Titel: Ueber Bottiche und Weingeschirre aus Mauerwerk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. LXIV. (S. 360–370)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/ar059064

LXIV. Ueber verschiedene Bottiche und Weingeschirre aus Mauerwerk.

Aus dem Journal des connaissances usuelles. Okt. 1835, S. 155.

Während sich Rebenanpflanzungen in mehreren Gegenden Frankreichs fortwährend vermehren, wird das zu Fässern taugliche Holz von Tag zu Tag theurer und seltener, so daß die hohen Preise der Geschirre, welche mehr gelten als der Wein selbst, den Grundbesitzer vor jeder neuen reicheren Weinlese bangen machen. Wie läßt sich diesen Folgen der früheren Forstverwüstungen und diesem Mangel an entsprechenden Geschirren abhelfen? Wie lassen sich endlich die Vorurtheile besiegen, die gegen die Möglichkeit eines Ersazmittels der gewöhnlich gebräuchlichen Geschirre herrschen? Wir glauben, daß dieß nur durch Beispiele und durch wiederholte Bekanntmachung der Wege, die man einzuschlagen hat, geschehen könne. Wenn wir nämlich Beispiele unter unseren Augen haben, zu deren Gunsten eine mehrjährige Erfahrung spricht; wenn die Vorzüge der neuen Geschirre in ihrer Dauerhaftigkeit, ihrer Wohlfeilheit und darin gelegen sind, daß der Wein in ihnen an Güte gewinnt, wird man selbst dann noch anstehen dieselben anzunehmen, und auf diese das individuelle mit dem allgemeinen Interesse in Einklang zu bringen?

Man hat zwar schon früher und auch neuerdings wieder mehrere Versuche in dieser Hinsicht angestellt, von denen nur wenige erfolgreich waren; denn einerseits ließen die neuen Weingeschirre den Wein durch, andererseits schadeten sie seiner Farbe und seinen übrigen Eigenschaften so sehr, daß man sie notwendig aufgeben mußte.

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Allein was läßt sich hieraus mehr schließen, als daß Unerfahrenheit die Ursache dieser schlechten Resultate war, und daß, wenn man bei diesen Versuchen scheiterte, dieß durch die Anwendung schlechter Mittel, durch die Fehler im Baue, durch die Unvollkommenheit der Kitte, und vielleicht auch durch den Mangel an Geduld bedingt war. Heut zu Tage, wo die Anwendung des römischen oder hydraulischen Cementes so allgemein verbreitet ist, und so große Fortschritte gemacht hat, ist kein Herumtappen gleich dem früheren mehr erlaubt; denn der Weg zur Herstellung von Baugegenständen, welche wasserdicht und unempfänglich gegen die nachteiligen Einflüsse der Atmosphäre sind, ja welche sogar mit der Zeit immer mehr und mehr an Festigkeit gewinnen, ist gebahnt. Die von uns angestellten Proben hatten den besten Erfolg, und was wir leisten konnten, wird ein anderer wohl eben so gut und wahrscheinlich noch besser bewerkstelligen können. Wir wollen daher hier das Verfahren beschreiben, nach welchem wir einander gegenüber zwei Bottiche, von denen der eine 200 und der andere 320 Winzerbütten fassen kann, und inzwischen ein großes Stükfaß herstellten. Alle drei Geschirre haben ein gemeinschaftliches Schwenkbeken (cuvette) und 12 Cisternen oder Behälter, welche zusammen 68 große Stükfässer oder 34 Fuhren (chars) fassen, wovon auf das große Stükfaß 4 und auf jede der Cisternen 2 1/2 Fuhren kommen.

Von diesen Bottichen hat der mittlere 11 Fuß in der Breite auf 6 Fuß 10 Zoll in der Tiefe und 8 Fuß Höhe; der große Bottich hingegen hat 11 Fuß Breite, 11 Fuß 4 Zoll Tiefe und gleiche Höhe; das kuppelförmig geendigte Stükfaß endlich hat 4 Fuß im Gevierte und 6 Fuß Höhe. Die alten Mauern des Kellers haben 40 und die neuen 16 Zoll Dike, während die vordere Wand des Stükfasses nur 6 Zoll mißt.

Der Keller, in welchem diese drei Stüke gebaut wurden, war in früheren Jahren beinahe 7 Fuß tief ausgegraben worden. Seine Wände schienen zwar ein festes Mauerwerk zu haben; da sich jedoch viele große Kiesel darin befanden, der Mörtel zum Theil fett, zum Theil mager war, und da sie im Inneren sowohl hohle Räume als Salpeter enthalten konnten, so mußten wir uns gegen allenfallsiges Durchsikern und gegen Zersezung der Cemente vorsehen. Wir ließen daher, nachdem gehörige Stüzen angebracht worden, die alten Mauern der ganzen Höhe und Länge, welche die Bottiche bekommen sollten, nach, 10 Zoll tief ausbrechen, und da an dem ganzen Baue Alles verbunden seyn mußte, so legten wir sogleich die Grundlage für den Boden der Bottiche und des Stükfasses. Diese hatte drei Schichten, von denen die erste aus Kieseln, welche in fetten Mörtel gelegt |362| wurden; die zweite aus einer 4 Zoll diken Schichte Steinmörtel, und die dritte aus einer Täfelung mit starken durch hydraulischen Kalk oder Puzzolane verbundenen Baksteinen bestand. Die Täfelung war einige Zoll weit in die alten und neuen Mauern eingelassen. Nachdem diese Grundlagen nach Ablauf einiger Wochen Festigkeit gewonnen, nahmen wir die Arbeiten wieder auf, beschränkten uns jedoch für das erste Jahr auf den Bau eines einzigen Bottiches und der 12 Cisternen, da mir dieser Bau für einen ersten Versuch und für die dringendsten Bedürfnisse zu genügen schien.

Unsere erste Sorge richteten wir auf folgende Wiederherstellung der aufgebrochenen Wände oder Mauern. Wir legten zuerst drei Reihen schmaler und stark gebrannter Baksteine (sogenannter Barons), von 5 Zoll Breite auf 14 bis 15 Zoll Länge und 21 Linien Dike, mit einem sehr dünnen Mörtel. Nachdem diese Steine sehr schnell gefaßt hatten, füllten wir den Zwischenraum zwischen den Baksteinen und dem alten Gemäuer mit massivirtem Steinmörtel aus, wobei jedoch von Seite des Arbeiters einige Gewandtheit nöthig war, damit die Verkleidung nicht erschüttert würde. Auf diesen drei Reihen schmaler Baksteine und auf diese erste Grundlage legten wir eine Reihe doppelt gebrannter Steine, die das Ganze bedekte; und auf diese Weise ununterbrochen fortfahrend waren in zwei Tagen sämmtliche alte Mauern ausgebessert und geebnet. Es blieb uns nur noch die vordere Wand, bei deren Bau um so mehr die größte Aufmerksamkeit erforderlich war, als sie nicht gleich den übrigen im Erde reiche eine Stüze finden konnte. Wir waren demnach auch gezwungen hier unser Verfahren abzuändern, und diese Mauer mit sogenannten Kästen zu erbauen. Einen solchen Kasten bauten wir uns mit Balken von 4 Zoll im Gevierte, welche auf einer Seite behauen, lothrecht in einer Entfernung von 18 Zoll von einander angebracht, und außen sowohl als innen mit Streben und Gegenstreben versehen wurden, und endlich mit starken Dielen von der Länge der Mauer, welche allmählich und je nach der Erhöhung der Grundmauer angebracht wurden. Mit besonderer Sorgfalt verbanden wir diese Mauer mit den benachbarten.

Da jedoch diese Mauer eine solche Verkleidung bekommen mußte, daß sie den Cement, womit sie überzogen werden sollte, erfassen und festhalten konnte, und da ihre Verkleidung, in so fern es ohne Beeinträchtigung ihrer Festigkeit thunlich war, mit der Verkleidung der übrigen Wände in Einklang gebracht werden sollte, so verfuhren wir auf folgende Weise. Wir verschafften uns gut gebrannte Baksteine, sogenannte briquetons, von ungleicher Länge, und sehr feinen Steinmörtel. Nachdem dieser Steinmörtel mit der Kelle |363| in dünnen Schichten längs der inneren Dielen gelegt worden war, betteten wir mit der Hand und mit Anwendung von Druk die Baksteine so ein. daß die langen mit den kürzen wechselten. Zugleich wurde der übrige leer gebliebene Theil des Kastens mit Steinmörtel ausgefüllt und mit Kraft massivirt: jedoch so, daß er sich mit den Baksteinen verband, und die Anordnung derselben nicht beeinträchtigt wurde. Auf diese Weise ward auch diese Mauer in zwei Tagen 7 Fuß 2 Zoll hoch aufgeführt, wo dann in dieser Höhe noch drei Lagen großer Baksteine angebracht wurden. Die beiden lezteren dieser Lagen bildeten nach Innen eine Einziehung von 5 Zoll, und trugen ein Karnieß von 4 Zoll Dike. Innen wurde eine Böschung aus Steinmörtel mit kleinen Baksteinen und Hammerschlag versezt angebracht, damit man in das Innere des Bottiches hineinsehen, den Gang der Gährung verfolgen, und den zum Abziehen des Weines geeigneten Zeitpunkt ermitteln konnte. Den Kasten oder den Model für diese Mauer nahmen wir erst nach drei Wochen ab; nach welcher Zeit der Steinmörtel schon bedeutende Härte gewonnen hatte; dessen ungeachtet hielten wir es für besser ihn vor der Application des Ueberzuges noch weitere 14 Tage troknen zu lassen, so daß wir vorläufig nur den zwischen den Fugen der Baksteine durchgedrungenen Mörtel mit der Kelle zu entfernen, und solcher Maßen eine mehr ebene Oberfläche herzustellen suchten.

Den Steinmörtel und die Cemente, deren wir uns bedienten, bereitetet wir uns, bevor uns römischer Cement zu Gebot stand, auf folgende Weise. Wir nahmen zwei Drittheile körnigen und mehrmals ausgewaschenen Flußsand, und versezten diesen vorläufig mit einem aus frischen gut gebrannten Ziegeln und Hammerschlag bestehenden Pulver. Dann nahmen wir drei Theile dieses Gemenges, befeuchteten es mit Flußwasser, und bildeten daraus ein Beken, in welches wir einen Theil von dem fettesten und möglich frischesten Aezkalk brachten, um ihn sogleich mit Wasser zu begießen, und sobald Zeichen des Aufsiedens entstanden, mit dem nassen Sande, womit er umgeben war, zu bedeken. Der Kalk beginnt unter diesen Umständen bald zu arbeiten und sich auszudehnen; es bilden sich Risse in seiner Bedekung, die jedoch von den Arbeitern sorgfältig verstrichen werden, damit dem Kalke seine ganze Kraft bleibe. Ist die große Thätigkeit des Kalkes vorüber, so überzeugt man sich durch einige Löcher, die man in den Haufen macht, ob die Löschung vollkommen erfolgt ist; wenn hiebei aus diesen Löchern noch Kalkstaub aufsteigt, so trägt man durch sie zum Behufe der völligen Löschung nach und nach kleine Quantitäten Wasser ein, um dann die Masse, nachdem die Löcher geschlossen worden sind, noch eine Stunde |364| lang liegen zu lassen. Während dieser Ruhezeit löscht man eine andere Quantität Kalk auf gleiche Weise ab, um sich einen gehörigen Vorrath von dieser Composition zu verschaffen. Um endlich den Mörtel selbst anzumachen, schlägt man den Sand, womit der Kalk bedekt ist, zurük, zerdrükt lezteren so gut als möglich mit der Krüke, und vermengt ihn nach und nach und ohne Zusaz von Wasser mit dem Sande. Wenn die ganze Masse durch langes Abarbeiten gehörig vermengt ist, so wirft man endlich drei Fünftheile kleine Kiesel darauf, und arbeitet das Ganze neuerdings mit den Armen um.

Obschon das Verhältnis von einem Theile Aezkalk auf drei Theile Sand mit dem Principe Vitruv's, der einen Theil Kalk auf zwei Theile Sand angibt, im Widerspruche zu stehen scheint, so verträgt sich dasselbe doch vollkommen damit, indem der Aezkalk durch das Löschen so sehr an Umfang zunimmt, daß beinahe das angegebene Verhältniß dabei herauskommt. Sollte jedoch der Steins mörtel zu mager scheinen, ein Fall, der in Folge des Zusazes der abgewaschenen Kiesel öfter eintritt, so kann man ihn durch Zusaz einer mit gelöschtem Kalke bereiteten Kalkmilch fetter machen. Der Steinmörtel muß zähe und adhärent seyn; denn nur fette Mörtel und Steinmörtel sind bei dieser Art von Bauten zulässig. Um den Kalkkörnern, welche allenfalls der ersten Löschung entgangen sind, Zeit zur vollkommenen Ablöschung zu lassen, soll man den Steinmörtel erst einen Tag nach seiner Bereitung anwenden, und ihn im Momente seiner Anwendung unter wiederholter Befeuchtung mit Kalkmilch abermals durcharbeiten. Mörtel und Cemente dieser Art erhärten sehr schnell zu einer vollkommen undurchdringlichen Masse; und mit solchem Materiale wurden höchst wahrscheinlich auch jene unsterblichen Kunstwerke der Römer, deren Festigkeit und Bindung wir bewundern, und an deren Nachahmung man schon verzweifeln wollte, erbaut.

Um jedoch wieder zu unserem Bottiche zurükzukehren, bemerken wir, daß wir denselben nach Ablauf von abermaligen 14 Tagen auskehren und sorgfältig auswaschen ließen, um ihn dann mit einem ersten Bewurfe zu versehen, den wir aus zwei Theilen Puzzolane, einem Theile gewaschenen Flußsand, und 1 1/2 Theilen guten, schon lange gelöschten Kalk bereiteten, oder den man auch durch eine Schichte römischen Cement ersezen kann. Aezkalk wendeten wir hier deßhalb nicht an, weil ungeachtet aller Vorsicht immer einige Theilchen der Ablöschung entgehen und dann durch Aufblähen den Bewurf uneben machen. Wir ließen diesen Bewurf mit dem Sperber auftragen und ebnen, und zur Verhütung eines schnellen Troknens |365| den ganzen Tag über fortwährend benezen, was zu seiner Dauerhaftigkeit durchaus nothwendig ist.

Den Tag darauf trugen wir nach abermaliger Befeuchtung dieses Bewurfes eine neue Schichte Puzzolancement auf, die jedoch nur eine halbe Linie dik war. Wir nahmen hiezu 4 Theile gesiebte Puzzolane, 2 Theile gewaschenen feinen Sand, 3 Theile gelöschten Kalk und 1/10 Puzzolanpulver, welches vorher mit Olivenöhl abgeknetet worden war. Zwei Arbeiter waren hiebei beschäftigt; der eine trug den Bewurf auf; der andere glättete und befeuchtete ihn abwechselnd, und dieses Glätten sezte man bis zu Ende des zweiten Tages fort. Wenn durchaus kein Riß in diesem Ueberzuge bemerkbar war und er uns fest genug erschien, ließen wir eine erste Schichte Oehl auftragen, und nach Einsaugung dieser und erfolgter Polirung der Wände auch noch eine zweite und lezte.

Der Bottich sah, nachdem er diese Behandlung erlitten hatte, beinahe marmorartig aus, und konnte mit den vollendetsten Arbeiten dieser Art verglichen werden. In Hinsicht auf Weinbereitung erhielt er jedoch seinen vollen Werth erst durch die Bedekung mit einem flachen Gewölbe, welches zur Concentrirung des Alkohols diente, und in dessen Mitte eine Oeffnung von 20 Zoll im Gevierte, die mit einem eichenen Rahmen versehen war, angebracht wurde, damit durch dieselbe das Abladen der gelesenen Trauben und das Zerquetschen derselben vorgenommen werden konnte. Dieses sehr gedrükte Gewölbe ließen wir aus zwei sich kreuzenden Reihen von Ziegelplatten, die mit Gyps und Kalk verbunden wurden, bauen; und nachdem es mit dem leichtesten Tuff geebnet worden war, bedekten wir es mit einem gut zusammengefügten Getäfel. Es versteht sich, daß der Boden und die Wände des Bottiches sorgfältig gegen alle Beschädigung geschüzt waren.

Es wurde bereits schon 10 Mal in diesem Bottiche gekeltert, und noch nie drangen die Säuren durch. Der Wein gewann in denselben merklich an Qualität, ohne einen Verlust an Quantität zu erleiden: er kommt nach einer 12 bis 15tägigen Gährung geistiger und röther aus dem Bottiche, als sonst gewöhnlich, und erhält sich in Gefäßen von gleicher Beschaffenheit aufbewahrt nicht nur mit dem möglich geringsten Verluste durch Abfall, sondern er bleibt auch immer frisch, und gegen die Zufälligkeiten, denen er in den hölzernen Geschirren ausgesezt ist, geschüzt. Auch veredelt er sich immer mehr und mehr, weßhalb er denn von solchen Weinhändlern und Consumenten, die von keinem Vorurtheile befangen sind, sehr gesucht ist.

Ein so glänzender Erfolg und die Aussicht auf eine neue |366| reichliche Ernte bestimmten uns zur weiteren Verfolgung dieser Unternehmung. Wir bauten daher nach demselben Principe neue Bottiche und neue Stükfässer, und haben alle Ursache uns hiezu Glük zu wünschen, so daß wir die von uns befolgte Methode mit gutem Grunde allen größeren Weinbergbesizern aufs Beste anempfehlen können. Sie werden hiebei nicht nur 3/4 bei der Anschaffung des Geschirres gewinnen, sondern ihre Weine werden sich auch sehr gut halten, ein kleiner Raum wird zur Unterbringung einer weit größeren Quantität hinreichen; die Erweiterung der Keller wird daher unnöthig werden, und die Unterhaltungskosten der Geschirre werden wegfallen.

Wir wollen nun zeigen, auf welche Weise wir unsere Weinbehälter bauten. In gleichem Niveau mit dem erwähnten Speisekeller befand sich ein gewölbter Keller, der in gewöhnlichem Geschirre ungefähr 30 Fuhren Wein fassen konnte: die Fuhre aus zwei Stükfässern bestehend und beiläufig zu 7 Hectoliter oder 15 Cntr. gerechnet. Da dieser Raum für die Ernte, welche unsere jungen Rebenpflanzungen versprachen, nicht hinzureichen schien, so mußte unser Keller entweder erweitert, oder auf irgend eine Weise in Stand gesezt werden, eine größere Menge Wein zu fassen, als dieß bei Anwendung der gewöhnlichen Geschirre möglich war. Diese Raumersparnis die lange Zeit das Ziel unseres Strebens war, erreichten wir vollkommen durch den Bau zweier Reihen von Weinbehältern oder Cisternen, welche zusammen 140 große Stükfässer oder 70 Fuhren fassen, und welche den beiden erwähnten Bottichen und anderen in Zukunft zu bauenden Bottichen keinen Eintrag thun.

Wir bauten im ersten Jahre die erste Reihe dieser Cisternen oder Behälter, und kaum waren sie vollendet, so füllten wir drei derselben mit jungem, noch ganz schäumendem Weine. Obwohl sich die Bewürfe damals noch in keinem solchen Zustande befanden, wie gegenwärtig, wo wir Puzzolane zu denselben verwenden können, so bestanden sie dennoch diese harte Probe vollkommen gut. Der Wein erlitt nicht die geringste Veränderung in denselben; er blieb voll Feuer, und verdiente offenbar vor jenem der früheren Jahrgänge den Vorzug; er schmekte nie wie neuer Wein, und ward beim Verkaufe immer dem in hölzernen Geschirren aufbewahrten Weine vorgezogen, obwohl er mit diesem in einem und demselben Bottiche gekeltert worden war.

Wir theilten unseren Keller, der 6 Klafter 4 1/2 Fuß in der Länge maaß, durch 11 Scheidewände in 12 Abtheilungen, von denen jede im Lichten 3 Fuß Breite und 4 Fuß 8 Zoll Länge hatte. Es blieben demnach für die Scheidewände, die gleich den vorderen Wänden |367| aus sogenannten Barons, einer Art von Baksteinen, gebaut wurden, 4 1/2 Fuß. Die Scheidewände selbst wurden mit sogenannten Zangen gegen die Kellermauer gelehnt und befestigt. Einen Fuß hoch über dem Niveau der Bodentäfelung des Kellers wurde in der Mitte eines jeden Faches ein messingener, in einen Stein eingelassener Hahn angebracht. Der Boden der Behälter oder Cisternen mußte daher nicht bloß bis zu dieser Höhe emporgeführt werden, sondern man mußte ihm auch die zum Abziehen nöthige Neigung oder Senkung geben. Wir glaubten jedoch die Hälfte dieses Grundgemäuers ersparen zu können, indem wir den Boden 6 1/2 Zoll hoch mit kiesiger, festgestampfter Erde auffüllten. Auf diese tennenartige Oberfläche brachten wir dann eine beinahe 4 Zoll dike Schichte Steinmörtel, der wir gegen den Hahn hin eine Neigung oder Senkung von 6 Linien gaben, und auf die wir dann eine gut verkittete Täfelung legten. Nach gehöriger Erhärtung dieses Bodens führten wir mit ausgesuchtem Materiale und mit so wenig Mörtel als möglich 3 Fuß 8 Zoll hoch die Mauern auf, deren Fugen wir mit aller Sorgfalt verkleideten. In dieser Höhe wurden die Anläufe der Wölbungen, welche jede einzelne Cisterne schließen sollten, mit Steinmörtel gelegt. Die Ausbauchungen dieser zum Theil mit Steinmörtel, zum Theil mit Barons gebauten Gewölbe betrugen 8 bis 9 Zoll. Oben und vorne wurde an jeder einzelnen Cisterne eine Oeffnung von 10 auf 14 Zoll angebracht, und diese Oeffnung, welche in einer nach allen vier Richtungen abgedachten Fläche in einen Stein geschnitten ist, wird mit einem anderen Steine verschlossen. Um diesen Stein nach Belieben wegheben zu können, sind in denselben Griffe oder Henkel eingelassen; in seiner Mitte befindet sich ferner auch noch das Spundloch. Sind die Cisternen mit Wein gefüllt, so verstreicht man die Fugen mit einem Kitte aus Talg und Heuasche, wo dann keine Verdünstung mehr zu befürchten steht.

Nach unserem ursprünglichen Plane sollte die Basis des Bewurfes der Cisternen aus Puzzolane bestehen; da wir uns jedoch zur Zeit des Baues derselben keine solche verschaffen konnten, so suchten wir sie durch ein Gemenge aus Kieselpulver, Hammerschlag und doppelt gebrannten Ziegeln, welchem wir mit gutem gelöschtem Kalke Bindekraft gaben, zu ersezen. Dieser Bewurf, der gleichfalls mit Oehl eingelassen und dann geglättet und polirt wurde, schien sehr gut, und hielt auch im ersten Jahre ganz gut. Da jedoch im zweiten Jahre einige Veränderungen daran bemerkbar wurden, und da diese mit der Zeit vielleicht noch weitere Fortschritte hätten machen können, so entschlossen wir uns statt dieses Bewurfes einen mit römischem Cemente bereiteten anzuwenden, was denn auch unter |368| Beobachtung des obigen Verfahrens geschah, seitdem wir Gelegenheit fanden, uns diese kostbare Substanz zu verschaffen.

Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß es besser ist den inneren Bewurf der Cisternen vor ihrer Zuwölbung anbringen zu lassen; denn der Arbeiter arbeitet, so lange sie offen sind, viel leichter, weil er genug frische Luft hat und also nie gezwungen wird seine Arbeit wegen schlechter Luft auszusezen. Er kann ferner selbst die kleinsten Risse leichter entdeken, als bei dem matten Scheine des Lichtes in einer zugewölbten Cisterne; und eben so kann der Eigenthümer den Gang der Arbeit besser überwachen.

Wenn auch Mauern von 5 Zoll für Behälter von mittlerem Inhalte allerdings hinreichten, ohne daß man den Versuch zu gewagt nennen kann, so versteht sich doch, daß deren Dike in dem Maaße erhöht werden müßte, als der Rauminhalt oder Behälter wächst. Die Model der Baksteine müssen dann in demselben Verhältnisse abgeändert werden; auch muß der Thon zu diesen Steinen sorgfältig ausgewählt werden, so wie es denn ferner gut seyn dürfte sie vor dem Brennen zu schneiden. Wir fügen nur noch bei, daß an den Hauptmauern, an welche die Behälter oder Cisternen gelehnt sind, alle Feuchtigkeit und alles Durchsikern mit aller Sorgfalt beseitigt und verhütet werden muß. Wir haben aus diesem Grunde außen auch eine Gegenmauer angebracht, deren Böschung das Regenwasser abfließen macht.

Wir wollen nunmehr nur noch die Kosten dieser Weinbehälter oder Cisternen mit jenen der gewöhnlichen hölzernen Geschirre, deren Stelle sie vertreten, vergleichen. Unsere Ausgaben bei dem Baue derselben berechneten sich nämlich folgender Maßen.

1) Für 12 messingene Hähne mit vier Schlüsseln 132 Fr.
2) 12 andere kleinere Hähne, wovon in der Mitte
der vorderen Wand einer jeden Cisterne einer angebracht
ist, und die zum Kosten des Weines bestimmt sind


60 –
3) Für 50 Cntr. Kalk, den Cntr. zu 1 1/2 Fr. 75 –
4) 400 flache Baksteine für den Sokel u. die Grundlage
der Scheidewände

32 –
5) Für 2000 sogenannte Barons, das Tausend zu 40 Fr. 80 –
6) die Steine, in welche die Hähne, die Rahmen und
die Schlüssel, die zum Verschließen der Oeffnung der
Behälter dienen, eingelassen sind


166 –
7) Für den Bewurf 144 –
8) Arbeitslohn 90 –
––––––
Summa 779 Fr.
|369|

Jeder Behälter oder jede (Zisterne kam demnach beiläufig auf 64 Fr. zu stehen, welcher Preis jedoch nach Localverhältnissen nochwendig großem Wechsel unterworfen seyn muß. Nimmt man diesen Preis jedoch selbst um ein Drittheil höher an, so erscheint er dennoch im Vergleiche mit den Stükfässern und im Vergleiche der übrigen Vortheile sehr mäßig. 34 Stükfässer, jedes zu einer Fuhre, kommen nämlich mit Einschluß der Bereifung per Stük auf 48 und zusammen auf 1632 Fr. zu stehen, so daß sich in den Anschaffungskosten allein eine Ersparniß von 853 Fr. ergibt. Dazu kommen jedoch noch mehrere andere Vortheile, die um so wichtiger sind, als sie sich jährlich wiederholen.

Die Unterhaltung des gewöhnlichen Geschirres läßt sich jährlich per Stük auf nicht weniger als 45 Fr. anschlagen; bei guten Cisternen hingegen fällt diese Ausgabe weg. Bei den Fässern beträgt der Verlust an Wein beinahe 1/12; an den Cisternen hingegen ist der Verlust, wenn sie ein Mal angezogen haben, sehr unbedeutend, indem er nur durch die unmerkliche fortschreitende Gährung bedingt ist. Bei der Aufbewahrung in Fässern geschieht es häufig, daß Reifen abspringen; daß sich der Boden wirft; daß die Weine wegen schlechter Bereifung oder wegen eines Fehlers im Holze durchsikern; daß sie einen Faßgeschmak bekommen, säuerlich werden, oder sonst umschlagen, wodurch dem Eigenthümer großer Schaden erwächst. Wir hegen hingegen die volle Ueberzeugung, daß die Weine in den Cisternen vollkommen gesund bleiben; daß sie sich durchaus nicht entfärben, und daß die Festigkeit dieser Art von Geschirren gegen alle Unfälle schüzt.

Bei Anwendung der Cisternen kann man ferner mit aller Leichtigkeit eine zwei Mal größere Menge Wein in demselben Raume unterbringen, wie bei Anwendung der gewöhnlichen hölzernen Fässer. Während die Kellerluft manche hölzerne Geschirre in kurzer Zeit zerstört, trägt sie im Gegentheile zur Erhärtung der Cemente und zur Consolidirung der Cisternen bei. Haben sich die Wände der Cisterne ein Mal mit einer schönen Weinsteinschichte bedekt, so beschränkt sich deren ganze Behandlung auf Entfernung des Gelägers und auf gehörige Schwefelung; nur bei der ersten Füllung muß man sie wiederholt mit Wasser auswaschen und mit Weingeist abreiben. Endlich ist man auch von dem Küfer unabhängig, so daß man beim Abziehen des Weines aus den Bottichen nie von diesen Leuten hingehalten werden kann.

Wir wollen diesen Vergleich, der so offenbar zu Gunsten der Cisternen spricht, jedoch nicht weiter treiben, sondern nur noch bemerken, daß die Weinhändler schon gegenwärtig den in diesen Geschirren |370| aufbewahrten Weinen den Vorzug geben. Andererseits darf aber nicht vergessen werden, daß gute Cisternen dieser Art gleichsam als ein Meisterstük der Baukunst zu betrachten sind; daß kein Fehler in deren Bau unbestraft bleibt; daß die Mauern und Wände vollkommen undurchdringlich und aus einem Gusse seyn müssen; und daß man demnach vor deren Ausführung Alles wohl überlegen müsse, und diese selbst nur geschikten und geübten Händen anvertrauen dürfe.

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