Titel: Ueber die Fabrikation von Faden- oder Leinenbatist in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. LXXII./Miszelle 13 (S. 475–476)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059072_13

Ueber die Fabrikation von Faden- oder Leinenbatist in Frankreich.

Wir entnehmen aus dem Musée industriel Bd. I. S. 313 folgende Notiz über diesen Gegenstand. „Dieses feine Gewebe wird in Frankreich noch fortwährend mit so großem Erfolge fabricirt, daß das Ausland, welches 3/4 unseres Fabrikates bezieht, schon seit langer Zeit der Concurrenz mit uns entsagt hat. Es wird bisher nur aus Handgespinnst erzeugt, da es noch keine Maschinen gibt, die den Flachs zu hinreichend hohen Nummern zu spinnen im Stande wären. Es wäre wünschenswerth, daß solche Maschinen bald erfunden würden; denn das feine Garn fängt bei uns bereits an sehr selten zu werden, weil unsere bisherigen Spinnerinnen nunmehr in anderen Fabriken für leichtere Arbeit einen höheren Lohn verdienen können. So verdient z.B. ein Mädchen, welches früher durch Batistgespinnst täglich 6 bis 7 Sous erwarb, in einer Runkelrübenzuker-Fabrik |476| weit leichter 16 bis 18 Sous des Tages. Uebrigens bringen einzelne Spinnerinnen allerdings noch Gespinnst zu Batist und zu feinen Spizen, wovon das Pfund zu 100 Louisd'or und 1000 Thaler bezahlt wird, zu Markt. Freilich spinnt eine solche Spinnerin kaum einige Unzen des Jahres! – Die Batiste werden lediglich von Landwebern in den Departements du Nord, du Pas-de-Calais und de l'Aisne gewebt; ihre Hauptmärkte sind Valenciennes, Cambrai, Bapaume und St. Quentin, wohin die Weber wöchentlich zwei Mal kommen und ihre Waare an die Kaufleute oder Commissionäre absezen. Die Waare wird immer roh zu Markt gebracht und von den Kaufleuten erst gebleicht. Uebrigens erklären wir, daß es bei uns weder Batistfabriken, noch Batistfabrikanten im eigentlichen Sinne des Wortes gibt, indem aller Batist nur von Landwebern gewebt wird. Unter den bei der lezten Industrieausstellung in Paris ausgestellten Batisten zeichnete sich ein Stük der HH. Joly und Godart aus, welches bei 80 Centimeter (29 Zoll 5 Linien) Breite 6176 Kettenfäden zählte. Noch ausgezeichneter war ein dem Hause Wittwe Terwangne und Fourier gehöriges Stük, welches bei 76 Centimeter (27 Zoll 9 Linien) Breite 6006 Kettenfäden zählte und nur 10 Unzen wog! – Ganz besonderen Aufschwung gewannen in neuerer Zeit, namentlich durch das zulezt genannte Haus, die gedrukten Batiste zu Schnupftüchern sowohl, als zu ganzen Kleidern, deren vorzüglichster Absazcanal Spanien und dessen Colonien sind. Von einem Zeuge dieser Art, auf dessen Muster die berühmte Isabella von Castilien, der Königin-Regentin von Spanien auf einer Wolke erscheint, und von der Regentin der jungen Isabella II. als Vorbild gezeigt wird, wurden von Terwangne und Fourier in einem Jahre allein 300 Stüke, im Werthe von 30,000 Fr. nach Spanien versendet! Uebrigens gilt auch hier, was oben von den weißen Batisten gesagt worden ist; d.h. es gibt keine eigentlichen Fabrikanten, sondern die Batisthändler lassen ihre Zeuge unter Angabe der Muster etc. in den Indiennenfabriken in Valenciennes, Puteaux, St. Denis etc. druken.“

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