Titel: Ueber die französischen Miniaturmahlerfarben im Vergleich mit den englischen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 58, Nr. XX./Miszelle 5 (S. 175–176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj058/mi058020_5

Ueber die französischen Miniaturmahlerfarben im Vergleich mit den englischen.

Wenn irgend ein Fabrikat ein Mal den Ruf der vorzüglicheren Beschaffenheit errungen hat, sagt Hr. Mérimée in einem Bericht, den er der Société d'encouragement über die Wasserfarben des Hrn. Chénal zu Paris erstattete, so erhält sich dieser Ruf lange Zeit, auch wenn er wirklich nicht mehr gegründet ist. Dieß ist auch der Fall mit den englischen Farbenzeltchen, in Betreff deren ziemlich allgemein versichert wird, daß nur sie die einzigen zur Aquarellmahlerei tauglichen seyen, obschon man sich nicht die Mühe gab, sie mit jenen zu vergleichen, die nun seit 30 Jahren in Frankreich verfertigt werden, und die namentlich Hr. Chenal zu Paris von einer Güte liefert, daß sie den englischen vollkommen an die Seite gestellt werden können. Hr. Mérimée erhielt diese Ueberzeugung durch Vergleichung der Chenal'schen Farben mit jenen Newmann's und Ackermann's, die unter den englischen bekanntlich als die besten gelten; denn er fand hiebei, daß sich erstere gleichmäßig unter dem Pinsel verteilen, und eben so gleichmäßige |176| Farben geben, wie die beste chinesische Tusche, einige französische Farben, wie z.B. das französische Kobaltblau, schienen ihm sogar noch besser, als das englische. – Ueber das Verfahren, welches Hr. Chénal (der in England lernte, allein bei dreißigjähriger Erfahrung selbst auf viele Verbesserungen kam) bei der Bereitung seiner Farbenzelten befolgt, sagt uns Hr. Mérimée in dem angeführten Berichte nur Folgendes: „Die meisten der rohen Farben, wie z.B. die Oker und Metalloxyde werden zuerst aufs sorgfältigste lävigirt, um alle gröberen Theile, so wie die allenfalls darin enthaltenen Salze daraus zu entfernen. Dann werden sie auf großen Glasplatten mit porzellanenen Reibern von 10 bis 12 Kilogr. Schwere auf den höchsten Grad von Feinheit zerrieben, und hierauf in dem jeder Farbe zukommenden Verhältnisse mit Gummi versezt. Nachdem dieses geschehen, bringt man sie in dünnen Schichten auf Marmorplatten, auf denen man sie so lange troknen läßt, bis sie die Consistenz eines weichen Teiges erlangt haben. Da die Ränder dieser Schichten schon troken sind, während die mittleren Theile noch weich sind, so schlägt man erstere in leztere, walzt die ganze Masse ab, und bringt sie in ein sehr reines, vollkommen bedektes Gefäß, in welchem man sie 2–3 Tage lang schwizen läßt. Nach dieser Zeit knetet man den Teig, und formt daraus Stängelchen von der Dike des kleinen Fingers, welche in Stüke von der Größe der Model geschnitten, und abermals in gut verschlossene Gefäße gebracht werden, damit sich die Feuchtigkeit gleichmäßig darin vertheilt. Mit großer Sorgfalt wird darauf gesehen, daß sämmtliche Stüke einen gleichen Grad von Weichheit bekommen, damit die Zeltchen beim Troknen keine Sprünge bekommen, und das Gepräge gut annehmen. Eine der hauptsächlichsten Bedingungen bei der Fabrikation ist auch noch, daß aller Staub vermieden werde; weßwegen man nur mit feuchten Schwämmen abwischt.“ (Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. April 1835, S. 163.)

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