Titel: Ueber die Benuzung des aus den Agaven und Aloën gewonnenen Faserstoffes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. XXV./Miszelle 17 (S. 158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059025_17

Ueber die Benuzung des aus den Agaven und Aloën gewonnenen Faserstoffes.

Die Benuzung der zähen und elastischen Fasern der Agaven, Aloën und Bromelien, welche in neuester Zeit aus den Tropenländern nach Europa verpflanzt wurde und von der wir in unserem Journale bereits mehrere Male zu sprechen Gelegenheit hatten, machte in kurzer Zeit bedeutende Fortschritte. Nicht bloß in England, sondern auch in Frankreich befinden sich mehrere Fabriken, unter denen sich namentlich jene des Hrn. Pavy d. j. in Paris auszeichnet. Die Gewinnung dieses Faserstoffes, den man wegen seiner Stärke auch vegetabilisches Haar und wegen seines Glanzes vegetabilische Seide zu nennen pflegt, ist höchst einfach, denn man läßt die frisch abgeschnittenen Stängel nur zwischen Walzen durchlaufen, wodurch der klebrige Schleim aus denselben entfernt wird, wäscht sie dann in Salzwasser aus, und hechelt sie endlich. Bei der lezten in Paris gehaltenen Industrieausstellung sah man aus diesem Faserstoffe erzeugt: Taue aller Art für die Marine sowohl, als den Landdienst, Wasch- und Papierleinen, Meßleinen, Glokenzüge, Vorhangschnüre, Gurten, Zäume, Halfter, Hängematten, Säke, Beutel, Körbe, Jagdtaschen, Fischdeken, Teppiche, Möbelzeuge, Zeuge für Männer- und Frauenzimmerkleider, Cravatten, Schnürleibe, Kappen, Hüte, Schuhe, Posamentierarbeiten mannigfaltiger Art, Segeltuch, Tischzeuge, und Proben von Papier. Hr. Pavy glaubt, daß diese Fabrikation namentlich in Hinsicht auf Tauwerk außerordentlich an Ausdehnung gewinnen dürfte, und zwar hauptsächlich aus folgenden Gründen: 1) wiegen die Strike bei gleicher Dike und Länge regelmäßig um die Hälfte weniger. 3) ist deren Stärke nach öffentlich damit angestellten Versuchen um 3/8 größer, so daß sie demnach in demselben Verhältnisse dünner gemacht werden können. 3) bedarf man keines Theeres bei denselben, da sie ohnedieß mit einer Substanz durchdrungen sind, in Folge deren sie durch den Aufenthalt im Wasser nicht nur nicht Schaden leiden, sondern sogar stärker werden, wie dieß durch Versuche erwiesen ward. 4) endlich kommen sie unter allen Formen beinahe um 10 Proc. wohlfeiler zu stehen. Das französische Marineministerium hat demnach befohlen in den Häfen von Toulon und Brest dergleichen Tauwerk zu verwenden; auch zur Bespannung der Artillerie bedient man sich desselben seit der lezten Industrieausstellung. Die Dampsboot-, Canal- und Eilwagenadministrationen in Paris, so wie viele andere Anstalten sollen sich bei deren Anwendung besser befinden, als bei der Benuzung des bisher üblichen Strikwerkes. – Nächst Hrn. Pavy sind ausgezeichnete Fabrikanten in diesem Fache Hr. Charles Carette und Hr. Theodor Somont, beide in Amiens. (Musée industriel, Vol. I. S. 360.)

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