Titel: Ueber die Indostane,
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. XXV./Miszelle 19 (S. 159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059025_19

Ueber die Indostane,

welche in den lezten zwei Jahren gleich dem Racahout, der Tapioka, der Arrowroot etc. häufig als ein sehr leicht verdauliches und sehr kräftiges Nahrungsmittel empfohlen ward, und auf welche Hr. Rivet in Paris, rue Richer No. 6, ein Patent besizt, gibt das Journal des connaissances usuelles, Sept. 1835, S. 836 einen Bericht, der im Wesentlichen Folgendes enthält. Die Indostane wurde von einem Missionär, welcher seit 20 Jahren an der Küste von Coromandel und im Norden von Indostan haust, nach Frankreich gesandt, und stammt von dem Marke einer Palmenart, welche man anfangs für die gewöhnliche Areca oleracea oder Kohlpalme hielt, die aber wahrscheinlich eher der sogenannten Aranga-Palme angehören dürfte. Man fällt diese Palme in einem Alter von 35 bis 40 Jahren, schneidet sie frisch in Stüke von 2 Fuß Länge, und nimmt dann das Mark heraus. Dieses Mark vermischt man mit 1/3 Mehl von der sechszeiligen Gerste, worauf man es in einem mäßig erhizten Ofen so lange röstet, bis es eine etwas fahle Farbe angenommen hat. Während dieses Röstens baken die verschiedenen Molecule so zusammen, daß sie sich nach dem Erkalten schwer mit den Fingern zerreiben lassen. Die Indostane kommt daher auch in unförmlichen Stüken von 3 und 4 Unzen Schwere nach Europa, wo sie in den Werkstätten des Hrn. Rivet in ein unfühlbares mildes Pulver verwandelt wird. In diesem Zustande fühlt sie sich zwischen den befeuchteten Fingern schleimig an; auf der Zunge merkt man ihr jedoch einen eigenen von der Röstung herrührenden Geschmak, so wie auch einen schwach aromatischen Geruch an. Sie ist in 15 Theilen kalten Wassers auflöslich und gibt demselben eine schwache Färbung; in Alkohol ist sie unauflöslich, in kochendem Wasser löst sie sich vollkommen auf, und zwar zu einem durchsichtigen Schleime, welcher mit reinem Wasser etwas fade, mit Fleischbrühe, und noch mehr mit gezukerter Milch sehr angenehm schmekt. Ein Eßlöffel Indostane reicht hin, um Suppe für eine Person zu geben; man rührt sie anfangs mit einem hölzernen Kochlöffel mit einer geringen Quantität Fleischbrühe oder Milch an, sezt dann nach und nach mehr davon zu, und kocht endlich das Ganze 8 bis 10 Minuten lang unter beständigem Umrühren. Dieß Umrühren ist nöthig, weil sonst die Suppe leicht anbrennt. Mehrere Aerzte in Paris empfehlen die Indostane als eines der leichtesten Nahrungsmittel für Kranke und Reconvalescenten.

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