Titel: Ueber Hrn. Hochstetter's Apparate zum Unterrichte der Blinden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 58, Nr. LXVII ./Miszelle 10 (S. 429–430)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj058/mi058067_10

Ueber Hrn. Hochstetter's Apparate zum Unterrichte der Blinden.

Hr. Jomard erstattete der Société d'encouragement in Paris einen äußerst günstigen Bericht über die verschiedenen Apparate, welche Hr. Hochstetter für das dortige Blindeninstitut erfand und verfertigte, um den Unterricht der Zöglinge in der Geographie, Mathematik und selbst in der Astronomie zu erleichtern und zu vervollkommnen. Besonders ausgezeichnet unter diesen Apparaten ist ein großer vollkommen sphärischer Globus von 31 Zoll im Durchmesser, von welchem Hr. Jomard in seinem Berichte, der im Bulletin der genannten Gesellschaft, Mai, S. 255 abgedrukt zu finden, eine oberflächliche Beschreibung gibt. Da dieser Globus wegen seiner Größe um mehr dann 20 Mal vollständigere Details enthält, als die bisherigen Landkarten für Blinde; so ergab sich aus dessen Anwendung, wie die Prüfung einzelner Zöglinge zeigte, ein weit mehr ausgebreiteter Unterricht in der Geographie; überdieß gibt aber die Numerirung und Graduirung der Meridiane und Parallelkreise den Zöglingen eine weit größere Sicherheit, als sie bisher besaßen. Hr. Hochstetter will nach demselben Plane mehrere Specialkarten für Blinde, und selbst einen vollkommenen Atlas verfertigen, wenn er hiebei Unterstüzung findet, seine ausgezeichneten Arbeiten verdienen um so |430| mehr eine solche, als sie durch Abdruk leicht vervielfältigt und folglich in allen Blindeninstituten eingeführt werden können. Da sich dasselbe System auch auf den Unterricht in der Geometrie, Arithmetik und Musik anwenden läßt, so hat Hr. H. auch bereits über 400 geometrische Figuren zur Erläuterung und Demonstration mannigfacher Probleme aus Eisen gegossen, und Musiknoten aus Messing von 9 Linien Dike verfertigt. Wahrscheinlich dürfte auf diesem Wege auch ein ziemlich ausgedehnter Unterricht in der Linearzeichnung und Astronomie möglich werden. Besondere Berüksichtigung verdient jedoch der Vorschlag die Lesebücher für Blinde, welche gegenwärtig so ungeheuer voluminös sind, daß der Katechismus der Blindeninstitute allein 65 Foliobände stark ist, und daß 14 Werke eine Bibliothek von 1200 Foliobänden ausmachen, nicht mehr mit Buchstaben, sondern mit tachygraphischen Zeichen zu versehen. Nicht nur der Umfang der Bücher würde hiedurch außerordentlich beschränkt werden, sondern das Lesen selbst gienge auch weit schneller, indem die Blinden hier durch das Gefühl gleich mehrere Buchstaben auf ein Mal auffassen könnten. Ließe sich zu diesem Behufe auch noch eine Tinte erfinden, die beim Troknen hinlänglich erhabene Schriftzüge zurükließe, so bliebe kaum mehr etwas zu wünschen übrig. Welche ernstliche Berüksichtigung diese Sache verdient, wird Jedermann einsehen, der bedenkt, daß Frankreich allein gegen 80,000 jener Unglüklichen zählt, die des Lichtes ihrer Augen beraubt sind. Wir bemerken schließlich nur noch, daß die Société d'encouragement Hrn. Hochstetter ihre silberne Medaille zuerkannte.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: