Titel: Ueber die Verdichtung der Metalle beim Drahtziehen.
Autor: Baudrimont, Alexandre Edouard
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. XLIII. (S. 273–286)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/ar059043

XLIII. Ueber die Veränderungen in der Dichtigkeit und Zähigkeit verschiedener Metalle beim Drahtziehen und Walzen; von A. Baudrimont.

Aus den Annales de Chimie et de Physique. September 1835, S. 78.

Beim Drahtziehen, wo der Metalldraht mit Gewalt durch die Oeffnung eines Zieheisens getrieben wird, ist es möglich, daß die zusammengedrükten Theile sich wieder ausdehnen; beim Walzen hingegen wird das Blech ausgedehnt, ehe es eine Verdichtung erlitten hat. Da nun durch das Drahtziehen und Walzen Verschiedenheiten in der Verdichtung der Drähte und Bleche entstehen und diese Unterschiede durch die Volumenveränderungen, leztere aber durch die relativen Dichtigkeiten der Drähte bestimmt werden können, so veranlaßte mich dieß, eine große Anzahl von Dichtigkeiten (specifischen Gewichten) auszumitteln, um über diesen Punkt Aufklärung zu erhalten.

Um die Volumenveränderungen der Metalle bei ihrer Verdichtung kennen zu lernen, glühte ich sie in diesem verdichteten Zustande aus, maaß ihre Dimensionen und bestimmte ihre Dichtigkeiten.

Da man die Metalldrähte ausglühen muß, um sie durch immer kleinere Oeffnungen ziehen zu können, so war es interessant auszumitteln, ob die Verdichtung ihre Zähigkeit vermindert, oder ob diese sie hart genug macht, um bei ihnen eine neue Volumensverminderung zu verhindern; ich maaß daher die Cohäsion einer großen Anzahl verdichteter und wieder ausgeglühter Drähte, indem ich sie mit Gewichten zerriß.

Alle meine Versuche zur Bestimmung der Dimensionen, Dichtigkeiten oder der Zähigkeit der Drähte wurden bei 14° C. (11° R.) angestellt. Wenn man bloß die Zähigkeit (Tragkraft) messen wollte, schwankte sie zwischen 13 und 14° C.; da aber die Drähte bei ihrer beträchtlichen Verlängerung vor dem Reißen Temperaturveränderungen erleiden müssen, so kennt man die Temperatur nicht, wobei das Zerreißen erfolgt.

Bestimmung der Dichtigkeiten.

Zur Bestimmung der Dichtigkeiten bediente ich mich einer gut verschlossenen Glasflasche, deren Gewicht sich bei mehr als hundert Versuchen gleichblieb, wenn ihre Temperatur und die des in ihr enthaltenen |274| Wassers genau 40° C. war. Ich zog eine luftdicht verschlossene Flasche einer solchen mit hohlem Pfropf vor; denn beim Abtroknen der lezteren ist es unvermeidlich, daß die Temperatur um wenigstens 0,2 C. und bisweilen noch mehr variirt, so daß ein merklicher Irrthum entsteht, wenn man das Wasser beseitigt, welches in Folge dieser Temperaturveränderung aus der Flasche tritt. Da ich in einigen Fällen die Dichtigkeit von Metalldrähten bestimmen mußte, ohne sie zu zertheilen, so bediente ich mich einer an einem Ende zugeschmolzenen und am anderen wie eine gewöhnliche Flasche verpfropften Röhre, oder ich berechnete sie auch aus dem kubischen Inhalte und absoluten Gewichte der Drähte.

Das Wasser der Flaschen wurde immer gewechselt, wenn man die Metalle hineinbrachte und seine Temperatur neuerdings im Innern der Flaschen mittelst eines sehr empfindlichen und genauen Thermometers bestimmt, welches beständig in Wasser von 14° getaucht blieb.

Die Flaschen wurden mit ihrem Inhalte jedes Mal so lange im luftleeren Raume stehen gelassen, bis man mit der Luppe nicht mehr das kleinste Luftbläschen darin bemerken konnte.

Bestimmung der Dimensionen der Drähte.

Die Längen und Durchmesser der Drähte wurden mit einer sorgfältig graduirten Regel welche einen festen Widerhalt und einen mit einem Vernier versehenen Schieber hatte, gemessen. Man konnte so 1/20 Millimeter unmittelbar und auch noch dessen Theile durch Schäzung bestimmen. Da die Composition des zu dem Instrumente angewendeten Metalls nicht bekannt war, auch nicht die Temperatur, bei welcher man es graduirt hatte, so konnten die Resultate freilich in dieser Beziehung nicht corrigirt werden; dieß wäre indeß auch überflüssig gewesen.

Bestimmung der Cohäsion der Drähte.

Die Cohäsion (Tragkraft) der Drähte wurde dadurch gemessen, daß man dieselben an beiden Enden mit einem Sförmigen Haken in Verbindung brachte, dessen oberer Theil an eine feststehende Eisenstange gehangen, der untere aber mit einer Art Waagschale versehen wurde, auf welcher ein hölzernes Gefäß stand, in welches man so lange granulirtes Blei schüttete, bis der Draht riß. Man wog dann das Gefäß mit dem Blei, dem untern Haken und dem untern Drahtstüke, und fügte das bekannte Gewicht der Waagschale und ihrer Nebentheile zu. Bei sehr dünnen Drähten wurde ein kleinerer Apparat und Sand statt des Bleies angewendet. Die Vermehrung des Gewichts geschah langsam und so gleichmäßig als möglich. Niemals |275| riß ein Draht an der Befestigungsstelle, sondern allemal in der Mitte.

Um die Temperaturveränderung zu vermeiden, welche durch die Verlängerung des Drahts entsteht und um die möglich besten Bedingungen zu erfüllen, hätte man diese Versuche eigentlich an einem Ort anstellen sollen, dessen Temperatur unveränderlich gewesen wäre (z.B. in einem tiefen Keller), und außerdem zum Zerreißen der Drähte eine beträchtliche Zeit verwenden müssen (indem man das granulirte Blei oder den Sand sehr langsam auf die Schale hätte gelangen lassen); dazu wären aber Apparate nöthig gewesen, die mir nicht zu Gebot standen.

Bemerkungen über die angewendeten Verfahrungsarten und die Folgerungen, welche man daraus ableiten kann.

Die Durchmesser der Drähte wurden an wenigstens drei Stellen, und oft an vier bis sechs gemessen und bloß das Mittel aus diesen Messungen in die Tabellen aufgenommen.

Die in den Tabellen angegebene Dichtigkeit ist allemal das Mittel aus mehr als hundert Versuchen, deßgleichen die Bestimmung der Tragkraft.

Das Ausglühen der Drähte geschah entweder in frisch ausgeglühter Kohle, oder in Strömen von troknem Wasserstoffgas oder Kohlensäure oder in kleinen Luftmengen. Man überschritt dabei nie die Kirschrothglühhize.

Man hat in Bosc-Antin gefunden, daß in Kohlen eingebettetes Eisen sich bei der Rothglühhize der Glasöfengewölbe ganz und gar nicht cementirt; ich habe diesen Versuch wiederholt und mich überzeugt, daß selbst eine die Kirschrothglühhize übertreffende und drei Monate anhaltende Temperatur nicht hinreicht, um Eisendrähten die Eigenschaften des Stahls zu ertheilen, während Eisenstangen von einem Centimeter im Gevierte, mit Kohle umgeben, sich bei der Weißglühhize in fünf Minuten in Gußeisen umändern. Die Eisendrähte, womit ich meine Versuche anstellte, konnten also beim Ausglühen in Kohle ihre Natur nicht verändern.

Ueber die Metalle und Legirungen, womit Versuche angestellt wurden.

Ich habe Versuche angestellt mit Eisen, Kupfer, Silber, Cadmium, Blei, Zinn, Messing, einer Legirung von 9 Silber und 1 Kupfer, einer Legirung von 4 Kupfer und 1 Zinn.

Eisen. Es wurden Versuche mit neun Eisendrähten von verschiedenem Durchmesser und auch mit gehämmertem Eisen angestellt. Von den neun Drähten dienten drei bloß zur Bestimmung ihrer Cohäsion, indem man sie unmittelbar oder nach dem Ausglühen in Luft, |276| oder Wasserstoff oder Kohlensäure probirte: einer wurde benuzt, um die Differenz zwischen seinem Durchmesser und dem des Zieheisenloches zu bestimmen. Von den übrigen Drähten wurde die Dichtigkeit vor und nach dem Ausglühen und nach dem Walzen derselben, sowohl vor als nach dem Ausglühen bestimmt.

Kupfer. Das Metall wurde unter denselben Umständen wie das Eisen probirt.

Silber. Die Dichtigkeiten dieses Metalls wurden unter verschiedenen Umständen bestimmt, wie man es in den Tabellen bemerkt findet: zwei davon sind aber besonders bemerkenswerth, der eine weil er meines Wissens noch nicht bekannt ist, und der andere wegen der Schwierigkeiten, die dabei zu überwinden waren.

Sprödes Silber. Ich habe mit einem meiner Freunde die Beobachtung gemacht, daß ein Tiegel von reinem Silber, nachdem er erhizt worden war, so spröd wurde, daß man ihn mit den Fingern in Stüke zerbrechen konnte. Dieser Tiegel hatte zur Bereitung von mangansaurem Kali mittelst Mangansuperoxyd und Aezkali gedient. Er war, wie ich glaube, zu stark erhizt worden und sehr langsam abgekühlt. Nach dem Erkalten zeigte er an mehreren Stellen Risse und war, wie gesagt, brüchig geworden. Das Silber zeigte sich nun auf dem Bruche körnig und von unvollkommener oktaëdrischer Krystallisation. Das specifische Gewicht hatte sich sehr verringert; die innere Krystallisation des Metalls scheint mir der zu hoch gesteigerten Erhizung und dem zu langsamen Erkalten zugeschrieben werden zu können.

Blätterig-krystallinisches Silber. Dieses Silber hatte ich durch Zersezung des schwefelsauren Silbers mittelst Kupfer erhalten. Sein specifisches Gewicht war sehr gering, wovon ich demnächst in einer zweiten Abhandlung den Grund angeben werde.

Cadmium. Ich habe mit diesem Metall bloß in der Absicht, seine Verlängerung beim Drahtziehen und seine Tragkraft zu bestimmen, Versuche angestellt. Mit Blei und Zinn wurden dieselben Versuche angestellt, wie mit Cadmium.54)

Messing. Diese Legirung wurde unter denselben Umständen wie das Eisen und Kupfer untersucht.

Die Legirung von 90 Proc. Silber und 10 Proc. Kupfer wurde wie das Cadmium, Blei und Zinn probirt.

Die Legirung der chinesischen Gong-gongs wurde vor den Versuchen zu einem Klumpen zusammengeschmolzen, gehämmert und weich gemacht (glühend abgelöscht).

|277|

Erste Tabelle.

Versuche mit Eisen-, Kupfer- und Messingdrähten, enthaltend die Vergleichung ihrer Durchmesser vor und nach dem Ausglühen, und ihre Dichtigkeiten vor und nach dem Ausglühen, gewalzt und ungewalzt.

Textabbildung Bd. 59, S. 277
|278|

Man ersieht aus dieser Tabelle, daß der Durchmesser der Drähte beim Ausglühen größer wird, während sich ihre Dichtigkeit dadurch vermindert56).

Es ergibt sich ferner daraus, daß die durch das Walzen entstehende Verdichtung weit bedeutender ist, als die durch das Drahtziehen erfolgende. Bei dem Eisen und Kupfer wird die Dichtigkeit größer wenn sie nach dem Ausglühen gewalzt werden, als wenn dieses vorher geschieht; bei dem Messing findet aber das Gegentheil Statt.

Sehr wichtig ist die Thatsache, daß die zu sehr feinen Drähten ausgezogenen Metalle eine größere Dichtigkeit besizen, als man ihnen durch irgend ein anderes Verfahren zu ertheilen im Stande ist.

––––––––

Um die Verlängerung zu erfahren, welche die Drähte beim Ziehen erleiden, wurden acht Metalle und Legirungen durch dasselbe Loch (Nr. 66) eines Zieheisens gezogen und ihre Länge dann mit der verglichen, welche ein Draht von dem Durchmesser des Lochs bei gleichem Kubikinhalte haben müßte. Die Resultate sind in der nun folgenden zweiten Tabelle zusammengestellt, aus welcher man zugleich die Differenz des Durchmessers der Drähte von dem des Lochs, und die Unterschiede der Dichtigkeit nach der Bestimmungsart ersieht.

|279|

Zweite Tabelle.

Textabbildung Bd. 59, S. 279
|280|

Die Verlängerung, welche die Drähte erleiden, sobald sie durch ein engeres Loch gezogen werden, kann entweder 1) auf Kosten des Durchmessers oder 2) durch Vermehrung des Abstandes der einzelnen Theilchen (Molecule) erfolgen. Die auf ersterem Umstande beruhende ergibt sich aus den in der zweiten Tabelle enthaltenen Angaben; die durch Vergrößerung des Abstandes der Molecule entstehende Verlängerung glaubte ich hingegen durch Ausglühen der Drähte bestimmen zu können; denn da bei einer hohen Temperatur die kleinsten Theilchen so zu sagen beweglich werden, so verhindert sie nichts beim Erkalten wieder ihren Normalzustand anzunehmen. Die Drähte wurden daher in einem Strom von trokenem Wasserstoffgas ausgeglüht und alle ihre Dimensionen neuerdings mit der größten Sorgfalt bestimmt. Die nun folgende dritte Tabelle enthält die Durchmesser, Durchschnittsflächen, Längen und Dichtigkeiten von fünften der Drähte aus der vorigen Tabelle, nachdem man sie ausgeglüht hatte, nebst Angabe der Differenzen.

Dritte Tabelle.

Textabbildung Bd. 59, S. 280
|281|

Man ersieht aus dieser Tabelle, daß die Drähte des Eisens, Messings und mit Kupfer legirten Silbers beim Ausglühen im Durchmesser wieder zunahmen und sich verkürzten; das Kupfer und Silber hatten sich hingegen, was merkwürdig ist, verlängert.

Vierte Tabelle.

In dieser sind für Eisen-, Kupfer- und Messingdrähte, deren Nummern denen in der ersten Tabelle entsprechen, neue Belege für die Veränderung durch das Glühen enthalten; die obere Bestimmung bei jedem Drahte ist vor, die untere nach dem Glühen gemacht.

Textabbildung Bd. 59, S. 281

Man ersieht auch aus den Versuchen in dieser Tabelle, daß sich Eisen- und Messingdraht beim Ausglühen verkürzen, Kupferdraht aber verlängert. Diese Verlängerung des Kupfers schien mir mit der Theorie des Drahtziehens nicht in Einklang gebracht werden zu können, und ich glaubte sie daher der Wirkung des Wasserstoffs auf dieses Metall zuschreiben zu dürfen. Dieß veranlaßte mich Kupferdrähte in kohlensaurem Gas und in atmosphärischer Luft auszuglühen, wobei sie ihre Länge durchaus nicht veränderten. Es ist sehr merkwürdig, daß das Wasserstoffgas keine Wirkung auf solches Messing hat, welches viel Kupfer enthält und noch bemerkenswerther, daß es sowohl auf reines Kupfer als auf reines Silber wirkt, hingegen nicht auf die Legirung dieser beiden Metalle.

Ich muß auch noch darauf aufmerksam machen, daß die Drähte |282| verschiedener Metalle und Legirungen, welche durch dasselbe Loch gezogen wurden und die nie genau mit dem Durchmesser des Lochs correspondiren, doch so ziemlich gleiche Durchmesser erhalten, wenn man sie ausglüht.

Ich habe alle in der zweiten Tabelle mitgetheilten Beobachtungen wiederholt, aus Furcht mich beim Messen der Durchmesser getäuscht zu haben; denn ich mußte wohl, daß man keinen Draht durch dasselbe Loch, aus welchem er unmittelbar hervorgegangen ist, wieder ohne Kraftanwendung hindurchziehen kann58); es ergab sich aber, daß die Durchmesser alle genau waren.

Man kann sich wohl vorstellen, daß wenn ein Draht mit Gewalt durch ein Loch gezogen wird, in Folge seiner Elasticität die verschobenen Theilchen, sobald sie durch das Loch passirt sind, freiwillig wieder in ihre natürliche Lage zurükkehren, wodurch also sein Durchmesser dann größer als die Oeffnung des Lochs wird; ich habe mich aber auch überzeugt, daß diese Ausdehnung des Durchmessers noch einige Zeit fortwährt, so daß die Drähte nach einem Monate noch diker sind als einige Stunden nach dem Ziehen. Auf einer solchen Bewegung im Innern der Körper mag es auch beruhen, daß ein gekrümmter und nachher sorgfältig wieder gerade gemachter Draht sich nach einiger Zeit von selbst wieder biegt.

Um meine Versuche zu ergänzen, habe ich auch noch die Zähigkeit der Eisen-, Kupfer- und Messingdrähte von verschiedenem Durchmesser bestimmt; ich nahm nämlich hiezu Drähte, die den schon angeführten Nummern entsprachen und andere, die eigens hiezu durch zwei, mit Nr. 17 und 18 bezeichnete Löcher eines Zieheisens gezogen worden waren; diese Nummern werde ich ihnen auch in der nun folgenden Tabelle beisezen, worin ihre Durchmesser im Mittel aus vier Messungen angegeben sind.

|283|

Fünfte Tabelle.

Durchmesser der Drähte, deren Cohäsion gemessen wurde, in Millimetern.

Textabbildung Bd. 59, S. 283

Sechste Tabelle.

Angabe der Gewichte (Kilogr.), welche zum Zerreißen der Drähte erforderlich waren, deren Durchmesser in der fünften Tabelle angeführt sind.

Textabbildung Bd. 59, S. 283
|284|
Textabbildung Bd. 59, S. 284

Da ich befürchtete, daß die atmosphärische Luft, das Wasserstoffgas und kohlensaure Gas, worin die Metalldrähte ausgeglüht wurden, ihre Natur etwas verändert haben möchten, so glühte ich Platindrähte aus, welche bekanntlich selbst bei der höchsten Temperatur durch die Luft nicht verändert werden, um in dieser Hinsicht Gewißheit zu erhalten.

Durchmesser der Platindrähte.

Vor dem Ausglühen = 0,12675 Millimeter.
Nach dem Ausglühen = 0,19000 –

Zum Zerreißen erforderliche Gewichte.

Vor dem Ausglühen. Nach dem Ausglühen.
1,565 Kil. 0,912 Kil.
1,457 – 1,021 –
1,370 – 0,962 –

Das Resultat dieser Versuche entspricht dem der ersteren. Sie beweisen offenbar, daß die Zähigkeit der Metalldrähte sich durch das |285| Ausglühen beträchtlich vermindert, und daß, wenn man diese Operation behufs des Drahtziehens mit ihnen vornimmt, es nur geschieht, um die Cohäsion der Theilchen in so weit aufzuheben, daß sie sich beim Erkalten wieder arrangiren können, um dann einer neuen Verrükung fähig zu seyn.

Nur bei dem Golde, dem dehnbarsten Metalle, ist das Ausglühen, wodurch es außerordentlich spröd wird, nicht nöthig; auch kann man dasselbe, wenn es aus einem weiten Loch kommt, noch durch ein sehr enges ziehen.

Wir haben gesehen, daß das Kupfer bei weitem nicht so zäh wie das Messing ist, welches leztere sich in dieser Hinsicht dem Eisen nähert. Zum Aufhängen von Lasten ist also das Messing dem Kupfer vorzuziehen und auch dem Eisen, wenn man befürchten muß, daß lezteres sich zu sehr oxydirt. In keinem Falle darf man aber hiezu ausgeglühte Drähte anwenden.

Daraus, daß der Durchmesser der Metalldrähte beim Ausglühen derselben größer wird und ihre Zähigkeit sich zugleich vermindert, muß man schließen, daß die Annäherung der kleinsten Theilchen, woraus die Körper bestehen, ihre Cohäsion beträchtlich erhöht, was jedoch nur innerhalb gewisser Gränzen in einem constanten Verhältniß der Fall seyn kann.

Der Umstand, daß die Cohäsion der Metalldrähte in Folge der Annäherung der kleinsten Theilchen größer wird, macht es begreiflich, warum sehr dünne Drähte durch Ausglühen (im Verhältniß des Querschnitts) zäher werden, als dike; denn die Verdichtung, welche beim Durchziehen durch das Loch erfolgt, kann bei diken Drähten nur bis auf eine gewisse Tiefe eindringen, während dünne Drähte durch und durch verdichtet werden.

Da ich im Verlaufe dieser Arbeit das specifische Gewicht mehrerer Metalle und Legirungen nach sehr verschiedenen Behandlungen derselben zu bestimmen Gelegenheit hatte, so dürfte es zwekmäßig seyn, die erhaltenen Resultate zusammenzustellen.

Specifische Gewichte.

Eisen: Ungeglühter Draht 7,6305
Geglühter Draht 7,6000
Ungeglühter, gewalzter Draht 7,7169
Geglühter, gewalzter Draht 7,7312
Gehämmert 7,7433
Kupfer: Geschmolzen, langsam erkaltet 8,4525
Ungeglühter Draht 8,6225
Geglühter Draht 8,3912
Ungeglühter, gewalzter Draht 8,7059
|286|
Kupfer:

Geglühter, gewalzter Draht

8,8787
Gehämmert 8,8893
Messing: Ungeglühter Draht 8,3758
Geglühter Draht 8,4281
Ungeglühter, gewalzter Draht 8,4931
Geglühter, gewalzter Draht 8,4719
Gehämmert 8,5079
Silber: Geschmolzen, langsam erkaltet 10,1053
Gewalzt 10,5513
Gehämmert 10,4476
Gekörnt 9,6323
Sprödes 9,8463
Blätterig-krystallinisches 9,5538
Draht von 1,8675 Millimeter Durchmesser 10,4913

Legirung von 90 Silber mit 10 Kupfer:

Geschmolzen, langsam erkaltet 10,5988
Gewalzt 10,0894
Gepreßt 10,3916
Gehämmert 10,2208
Gepreßt und geglüht 9,9330
Draht von 1,8935 Millimeter Durchmesser 10,3169

Legirung von 40 Kupfer mit 10 Zinn.

Geschmolzen, langsam erkaltet 8,4389
Gehämmert 8,8893
Geglüht u. in kaltem Wasser abgelöscht (weich gemacht) 7,9322

Allgemeine Folgerungen.

Aus den in dieser Abhandlung enthaltenen Versuchen geht hervor: 1) daß die Metalldrähte in der Regel in ihrer Längenrichtung sehr unregelmäßig sind; 2) daß es unmöglich ist die Drähte verschiedener Metalle dadurch von gleichem Durchmesser zu erhalten, daß man sie durch dasselbe Loch zieht; 3) daß die Drähte, wenn man sie durch ein engeres Loch zieht, eine Verlängerung erleiden, und zwar meistens auf Kosten des Durchmessers, zuweilen jedoch auch durch Vermehrung des Abstandes der einzelnen Theilchen; 4) daß die Drähte von weniger als 0,5 Millimeter Durchmesser eine größere Dichtigkeit haben, als man den Metallen durch irgend ein anderes Verfahren ertheilen kann; 5) daß die Drähte von 0,5 Millimeter Durchmesser und darüber weniger dicht sind, als die Bleche, welche man durch Walzen dieser Drahte nach oder vor dem Ausglühen erhält; 6) daß die Metalle durch das Drahtziehen eine viel größere Zähigkeit (Tragkraft) erhalten.

|276|

Zwei Cadmiumdrähte von 1,88 Millimeter Durchmesser zerrissen bei einem Gewicht von 18,06 Kilogr. Ein Zinndraht von 1,875 Millimeter erforderte zum Zerreißen nur 7,06 Kilogr. und zwei Bleidrähte von 1,867 Millimeter zerrissen durch 6,58 und 6,33 Kilogr. Diese Drähte waren alle durch dasselbe Loch gezogen worden.

A. d. O.

|277|

Das Messing war von verschiedener Zusammensezung; die in allen diesen Tabellen vorkommenden Nummern bestanden nämlich aus:

Nr. 1. Nr. 2. Nr. 3. Nr. 4. Nr. 5. Nr. 6.Nr. 17 u. 18.
Kupfer 87,493 66,900 67,0 66,9 67,1 69,2 71,8
Zink 12,507 33,100 33,0 33,1 32,9 30,8 28,2

Die Messingdrähte Nr. 2, 3, 4, 5 und 6 nennt man im Handel hartes Messing. Die Nummern 2, 3, 4 und 5 enthielten Spuren von Zinn. Ich habe diese Messingsorten auf nassem Wege analysirt, und auch auf trokenem, indem ich die Legirung in einem gefütterten Tiegel erhizte: das Zink verdampft und sein Gewicht läßt sich also durch die Differenz bestimmen.

A. d. O.

|278|

Nur das Eisen scheint eine Ausnahme von der oben gegebenen Regel zu machen; der mittlere Durchmesser der Drähte ist nämlich nach dem Glühen kleiner als vor demselben. Dieß hat seinen Grund in der elliptischen. Form der Drähte. Es ist nämlich möglich, daß bei dem einen oder anderen Drahte zufällig bei allen drei Messungen (und mehr wurden nicht vorgenommen) vor dem Glühen die große, bei allen drei Messungen nach dem Glühen aber die kleine Achse der Ellipse gemessen wurde. Die Folge davon muß der obige Irrthum seyn; bei den späteren Beobachtungen wurde daher der Draht allemal nach zwei Richtungen an jeder Stelle gemessen.

A. d. O.

|280|

Der Durchmesser dieses Drahts, welcher nach dem Ausglühen in seiner ganzen Länge Blasen zeigte, ist nicht genau angegeben.

A. d. O.

|282|

Das Eisen erfordert, selbst wenn man es sechs bis zehn Mal durch dasselbe Loch gezogen hat, ziemliche Anstrengung, wenn man es neuerdings durch dasselbe ziehen will; Silberdraht, welcher in Wasserstoffgas ausgeglüht wurde und dadurch einen größeren Durchmesser erhielt als dem Loch entsprach, durch welches er gezogen worden war, konnte jedoch mit zwei Fingern wieder durch dasselbe Loch gezogen werden; er war so weich und dehnbar geworden wie Blei; das erste Durchziehen durch das Zieheisen ertheilte ihm aber wieder seine Steifigkeit.

A. d. O.

|283|

Dieser Draht wurde gemessen, nachdem die dünne Oxydlage, womit er sich bedekt hatte, entfernt worden war; mit derselben maaß sein Durchmesser 0,3850 Millimeter.

A. d. O.

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