Titel: Ueber Wein-Pantschereien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. XXV./Miszelle 14 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059025_14

Ueber Wein-Pantschereien.

Das Journal des connaissances usuelles gibt in einem seiner lezten Hefte folgende weitere Vorschriften zur Bereitung künstlicher Weine. – 1) Künstlicher Madera. Man läßt 8 Unzen rohen Farinzuker, 8 Unzen gewöhnlichen Honig, 8 Unzen Alkohol von 36º und 2 Quentchen 2 Scrupel Hopfen einige Tage lang mit 4 Pfd. guten weißen Weines maceriren, und gibt dann das Filtrat als Madera. Sollte die Dosis Hopfen etwas zu stark befunden werden, was je nach dem Geschmake verschieden ist, so müßte man sie vermindern. Dieser künstliche |157| Madera wird besonders zur Ansezung des in den Apotheken vorräthigen China-Weines empfohlen! – 2) Künstlicher Champagner. Bei weitem der größte Theil des vielen Champagners, welcher in Paris getrunken wird, ist künstlich erzeugt. Man sättigt zu diesem Behufe guten weißen Wein in eigenen Drukapparaten mit Kohlensäure. Viel häufiger verfährt man aber nach folgender Vorschrift. Man sezt auf eine Flasche guten weißen Wein eine Unze gepülverten Candiszuker und ein Quentchen gepülverte Weinsteinsäure zu, worauf man dann noch ein Quentchen gepülvertes Kali-Bicarbonat beisezt, und die Flasche schnell verkorkt und zubindet, und in einen Keller legt. Dieser Wein wird oft schon nach 2 Stunden als Champagner getrunken; besser wird er jedoch, wenn man ihn einige Zeit liegen ließ. Das Natron-Bicarbonat eignet sich nicht so gut, wie das Kali-Bicarbonat. – 3) Gewöhnlichem Weine das Bouquet von Bordeaux zu geben. Man lasse ein Stükfaß gewöhnlichen Wein mit einem Liter stark mit Himbeeren versezten Weingeistes und mit einem Absude von 4 Quentchen florentinischer Veilchenwurzel in 4 Unzen Wasser gehörig abliegen.

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