Titel: Ueber die Siegellakfabrik des Hrn. Zegelaar in Paris
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 58, Nr. XXXVIII ./Miszelle 4 (S. 263)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj058/mi058038_4

Ueber die Siegellakfabrik des Hrn. Zegelaar in Paris

findet man in dem Bulletin de la Société d'encouragement, April 1835 einen Bericht erstattet, aus welchem wir Folgendes entnehmen. Hr. Zegelaar löst den Gummilak in Terpenthin auf, was bei einem geringen Grad von Wärme vollkommen Statt findet, und sezt dann den Terpenthingeist zu, durch welchen die Siegellakstangen, wenn man sie aus Licht bringt, brennend erhalten werden. Da der Terpenthingeist zugleich aber auch das Siegellak so schnell flüssig macht, daß man nicht genug Zeit hätte die Stange dahin zu führen, wo das Petschaft angebracht werden soll, so muß diese Eigenschaft durch eine andere Substanz neutralisirt werden. Hr. Zegelaar benuzt hiezu eine von seinem Vater ausfindig gemachte Substanz, die er jedoch geheim hält. Wenn der Lak, der Terpenthin und der Terpenthingeist innig mit einander vermengt worden, so wird der Zinnober oder die sonstige Farbe zugesezt, und dann das Ganze, bevor man es in Model gießt, durch ein Gaz geseiht, um alle Unreinigkeiten, die sich häufig in dem Gummilak befinden, daraus zu entfernen. Die auf solche Weise gereinigte Masse wird dann in bronzene Model gegossen, welche mehr oder weniger Stangen enthalten. Nach dem Erkalten werden die Model geöffnet, und mit jener Seite, in welcher die Stangen geblieben, über ein Kohlenfeuer gehalten. Der freie Theil wird hiebei durch die auf der Oberfläche beginnende Schmelzung geglättet, während diese Erweichung zugleich auch benuzt wird, um die Namenschiffre oder das sonstige Zeichen auf die Stangen zu drüken. Um auch die andere Seite der Stangen zu glätten, wird eine Anzahl derselben auf eine Marmorplatte gereiht, und eine rothglühende Eisenplatte darüber hin und her geführt. Die Preise der Siegellake des Hrn. Zegelaar sind nach Hrn. Mérimée äußerst niedrig; denn er liefert seine No. 1 von erster Qualität für 4 Fr. 50 Cent. an die Kaufleute, die sie um das Doppelte zu verkaufen pflegen. Die Farben dieser Siegellake sind sehr schön und erhalten ihren Glanz lange; selbst das Weiß und das Blau, welche durch die Farbe des Laks so leicht Schaden leiden. Endlich erzeugen diese Siegellake so wenig Rauch, daß sie auch in dieser Hinsicht den englischen, die man für die besten hält, nicht nachstehen dürsten.

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