Titel: Sichere Bereitungsart eines schönen Goldpurpurs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 58, Nr. XX./Miszelle 6 (S. 176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj058/mi058020_6

Sichere Bereitungsart eines schönen Goldpurpurs.

Von der Erfahrung ausgehend, daß nur diejenigen Metalloxyde, welche mehr als ein Mischungsgewicht Sauerstoff enthalten, durch den kohlensauren Kalk leicht präcipitirt werden (man vergleiche polytechn. Journal Bd. LIII. S. 303 und Bd. LVI. S. 129.), versuchte Hr. Hofrath J. Nep. Fuchs in München das Zinnsesquioxyd auf folgende Weise darzustellen: Aufgelöstes Zinnsalz (salzsaures Zinnoxydul) wurde mit einer Auflösung von salzsaurem Eisenoxyd gemischt, bis lezteres seine Farbe verloren und einen schwachen Stich ins Grünliche bekommen hatte; zu diesem Gemische, was aus salzsaurem Zinnsesquioxyd und salzsaurem Eisenoxydul bestand, wurde kohlensaurer Kalk gebracht, wodurch bei gelinder Erwärmung in der That sehr bald jenes Oxyd gefällt wurde. Auf diese Weise kann man sich also das Zinnsesquioxyd sehr leicht verschaffen, und wenn man einen Ueberschuß von kohlensaurem Kalk vermeidet, so erhält man es ganz rein. Es war dabei hauptsächlich seine Absicht, dieses Oxyd zur Darstellung des Goldpurpurs leichter zu bereiten, als er es früher bereiten lehne (polytechn. Journ. Bd. XLV. S. 293); allein zu diesem Zwek ist es nicht einmal nothwendig, dasselbe zuerst zu präcipitiren und dann in Salzsäure wieder aufzulösen, indem dazu ohne weiteres das obige Gemisch von Zinn- und Eisenauflösung angewendet werden kann. Sezt man nämlich dasselbe, nachdem es mit Wasser etwas verdünnt worden, zur gehörig verdünnten Goldauflösung, so entsteht sogleich der schönste Purpur, indem das Eisenoxydul, was in der Auflösung zurükbleibt, keinen nachtheiligen Einfluß darauf ausübt. Da sich dieses Gemisch in verschlossenen Gefäßen Jahre lang unverändert aufbewahren läßt, so kann man es sich in größerer Menge vorräthig bereiten, um es, wenn man Goldpurpur darstellen will, sogleich bei der Hand zu haben. Selbst in offenen Gefäßen scheint es sich in langer Zeit nicht merklich zu verändern. Somit ist die Darstellung des Goldpurpurs, die ehemals mit manchen Schwierigkeiten verbunden war, so einfach und leicht, daß in diesem Betreff kaum mehr etwas zu wünschen seyn möchte. Die chemische Constitution desselben ist aber noch immer problematisch. Wäre das Gold metallisch darin enthalten, so müßte es ihm, sollte man glauben, im frisch präcipitirten Zustande das Queksilber leicht entziehen können, aber dieses geschieht weder in der Wärme noch im Sonnenlicht. Da er ein ausgezeichnet amorpher Körper ist, so ließe sich diese Anomalie, bemerkt Fuchs, vielleicht durch den Amorphismus erklären? (Journ. für prakt. Chemie, Bd. V. S. 318.)

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