Titel: Dorn's wasserdichter Holzkitt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. LXVI./Miszelle 8 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059066_8

Dorn's wasserdichter Holzkitt.

Der Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen empfing ein mit einem von dem Oberamtsthierarzt Dorn erfundenen Holzkitt wasserdicht gemachtes Gefäß. Das Resultat der damit vorgenommenen Prüfung war folgendes.

Zuerst wurde versucht, ob sich der Kitt in kochendem Wasser lösen würde. Es wurde das Gefäß mit solchem gefüllt und beobachtet, bis das Wasser kalt wurde; allein keine Veränderung war zu bemerken. Dann troknete man das Gefäß wieder ab und ließ es, mit kaltem Wasser gefüllt, mehrere Tage lang stehen; auch hiebei wurde keine Veränderung wahrgenommen. Das Gefäß wurde hierauf vier Wochen lang auf einem geheizten Stubenofen aufbewahrt, wodurch die Reife sehr loker wurden und der Boden anfing, in der einen Fuge auswendig sich auseinander zu spalten. Als demnächst Wasser hinein gegossen ward, ließ es dasselbe dennoch nicht auslaufen. Es wurde sodann abermals vier Wochen der Wärme ausgesezt, wieder einer Wasserprobe unterworfen und bewährte sich auch hiebei.

Da hienach der Holzkitt des Dorn für ein gutes Mittel zu halten ist, hölzerne Gefäße vor dem Zerlechzen zu schüzen, und der Erfinder sich zur Mittheilung der Bestandtheile und der Mischungsart seines Kittes, so wie des Verfahrens bei Anwendung desselben gegen ein Honorar bereit erklärte, so wurde ihm solches von Einer Hohen Verwaltung für Handel, Fabrikation und Bauwesen gewährt.

Bestandtheile und Mischungsart des Kitts.

Man kocht 8 Loth thierischen Leim mit einem Schoppen (oder 1/4 Maaß) Quell- oder Flußwasser zu einem starken Leim, der sich, zwischen zwei Finger genommen, so dik wie Fett fühlen läßt; überhaupt von der Stärke, wie ihn der Tischler als starken Leim häufig gebraucht. Hat der Leim diese Consistenz erreicht, und ist er vollkommen aufgelöst, so werden demselben 4 1/2 Loth Leinöhlfirniß beigemischt, und das Ganze noch etwa 2 bis 3 Minuten unter beständigem Umrühren gekocht. Der Leinöhlfirniß wird auf die bekannte Weise aus altem, reinem Leinöhl und einem 1/16 gepulverter Bleiglätte durch Kochen bereitet.

Mit dem so dargestellten noch heißen Kitt werden die Fugen der Dauben eines Wasserfasses, oder eines anderen zu verkittenden Gegenstandes, bestrichen; bei Kufen, oder anderen runden hölzernen Wasserbehältern wird eine Daube nach der andern in Reifen aufgesezt, und die bestrichenen Fugen aneinandergedrükt. Sind alle Dauben aufgesezt (was immer schnell zu verrichten ist), so werden etwa vier Reife so schnell als möglich angelegt, angetrieben und somit die Fugen fest zusammengehalten. Nach 24 Stunden werden die Reifen wieder etwas |398| geschlagen, und die Gurgel, in welche der Boden eingepaßt worden, ehe dieser eingelegt wird, mit dem Kitt gut bestrichen, sodann der Boden in seine Lage gebracht. Hierauf werden die Reife wieder stark angetrieben, und das Gefäß läßt man dann 48 Stunden stehen. Nach Verlauf dieser Zeit hält der Boden fest, alle Reife werden abgenommen, das Gefäß von Außen verpuzt, und neue Reife, zwei oben und zwei unten (statt sieben Reifen) angelegt; somit ist das Gefäß fertig. Besser ist es, wenn, ehe der Boden eingelegt wird, die Dauben innen verpuzt werden, weil der Boden bei dem Verpuzen hinderlich ist. – Bei der Anwendung des Kitts auf Getäfelzimmerböden u.s.w. weiß der Techniker selbst, daß er die mit dem Kitt bestrichenen Fugen mit gewöhnlichen Leimzangen zusammengepreßt bis zum Austroknen des Kitts halten muß.

Es ist gut, wenn der Firniß vorräthig gehalten wird, weil der Kitt, je älter derselbe ist, desto besser wird. – Ein Haupterforderniß ist noch, daß zu denjenigen Gegenständen, welche mit obigem Kitt wasserdicht gemacht werden sollen, ganz ausgetroknetes Holz genommen, dasselbe wenigstens noch acht Tage lang in einem eingeheizten Zimmer gehalten und warm gemacht werde, ehe man es mit dem Kitt bestreicht. (Verhandl. d. Vereins z. Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 6. Lief. 1835, S. 308.)

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