Titel: Ueber einige neuere Lyoner Seidenfabrikate.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. XXV./Miszelle 16 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059025_16

Ueber einige neuere Lyoner Seidenfabrikate.

Da die Stikereien auf Seide sehr theuer, die broschirten Seidenzeuge nicht für Jedermann sind, und da der Druk auf Seide wenig Glanz darbietet, so hatte ein Lyoner Haus die Idee, Gros de Naples-Zeuge auf der Kette druken zu lassen. Es gelingt auf diese Weise beinahe vollkommen, die gestikten und façonnirten Zeuge nachzuahmen. Man arbeitet folgender Maßen. Man windet die Kette auf |158| eine Walze und bringt sie in den Webestuhl, in welchem der Arbeiter in Entfernungen von einer Elle 40 bis 50 Schüzenschläge macht, um die Kette in gleicher Breite zu erhalten. Diese Kette bringt man dann über zwei Walzen gespannt auf eine Druktafel, auf der man sie mit hölzernen Formen bedrukt, gleichwie dieß beim Calicodruke zu geschehen pflegt. Zur Fixirung der Farben läßt man die bedrukte Kette durch Wasserdampf laufen, um sie dann wieder in den Webestuhl zu bringen, daselbst die eingezogenen Quersäden zu entfernen, und übrigens auf die gewöhnliche Weise weiter zu behandeln. Ein anderes Lyoner Haus hat das uralte Denteliren der Zeuge mittelst kupferner Model, in denen zahlreiche, ein Spizenmuster bildende und warm gehaltene Spizen angebracht sind, neuerdings wieder eingeführt. Man bringt den Atlas, den Florence, den Taffet mit etwas Gummiwasser befeuchtet, streifenweise auf die Model und schlägt mit kleinen, aus Haaren verfertigten und sehr dichten Bürsten ähnlichen Hämmern auf die Zeuge. Jede der kleinen Spizen bildet auf diese Weise ein Loch, welches eine Spizenmasche vorstellt, so daß auf diese Weise Dessins erzeugt werden können, die der Blondenstikerei sehr ähnlich sind. Man verfertigt solcher Maßen sehr schöne Kleider und Shawls. (Aus dem Recueil industriel. Oktober 1835, S. 60.)

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