Titel: Engelmann, über den Congrevedruk.
Autor: Engelmann, M. Gottfried
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. XLIV. (S. 287–290)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/ar059044

XLIV. Ueber den zusammengesezten oder sogenannten Congrevedruk; von Hrn. Engelmann 60).

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen, No. 39.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Man bemerkt seit einigen Jahren in England und Deutschland Bankbillete, Etiquetten, Adressen, Umschläge für Bücher und mancherlei andere mit mehreren Farben bedrukte Gegenstände, welche in England unter dem Namen zusammengesezter Druk (compound printing), in Deutschland hingegen unter dem Namen Congrevedruk bekannt sind. Da dieses Drukverfahren in Frankreich noch wenig bekannt ist, so erlaube ich mir darüber mitzutheilen, was mir von Hrn. Hänel in Magdeburg und Hrn. Naumann in Frankfurt darüber bekannt gegeben wurde.

Als der berühmte Congreve im Jahre 1823 den durch seine in der Buchdrukerkunst gemachte Erfindungen bekannten Applegath besuchte, sah er in dessen Drukerei in einem für Kinder bestimmten Büchlein farbige Bilder mittelst zweier hölzerner Tafeln, auf welche die Farben einzeln aufgetragen wurden, und die man dann zum Behufe des Abzuges in einander einsezte, druken. Dieß gab dem erfinderischen Congreve die erste Idee seiner neuen Art von Druk; und da die englische Regierung zu jener Zeit einen Preis für unnachahmbare Banknoten ausgeschrieben hatte, so wußte er diese Idee auch sogleich zu diesem Zweke zu benuzen. Die Idee der durchbrochenen Platten war hiemit gegeben, er vervollkommnete sie, indem er Metall statt des Holzes in Anwendung brachte. Nicht zufrieden mit diesen neuen Typen, wollte er zugleich auch eine Maschine ermitteln, in der dieselben mit großer Geschwindigkeit abgedrukt werden könnten; er verband sich zu diesem Zweke mit dem bekannten Mechaniker Donkin. Den Mechanismus, über den beide in dieser Hinsicht übereinkamen, ließen sie von ihrem Associé Wilks, einem gewandten Maschinenzeichner, ins Reine zeichnen, und hienach verfertigte Donkin eine Presse, welche nach vielen Versuchen und vielen überwundenen |288| Schwierigkeiten endlich vollkommen ihrem Zweke entsprach und gegen Ende des Jahrs 1824 in Thätigkeit gesezt wurde. Mit diesen Mitteln ausgerüstet begann Congreve in London in Verbindung mit dem Buchdruker Whiting den ersten farbigen Druk, dem er den Namen zusammengesezter Druk (compound printing) beilegte. Ihre Versuche scheinen in Hinsicht auf den Banknotendruk nicht das gewünschte Resultat gehabt zu haben; allein bei dem Publikum fand ihre Erfindung günstige Aufnahme, und eine Menge für den Handel bestimmte Gegenstände, wie Etiquetten, Adressen, Facturen etc. gaben der neuen Presse vielfache Beschäftigung. Man drukte anfangs nur schwarz und roth; später hingegen wählte man nicht nur feinere Farben, sondern man bewerkstelligte auch mancherlei dem Auge sehr wohlgefällige Verbindungen derselben. Ein Patent schüzte Congreve für die Dauer von 14 Jahren gegen alle Eingriffe.

Abgesehen von der ursprünglichen Anstalt, welche Whiting im Jahre 1828 nach dem Tode Congreve's sammt dem Patente für seine Rechnung übernahm, und deren Eigenthümer er noch gegenwärtig ist, gründete derselbe auch noch eine zweite an dem k. Stempelamte in Sommersethouse, und eine drille an dem Steueramte.

Hr. Hänel in Magdeburg übertrug den zusammengesezten Druk zuerst nach Deutschland, und zwar auf Veranlassung des Tabakfabrikanten Hrn. Justus in Hamburg, der seine Etiquetten, um deren Nachahmung zu verhüten, mit zwei Farben gedrukt haben wollte. Der Erfinder trat Hrn. Hänel eine seiner Schnellpressen ab, und theilte ihm auch sein Verfahren mit, wonach derselbe im Jahre 1827 den von ihm sogenannten Congrevedruk begann. Die mit dem Erfinder eingegangenen Contracte und hauptsächlich der hohe Preis dieser Arten von Pressen schüzten denselben bisher gegen alle Nachahmer.

Da die Verfertigung der guillochirten Messingplatten, deren man sich bis dahin bediente, sehr kostspielig war, und eben deßhalb nur auf solche Gegenstände, die in sehr großer Menge abgezogen werden sollten, angewendet werden konnten, so hatte Hr. Naumann von Frankfurt, der sich im Jahre 1828 zu Hrn. Whiting nach London begeben hatte, die glükliche Idee sie durch Abklatschen zu vervielfältigen, und deren Abzug mit den gewöhnlichen Drukerpressen zu bewerkstelligen. Seine Bemühungen hatten den glänzendsten Erfolg, und er liefert gegenwärtig nach seinem Verfahren die elegantesten Druke, an denen Feinheit und Reinheit des Drukes mit der glüklichsten Farbencombinirung verbunden ist, wie sich die Gesellschaft durch die ihr vorgelegten Muster überzeugen kann. Hr. Naumann überließ sein Verfahren bisher den HH. J. P. Sollinger in Wien, L. v. Landerer in Pesth, und den Brüdern Firmin Didot in |289| Paris, welche darnach die von ihnen sogenannten Impressions polychrômes liefern.

Von dem Mechanischen dieses Verfahrens dürfte Folgendes eine Idee geben, besonders wenn man die auf Taf. IV. Fig. 27 und 28 befindliche Abbildung dabei zu Hülfe nimmt. Die sogenannten zusammengesezten Platten (compound plates) der Engländer bestehen aus zwei Theilen; die eine ABCD, die ich die obere Platte nennen will, hat je nach der Figur, welche gedrukt werden soll, verschieden geformte Ausschnitte, in welche eben so viele Metallstüke E, E, E, E passen, die dieselben luftdicht verschließen, so daß das Ganze nur eine Oberfläche bildet. Auf der Kehrseite bilden diese Metallstüke jedoch, wenn sie eingesezt sind, Vorsprünge von einigen Millimetern. Wenn man die Platte umgekehrt und mit einem entsprechenden Rande umgeben, so gießt man in die Zwischenräume der hervorragenden Metallstüke Schriftmetall F. Die Folge hievon ist, daß die Metallstüke auf diese Weise in dem Schriftmetall fixirt bleiben, und daß man hiedurch die zweite Platte GHIK erhält, welche ich die untere nennen will. Wenn beide Platten zusammengesezt oder vereinigt sind, so schleift man deren Oberfläche sorgfältig ab, und gravirt dann mit der Hand oder mit der Guillochirmaschine die gewünschte Zeichnung darauf. Da die Platten in den gewöhnlichen Drukerpressen abgedrukt werden sollen, so versteht sich von selbst, daß der Stich erhaben seyn muß. Hieraus erhellt, daß, wenn die beiden Platten nach vollendeter Zeichnung von einander getrennt werden, auf jeder derselben ein Theil der Zeichnung befindlich seyn wird; daß dann auf jede eine eigene Farbe aufgetragen werden kann; und daß, wenn man die beiden Platten hierauf wieder mit einander vereint, beim Abziehen derselben beide Farben mit einem Male gedrukt werden. Diese Operation würde, wenn man sie mit der Hand bewerkstelligen wollte, mancherlei Herumtappen veranlassen, und langwierig seyn; man suchte daher eine Presse ausfindig zu machen, die alle diese Bewegungen schnell und mit Genauigkeit ausführt, und deren Princip in Folgendem beruht. Die obere Platte wird auf eine feste Unterlage geschraubt; die untere hingegen ist an einer Tafel angebracht, welche sich in Folge der Bewegung eines excentrischen Rades herabsenkt, sobald der Abdruk geschieht. Dann laufen zwei mit verschiedenen Farben versehene Walzen über die Platten, worauf durch Fortsezung der Bewegung des excentrischen Rades die Tafel wieder emporsteigt, so daß die Vorsprünge oder Erhabenheiten der unteren Platte in die Ausschnitte der oberen eintreten: wo dann in demselben Augenblike die Drukwalze über die beiden vereinten Platten geht, und den Abdruk bewerkstelligt. Zwei Arbeiter, welche einander von halbe zu halbe |290| Stunde ablösen, sezen die Presse in Gang, und können in einer Stunde mit Inbegriff der Zeit, welche zum Stellen der Platten, zur Erneuerung der Farbe etc. erforderlich ist, 1000 Abdrüke liefern. Man kann sich derselben Presse auch zum Abziehen einfarbiger Zeichnungen bedienen, wo sie dann stündlich 1500 Abdrüke liefert. Die zum Abziehen in dieser Presse bestimmten Platten müssen aus Kupfer oder Stahl bestehen; sie kommen daher theuer, und eignen sich aus diesem Grunde nur für solche Fälle, in denen eine sehr große Anzahl von Abdrüken genommen werden soll. Handelt es sich nur um einige Tausend Abdrüke, so verfertigt man sich nach dem Abklatsch- oder Stereotypirprocesse Platten; d.h. man nimmt von der gravirten Matrize einen Abdruk mit Gyps, und senkt diesen dann beiläufig einen Millimeter tief in geschmolzenes Schriftmetall ein, damit das geschmolzene Metall in Folge dieses Drukes bis in die kleinsten Details des Models eindringe. Wenn auch diese abgeklatschten Platten den schnellen Bewegungen der Schnellpresse nicht lange widerstehen, so kann man auf den gewöhnlichen Drukerpressen doch eine ziemlich große Anzahl von Abdrüken davon nehmen. Die Geschwindigkeit ist zwar in lezterem Falle geringer, dafür wird aber die Reinheit um so größer; und sowohl deßhalb, als wegen der hiedurch erzielten Wohlfeilheit kam der Congrevedruk in neuerer Zeit weit mehr in Aufnahme. Wenn man nach diesem Verfahren eine bestimmte Anzahl von Originaltypen vermehrt, so läßt sich deren Verbindung ins Unendliche abändern, so daß man, ohne daß man neue Platten zu graviren braucht, eine große Menge Abdrüke von verschiedenen Dimensionen und Zusammensezungen zu erzielen im Stande ist.

Wir haben zwar schon früher, als Congreve's Patent bekannt gemacht wurde, im Polyt. Journale Bd. XIII. S. 511 und Bd. XV. S. 357 Nachricht davon gegeben; wir haben ferner im Polyt. Journale Bd. XXXII. S. 292 einen von Hrn. Hofkammersecretär Pfnor verfaßten Aufsaz über den Congrevedruk mitgetheilt; da jedoch in Hrn. Engelmann's Notiz noch einige weniger bekannte Details hierüber vorkommen, so nehmen wir keinen Anstand, zur Vervollständigung dieses Gegenstandes auch noch diese nachzutragen.

A. d. R.

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