Titel: Ueber die Dampfboote auf dem Mississippi.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. XLVIII./Miszelle 4 (S. 313)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059048_4

Ueber die Dampfboote auf dem Mississippi.

Die Zahl der Dampfboote, welche gegenwärtig den Mississippi, und die in denselben mündenden Flüsse befahren, beläuft sich, nach Hrn. Valcourt, auf nicht weniger als 340! Die auf diesen Booten angebrachten Dampfmaschinen arbeiten sämmtlich mit hohem Druke und zwar im Durchschnitte mit einem Druke von 9 Atmosphären. Nicht selten geschieht es, daß zwei Boote, die denselben Weg machen, an Geschwindigkeit wetteifern, wo man dann die Ventile beschwert, das Feuer stärker macht, Theer in die Heizkammer wirft etc. Dessen ungeachtet ereignen sich während der Fahrten selbst nur selten Explosionen, obschon diese während des Anhaltens der Boote zum Behufe des Landens von Menschen und Gütern, des Einnehmens von neuen Frachten, Brennmaterial etc. um so häufiger vorkommen. Während dieses Stillstandes wird nämlich das Feuer unterhalten, damit immer sogleich abgefahren werden kann. Der Dampf entweicht hiebei zwar allerdings durch das Sicherheitsventil, allein da die Speisungspumpe nicht mehr arbeitet, so wird das verdampfte Wasser nicht ersezt, und die Folge davon ist, daß ein Theil des Dampferzeugers zum Rothglühen kommt, und den Dampf auf eine sehr hohe Temperatur erhizt. Da sich der Dampf nun unter diesen Umständen zu reichlich und mit zu großer Geschwindigkeit entwikelt, als daß er durch das Sicherheitsventil entweichen könnte, so folgt hieraus nothwendig eine Explosion, wenn der Dampferzeuger nicht so stark ist, daß er dem starken Druke, welcher entsteht, Widerstand zu leisten vermag. Um nun diesen Gefahren vorzubeugen, schlägt Hr. Valcourt vor, auf den Dampfbooten auch noch eine kleine Aushülfsdrukpumpe anzubringen, und diese, wenn die Maschine nicht arbeitet, durch 2, 3 oder mehr Menschen in Bewegung sezen zu lassen. Sollte Mangel an Menschenhänden vorhanden seyn, so könnte man eine kleine Dampfmaschine von einer Pferdekraft anbringen, und diese arbeiten lassen, sobald die große Maschine zu arbeiten aufhört, um auf diese Weise entweder die Aushülfspumpe oder auch die Speisungspumpe selbst, nachdem sie mit der großen Maschine außer Verbindung gebracht worden ist, in Thätigkeit zu sezen. Das Spiel der Speisungspumpe müßte hiebei etwas langsamer gemacht werden, damit nicht mehr Wasser in den Dampferzeuger eingetrieben wird, als nöthig ist um das Wasser auf gleicher Höhe zu erhalten. Diese kleine Maschine könnte durch den bei dem Sicherheitsventile austretenden Dampf betrieben werden, und würde, indem bei ihr weder Verdichtung noch Ausdehnung Statt fände, sehr einfach und wohlfeil seyn. – Als ein weiterer Grund der häufigen Explosionen der Dampfboote auf dem Mississippi wird ferner der Niederschlag, der sich am Boden der Kessel bildet, und den man zu beseitigen versäumt, betrachtet. In dieser Hinsicht schlägt Hr. Valcourt vor, die Dampferzeuger mittelst eines von ihm angegebenen Condensators mit destillirtem Wasser zu speisen. (Bulletin de la Société d'encouragement. November 1835, S. 539.)

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