Titel: Neue Methode das Bier zu untersuchen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 58, Nr. XXXVIII ./Miszelle 3 (S. 262–263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj058/mi058038_3

Neue Methode das Bier zu untersuchen.

Hr. Hofrath J. Nep. Fuchs in München hat auf Veranlassung des königl. bayerischen Ministeriums des Innern Versuche angestellt, um eine leichte und sichere Methode zur Analyse des Biers auszumitteln, worüber er vorläufig Folgendes mittheilt:

„Diese Untersuchung hat mir sehr viel zu thun gemacht. Ich habe dabei einen neuen Weg betreten, welcher viel schneller zum Ziele führt, als das gewöhnliche analytische Verfahren, und auf welchem man, wenn ich nicht irre, zu eben so zuverlässigen, wo nicht zuverlässigeren Resultaten gelangen kann. Ich bediene mich dazu des Kochsalzes; je mehr sich davon in einer bestimmten Quantität Biers auflöst, desto größer ist überhaupt sein Wassergehalt! Durch zwei sehr einfache Operationen läßt sich damit auch das Extract, der Alkohol und die Kohlensäure bestimmen. Zu jeder dieser Operationen braucht man nicht mehr als 1000 Gran Bier, und zu beiden höchstens 2 Stunden Zeit.“

„Am leichtesten findet man den Extractgehalt, der bekanntlich durch Abdampfen nur sehr schwer mit Genauigkeit zu bestimmen ist. Zu diesem Zwek werden 1000 Gran Bier so lange in einem Glaskolben gekocht, bis aller Weingeist ausgetrieben ist, dann wieder gewogen und reines Kochsalz bis zur Sättigung darin aufgelöst. Wird das Wasser, was das Kochsalz zur Auflösung bedarf, vom ganzen Quantum des eingekochten Bieres abgezogen, so ergibt sich als Rest das Extract; denn dieses nimmt kein Wasser in Anspruch, d.h. in der extracthaltigen Flüssigkeit löst sich eben so viel Kochsalz auf, als das vorhandene Wasser auflösen würde, wenn kein Extract darin enthalten wäre.“

„Dieß ist die eine Operation; die andere besteht darin, daß man in frischem Bier so viel Kochsalz auflöst, als sich darin auflösen mag, wobei sich aus der Gewichtsabnahme die Kohlensäure ergibt, und man aus der aufgelösten Salzmenge und dem derselben entsprechenden Wasser findet, wie viel das Extract und der Weingeist zusammen betragen. Wird nun hievon das schon bekannte Extract abgezogen, so bleibt als Rest der Weingeist. Dieser Weingeist ist aber nicht wasserfrei, ist nicht Alkohol; denn der Alkohol nimmt dem Kochsalz gegenüber stets Wasser in Anspruch, und zwar nicht immer eine gleiche Menge, sondern verhältnißmäßig desto mehr, je mehr vorhanden ist. Es mußten deßhalb mehrere Versuche gemacht werden, um die hier Statt findende Gesezmäßigkeit auszumitteln und eine Tabelle herzustellen, aus welcher man den Alkoholgehalt des der Kochsalzauflösung sich gegenüberstellenden Weingeists sogleich ersehen kann.“

„Zum Zwek dieser Untersuchung mußte auch die Auflöslichkeit des Kochsalzes, worauf Alles beruht, so genau als möglich bestimmt werden. Nach den Resultaten der hierüber angestellten Versuche ergab sich, daß sie von 0° bis 30° R. der Zahl 36 (d. i. auf 100 Theile Wasser 36 Kochsalz) so nahe kommt, daß man, ohne einen bedeutenden Fehler zu begehen, diese Zahl beibehalten kann, und nicht, wie ich früher glaubte, 37 annehmen darf. Die Versuche mit dem |263| Bier sollen bei ziemlich gleicher Temperatur gemacht werden, und zwar zwischen 27° und 30° R. Das aufgelöste Salz wird nach dem unaufgelösten Antheile bestimmt, indem man nämlich etwas mehr anwendet, als man glaubt, daß sich auflösen werde. Der Rükstand kann aber nicht gewogen, sondern muß gemessen werden; wozu ich mich einer kleinen graduirten Glasröhre bediene. Das Nähere über den ganzen Gang dieser Untersuchung und die dabei zu beobachtenden Cautelen gedenke ich in der Folge bekannt zu machen.“

„Von diesem Verfahren wird man ohne Zweifel auch bei der Untersuchung des Weins Gebrauch machen können, so wie auch zur Bestimmung des Wassergehalts verschiedener Flüssigkeiten und Auflösungen, besonders der Infuse, Decocte und ausgepreßten Pflanzensäfte. Nach einigen vorläufigen Versuchen zu urtheilen, dient es sogar, das Wasser zu bestimmen, was gewisse Körper in festem Zustande binden; so z.B. gibt in der Luft getroknetes arabisches Gummi, wenn es in Wasser aufgelöst und Kochsalz zugesezt wird, an dieses 10 Procent Wasser ab. – Der Zuker und einige vegetabilische Säuren scheinen in ihren Auflösungen dem Kochsalze gegenüber bloß ihr Krystallisationswasser in Anspruch zu nehmen, und einige sogar von diesem einen Theil an das Kochsalz abzutreten.“ (Journal für praktische Chemie, Bd. V. S. 316.)

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