Titel: Versuche über die Bewegungsgeseze schwimmender Körper.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. XXV./Miszelle 3 (S. 152)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059025_3

Versuche über die Bewegungsgeseze schwimmender Körper.

Hr. J. Russell trug vor der British-Association, welche im Sommer 1835 in Dublin versammelt war, eine sehr interessante Abhandlung über verschiedene Versuche vor, die er anstellte um die Theorie der Hydrodynamik zu vervollständigen, und um namentlich die Ursachen gewisser widersprechender, auf den Widerstand der Flüssigkeiten bezüglicher Thatsachen zu erforschen und unter ein bestimmtes Gesez zu bringen. Der Widerstand, den Flüssigkeiten gegen die Bewegung schwimmender Körper äußern, zeigt sich nämlich in Wirklichkeit ganz anders, als er der Theorie nach seyn sollte, denn er beträgt in gewissen Fällen das Doppelte und Dreifache von dem, was die Theorie angibt, und ist in anderen Fällen und bei größeren Geschwindigkeiten dafür wieder weit geringer. Diese Abweichungen nun folgen nach den Forschungen Russells zwei einfachen und schönen Gesezen. Das erste dieser Geseze gibt eine gewisse Emersion oder ein gewisses Auftauchen des schwimmenden Körpers aus der Flüssigkeit als einen Factor der Geschwindigkeit; das zweite hingegen ergibt den Widerstand der Flüssigkeit als eine Funktion der Geschwindigkeit und Größe einer Welle, die sich nach Lagrange's Gesez durch die Flüssigkeit verbreitet. Diese beiden Geseze, unter welche sich sämmtliche widersprechende Thatsachen bringen lassen, führen zu folgenden Resultaten.

1) Der Widerstand einer Flüssigkeit gegen die Bewegung eines schwimmenden Körpers nimmt rasch zu, wie die Geschwindigkeit des lezteren zu jener der Welle steigt; er ist am größten, wenn die Geschwindigkeiten einander beinahe gleichkommen.

2) Gibt man dem schwimmenden Körper eine größere Geschwindigkeit, als sie der Welle eigen ist, so wird die Bewegung des Körpers bedeutend erleichtert; er bleibt auf der Spize der Welle gleichsam in stabilem Gleichgewichte, und die Wirkung hievon ist so bedeutend, daß der Widerstand bei einer Geschwindigkeit von 9 Meilen per Stunde geringer ist, als bei einer Geschwindigkeit von 6 Meilen hinter der Welle.

3) Die Geschwindigkeit der Welle ist von der Breite der Flüssigkeit unabhängig; sie wechselt aber mit der Quadratwurzel der Tiefe.

4) Es gibt auf jedem schiffbaren Flusse eine gewisse Geschwindigkeit, bei der es leichter ist stromaufwärts, als stromabwärts zu fahren. Wenn z.B. in einem 4 Fuß tiefen Wasser die Strömung eine Meile per Stunde beträgt, so wird es leichter seyn, mit einer Geschwindigkeit von acht Meilen per Stunde auf der Welle stromaufwärts, als mit derselben Geschwindigkeit hinter der Welle stromabwärts zu gelangen.

5) Auf den Gipfeln der Wellen können Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von 20 bis 30 engl. Meilen in der Zeitstunde getrieben werden.

(Aus dem London and Edinburgh philosophical Magazine and Journal. Repertory of Patent-Inventions. Dec. 1835, S. 371)

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