Titel: Ueber Hrn. Taffin's Apparat zum Reinigen der Bettfedern, Roßhaare und Wollen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1835, Band 58, Nr. LXVII ./Miszelle 32 (S. 437–438)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj058/mi058067_32

Ueber Hrn. Taffin's Apparat zum Reinigen der Bettfedern, Roßhaare und Wollen.

Der Bulletin de la Société d'encouragement gibt in seinem dießjährigen Maihefte einen sehr vortheilhaften Bericht des Hrn. Labarraque über das Verfahren, dessen sich Hr. Taffin in Paris, rue St. Denis No. 305, bedient um Bettfedern, Flaumen, Haare und Wollen, welche zur Verfertigung von Bettstüken bestimmt sind, oder auch bereits dazu gedient haben, zu reinigen. Wir bedauern die Beschreibung des Taffin'schen Apparates nicht ausführlich mittheilen zu können, indem die dazu gehörigen Abbildungen drei Foliotafeln füllen; um jedoch einiger Maßen einen Begriff von dieser Anstalt zu geben, erlauben wir uns mit Hinweisung auf das Original Folgendes aus dem erwähnten Berichte auszuziehen. Die Apparate des Hrn. Taffin, welche in einer großen, zu ebener Erde befindlichen Werkstätte angebracht sind, bestehen 1) aus einem solid gebauten Ofen mit einem Dampfkessel von niederem Druke; 2) aus einem kleinen |438| Apparate zur Reinigung der Federn und Flaumen; 3) aus einem größeren Apparate dieser Art; und 4) aus einem großen hölzernen Bottiche zum Reinigen der Haare und Wollen. In den unteren Theil dieses lezteren Bottiches tritt eine Röhre mit einem Hahne, und über der Eintrittsstelle des Dampfes befindet sich ein mit vielen kleinen Löchern durchbrochener hölzerner Boden. Das Haar oder die Wolle wird, nachdem sie mit der Hand gekämmt worden, auf diesen Boden gelegt, wobei man, wenn die Matrazen von verschiedener Qualität sind, oder verschiedenen Personen angehören, einen dünnen Cannevas dazwischen bringt. Wenn der Bottich auf diese Weise gefüllt worden, bedekt man ihn mit einem kupfernen Dekel, der mit Schrauben befestigt wird. Von dem oberen Theile dieses Dekels läuft eine gebogene Röhre aus, die in das in dem Hofe befindliche Schlangenrohr übergeht. Nachdem alles dieß vorbereitet, öffnet der Arbeiter den Hahn, wo dann der ganze Bottich von Dampf erfüllt wird, während bei dem Schlangenrohr eine stinkende Flüssigkeit überzugehen beginnt. Ein Theil des Dampfes verdichtet sich jedoch in dem Bottiche und gelangt als eine stinkende, von animalischen Stoffen gefärbte Flüssigkeit unter den doppelten Boden. Nach Beendigung der Operation bleibt das Haar oder die Wolle ganz rein zurük, während alle Unreinigkeiten von dem Dampfe aufgenommen wurden. Ein Liter der condensirten Flüssigkeit gibt beim Abdampfen im Marienbade beiläufig 4 Gramm vegetabilisch-animalischer Stoffe. Wir glauben, daß Hr. Taffin mir Vorsicht auch Schwefeldampf in seinen Bottich leiten könnte, und daß er hiedurch die Wolle nicht nur vollkommener bleichen, sondern auch zuverlässiger von allen Insecten befreien würde: die Erfahrung dürfte vielleicht diesen Ruth rechtfertigen. – Der große zum Reinigen der Federn bestimmte Apparat besteht aus Kupfer und hat beiläufig 4 Meter Länge, er ist cylindrisch geformt und hat einen äußeren Umfang von 5 1/2 Meter; der innere Durchmesser ist jedoch geringer. Der Dampf erfüllt den zwischen den beiden Umfängen befindlichen leeren Raum, und ein Hahn leitet den Dampf nach Belieben in das Innere des Cylinders, in welchen die Federn mittelst eines Trichters, der später geschlossen wird, gebracht werden. Im Inneren des Cylinders befinden sich Windmühlflügel, die mittelst einer außerhalb angebrachten Kurbel umgedreht werden. Wenn der Apparat gehörig mit Federn gefüllt ist, so öffnet man den Hahn, durch den der Dampf dann zwischen die beiden Cylinder tritt, während man die Drehflügel eine Viertelstunde lang rasch umtreibt. Da die Federn also hiebei unter einer Temperatur, die mehr dann 100° beträgt, abgeklopft werden, so versteht sich, daß nicht nur alle Unreinigkeiten aus ihnen abgeschieden werden, sondern daß überdieß auch alle zufällig darin befindlichen Insecten ihren Untergang dabei finden. Nach dieser ersten Operation läßt aber Hr. Taffin den Dampf unter beständigem Umtreiben der Drehflügel 10 Minuten lang in den Cylinder selbst treten, so daß die Federn hiedurch einen geringen Grad von Feuchtigkeit bekommen, den sie an der Luft, der man sie beim Austritte aus dem Apparate aussezt, schnell wieder abgeben. Die Commission, deren Berichterstatter Hr. Labarraque war, hat diesem Verfahren mehrmals beigewohnt, und sich hiebei überzeugt, daß schmuzige, zusammengeknäuelte und in schlechtem Zustande befindliche Federn jedes Mal vollkommen aufgefrischt aus dem Apparate kamen, so daß sie nicht bloß einen drei und vier Mal größeren Raum einnahmen, sondern zugleich auch ganz geruchlos waren. Hr. Taffin versichert, daß die von ihm behandelten Federn auch keiner weiteren Verderbniß mehr ausgesezt sind, worüber natürlich nur die Erfahrung entscheiden kann; obschon die Commission allerdings glaubt, daß das beschriebene Verfahren größere Garantien darbietet, als alle übrigen bisherigen Methoden. Besonders bemerkt zu werden verdient noch, daß Hr. Taffin, der sich früher bloß mit dem Handel beschäftigte, seine Apparate sämmtlich selbst angab; und daß er vorher nicht ein Mal die Wirkungen des Dampfes genau kannte. Die Commission schlägt daher vor Hrn. Taffin eine der Medaillen der Gesellschaft zu ertheilen.

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