Titel: Ueber die Liebherr'sche Oehlpresse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. LXVI./Miszelle 5 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059066_5
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Ueber die Liebherr'sche Oehlpresse.

Diese Oehlpresse, von welcher Liebherr bloß ein Modell und Zeichnung entworfen hat, gibt dem Dr. Bolz Gelegenheit, in seinem Gewerbskalender von 1835 seine Ideen über die Erfordernisse solcher Pressen allgemein darzulegen, welche Prof. Desberger in dem bayerischen Kunst- und Gewerbblatte, Sept. 1835, beleuchtet. Wir glauben davon das mittheilen zu müssen, was von allgemeinem Interesse ist.

Die Liebherr'sche Oehlpresse ist eine Kniehebelpresse, bei welcher der Kniehebel dadurch einer geraden Linie genähert wird, daß der eine Schenkel des Kniehebels ungefähr noch ein Mal so lang verlängert ist und am äußersten Punkte mittelst Seil und Rollen gegen den festen Rahmen gezogen wird, gegen den sich der eine Punkt vom anderen Schenkel des Kniehebels stüzt. Wenn daher Bolz zwei beliebige Stellungen des Kniehebels erwählt, für dieselben das Verhältniß zwischen angewendeter Kraft und resultirendem Druke aufsucht, um dann das Mittel aus beiden Resultaten mit der Leistung einer hydraulischen Presse zu vergleichen, so muß man Desberger's dagegen erhobenen Ausstellungen um so mehr beistimmen, als die Hindernisse, welche für diese Presse gerade sehr bedeutend seyn müssen, nicht in Betracht gezogen sind, und gar keine Stelle besonders dazu berechtigt, für sie die Größe des Drukes zu berechnen, weil bei stets gleich fortwirkender Kraft mit geänderter Stellung des Kniehebels ein immer größerer Druk erzeugt wird (ein Umstand, welcher der Presse sehr zur Empfehlung dient).

Während durch anderweit angestellte Betrachtungen Bolz zu dem Resultate gelangt, daß bei jeder Oehlpresse eine vertikale Lage des auszupressenden Materials und etwas nach Oben geneigte Preßplatten (um das leichtere Abfließen zu befördern) vorzüglich nothwendig seyen, daß das Oehl langsam ausgepreßt werden müsse, weil dasselbe weniger flüssig und innig mit den festen Theilen verbunden sey, daß die gemeinen Keilpressen einen zu geringen Druk ausüben, zu viel Zeitverlust bedingen und eines allzu soliden Baues bedürfen, weßhalb er von einer guten neuen Presse fordert, daß sie alle guten Eigenschaften der Keilpresse besize, stärkere Pressung gebe, ohne Zeitverlust arbeite und die Unbequemlichkeiten der Keilpresse umgehe, leitet Desberger die Forderungen, welche an eine gute Oehlpresse zu machen sind, aus der Art und Weise ab, wie das Oehl mit den festen Hüllen verbunden ist. Das Pressen besteht hier in Verminderung einer Dimension, wobei in einigen Fällen die Vergrößerung der beiden anderen übrig bleibt; das Oehl ist nun aber im Oehlkuchen nicht wie Wasser im Schwamm enthalten, sondern der Oehlkuchen besteht aus ganzen und zerrissenen und zerquetschten Samenkörnern, welche das Oehl erst in Bläschen enthalten. Das Oehl, welches einmal den Rand des Kuchens erreicht hat, muß so lange abfließen, als es nicht durch die Haarröhrchenkraft im Kuchen zurükgehalten wird, mag der Oehlkuchen nun eine horizontale, vertikale oder beliebig schiefe Lage haben. Man würde einen Oehlkuchen dann für vollkommen ausgepreßt halten müssen, wenn er kein unzerdrüktes Samenkorn und kein ganzes Oehlbläschen enthielte; allein dieß zu erreichen, bietet namentlich die Dike ein bedeutend großes Hinderniß dar; man nähert sich jedoch durch gleichförmigen Druk dem Ziele sehr, und würde daher nie schiefe Preßflächen wählen, weil durch dieselben der Druk ungleichförmig im Oehlkuchen verbreitet wird und weil die Neigung dieser Flächen nicht einmal Einfluß auf das Abfließen des Oehls äußern kann, da dieses schon erfolgen muß, sobald nur die Flächen sich nähern, weil das Oehl als eine Flüssigkeit nur einer höchst unbedeutenden Zusammenpreßbarkeit fähig, dagegen höchst beweglich sich von den festen zusammendrükbaren Theilen des Oehlkuchens sehr unterscheidet. Ein langsames Auspressen ist zwar vortheilhaft, nicht aber deßwegen, weil mehr Oehl abfließt, sondern deßwegen, weil das Oehl reiner wird, als beim schnellen Pressen, und weil die beim Raffiniren ersparten Kosten reichlich den Vortheil vergüten, welcher durch zu schnelles Pressen bei der ersten Operation entstehen würde. (Polyt. Centralblatt 1836, Nr. 5, S. 75.)

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