Titel: Hunter's Maschine zum Behauen der Steine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. IV. (S. 28–36)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/ar059004

IV. Beschreibung der von Hrn. James Hunter in Leysmill erfundenen Maschine zum Behauen der Steine.

Aus dem Mechanics' Magazine, No. 636, S. 34.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Unter den wenigen Ausnahmen, welche in Hinsicht auf die allgemeine Anwendbarkeit der Dampfkraft bestehen, war noch bis vor zwei Jahren, die beschränkte Brauchbarkeit derselben zum Behauen und Zurichten der Steine eine der wichtigsten. Zahlreiche Versuche, worunter selbst welche von Mechanikern ersten Ranges, wurden bereits gemacht, um eine durch Dampf getriebene Maschine, welche den Hammer und Meißel des Steinmezes zu ersezen vermag, auszumitteln; allein keiner führte zu einem genügenden Resultate. Die Schwierigkeit lag jedoch nicht darin eine Maschine zu erfinden, womit man selbst die härtesten Steine, die irgend ein Steinbruch liefert, |29| zu zerschlagen und selbst mit ziemlicher Genauigkeit zu behauen im Stande war; sondern die Schwierigkeit ergab sich aus der ungeheuren Reibung, die die metallenen Spizen oder Schneiden erlitten, wenn sie mit bedeutender Gewalt und schnell hinter einander mit einer harten und schieferigen Substanz in Berührung kamen. Denn diese Reibung bedingte eine so bedeutende Abnüzung der Werkzeuge, daß aller Vortheil, der sich aus der größeren Geschwindigkeit der Ausführung ergab, dadurch weit mehr als aufgewogen wurde.

Das Verdienst auch diesem ernstlichen Einwurfe gegen die Anwendung der Dampfkraft abgeholfen, und mithin dem Dampfe einen neuen Triumph bereitet zu haben, gebührt nun Hrn. Hunter, dem Director der Steinbrüche in Leysmill bei Arbroath; denn er war nach mehrjährigem Forschen und zahlreichen Versuchen so glüklich, eine Maschine zu ermitteln, welche nicht nur die größten Steinblöke mit derselben Genauigkeit und Vollkommenheit, als dieß mir von einem Steinmeze geschehen kann, behaut, sondern welche diese Arbeit auch mit so geringer Abnüzung der Werkzeuge und solcher Geschwindigkeit vollbringt, daß sie die Handarbeit in Hinsicht auf Ersparniß und Geschwindigkeit weit hinter sich zurükläßt.

Wir haben unseren Lesern bereits schon früher einige Male von den wirklich wunderbar zu nennenden Leistungen dieser Maschine berichtet4), und freuen uns ihnen nunmehr auch auf Taf. I. die erste Abbildung, die von derselben erschien, und die wir sammt einigen weiteren Notizen dem Patentträger selbst verdanken, vorlegen zu können.

In Fig. 25 ersieht man einen Grundriß der Maschine in vollkommenem Zustande und bereit in Thätigkeit zu treten. Fig. 26 gibt eine Endansicht derselben. Die zu deren Betrieb dienende Dampfmaschine ist in beiden Figuren weggelassen. Die Maschine, deren Sohle oder Unterlage mit A, A bezeichnet ist, besteht aus drei Haupttheilen, und diese sind: 1) die Platform, die den zu behauenden Stein trägt; 2) die zwei Blöke, an denen sich die zum Behauen dienenden Instrumente befinden; und 3) der Traversirrahmen oder der Wagen, in welchem diese Blöke befestigt sind, und womit die Meißel etc. gegen die Steinoberfläche bewegt werden.

1) Von der Platform für die Steine. Auf der Sohle oder Unterlage A, A sind drei Reihen von Querwalzen a, a, a befestigt. B, B ist die Platform, auf die die Steine C, C gelegt werden, und die sich auf den Walzen a, a hin und her bewegt. Sie besteht aus |30| 4 Zoll diken Dielen, welche der Quere nach auf den drei Längenbalken D, D ruhen und mit Bolzen daran befestigt sind. Die beiden parallelen, auf die obere Fläche dieser Platform genagelten Schienen b, b sind beiläufig einen Zoll dik und mit Eisenblech beschlagen; sie dienen als Leisten, zwischen denen die Steine C, C mit losen hölzernen Kielen oder Wangen von verschiedener Größe befestigt werden. Da wo die Längenbalken D, D, D der Platform auf den Querwalzen a, a, a ruhen, sind sie, damit sie den Druk um so kräftiger aushalten, mit den eisernen Platten e, e, e beschlagen. An der unteren Seite des mittleren dieser Lägenbalken ist eine Zahnstange f befestigt, welche von einem Ende zum anderen läuft.

2) Von den Blöken für die Meißel. BK , BK sind zwei Blöke, von denen an jeder Seite des Traversirrahmens oder Wagens je einer befestigt, und jeder mit zwei Meißeln i¹, i², k¹, k² ausgestattet ist, Fig. 27 zeigt einen solchen Blok von der Fronte, und Fig. 28 einen von der Seite; und zwar in einem etwas größeren Maaßstabe, als man sie in Fig. 25 und 26 sehen kann. Sie drehen sich beide an den Zapfen h, h, die in den senkrechten verschiebbaren Blöken m, m befestigt sind; leztere können mittelst der Schrauben und Kurbeln n, n so gestellt werden, wie es die wegzumeißelnde Steindike eben erfordert. Die beiden mit i¹ und k¹ bezeichneten Meißel dienen zum Behauen aus dem Groben, und heißen Grobmeißel; die mit i ² und k² bezeichneten hingegen geben den Steinen ihre Vollendung, und werden Feinmeißel genannt. Sämmtliche Meißel sind rund und haben beiläufig einen Zoll im Durchmesser; die beiden Feinmeißel haben jedoch breite Schneiden. Beide Arten von Instrumenten sind mit Stellschrauben p, p in den schmiedeisernen Scheiden o, o befestigt, und diese Röhren sind so abgedreht, daß sie genau in Löcher passen, welche zu deren Aufnahme in den Blöken BK angebracht sind. An jene Röhren, an denen die Feinmeißel befestigt sind, ist ein kurzer Hebel q geschirrt, dessen oberes Ende etwas gewölbt und gezahnt ist; und über diesem Hebel befindet sich eine horizontale Schraube r, die in die Zahne dieses Hebels q eingreift, so daß, wenn man mittelst eines Schraubenziehers auf den vierekigen Kopf s der Schraube r einwirkt, der Feinmeißel mittelst der Schraube, des Hebels und der Röhre mit größter Genauigkeit der Oberfläche des zu behauenden Steines angepaßt werden kann. Da bei den Grobmeißeln keine so große Genauigkeit erforderlich ist, so sind diese auch nicht mit derlei Hebeln ausgestattet. G, in Fig. 3 ersichtlich, ist der Dekel für die Zapfen der Schraube r. An der vorderen Seite der senkrechten verschiebbaren Blöke m, m sind auf die aus Fig. 1 ersichtliche Weise zwei Leisten befestigt; auch sind in dieselben zwei Schrauben t und u eingesenkt, |31| welche auf die weiter unten ausführlicher anzudeutende Art und Weise den Bogen beschränken, den die Blöke BK, BK bei den Bewegungen um die Zapfen h, h beschreiben.

3) Von den Traversirrahmen oder Wagen. L, L ist ein großer verschiebbarer Rahmen, in dessen Mitte die zum Behauen der Steine dienenden Instrumente befestigt sind, und der 6 Fuß Raum zur Bewegung hat: d.h. an jeder Seite der Stellung, in der man ihn abgebildet sieht, 3 Fuß. Dieser Rahmen ruht auf vier Rädern oder Reibungsrollen M, M, M, M, welche an den Wellen N, N, die sich in den Unterlagen O, O, O, O drehen, befestigt sind. P, P sind zwei Rollen, die sich an einer in den Pfosten G, G befestigten Achse umdrehen, und von denen die eine mit einem offenen, die andere hingegen mit einem gekreuzten Laufbande in Bewegung gesezt wird, so daß deren Bewegung nach entgegengesezten Richtungen Statt findet, und der Rahmen LL folglich eine Hin- und Herbewegung mitgetheilt erhält, Q ist eine zwischen den beiden Rollen PP befindliche Klauenbüchse, die mit dem Winkelhebel und der Kurbel R, R in Verbindung steht. Auf leztere wirken die aus den Seiten des Schiebrahmens L, L hervorragenden Zapfen oder Fänger S¹ und S², und zwar so, daß die Klauenbüchse abwechselnd mit der einen und mit der anderen Rolle in Berührung kommt. T ist ein an dem Ende der Welle der Rollen PP aufgezogenes Getrieb, und U ein Stirnrad, in welches dieses Getrieb eingreift. An der Welle V dieses lezteren befindet sich auch ein Getrieb, welches in den Abbildungen nicht sichtbar ist, und welches in die nach abwärts stehenden Zähne der verschiebbaren Zahnstange W, W eingreift. X, X, X, X sind die Unterlagen, auf denen sich diese Zahnstange schiebt. Y, Y ist ein starker, quer über dem Rüken der Zahnstange W, W befestigter Balken, dessen Enden durch die Seiten des Schiebrahmens LL hinausragen. ZZ sind zwei Verbindungsstangen, die von den Enden des Balkens Y, Y an die Blöke laufen, in denen die Behauinstrumente befestigt sind. E ist ein Getrieb, welches in die an der unteren Seite des mittleren Längenbalkens der Platform angebrachte Zahnstange f eingreift, und welches an dem einen Ende der Welle F befestigt ist. An dem entgegengesezten Ende dieser Welle befindet sich ein Sperrrad G, und auf dieses wirkt ein Sperrkegel und ein Winkelhebel HH, der an einer in den Pfosten ll ruhenden, nach der Quere laufenden Welle angebracht ist. I ist ein in der Seite des Schiebrahmens L befestigter Zapfen, der, wenn sich dieser Rahmen gegen die Seite Gz bewegt, auf den aufrechtstehenden Arm des Winkelhebels H trifft, und diesen in dieser Richtung nach Vorwärts drükt. K ist ein Rad, welches, indem es vermittelst der |32| Welle F, des Getriebes E und der Zahnstange f auf die Platform B wirkt, diese leztere ganz zurükzieht, wenn sämmtliche Steine behauen worden, oder sie abermals wieder unter die Behauinstrumente zurükbringt, wenn eine zweimalige Einwirkung derselben für nöthig erachtet werden sollte.

Die Art und Weise, auf welche diese Maschine arbeitet, bedarf nur einer kurzen Erläuterung. Wenn nämlich die Platform mit Steinblöken gefüllt worden ist, so werden die senkrechten Blöke m, m so gestellt, daß die Grobmeißel jeden Stein, so wie er unter denselben durchgeht, so tief unter dessen Oberfläche anschlagen, daß sich große Stüke davon mit einem Male ablösen. Dabei versteht sich übrigens von selbst, daß diese Tiefe immer nur eine solche seyn darf, daß die Linie des geringsten Widerstandes in der oberen Fläche des Steines ihr Ende findet, damit sämmtliche Ablösungen immer in dieser Richtung erfolgen. Sind die Meißel solcher Maßen gestellt, so wird der Schiebrahmen L, L, gegen Hx bewegt. Während dieser Bewegung in dieser Richtung bewegt die verschiebbare Zahnstange W, W den Querbalken Y, Y in derselben Richtung, bis die Verbindungsstangen Z, Z die Blöke bis zur Schraube t herübergezogen haben, wo dann die Grobmeißel i¹ und k¹ gegen den Stein wirken, und in dieser Wirkung so lange fortfahren, bis der hervorragende Zapfen oder Fänger S¹ mit dem Winkelhebel R in Berührung kommt, und die Klauenbüchse mit der anderen Rolle, die den Rahmen wieder nach Gz zurükführt, in Verbindung bringt. Zu gleicher Zeit führt dann aber auch die verschiebbare Zahnstange W, W den Querbalken Y, Y so weit zurük, daß die Verbindungsstangen Z, Z die Blöke gegen die Schraube u treiben, wo dann die Meißel i² und k² in Thätigkeit kommen, und auch so lange in solcher bleiben, bis der Zapfen oder Fänger S² mit dem Winkelhebel in Berührung kommt, und die Bewegung abermals umkehrt. In dem Augenblike, in welchem diese leztere Umkehrung der Bewegung Statt findet, zieht auch der hervorstehende Zapfen I den aufrechten Arm des Winkelhebels HH herüber, so daß die Platform B mit den Steinen zum Behufe der nächsten Operation der Behauwerkzeuge vorwärts geschafft wird. Der Sperrkegel und der Winkelhebel HH fallen jedoch in Folge ihrer eigenen Schwere in ihre frühere Stellung zurük, sobald sich der Zapfen I wieder von ihnen entfernt. Wenn die Grobmeißel zum ersten Mal über den Stein gegangen sind, so lassen sie gewöhnlich kammartige Erhabenheiten auf denselben zurük, die dann beim Zurükkehren des Rahmens von den weiter hinten befindlichen Feinmeißeln weggeschafft werden. Dasselbe Verfahren wird so lange fortgesezt, bis die Steine vollkommen behauen sind.

|33|

Bei der Abnahme der vollendeten Steine von der Platform geht keine Zeit verloren, indem die mit Beaufsichtigung der Maschine beauftragten Individuen an dem einen Ende die fertigen Steine abnehmen, während an dem anderen Ende die Maschine noch arbeitet; und indem eine oder zwei Minuten hinreichen, um die Platform zurükzubewegen. Der Rahmen LL bewegt sich gewöhnlich mit einer Geschwindigkeit von 30 Fuß in der Minute, und eine Steinmasse, welche die Platform von einem Ende zum anderen erfüllt, kann beiläufig in 45 Minuten vollends behauen werden. In dem Maaße als sich ein Meißel abnüzt, kann derselbe leicht wieder ausgebessert oder auch durch einen neuen ersezt werden, indem man zu diesem Behufe nur die Stellschrauben p, p nachzulassen braucht.

Die vorzüglichste Einrichtung an diesem ganzen Apparate, eine Einrichtung, welche uns meisterhaft zu nennen scheint, besteht darin, daß die Grabmeißel, die den schwersten Theil der Arbeit zu verrichten haben, so gestellt werden können, daß sie, während die Steinblöke unter ihnen durchgehen, nicht auf deren Oberfläche, sondern in einer solchen Tiefe unter dieser an die Steinmasse anschlagen, daß hiedurch diese in großen Stüken abgeschlagen wird. Es verrichten auf diese Weise nicht nur zwei oder drei Meißel eben so viel, als deren eine größere Anzahl zu leisten im Stande ist, sondern die Schläge geschehen auch in solchen Zeiträumen, daß die Meißel nie so heiß und erweicht werden, daß sie ihre Härtung verlieren könnten5). Hierauf beruht auch die etwas paradoxe und doch vollkommen begründete Behauptung, daß, je diker die Steinschichte, welche die Meißel abzuschlagen haben, um so größer deren Wirksamkeit, und um so geringer die für sie daraus erwachsende Beschädigung ist. Denn die Länge der mit jedem Male abgeschlagenen Stüke wird immer mit der Tiefe der abzuhauenden Steinschichte im Verhältnisse stehen; und ebendieß wird auch mit der den Meißeln gegönnten Ruhezeit der Fall seyn. Die Abnüzung ist, wie die Erfahrung gezeigt haben soll, beim Abschlagen einer Steinschichte von 2 Zoll in der That auch nur halb so groß, als beim Abschlagen einer Steinschichte von einem halben Zoll.

Eine andere sehr schäzbare, obschon dem Werthe nach untergeordnete Einrichtung des Apparates liegt in der sinnreichen Befestigungsmethode der Meißel, welche absolute Festigkeit während der Arbeit, und Leichtigkeit der Abnahme zum Behufe der Ausbesserung |34| oder Erneuerung in sich vereint. Der Rükstoß, den die Meißel bei jedem Schlage erleiden, ist, wie versichert wird, so gering, daß er dem Auge kaum bemerklich ist.

Eine weitere Folge der Gleichmäßigkeit der Kraft, womit auf die Meißel gewirkt wird, ist die, daß die Bearbeitung, welche die Steine durch die eben beschriebene Maschine erhalten, weit vollkommener ist, als man sie ihnen mit dem Hammer und Meißel zu geben im Stande ist. Die Oberfläche der mit der Hand behauenen Steine ist wegen der unvermeidbaren Ungleichheit der Kraft und der Richtung, die dem Meißel mitgetheilt wird, immer etwas rauh, und alle die hiedurch entstehenden Unebenheiten müssen erst beim Schleifen entfernt werden. Die mit der Maschine behauenen Steine hingegen sind so glatt, daß die Arbeit und die Kosten beim weiteren Glätten hier um mehr als um die Hälfte geringer sind, als an den mit der Hand behauenen Steinen.

Die Steine, zu deren Bearbeitung sich die Hunter'sche Maschine eignet, brauchen daher durchaus nicht kostbar und von großem Werthe zu seyn; sondern alle Steine, die in größerer Menge vorkommen, und deren Werth erst durch ihre Herausförderung aus den Steinbrüchen und ihre weitere Bearbeitung bedingt ist, können mit Vortheil in derselben behandelt werden. Ganz besonders anwendbar hält der Patentträger die Maschine zum Behauen von Sand-, Quader- und Kalksteinen aller Art6). Die hiebei erforderliche Kraft und Geschwindigkeit ist je nach dem Grade der Härte des Gesteines sehr verschieden. So läßt z.B. der Sandstein von Arbroath, welcher sehr dicht- und feinkörnig ist, eine viel größere Geschwindigkeit zu, als sie sich für die weicheren Sandsteinarten eignet; dafür braucht aber die Kraft um eben so Vieles geringer zu seyn. Dagegen müßte für Steine, welche härter sind als das Gestein von Arbroath, sowohl die Stärke der Maschine, als die Kraft der Dampfmaschine verhältnißmäßig erhöht werden.

Während des zulezt abgelaufenen Sommers waren an den Steinbrüchen von Leysmill 6 solche Maschinen, welche gegen 170,000 Fuß Pflastersteine behauten, in Thätigkeit; sie wurden sämmtlich von einer Dampfmaschine von 6 Pferdekräften betrieben, welche jedoch überdieß |35| auch noch die Steine aus den Brüchen herauf, und die Abfälle auf einer anderen schiefen Fläche hinweg schaffte.

Da wir bereits früher schon einen Auszug aus dem Berichte mittheilten, den die HH. Carmichael und Kerr von Dundee über die Hunter'sche Maschine erstatteten, so entnehmen wir nachträglich aus den Angaben des Hrn. Carnegie, des Eigenthümers der Steinbrüche von Arbroath, nur noch Folgendes. Die Kosten des Behauens eines Fußes Pflasterstein berechnen sich, mit Einschluß der Interessen des Capitales, der Unterhaltungskosten der Werkzeuge etc. auf 4/10 eines Penny. Wie hoch das Behauen einer gleichen Steinoberfläche mit der Hand zu stehen käme, läßt sich nicht wohl genau berechnen; doch kann mit Gewißheit angenommen werden, daß hier die Kosten wenigstens um das Vierfache größer sind, als bei dem Behauen mit der Maschine. Ein noch günstigeres Verhältniß für die Maschine wirft sich übrigens beim Behauen größerer Steinmassen, die schon vierekig gebrochen aus dem Steinbruche kommen, heraus. Gesezt z.B. ein solcher Stein von 12 Fuß Länge 6 Fuß Breite und 8 1/2 Zoll Dike soll bis auf eine Dike von 7 Zoll zugehauen werden, so kann dieß mit der Maschine innerhalb 40 Minuten auf eine so vollkommene Weise geschehen, daß die 72 Fuß nur mehr eine Handarbeit von 9 Den. (27 kr.) erfordern, um ihnen eine vollkommene Glätte zu geben. Die Arbeit der Maschine wird sich dabei nicht höher berechnen, als auf 9 Den. (27 kr.), so daß mithin das Behauen eines Fußes nur auf 1/8 Penny zu stehen käme. Da der Steinmez nun bei der viermaligen Operation, der er diese Steine unterwerfen muß, um ihnen dieselbe Vollendung zu geben, den Fuß bei dem geringsten Anschlage für nicht weniger dann 2 1/2 Den. liefern kann, so ergibt sich hier in diesem Falle zu Gunsten der Maschine ein Verhältniß von 20 zu 1.

In dem günstigen Berichte, den eine von der Highland and Agricultural Society of Scotland abgesandte Commission erstattete, ist folgender, gleichfalls in hohem Grade für die Maschine sprechender Versuch angeführt. Es wurden zu gleicher Zeit drei rohe Pflastersteine von ungleicher Dike auf die Platform der Maschine gelegt; der erste derselben hatte 12 1/2 Quadr. Fuß, und mußte um 2 Zoll dünner gehauen werden; der zweite hatte 16 1/2 Quadr. Fuß, und mußte um 3/4 Zoll behauen werden; der dritte endlich hatte 18 Quadr. Fuß, und war um 1 1/4 Zoll dünner zu machen. Die ganze Arbeit war mit Einschluß der zum Stellen der Meißel nöthigen Zeit in 30 Minuten vollendet, und kam Hrn. Carnegie auf 1 Schill. 7 Den. (57 kr.) zu stehen. Ein Steinmez in Arbroath, den man befragte, wie hoch dieselbe Arbeit von einem seiner Arbeiter vollbracht zu stehen |36| käme, erwiederte, daß ein guter Steinmez hiezu 5 1/2 Tag brauchte, und bei dem gegenwärtigen Stande des Arbeitslohnes mit 15 Schill. 9 Den. (9 fl. 27 kr.) bezahlt werden müßte!

Die weit allgemeinere und vortheilhaftere Verwendung zu Bauten, zur Pflasterung etc. etc., welche in Folge der Erfindung des Hrn. Hunter den behauenen Steinen wahrscheinlich und ohne Zweifel werden wird, erhellt hienach von selbst; und doch bleibt noch eine der vorzüglichsten Leistungen der neuen Maschine zu erwähnen. Dieselbe dient nämlich nicht nur zum Behauen von Steinblöken, sondern man kann mit Hülfe einer mit ihr in Verbindung gebrachten Drehebank auch Steine abdrehen, durchbohren, aushöhlen etc. Säulen, Vasen, Steinunterlagen für Eisenbahnen und viele andere Dinge lassen sich mit ihr mit einer Wohlfeilheit, Genauigkeit und Geschwindigkeit erzeugen, die mit der Handarbeit ganz unerreichbar ist. Als Beweis hiefür führen wir nur an, daß Hr. Carnegie bei einer der lezten Versammlungen des Institute of British Architects eine Vase von 20 Zoll Höhe und 18 Zoll Mündung vorstellte, welche im Laufe eines einzigen Tages aus einem Steinbloke gedreht worden ist. Hr. Hunter versprach übrigens diesen Winter noch Vasen von 4 Fuß Höhe nach dem reinsten antiken Geschmake aus Steinblöken zu drehen, so daß nur mehr die Verzierungen daran ausgemeißelt zu werden brauchen! Die Leichtigkeit, womit Steine mit Hülfe der Maschine gebohrt werden können, gibt uns ein Correspondent folgender Maßen an: „Durch ein Stük harten Gesteines von 5 1/2 Zoll Dike ward in 2 1/2 Minute ein Loch von 1 3/4 Zoll im Durchmesser gebohrt, und der Bohrer schien gleichsam in Holz zu laufen.“

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Wir verweisen in dieser Hinsicht auf das Polytechnische Journal Band LVII. S. 278 und LVIII. S. 261, und werden uns daher hier nur auf einen Auszug dessen beschränken, was an den erwähnten Orten noch nicht vorkommt.

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An einer anderen Maschine zum Behauen der Steine, auf welche gleichfalls vor Kurzem ein Patent ertheilt worden, und von der eine Zeit lang viel gesprochen wurde, konnte man nicht weniger als 30 bis 40 solcher Meißel, die schnell nach einander gegen den Stein schlugen, zählen.

A. d. O.

|34|

Der Patentträger macht sich anheischig jedem Steinbruchbesizer, der sich von der Anwendbarkeit der neuen Maschine auf die in seinem Bruche ausgebeuteten Steine überzeugen will, einen ihm franco gelieferten Stein unentgeltlich zu behauen, und bei der Ablieferung des behauenen Steines genau anzugeben, wie viel Zeit dazu verwendet wurde, wie groß die Abnüzung an Werkzeugen war etc. Eben so macht er sich anheischig von zwei Steinblöken, die man ihm einsendet, um nach gewissen Mustern Vasen daraus zu drehen, den einen als Vase zurükzustellen.

A. d. O.

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