Titel: Nachträgliches über Hunter's Maschine zum Behauen der Steine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 58, Nr. XXXVIII ./Miszelle 2 (S. 261–262)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj058/mi058038_2

Nachträgliches über Hunter's Maschine zum Behauen der Steine.

Wir haben bereits im Polytechn. Journal Bd. LVII. S. 278 Nachricht von der neuen von Hunter erfundenen Maschine zum Behauen der Steine gegeben; da jedoch seither in einer der lezten Sizungen des Institute of British Architects ein eigener Bericht hierüber erstattet worden, so nehmen wir keinen Anstand noch Folgendes in dieser Beziehung nachzutragen. Der Berichterstatter sagt nämlich, daß sich die Hunter'sche Maschine hauptsächlich durch folgende Punkte auszeichne.

1) Die rauhen Oberflächen der Steinblöke werden nach einander der Einwirkung der Maschine ausgesezt, so zwar daß die behauenen und vollendeten Steine an dem einen Ende der Maschine herausgenommen werden, während man an dem anderen Ende neue Steine in die Maschine bringt.

2) Die zum Behauen dienenden Instrumente können leicht jeder Dike der Steinschichte, welche weggehauen werden soll, angepaßt werden.

3) Je größer die Steinschichte, welche die Meißel oder Instrumente zu entfernen haben, um so größer ist die Wirksamkeit dieser lezteren, und um so weniger Schaden leiden sie.

4) Die Instrumente sind so befestigt, daß sie ihre Wirkung ohne irgend einen merklichen Rükstoß ausüben, und dabei dennoch leicht und schnell entfernt werden können, im Falle sie der Ausbesserung bedürfen, oder durch neue ersezt werden müssen.

Das Princip der dritten dieser Eigenschaften, welche von besonderer Wichtigkeit und von größtem Nuzen ist, ward auf folgende Weise erklärt. Wenn die Steine in die Maschine gebracht worden, so werden die Rauhmeißel (wie der Erfinder die beiden zuerst in Thätigkeit kommenden Meißel nennt) so gestellt, daß sie jeden unter ihnen durchgehenden Steinblok in einer solchen Tiefe unter der oberen Fläche treffen, daß dadurch große Stüke auf ein Mal abgehauen werden. Dabei ist jedoch sorgfältig berüksichtigt, daß die Tiefe des Anhauens jedes Mal eine solche ist, daß sich die Linie des geringsten Widerstandes in der obern Fläche des Steinblokes endigt, damit alle Sprünge und Brüche nach dieser Richtung hin zielen. Je größer daher die abgehauene Steindike, um so größer wird der Vortheil seyn; denn die bei jedem Schlage abgehauene Länge steht jedes Mal mit der Tiefe des Schlages im Verhältnisse, und eben so steht auch die Ruhe, die den Meißeln nach jedem Schlage gegönnt wird mit der Länge der abgehauenen Steinschichte im Verhältnisse. Die Abnüzung des Eisens ist z.B. vielleicht um die Hälfte geringer, wenn man einen Zoll auf ein Mal abschlägt, als sie ist, wenn man nur einen halben Zoll mit einem Male abschlägt, so daß, wenn man ein Zoll langes Stük Stein auf zwei Mal abschlägt, der Verlust an Eisen beinahe vervierfacht wird.

Die Zahl der Meißel der Maschine beläuft sich nur auf 4; die zwei eben erwähnten Rauhmeißel sind rund und spizig; die beiden anderen Feinmeißel hingegen haben breite Ränder. Die Maschine weicht also hierin gar sehr von einer anderen, gleichfalls neuerlich patentirten, aber unbrauchbar befundenen Maschine ab; denn an dieser belief sich die Anzahl der Meißel auf nicht weniger, dann 40. Die unter den Rauhmeißeln hindurch gegangenen Steine haben auf ihrer Oberfläche gratartige Erhöhungen, und diese Grate müssen mit den Feinmeißeln entfernt werden; es geschieht dieß auch mit solcher Vollkommenheit, daß die durch die Maschine |262| gegangenen Steine um die Hälfte wohlfeiler polirt werden können, als die auf gewöhnliche Weise behauenen Steine. Nach angestellten Berechnungen kostet mit der Hunter'schen Maschine das Behauen eines Quadratfußes Stein von Arbroath nur 4/10 Penny, während das Behauen einer gleichen Oberfläche mit der Hand vier Mal höher zu stehen kommt.

Endlich muß auch noch erinnert werden, daß sich die Hunter'sche Maschine, mit einer Drehebank in Verbindung gebracht, auch sehr gut zum Drehen der Steine eignet. Einen schönen Beweis hiefür lieferte dem Vereine eine Vase, die ihm Hr. Carnegie zum Geschenke machte, und die bei einer Höhe von 20 Zoll und einer Weite von 18 Zoll in einem Tage aus einem Steinbloke gedreht wurde, obschon sie an Reinheit der Form und Schönheit der Politur nichts zu wünschen übrig läßt. Hr. Carnegie versichert, daß er jede Steinart, deren Härte nicht größer als jene des Gesteines von Arbroath ist, eben so schnell und beinahe eben so wohlfeil drehen könne, als Holz; er machte sich anheischig, den Durchmesser eines großen Mühlsteines bei einer einzigen Umdrehung um einen ganzen Zoll zu vermindern, ohne daß die dabei angewendeten Instrumente wesentlichen Schaden litten. (Mechanics' Magazine, No. 625).

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