Titel: Construction englischer Dampfkessel und deren Feuerung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. LXVI./Miszelle 4 (S. 395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059066_4

Construction englischer Dampfkessel und deren Feuerung.

In der Alebrauerei von Barcley Perkins und Comp. sind drei Dampfkessel von 54 Pferdekraft, jeder zum Kochen mittelst Dampf, auf folgende Art construirt worden: der Umfang des Kessels besteht nur aus zwei Plattenlängen, welche mit ihren Enden stumpf aneinanderstoßen und gegen zwei gemeinschaftliche Platten, die durch die ganze Länge des Kessels laufen, genietet werden. Die beiden Platten oder Bänder werden zuerst mit sämmtlichen Nietlöchern versehen und dann in einer passenden Höhe und in der gehörigen Entfernung von einander parallel befestigt; hierauf werden die nach gleichen Dimensionen geschnittenen Bleche paarweise eingepaßt und an ihrer Stelle festgenietet. Gewöhnlich gibt man auf 1' Länge sieben 3/4zöllige Nieten, obschon es besser scheint, bei 3/8zölligem Bleche nur sechs dergleichen zu machen. Von Einigen wird diesen Kesseln deßhalb ein großer Vorwurf gemacht, daß das der Länge nach durchgehende Band den Kessel schwäche, weil der Druk gegen die Kesselfläche senkrecht auf die Faser des Eisens fällt; man hilft aber diesem Uebelstande gänzlich ab, wenn man dem Bande 1/8'' größere Stärke gibt. Diese Construction, die sich durch Einfachheit und Zwekmäßigkeit empfiehlt und es besonders erlaubt, dem Kessel eine reguläre Form zu geben, ist so beliebt, daß manche Fabriken gar keine andere anwenden wollen.

Beim Vernieten muß namenlich darauf Rüksicht genommen werden, daß anfänglich nur rund um die Niete herum auf das Blech gehämmert wird, theils um die Bleche zusammenzubringen, theils um das Loch der Niete etwas zu schließen, bis leztere nicht mehr glühend ist, worauf das Ausbreiten derselben beginnen kann.

Bei sehr langen Dampfkesseln, wo der Zug nach der gewöhnlichen Art, drei Mal durch und um den Kessel herum geführt, zu lang seyn würde, um einen zwekmäßigen Luftstrom hervorzubringen, läßt man am besten den Zug, welcher durch den Kessel geht, an dessen Ende sich rechts und links in zwei Theile um den Kessel theilen. Wenn man früher fand, daß diese Art der Anordnung der Züge unvorteilhaft war, so hat man dieß der zu großen Breite der angewendeten Züge zuzuschreiben. Durch Verminderung der Breite des Zuges und durch Vergrößerung der dem Feuer ausgesezten Kesselfläche wird zwar dieser Nachtheil gehoben, jedoch entsteht ein neuer, die Schwierigkeit, jene engen und langen Züge zu reinigen. Aber auch diesen kann man umgehen, wenn man in der Mauerung unter dem Kessel Canäle von so großer Weitung bildet, daß ein Schornsteinfeger durchkriechen kann, und von 6 zu 6' etwa durch auseinandergelegte Ziegelsteine den Zug bis zur erforderlichen Weite verengt. Diese kann man bei der Reinigung entfernen und sie nachher wieder in Ordnung bringen, oder, um des lezteren gewisser zu seyn, könnte man auch durch Eisenplatten, die in der gehörigen Form ausgeschnitten sind, diese Verengung des Zugs bewirken. (Verhandl. d. preuß. Gewerbev. 1835, Nr. 3, S. 106.)

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