Titel: Ueber Hrn. Lenseigne's Model zum Kugelgießen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. XI./Miszelle 9 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059011_9
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Ueber Hrn. Lenseigne's Model zum Kugelgießen.

Nach einem Berichte, welchen Hr. Graf Lambel der Société d'encouragement in Paris erstattete, erfand Hr. Lenseigne, Mechaniker in Paris, einen Model zum Kugelgießen, welcher aus Schmiedeisen verfertigt 15 Pfd. wiegt, und womit man mit einem Male auf der einen Seite 10 und auf der anderen gleichfalls 10 Kugeln zu gießen im Stande ist. Nach zwei mit diesem Model angestellten Versuchen braucht man zum Gießen, Abschneiden und Herausnehmen der 20 Kugeln aus dem Model eine Minute. Die Model, deren man sich an dem kgl. Arsenale in Paris bedient, und womit man an beiden Seiten nur 8 Kugeln auf ein Mal gießen kann, bestehen aus Kupfer, und haben eine beinahe doppelt größere seitliche Dike, als der Model des Hrn. Lenseigne: der Grund, den man für diese größere Dike angibt, beruht darin, daß die Hize den Model sonst beeinträchtigt und der Regelmäßigkeit der Rundung der Kugeln schadet. – Das Neue an dem fraglichen Model liegt übrigens nicht in der Methode die Kugeln zu gießen, sondern in der Methode, nach der die Kugeln mit einem einzigen Hammerschlage, den man auf die Rinne, in welcher das geschmolzene Blei in die Kugelhöhlungen läuft, ausübt, von einander getrennt werden. Diese Rinne besteht nämlich aus einem einzigen Stüke, welches tangental mit dem sphärischen Theile dieser Höhlungen gelegt ist, und eine mit deren oberer Fläche parallele Bewegung hat. Der Hammerschlag bewirkt, daß sich die Kugel in ihrer Höhlung dreht, wo dann der an dem Eingusse verdünnte Theil den größten Theil des Eingusses sphärisch abschneidet, so daß nur ein sehr kleiner Theil aus der Kugel ausgerissen wird, ohne daß dadurch die Rundung der Kugeln merklich beeinträchtigt wird. Bei der Artillerie bedient man sich zum Abschneiden der Kugeln einer Art von eiserner Wange, die nur eine kleine Gräte zurükläßt, welche verschwindet, wenn die Kugeln in den Fässern an einander abgerieben werden. Da man diesem Verfahren gemäß jedoch jede Kugel einzeln abschneiden muß, und da überdieß zur Erzielung eines sphärischen Schnittes die Kugel gehörig gegen die Aushöhlung der Wange angehalten werden muß, so verdient das mechanische Abschneiden der größeren Geschwindigkeit wegen den Vorzug: besonders wenn es gelingen sollte die kleine, durch das Ausreißen bedingte Unebenheit vollkommen zu beseitigen. Hr. Baron Seguier bemerkte übrigens, daß man in England gegenwärtig keine Kugeln mehr gießt, sondern daß man sie schlägt und schneidet, indem diese Kugeln keine Höhlungen bekommen und weiter tragen, als die gewöhnlichen.

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