Titel: Ueber Licht und Wärme in Bezug ihrer Wirkungen auf die Baukunst.
Autor: Menzel, Carl August
Fundstelle: 1835, Band 58, Nr. XXI. (S. 177–185)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj058/ar058021

XXI. Ueber Licht und Wärme in Bezug ihrer Wirkungen auf die Baukunst. Von C. A. Menzel in Greifswald.

Licht und Wärme äußern ihre nächste Beziehung zur Baukunst zuvörderst in so fern, als sie die Stellung bewohnter Gebäude gegen die Weltgegenden bedingen. In unserem nördlichen Klima ist die Lage bewohnter Räume gegen Süd und Südost die gesundeste, besonders derjenigen Zimmer, welche man zum Aufenthalte während des Tages wählt. In der kalten und gemäßigten Jahreszeit steht bei uns die Sonne so niedrig, daß ihre Strahlen das ganze Zimmer durchdringen, und eine der Gesundheit höchst wohlthuende Wärme und Trokenheit hervorbringen; in den heißen Sommermonaten dagegen steht die Sonne zur Mittagszeit so hoch, daß sie nur wenige Fuß tief in die Zimmer scheint, und also den Raum weit weniger unangenehm erhizt, als dieß z.B. bei Zimmern gegen Südwest und West der Fall ist. Auch diese größere Erhizung der Räume gegen die eben genannten Weltgegenden ist jedoch noch eher zu ertragen, da wir nur drei heiße Monate haben, als die kalte feuchte Luft gegen Nord, Nordnordwest und Nordnordost; schon der immerwährende Schnupfen, welchem man in so gelegenen Zimmern ausgesezt ist, gibt den Beweis, wie wenig zuträglich sie der Gesundheit sind, und wie leicht der Aufenthalt darin in schwerere Krankheiten ausarten kann.

Wohnzimmer liegen demnach am besten gegen Süd und Südost. Schlafzimmer gegen Ost. Arbeitszimmer gegen Ost oder Südost, Küchen, Speisekammern und Abtritte gegen Nord, Nordost, auch Nordwest. Diese Räume muß man vermeiden gegen die heißeren Weltgegenden zulegen; denn in den Küchen entsteht sonst im Sommer eine unerträgliche Hize, in den Speisekammern verderben aus derselben Ursache die Vorräthe, Fleisch, Butter etc., und die Abtritte endlich verursachen einen viel unangenehmeren Geruch, als wenn sie kühl liegen. Ebenfalls dürfen Keller nicht gegen heiße Weltgegenden liegen, weil die Vorräthe verderben, und die Hize weit schwerer abzuhalten ist als die Kälte. Weinkellern muß man sogar möglichst das Licht entziehen und nur für Luftzug sorgen, da die Erfahrung lehrt, daß der Wein in finsteren Kellern sich ungleich besser hält als in hellen. Räume zur Aufbewahrung von Kleidern, namentlich wollener |178| und von Pelzen, dürfen eben so wenig heiß liegen, der Motten wegen, auch muß für hinlänglichen Luftzug gesorgt seyn. Badezimmer, wo man sie haben kann, liegen am besten gegen Ost. Speisezimmer gegen Ost oder Nordost, da im Sommer die mäßig kühlen Zimmer weit mehr die Eßlust reizen, auch der mannigfaltige Geruch der Speisen bei weitem darin nicht so widerlich ist als in warmen.

Bibliotheken, Bildergallerien, zoologische Sammlungen liegen besser gegen kühle Weltgegenden als gegen heiße; der Würmer, Motten und des Auseinandertroknens wegen, welches so vielen Schaden bei nur etwas vernachlässigter Aufsicht hervorbringt. Auch bleichen die Sonnenstrahlen die Farben aus Bildern und ausgestopften Gegenständen.

Tanzsäle liegen besser zu kühl als zu warm; deßhalb und weil sie auch in der Regel nur bei künstlicher Beleuchtung gebraucht werden, können sie von anderen Räumen ganz umschlossen seyn, welches auch außerdem viel Bequemlichkeiten und schöne Anordnungen zuläßt; gleichzeitig kann man sie am Tage durch Fenster in der Deke, oder durch einen Fensterkranz, welcher nahe an der Deke herumläuft, erleuchten.

Säle worin große Versammlungen gehalten werden, zu Reden, Musik etc., sollten immer kühl liegen, da im umgekehrten Falle die Hize durch die vielen Ausdünstungen vermehrt, unerträglich werden kann. Dunstlöcher in der Deke, von gehöriger Größe und Anzahl und mit willkürlich verschließbaren Klappen versehen, leisten hier die besten Dienste.

Von allem diesem findet man bei Anordnung der Gebäude wenig oder nichts befolgt, wenn es nicht vielleicht zufällig gekommen ist. In Städten wo jedes Haus eine ihm durch andere Ursachen bestimmte Stelle einnimmt, kann es freilich nicht so streng genommen werden; allein bei freistehenden und öffentlichen Gebäuden ließe sich fast immer mehr in dieser Hinsicht erreichen, als dabei geschieht. Selbst bei Anlage der ökonomischen Gebäude ist die Berüksichtigung des Lichts und der Wärme eine der wichtigsten zur Beförderung der Gesundheit des Viehes, und folglich des Wohlstandes für den Besizer. Nichts desto weniger finden wir in unserem deutschen Vaterlande hierin eine gänzliche Sorglosigkeit, und nur die Engländer bemühen sich, wie in Allem, was eine gesteigerte Production hervorzubringen im Stande ist, uns voranzuleuchten.

Ställe für Rindvieh und Pferde liegen am besten gegen Ost, da sie gegen Nord mit den Thüren gekehrt zu kühl, gegen Süd und West aber zu warm sind, auch verursachen, daß das Vieh zu sehr von den Fliegen geplagt wird, besonders bei eingeführter Stallfütterung.

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Schafställe legt man gern gegen Süd, da die Schafe im Sommer den Tag über auf der Weide sind, im Winter aber, wo sie sich im Stalle aufhalten, der wärmenden Sonne sehr bedürfen. Schweineställe müssen mit ihren Thüren gegen Ost liegen; das Schwein ist ein hiziges Thier und verlangt Kühlung im Sommer. Bienenhäuser und Treibhäuser stehen am besten gegen Südost; Kornböden mit den langen Seiten wo möglich gegen Nordost und Südwest, denn zu große Hize befördert den Wurm. Scheunen liegen am besten so, daß der Wind von Ost nach West durch die Tennen streichen kann, weil aus diesen Weltgegenden die meisten Winde wehen, und der Luftzug bei dem Dreschen und Werfen des Getreides vortheilhaft ist. Ställe für Federvieh dürfen nicht zu heiß liegen, weil das Ungeziefer sonst die Thiere sehr plagt, welches ihrer Entwikelung schädlich ist.

Es stehen uns bei der Construction der Gebäude eine Menge Mittel zu Gebote, die Wirkungen des Lichtes und der Wärme willkürlich zu steigern und zu schwachen, und so den Nuzen daraus zu ziehen, der für jede Bauanlage am ersprießlichsten wäre. Leider aber kosten sie gewöhnlich etwas mehr als das allerschlechteste, und die Scheu vor der ersten Ausgabe wirkt hier eben so nachtheilig als bei allen Gegenständen, wo die Höhe des Preises mit der Güte des gelieferten Fabrikates in geradem Verhältniß steht.

Wir wollen die Mittel über Licht und Wärme bei Bauanlagen willkürlich zu gebieten, näher betrachten.

Die beständige Abwechselung unseres Klima's von circa 20° Kälte bis 30° Grad Hize (Réaumur) erfordert eine Construction, welche diesen entgegengesezten Einwirkungen gleich gut widersteht. Hieraus folgt, daß Wände und Dächer aus möglichst schlechten Temperaturleitern bestehen müssen. Wie suchen wir dieß zu erreichen? Beinahe gerade entgegengesezt. Die vorwaltende Bauart aller ökonomischen Gebäude ist das sogenannte Fachwerk mit Lehm oder Stein ausgefüllt. Abgesehen von der Elendigkeit und Verbrennlichkeit dieser Bauart, sind die Wände unter allen Umständen viel zu dünn, um lange einer fortgesezten Einwirkung von Kalte und Hize, ja selbst des Regens zu widerstehen. Da man die Kälte in solchen Ställen zur Winterszeit aus Erfahrung kenne, so sucht man das Vieh dagegen dadurch zu schüzen, daß man die Räume möglichst niedrig macht; was aber im Sommer unerträgliche Hize, und zu jeder Jahreszeit einen ungesunden Dunst erzeugt, welcher weder Menschen noch Vieh zuträglich ist.

Die mit Lehm ausgefüllten Fächer (gestaakten Wände) sind, abgesehen von ihrer Vergänglichkeit, immer noch den mit Mauersteinen ausgefüllten vorzuziehen, da Lehm und Stroh schlechtere Leiter sind, |180| als gebrannte Steine; allein auch sie sind mit sechs Zoll Stärke zu dünn, um die äußere Temperatur abzuhalten, und bedürfen wenigstens eine Hintermaurung mit Lehmsteinen um leidlich zu seyn.

Also stärkere Umfassungswände waren ein Haupterforderniß, wenn man sein Vieh und folglich seinen Gewinn will gedeihen sehen. Unsere Vorfahren wußten sehr gut was sie mit ihren starken Mauern wollten, und scheuten weder Kosten noch Mühe sie solid und zwekmäßig zu errichten. Daher freut sich das jezige Geschlecht, wo die allgemeine Zerstörungswuth dergleichen Gebäude noch nicht zum Bau jämmerlicher Hütten abgebrochen hat, sie zu beliebigen Zweken zu verwenden, aber selten fällt es Jemanden ein eben so tüchtig für spätere Geschlechter zu sorgen.

Thür- und Fensteröffnungen müssen wir haben, aber wir entbehren den Vortheil solcher Länder, wo ein minder großer Unterschied der Kälte- und Hizgrade, und folglich eine beständigere Witterung, hierin auch mehr Bestimmtheit in der Anordnung zulassen. Wäre es bei uns nur heiß oder nur kalt, so würden möglichst kleine und möglichst wenig Oeffnungen eine natürliche Folge seyn. Die Sitte unsere Oeffnungen der Fenster zu verglasen läßt der Kälte und Wärme gleichen Spielraum in die Gebäude zu dringen. Wir dürfen demnach nicht mehr Oeffnungen in die Wände machen, als Licht und Luft unumgänglich erfordern.

Die Art der Bedekung der Dächer trägt wesentlich zur Stimmung der Temperatur in den Gebäuden bei. Stroh und Rohr als schlechte Wärmeleiter würden den beabsichtigten Zwek, die äußere Temperatur abzuhalten, am besten erfüllen. Ihre Verbrennlichkeit aber verbannt sie nach und nach gänzlich von der Liste verwendbarer Dekungsmaterialien.

Gebrannte Dachsteine, welche gewöhnlich bei uns verwendet werden, erzeugen unter dem Dache eine eben so unerträgliche Hize als Kälte, wie wohl jeder Bewohner von sogenannten Dachstuben bezeugen kann, wenn nicht besondere Vorsichtsmaßregeln angewendet werden, als: eine förmliche Dekenconstruction im Kehlgebälke, Maurung senkrechter Wände an der schrägen Dachseite bis zur Brüstungshöhe, wodurch zwischen der schrägen Dachseite und der senkrechten Brüstungswand ein Luftraum entsteht, welcher schlecht leitet. Ferner Ausfütterung der noch übrig bleibenden schrägen Dachfläche, von der senkrechten Brüstungswand bis zur Deke, durch gestaakte Felder; welche Hülfsmittel alle aber nicht ganz die äußere Temperatur zu mildern im Stande sind.

Damit nun die im Dache befindliche Temperatur, namentlich die Kälte, sich den unteren Räumen nicht mittheilen kann, ist es unter |181| allen Umständen gut die Bodentreppen durch Verschläge und Thüren abzusondern.

Damit ferner die Temperatur des Dachbodens sich nicht den unmittelbar darunter liegenden Zimmern durch die Deke mittheile, ist es gut sogenannte halbe Windelbodendeken, andern Constructionen vorzuziehen, da bei diesen Deken der zwischen den Dekenschaalbrettern und den Einschiebebrettern eingeschlossene Luftraum ein schlechter Leiter ist und die obere Temperatur nicht eindringen, läßt.

Alle Metalldächer sind starke Leiter. Es kommt also hier ganz besonders darauf an, die sich unter dem Dachboden erzeugende Temperatur abzusperren. Verschläge der Bodentreppen, halbe Windelboden im Dachgebälk und am besten noch ein dreizölliger Lehmstrich über dem Dachgebälk werden diesem Zweke am besten entgegenkommen.

Außerdem ist es aber namentlich der Hize wegen, welche sich unter Zink-, Eisenblech- und Kupferdächern erzeugt, nothwendig viele Luftzüge anzubringen, damit die kühle Nachtluft die Tagestemperatur vertreibe. Deßwegen dürfen Metalldächer niemals unmittelbar auf der Balkenlage des oberen Stokwerkes ruhen, sondern sie müssen auf wenigstens um 4 Fuß erhöhten Frontwänden ihr Auflager finden, damit im Sommer die Hize unter dem Dachboden durch Luftzug fortgeschafft, im Winter aber nach erfolgter Schließung aller Luftzüge unter dem Dachboden eine abgesperrte Luftschicht gebildet werde, welche als schlechter Leiter dem Eindringen der äußeren Temperatur widersteht.

Bei Stadtgebäuden und Bürgerhäusern lassen sich zwar die Eingangs gegebenen Hindeutungen wegen Berüksichtigung der Weltgegenden für bestimmte Räume seilen oder niemals genau befolgen, allein was den Abschluß der äußeren Temperatur betrifft, hinsichtlich der Dächer und durch Vermeidung der Zugluft noch viel mehr thun als bis jezt geschieht. Das einfachste Mittel gegen Zugluft, welche (nebenbei gesagt) schlechte Zähne, rheumatische Schmerzen und Erkältungen aller Art bewirkt, ist Absperrung der Stokwerke in den Treppenhäusern durch Verschläge, oder wenn man das Licht braucht, durch Glaswände.

Eine besondere Rüksicht verdient die Verbesserung unserer Küchen. Die gewöhnlichen Feuerherde und offenen Schornsteine derselben verursachen einen immerwährenden Zug, folglich Circulation der Luft und Veränderung der Temperatur. Um diesen Uebeln vorzubeugen, wäre bei den Küchen nothwendig, mehr und mehr sogenannte verdekte Kochherde einzuführen, oder wenigstens die Schornsteine mit eisernen Klappen zu versehen, um sie willkürlich öffnen und schließen zu können, damit man, wenn kein Feuer auf dem Herde brennt, dem |182| Zuge wehren kann. So angenehm die bedekten Kochherde im Winter sind, weil die Küche alsdann gleich einer Stube erwärmt wird, eine so unangenehme Hize erzeugen sie im Sommer, und für diese Jahreszeit ist es vortheilhafter die Schornsteinklappe offen zu erhalten damit die zu große Wärme entweichen kann; der Bequemlichkeit nicht zu gedenken, welche ein gewöhnlicher offener Herd in Verbindung mit einem verdekten in so fern gewährt, daß man nicht um jede Kleinigkeit, z.B. etwas warmes Wasser, den ganzen Ofen des verdekten Herdes zu heizen braucht. Also ein gewöhnlicher kleiner Herd, in Verbindung mit einem verdekten Feuerherde und einer Klappe im Schornstein, werden allen oben ausgesprochenen Mängeln in den Küchen abhelfen.

Die Keller werden schon jezt gewöhnlich durch Verschläge abgesperrt, um ihre Temperatur gleichförmiger zu erhalten, und es ist unbegreiflich, warum man nicht dasselbe höchst einfache Mittel anwendet, um auch jedes einzelne andere Stokwerk gegen Veränderung der Temperatur zu schüzen. Die einzige Erklärung dieser Inconsequenz geben höchstens die etwas anwachsenden Kosten, welche immer mehr berüksichtigt werden als die Gesundheit.

Ferner trägt es bei einem Hause wesentlich zur Erhaltung gleichmäßiger Temperatur bei, wenn die Haupteingangsthür nicht unmittelbar der sogenannten Hinterthür gegenüber steht; sondern diese Hinterthür entweder an die Seite des Gebäudes verlegt wird (also kein in gerader Linie von Vorn nach Hinten gehender Hausflur angelegt wird), oder daß man in dem durchgehenden Hausflur mindestens eine Trennungswand anbringt. Die Italiäner berüksichtigen diese Vorsicht niemals; im Gegentheil suchen sie die möglichste Zugluft durch die Stellung der Thüren und Fenster zu erreichen, deren Mittellinien im Grundriß immer in eine gemeinschaftliche Axe fallen, damit am kühlen Morgen, wenn Thüren und Fenster geöffnet werden, die Luft ungehindert in gerader Linie durch das Haus streichen kann.

Wir bedürfen diesen Vortheil wohl höchstens 2 Monate im Jahre, die übrigen 10 Monate ist es besser, wenn man sich dem Eindringen der Temperatur widersezt.

Die Erfahrung lehrt weiter, daß diejenigen Zimmer die wärmsten sind, welche nicht an den Seiten des Hauses und nicht am Flur, sondern in der Mitte zwischen anderen liegen, welches sich sehr natürlich durch das schwerere Eindringen der äußeren Temperatur erklärt. Bei freistehenden Gebäuden, wo die Giebelseiten der unteren Stokwerke gewöhnlich wenig Fenster haben, und bei solchen Gebäuden, wo breite Fensterpfeiler statthaft sind, würde man bei mäßig |183| starken massiven Wänden die Einwirkung der äußeren Temperatur am besten durch folgendes Mittel abhalten.

Man lasse in der Mitte dieser Wände einen hohlen, etwa 1 bis 2 Zoll breiten Luftraum, welcher von allen Seiten geschlossen, als schlechter Leiter die Temperatur der äußeren Atmosphäre dem Inneren des Hauses wenig oder gar nicht mittheilen wird. Das höchst lästige Durchglühen der Mauern im Sommer und das im Winter bis in die Zimmer hinein kältende derselben wird alsdann nicht Statt finden. Ein solcher Luftraum wird ferner das Durchnässen derjenigen Umfassungswände verhüten, welche gegen die Wetterseite stehen. Damit aber die auf solche Art construirten hohlen Mauern Stabilität genug bekommen, müssen hinlänglich Strekersteine durch den Luftraum von der äußeren Seite der Wand nach der inneren hindurchgehen. Bei Kellermauern, welche ohnehin immer stark sind, würde obiges Mittel besonders dazu dienen, die Feuchtigkeit der Seitenwände abzuwenden. Auch in dem Stokwerk zu ebener Erde würde das Heraufziehen der Nässe von Außen vermieden werden. Bei Pferdeställen endlich (beiläufig gesagt) wird diese Art zu construiren außer der Wärme noch den wesentlichen Vortheil haben, dem so lästigen Durchschlagen der inneren Feuchtigkeit nach der Außenfläche, welches die äußeren Mauern stets verdirbt, mit einem Male besser abzuhelfen, als alle bisher angewendeten Mittel, welche zu nichts gedient haben. Wollte man in diesem Falle auch das Eindringen der Feuchtigkeit in die Mauern von Unten herauf besiegen, so dürfte man nur auf die abgeglichene Plinte zerbrochene Glasscheiben so legen, daß sie sich etwas überdeken, wodurch es der unterhalb sich erzeugenden Feuchtigkeit unmöglich gemacht wird, in die oberen Mauern zu dringen. Zinkplatten als Beleg der Plinten würden bei Pferdeställen nicht helfen, da der Urin den Zink zerstört, Glas dagegen wird davon nicht angegriffen, wie bekannt. Alles dieß ist sehr einfach, aber leider kostet es Geld.

Das Auskleben innerer Räume mit (wo möglich doppeltem) Papier ist höchst zwekmäßig, um warme Wände zu erhalten und die äußere Kälte abzuwehren, da Papier ein schlechter Leiter ist.

Die Bekleidung der Wände mit Holz ist ebenfalls zwekmäßig, aber sehr kostspielig, und außerdem Helen darin leicht Wanzen, Holzkäfer etc. Tapeten von Zeug auf Rahmen gespannt sind gut, aber sehr kostbar.

Das Verblenden massiver und hölzerner Umfassungswände mit Lehmsteinen ist ganz dem Zwek gemäß, welchen wir erreichen wollen. Lehmsteine sind ein schlechterer Leiter als gebrannte Mauersteine, wie früher gesagt. Auch die Art die Fußboden zu construiren, hängt mit |184| dem uns vorgestekten Ziele, die Einwirkungen äußerer Temperatur für das Innere der Gebäude unschädlich zu machen, zusammen. So sehr man in südlichen Ländern hölzerne Fußboden vermeidet, und dafür marmorne, Gypsestriche und solche von gebrannten Steinen wählt, so wenig vertragt unser Klima dergleichen, und in bewohnten Räumen dürfen sie nur von Holz, oder in ganz schlechten Wohnungen von Lehmschlag seyn, weil die erst erwähnten im Winter viel zu kalt sind.

Die Russen haben wohl am richtigsten die Idee aufgefaßt, sich gegen Kälte zu schüzen. Ihre Art der Heizung mit erwärmter Luft, wodurch sie den Hausflur, die Treppenhäuser und mit Einem Wort alle Räume des Hauses gleichmäßig zu erwärmen im Stande sind, so daß man, nachdem die Hausthür geschlossen ist, sich in einer ganz anderen Atmosphäre befindet als außerhalb des Hauses, läßt, da auch Dach und Kellerraum auf das sorgfältigste gegen die übrigen Räume des Hauses abgesperrt sind, nichts zu wünschen übrig; und ehe wir nicht unsere dünnen Wände, kalten und zagigten Fluren, Treppenhäuser und Küchen abändern, können wir nie zu gesunden, angenehmen Wohnungen gelangen, so sehr auch unser höchst veränderliches, und in dieser Hinsicht in vielem Betracht lästigeres Klima, als das russische, dazu auffordert.

Zur Zeit als die deutschen Baumeister ausschließlich ihre Bildung durch das Studium der Werke italiänischer Architekten und der durch diese gebildeten französischen erhielten, als mit Einem Wort so zu sagen der italiänische Styl Mode war, sahen wir offene Hallen, Bogengänge kurz Alles in Deutschland entstehen, was in Italien klimatisch bedingt, für uns aber nur in so fern brauchbar ist, als es die übrigen bei uns wesentlichen Bedingungen eines gesunden Wohnhauses nicht aufhebt. Alle die eben genannten schönen Anordnungen können auch bei uns Statt finden, nur sind sie in so fern mit Vorsicht zu gebrauchen, und wir bitten den deutschen Baumeister niemals zu vergessen, daß die milden Lüfte des Südens sich in unserem Vaterlande selten anders zeigen, als in schwüle Gewitterluft verwandelt, und daß wir nur vier warme Monate im Jahre genießen.

Was die Beleuchtung der Räume durch das Sonnenlicht betrifft, so ist nur zu merken, daß die Zimmer, welche gegen Ost, Süd und West und die dazwischen liegenden Weltgegenden gerichtet sind, mehr erhellt werden, als die gegen Ost, Nord und West gerichteten; da die nach den leztgenannten Gegenden befindlichen Zimmer größten Theils oder ganz nur durch reflectirtes Licht erleuchtet werden.

Der Beleuchtung von Oben, welche in Südländern eine so große Rolle, wenigstens in öffentlichen Gebäuden spielt, sezt unser Klima |185| mancherlei Hindernisse entgegen, welche hauptsächlich darin bestehen, daß die Oeffnungen nach Oben schwer gegen die Einwirkungen namentlich des Schneewassers und des Eises zu schließen sind. Der auf solche Oberlichter fallende Schnee benimmt zwar das Licht nie ganz, muß aber doch zuweilen abgeräumt werden; denn obgleich er durchschimmernd ist, benimmt er doch dem Raume um so mehr Licht, je diker er liegt. Die Beleuchtung von Oben hat ferner für bewohnte Räume in unserm Klima etwas Beengendes, Unheimliches, von Mauern Bedrängtes, da einen großen Theil des Jahres über unser Himmel grau ist.

Es würde demnach für unsere Zweke die Beleuchtung von Oben sich für einzelne Fälle in öffentlichen Gebäuden, und in bürgerlichen Häusern auf Treppenhäuser, Säle etc. beschränken. Ferner erreicht bei uns die Sonne selten einen so hohen Standpunkt, daß sie lange in einen von Oben erleuchteten Raum schiene. Dergleichen Gemächer werden also immer etwas Kühles an sich haben, welches nach Maßgabe der Lage auch wohl Feuchtigkeit erzeugen kann. Aus derselben Ursache, daß die Sonne nicht lange von Oben her in einen Raum scheint, werden solche Räume auch weniger hell seyn als von der Seite beleuchtete.

Um Oberlichter für das Auge angenehm zu machen, bedient man sich der bunten Scheiben der Glasmahlerei, untergespannter transparenter auf Leinewand gemahlter Bilder, welches Alles einen angenehmen Eindruk macht. Nur ein Uebelstand ist das Heruntertropfen der an den Scheiben gefrornen Feuchtigkeit im Innern. Diesem ist nur abzuhelfen, indem man die Glaseindekung doppelt macht, und einen Luftraum dazwischen läßt, was das Frieren der unteren Scheiben verhindert.

Häuser, welche innere kleine Höfe haben, wie dieß bei Ekhäusern in Städten häufig vorkommt, oder auch bei sehr tiefen Gebäuden, in welchen sogenannte Lichthöfe sind, werden in Bedekung der kleinen Höfe durch Oberlichter eine sehr schikliche Deke gegen Einwirkung der Temperatur finden, nur muß bei diesen mit Glas bedekten Lichthöfen darauf gesehen werden, daß die Luft von dem Hofe nach Oben Oeffnungen findet, um ausströmen und beliebig erneuert werden zu können.

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