Titel: Ueber die Entschälung der Seide ohne Anwendung von Seife.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. XXV./Miszelle 15 (S. 157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059025_15

Ueber die Entschälung der Seide ohne Anwendung von Seife.

Die Entschälung der Seide, worunter man bekanntlich die Befreiung derselben von ihrem gummiartigen Ueberzuge versteht, geschah bisher allgemein mittelst Seife; in neuerer Zeit nahm man sie jedoch auch ohne solche, mit siedendem Wasser oder unter hohem Druke vor, und zwar angeblich mit gutem Erfolge. Das Journal des connaissances usuelles gibt in seinem Novemberhefte solgende kurze Anleitung zu diesem Verfahren. „Man bedient sich eines Kessels von mittlerem oder hohem Druke, und füllt ihn beiläufig zu 2/3 mit Wasser, in welchem man die Seide, die entschält werden soll, siedet. Der Druk, den man in diesem Kessel hervorbringt, muß um so größer seyn, je mehr die Seide mit Gummi überladen ist, und je weiter man die Operation zu treiben wünscht. Ein Druk von 3–4 Atmosphären dürfte beinahe immer genügen; und wenn das Feuer gut unterhalten wird, so dürfte die Operation gewöhnlich in 1 1/2 Stunden vollendet seyn. Eine senkrechte Glasröhre seitlich in dem Kessel angebracht, und an beiden Enden mit ihm communicirend, wird das Niveau der in ihm enthaltenen Flüssigkeit andeuten. Eine zweite, etwas dünnere Glasröhre, welche Queksilber enthielte, und nur an dem unteren Ende mit dem Kessel in Verbindung stünde, während sich das obere Ende trichterförmig endigte, wird durch Verminderung des Volumens der in ihrem oberen Theile enthaltenen Luft den Grad der Spannung der Luft im Kessel andeuten. Ein kleiner hohler Cylinder, dessen Communication mit dem Kessel nach Belieben unterbrochen oder hergestellt werden kann, und in welchen ein Muster der zu entschälenden Seide gebracht wird, macht es möglich, den Gang der Operation zu verfolgen, ohne daß man den Kessel zu öffnen braucht. Wollte man in mehreren Kesseln und dennoch mit einem einzigen Feuer entschälen, so brauchte man nur jeden einzelnen Kessel durch eine Communicationsröhre, die mit einem Hahne geschlossen oder geöffnet werden könnte, mit einem Hauptdampfkessel in Verbindung zu sezen. Es versteht sich von selbst, daß jeder Kessel mit einem Sicherheitsventile versehen seyn muß. Die gummige Substanz, die auf diese Weise der Seide durch den Wasserdampf entzogen wird, und die bei der bisherigen Entschälungsmethode nicht mehr von der Seife geschieden werden konnte, ließe sich bei Befolgung des neuen Verfahrens durch Verdampfung oder Destillation des Wassers gewinnen. Es wäre sehr der Mühe werth durch Versuche zu ermitteln, ob diese Substanz nicht zu Firnissen verwendet werden könnte, da es höchst wahrscheinlich ist, daß die Chinesen sie und nicht die Seide selbst, wie man allgemein glaubt, zu ihren Firnissen verwenden.“

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