Titel: Ueber das Telephonium oder den Musik-Telegraphen des Hrn. Sudre.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 58, Nr. LIII ./Miszelle 2 (S. 359–360)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj058/mi058053_2
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Ueber das Telephonium oder den Musik-Telegraphen des Hrn. Sudre.

findet man im Mechanics' Magazine No. 621 eine historische Notiz, aus der wir Folgendes entnehmen. Im Januar 1828 legte W. Sudre der Akademie in Paris den Plan zu einer allgemein verständlichen Sprache, die er die musikalische Sprache nennen wollte, und die bloß auf verschiedener Combination der sieben Noten Re, Mi, Fa, Sol, La, Si, Do beruhte, vor. Eine Commission, zu welcher die HH. de Prony, Arago und Fourier gehörten, berichtete, daß es dem Erfinder wirklich gelungen sey, eine Musiksprache zu gründen, und daß sich mit ihr und mit Hülfe von Musikinstrumenten eine telegraphische Communication herstellen ließe, welche vor jeder anderen den Vorzug verdiente, indem sie sowohl bei hellem Tage, als bei Nebel und Nacht gleiche Dienste leistet. Der damalige Kriegsminister wies den Erfinder vor eine Militärcommission, und diese berichtete, daß die Musiksprache ihrer Ansicht nach sehr gut zu einer Correspondenzführung zwischen verschiedenen Armeecorps benuzt werden könnte. Eine Marinecommission war einstimmig der Ansicht, daß die neue Communicationsmethode auf den Schiffen alsogleich neben den bisher gebräuchlichen eingeführt werden sollte, indem zu Toulon durch Versuche ermittelt worden, daß man in zwei Minuten drei Ordonnanzen auf eine Entfernung von 9000 Fuß mittheilen könne. Endlich kam die Erfindung vor eine aus den fünf Akademien des Instituts in Paris zusammengesetzte Commission, die sich im Wesentlichen dahin äußerte, daß die von Hrn. Sudre erfundene Musiksprache Mittel zur Mittheilung aller Ideen an die Hand gibt; daß diese Mittheilung sowohl durch Töne als Schriftzüge, auf kurze oder weite Entfernungen, offen oder geheim geschehen könne; und daß dieses System mit der Zeit keinen solchen Veränderungen unterliegen kann, wie die Sprachen, die man spricht, sondern daß es unwandelbar ist. Der Telegraph kann, wie die Commission bemerkte, bloß in gewissen Stationen, auf Anhöhen, und wenn alles dazu Erforderliche vorher angeordnet und probirt worden, benuzt werden, und zwar überdieß nur am Tage und bei klarer Witterung. Das Telephonium hingegen läßt sich überall anwenden, bei Tag sowohl, als bei Nacht: ja bei Nacht, wo größere Ruhe herrscht, noch leichter, als am Tage. Die Allgemeinheit seiner Anwendung wird um so schäzenswerther, wenn man bedenkt, daß das dazu dienliche Instrument sehr leicht tragbar ist; daß es unter jenen Umständen, unter denen es die größten Dienste leistet, immer bei der Hand ist: und daß jene Individuen, die sich dessen zu anderen Zweken bedienen, es sehr leicht auch als Telephonium anwenden lernen. – Das Instrument, auf welches hier Bezug genommen wird, ist die Trompete, welche man bis auf eine Entfernung von drei Meilen vernehmen kann; übrigens kann man sich auch anderer Instrumente bedienen. W. Sudre begab sich in neuerer Zeit nach London, und hofft dort bei dem Publikum mehr Anerkennung zu finden, als ihm in seinem Vaterlande die Berichte aller dieser gelehrten Gesellschaften verschaffen konnten. Wir erinnern hier am Schlüsse nur noch des Logophor's der HH. Jobard und Stieldorff, wovon wir im Polyt. Journal Bd. J. S. 394 Nachricht gaben.

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