Titel: Neue Methode, um schlechte Roheisensorten beim Frischen in gutes zähes Stabeisen zu verwandeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. XLVIII./Miszelle 11 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059048_11

Neue Methode, um schlechte Roheisensorten beim Frischen in gutes zähes Stabeisen zu verwandeln.

Wir haben in diesem Bande S. 52 des polytechnischen Journals das Verfahren der HH. Schafhäutel und Böhm mitgetheilt, um die geringsten Gattungen Eisenerz und äußerst schlechte Roheisensorten, welche, gefrischt, bisher nur schlechtes brüchiges Schmiedeisen lieferten, beim Frischen in das beste zähe Stabeisen zu verwandeln. Noch ehe es bekannt wurde, daß sie sich hiezu eines Gemenges von Braunstein mit Kochsalz und Thon bedienen, womit das zu frischende Roheisen im Puddel- oder Flammofen, nachdem es in Fluß gekommen, beschikt wird, machte Hr. Dr. Engelhart in seiner Uebersezung von Dumas Handbuch der angewandten Chemie (Bd. IV. S. 714) den Vorschlag, beim Frischen des Eisens den Salpeter zu versuchen, indem es aus theoretischen Gründen wahrscheinlich ist, daß die dem Stabeisen so schädlichen Stoffe, nämlich Arsenik, Phosphor, Schwefel und selbst Kohlenstoff durch den Salpeter vorzugsweise vor dem Eisen gänzlich oxydirt und in arseniksaures, phosphorsaures, |318| schwefelsaures und kohlensaures Kali verwandelt werden, weil die Anwesenheit einer so kräftigen Basis wie das Kali ist, die benannten Stoffe gewiß eben so leicht zur Säurebildung bestimmt, wie andererseits z.B. die Gegenwart der Kieselsäure, die Eisenoxydbildung ungemein befördert. Die Frischmethode mit Salpeter hat sich bereits auch beim Heerdfrischen durch die Erfahrung als ganz vorzüglich bewährt61). Es wurde nämlich auf 2 3/4 Centner schlechtes phosphor- und schwefelhaltiges Roheisen 1 Pfund Salpeter, und zwar 1/3 Pfund beim ersten Rohaufbrechen, 1/3 Pfund heim zweiten Rohaufbrechen und das lezte Drittel beim Gaaraufbrechen aufgestreut. Bei jedesmaligem Aufgeben des Salpeters wurde die Kohle sorgfältig ferne gehalten, damit der Salpeter bloß mit dem Eisen in Berührung kommen konnte. Das erhaltene Stabeisen war von besonderer Güte. Der Salpeter befördert selbst das Frischen, und seine ohnedieß kräftige Wirkung scheint durch Zusaz von der Hälfte seines Gewichts Kalk bei der Heerdfrischerei noch mehr erhöht zu werden, so daß dieses Eisenfrischverfahren durchaus nichts mehr zu wünschen übrig lassen wird. Ob bereits mit diesem neuen Verfahren auch Versuche im Puddelofen angestellt worden sind, wissen wir nicht, allein es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß der Salpeter hiebei sich gleich nüzlich erweisen wird, und zwar um so mehr, da ja beim Flammofenfrischen die Umstände noch viel günstiger sind, indem der Salpeter hiebei leichter mit allen Eisentheilen in Verbindung gebracht werden kann. – Es stehen uns also jezt zwei Methoden zu Gebot, um aus schlechten Eisenerzen gutes Schmiedeisen darzustellen.

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Allgemeine Zeitung vom 7. Februar 1836.

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