Doch muß bemerkt werden, daß diese Patronen in erstere Flinte mit größerer Leichtigkeit paßten, als in leztere.

Zweiter Versuch. Pulverladung 55 Gran. Blei Nr. 4 eine Unze. Die Flinte von Lefaucheux schlug durch 25, jene von Pottet durch 31 Bogen blaues Papier. Die Patrone ward mit einem Streifen Papier umwikelt, damit sie etwas genauer in die |150| erstere einpaßte. Von dem weißen Rosenpapiere durchschlug erstere 46 und leztere 50 Bogen; von dem grauen Papiere hingegen durchschlug die Flinte von Lefaucheux 71, jene von Pottet aber 74 Bogen, worauf dann erstere noch ein Mal durch 51 Bogen trieb. Das Papier wurde bei diesem Versuche umgekehrt, und Lefaucheux schoß auf Papier, auf welches bereits von Pottet geschossen worden. Den zweiten Schuß hingegen schoß Lefaucheux auf neues Papier ab.

Dritter Versuch. Vergleichung der Flinte von Lefaucheux mit jener von Robert. Ein Schuß aus der Flinte von Robert mit 55 Gran Pulver ohne Patrone drang durch 49 Bogen graues Papier; ein zweiter Schuß mit einer Patrone zu 52 Gran Pulver hingegen drang durch 66 Bogen. Ein Schuß aus der Flinte von Lefaucheux mit 52 Gr. Pulver einer Robert'schen Patrone, die in eine Patrone Lefaucheux's umgewandelt worden, schlug durch 73 Bogen. Ein dritter Schuß aus Robert's Flinte auf Papier, welches bereits getroffen worden, drang durch 73 Bogen, und ein zweiter Schuß aus Lefaucheux's Flinte auf Papier, welches gleichfalls angewendet worden, drang ebenfalls durch 73 Bogen. Der Umstand, daß das Papier bereits getroffen worden, muß deßhalb bemerkt werden, weil durch das Zählen der Blätter deren Aneinanderliegen vermindert wird, so daß die Schüsse nicht so leicht durchdringen.

Vierter Versuch, angestellt zur Ermittelung der besten Entzündungsmethode, dieselbe mag von der Seite des Laufes oder von Rükwärts geschehen. Die Versuche wurden mit zwei Flinten Lefaucheux's vorgenommen, die jedoch in Hinsicht auf die Art der Entzündung verschieden gebaut waren. Der erste Schuß, bei welchem die Entzündung von Rükwärts und in der Seele geschah, drang mit einer Ladung von 70 Gr. Pulver durch 71 Bogen graues Papier; der zweite Schuß, bei welchem die Entzündung am Laufe erfolgte, drang bei einer gleichen Ladung durch 72 Bogen.

Aus allen diesen Versuchen ergibt sich im Allgemeinen, daß es sehr irrig ist, wenn man glaubt, daß die Schußweite einen um so größeren Nuzeffect hat, als die Pulverladung groß ist. Wir bedienen uns des Wortes Nuzeffect, weil wir durchaus nicht behaupten wollen, daß die Entfernung, bis auf welche das Geschoß getrieben wird, nicht mit der Triebkraft, die ihm die Bewegung mittheilte, steigt. Wir sind überzeugt, und die angeführten Versuche dienen als Beweis, daß das Geschoß um so weniger tief eindringt, je mehr die Geschwindigkeit einen gewissen Grad übersteigt; man wird sich dieß auch sehr leicht erklären können, wenn man bedenkt, daß ein Körper |151| um so schwerer eindringen muß, je geringer die Zeit ist, die den Theilchen, auf die er trifft, gelassen wird, Ihre Stelle zu verlassen. Auf diese Weise erklärt sich auch ganz natürlich die anscheinend höchst sonderbare Erscheinung, daß eine ganz aus der Nähe abgeschossene Kugel sich an einer Planke abplattet, während sie aus größerer Entfernung abgeschossen dieselbe durchdringt.

Wir haben mir aller Strenge und Genauigkeit hergestellt, daß die Flinte des Hrn. Lefaucheux kein Gas mehr entweichen läßt, indem die Jäger auf diesen Punkt, der unserer Ansicht nach nicht von so gar hohem Belange ist, besonders großes Gewicht legen. Die Gränzen dieses Berichtes gestatten uns jedoch nicht unsere Ansicht über diesen Punkt ausführlich zu entwikeln; wir bemerken nur, daß sich unsere Ansicht auf eine neue Art der Anschauung der mit der Entzündung des Pulvers in Verbindung stehenden Erscheinungen fußt, und daß wir glauben, daß man bisher die chemischen Erscheinungen, wie z.B. die Erzeugung eines Gasts, noch nicht gehörig von den rein mechanischen Erscheinungen, wie z.B. von der Nuzanwendung einer erzeugten Kraft unterschied. Die oben erwähnten Versuche selbst bestätigen hierin unsere Ansicht; denn eine Robert'sche Flinte, an welcher eine merkliche Menge Gas entweicht, trägt diesen Versuchen gemäß eben so weit, als eine Flinte, an der alles erzeugte Gas nur an der Mündung des Laufes allein entweichen kann.

Wir können daher als die Vorzüge der Flinte des Hrn. Lefaucheux hervorheben, daß ihre Schließung sehr große Festigkeit gewährt, indem wir mehrere Male ohne allen Nachtheil aus beiden Läufen zugleich doppelte Ladungen abfeuerten; daß sie sich sehr leicht laden und ohne viele Mühe reinigen läßt; daß ihre mit den Kapseln versehenen Patronen, von denen erstere nach dem Abfeuern beinahe ganz herausgenommen werden, das Schmuzigwerden der Kammer verhindern; und daß der Lauf durch den festen Pfropf, der beim jedesmaligen Abfeuern ausgetrieben wird, jedes Mal so gereinigt wird, daß er selbst nach einer großen Anzahl von Schüssen immer noch eben so rein und brauchbar ist, wie vom ersten Anbeginn.

Obwohl es bei diesen Eigenschaften nicht sehr auf die Leichtigkeit des Zerlegens und der Reinigung ankommt, so nimmt Hr. Lefaucheux doch auch in Hinsicht auf Einfachheit des Baues den Vorzug für seine neue Flinte in Anspruch; und wir müssen auch in dieser Hinsicht gestehen, daß dieselbe aus weniger Theilen zusammengesezt ist, als die früheren. Die Lobsprüche, die wir hier in allen diesen Hinsichten den Flinten Lefaucheux's zu machen gedrungen waren, haben auch bereits den besten Prüfstein, nämlich die Gunst |152| des Publicums für sich, über die wir in den Handelsbüchern des Erfinders die sprechendsten Beweise fanden.

Der Erfindungsgeist des Hrn. Lefaucheux ist gegenwärtig auf verschiedene Modificationen gerichtet, die er an den Feuergewehren der französischen Armee, die immer noch an Vollkommenheit den Gewehren anderer Armeen, wie z.B. der schwedischen, nachstehen, gerichtet. Hat er hiebei wohl auch die Hindernisse erwogen, die ihm hierin im Wege stehen? Er hat hier gegen alte Gewohnheiten und nach einander gegen alle die Vorschriften zu kämpfen, durch welche nicht nur zahlreiche Mängel verdekt, sondern auch die unter Beihülfe einer verständigen Theorie gemachten Verbesserungen in Mißcredit gezogen werden. Hr. Olivier wird jedoch über die Arbeiten des Hrn. Lefaucheux auf diesem Felde berichten, so daß wir der Gesellschaft nur noch im Namen der Commission vorzuschlagen haben, den Erfinder einer jener Auszeichnungen zu würdigen, womit sie dergleichen Verdienste zu belohnen pflegt.

Fig. 17 zeigt eine mit allen ihren Theilen ausgestattete Flinte von der neuen Art.

Fig. 18 zeigt eine ähnliche Doppelflinte mit abgebogenen Läufen, so daß sie zur Aufnahme der Patronen bereit sind.

Fig. 19 ist ein Längendurchschnitt derselben in doppelt größerem Maaßstabe gezeichnet.

Fig. 20 zeigt den Schlüssel im Auf- und Grundrisse.

Fig. 21 stellt das sogenannte T im Aufrisse und Grundrisse vor.

Fig. 22 zeigt die Schraube des T im Aufrisse und von Unten.

Fig. 23 ist eine mit ihrer Unterschale oder ihrer Kapsel versehene Patrone.

Fig. 24 zeigt die Kapsel von Vorne.

Gleiche Buchstaben beziehen sich an allen Figuren auf gleiche Gegenstände.

a, a ist der Lauf.

b, b sind Haken, die unter dem Pulversake angebracht sind, und in welche eine Art von Riegel, das sogenannte T eingreift.

c ist eine Spindel, die wie ein Pfeifchen zugeschnitten ist, und womit das T zurükgehalten wird.

d ist der an dem Laufe angebrachte Rauchfang, der zur Aufnahme der Zündkapsel dient.

e ist ein unter der Schaukel angebrachter Schlüssel, welcher horizontal von Links nach Rechts umgedreht wird, wenn man die Haken losmachen und die Läufe abbiegen will. In das Vierek dieses Schlüssels paßt das untere Ende des T, welches durch eine Schraube darin zurükgehalten wird.

|153|

f ist das sogenannte T; der mit f' bezeichnete Theil desselben ist schräg abgeschnitten, damit er gegen das schief abgeschnittene Ende der Spindel c geschoben werden kann. Eine Feder, die zwar in Fig. 19 nicht sichtbar, dafür aber in Fig. 18 angedeutet ist, stemmt sich gegen das T, und hält den Schlüssel während des Ladens der Flinte entfernt.

g ist eine Schraube, welche den Schlüssel an dem T befestigt.

h ein Ring, der das T umgibt; er ist an einem Theile seines Umfanges ausgeschweift, und zwar zum Behufe der Aufnahme eines kleinen im Grunde der Schaukel befestigten Züngelchens.

i ein rechtwinkelig gebogenes Eisenstük, die sogenannte Schaukel, welches mit gehöriger Festigkeit an der Flinte befestigt ist, und auf dessen Ende sich der Lauf dreht.

j eine durch das Charniergelenk der Schaukel gehende Spindel, welche dem Lauf als Mittelpunkt der Bewegung dient.

k der Hahn.

l der Bügel.

m, m Drüker.

n das Absehen.

o die Patrone.

p die kupferne Kapsel der Patrone.

Die Flinte wird auf folgende Weise gehandhabt. Man ergreift sie mit der rechten Hand, führt die linke unter den Lauf und drükt gegen den Schlüssel, der sich augenbliklich umdreht und die Haken c, c losmacht; in demselben Augenblike biegt sich dann auch der Lauf ab, so daß sein Pulversak offen steht. In dieser Stellung, welche man aus Fig. 18 ersieht, bleibt der Schlüssel, indem er durch die Feder, die sich gegen das T stemmt, verhindert wird zurükzufallen. Während nun die Flinte mit der linken Hand gehalten wird, bringt man die Patrone in den Lauf, worauf man diesen emporhebt, und den Schlüssel wieder in die aus Fig. 17 ersichtliche Stellung zurükbringt, womit die Flinte geladen ist. Es braucht dann nichts weiter, als daß man auf den Rauchfang d' eine mit Knallpulver gefüllte kupferne Kapsel aufsezt und den Hahn spannt; denn, so wie man diesen losdrükt, wird das Zündkraut durch den Schlag entzündet werden, und die Entzündung an die Ladung fortpflanzen. Nach dem Abfeuern wird zum Behufe eines abermaligen Ladens dasselbe Verfahren wiederholt.

Der Fabrikpreis der Flinten des Hrn. Lefaucheux ist 150 bis 350 Fr.; jene mit bandirten Läufen kosten 550, und jene mit damascirten Läufen 650 Fr.

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