Titel: Ueber die Anwendung des Torfs zum Puddeln des Roheisens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 59, Nr. LXXII./Miszelle 6 (S. 470–472)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj059/mi059072_6

Ueber die Anwendung des Torfs zum Puddeln des Roheisens.

Man hat bereits in Lauchhammer Versuche über diesen Gegenstand gemacht, indessen nicht in genügendem Umfange und mit nur unvollständiger Mittheilung der Resultate. Kürzlich ist nun der Gegenstand einer näheren Prüfung in Frankreich unterworfen worden, und zwar, wie es scheint, auf höhere Anordnung. Der |471| Ing. Bineau stattet in den Ann. des Mines, T. VII. p. 113–166, 241–294, einen sehr weitläufigen Bericht über diese Versuche ab, von denen wir hier nur die allgemeinsten Resultate geben können, im Uebrigen aber auf das Original verweisen müssen.

Die Versuche wurden angestellt in Ichoux, und zwar nicht bloß in Bezug auf das eigentliche Puddeln, sondern auch auf alle bei Herstellung des Rek- und Schneideeisens, ja selbst des Blechs vorkommende Operationen. Zu allen Versuchen wurde ein Torf angewendet, welcher, bloß an der Luft getroknet, noch 10 Proc. W., 13 Proc. Asche enthielt, übrigens aber ganz außerordentlich leicht war, so daß sein Gewicht kaum 7/10 des mittleren Gewichts anderer Torfarten betrug, die gleichviel Asche enthalten. Der Torf war in cubische Ziegel von 5'' und 6'' Seitenlänge geschnitten. Das zu den Puddelversuchen angewendete Eisen bestand in zwei Arten etwas grauem, mit Holzkohle erschmolzenem Roheisen, der einen in Gänzen, der anderen in diken Platten von 2'' Dike, von denen eine in einem Cupolofen mit Holzkohle umgeschmolzen und in dünnere, ins Weiße ziehende Platten umgegossen war. In allen Versuchen wurde nicht ausschließlich Torf gebrannt, sondern etwa 16 Proc. Fichtenholz. Dieser Holzzusaz wurde theils durch fehlerhafte Construction des Feuerraums, theils durch die große specifische Leichtigkeit des Torfs, theils endlich durch die schlechte Gewohnheit der Arbeiter, nur in großen Zwischenräumen nachzulegen, veranlaßt. Das angewendete Holz war vor 6 Monaten geschlagen, enthielt noch 30 Proc. Feuchtigkeit und hatte schon an sich geringere Heizkraft als der Torf, daher dem Holze die guten Resultate nicht zugeschrieben werden können. Abgesehen von diesem Holzzusaze, wurden die Versuche noch durch die zu großen Dimensionen der Torfziegel, welche das Nachlegen weit langsamer, die jedesmalige Erkältung also bedeutender machte; durch die oben erwähnte schlechte Gewohnheit der Arbeiter, wodurch theils die Erkältung verwehrt, theils viel Brennstoff durch Destillation verloren wurde; endlich durch die zu geringe Capacität des Feuerraums getrübt, und daher kam es, daß man, um denselben Zwek wie mit 1 Th. Steinkohle zu erreichen, 2,58 Th. Torf brauchte, während nach dem Verhältnisse der Hizkraft nur 2 Th. Torf hätten aufgewendet werden sollen. Es muß jedoch bemerkt werden, daß eine directe Vergleichung mit dem Steinkohlenbetriebe nicht möglich war, daher nur nach dem Mittel der auf anderen Hütten erhaltenen Resultate geurtheilt wird. Troz dieser Mängel waren die Resultate, was die Qualität der Producte, die Menge des Abfalls u.s.w. betrifft, völlig befriedigend, und auch in Bezug auf die Kosten stellte sich ein Gewinn gegen Holz heraus, sobald man nämlich die vollständige Versorgung der Oefen mit Holz meint. Gegen geringere Holzmengen, die in der unmittelbaren Nähe der Hütten sich finden, stand dagegen der Torf im Nachtheil.

Der Berichterstatter glaubt nun auf den Grund dieser Versuche hin, den Torf zum Puddeln überall, wo es hinreichend ausgedehnte Torfgräbereien gibt und der Preis gegen Steinkohlen und Holz in dem erforderlichen Verhältnisse steht, unter folgenden Einschränkungen empfehlen zu können:

Der Torf darf nicht unter mittlerer Güte seyn, nicht mehr als 15 Proc. Asche enthalten, muß entweder von selbst oder, wo es der geringe Taglohn gestattet, durch Schlagen und Pressen, die nöthige Dichtigkeit besizen (so daß 100 C'. nicht unter 250 Pfd. wiegen), und muß in Ziegel geformt seyn, die, des leichteren Nachlegens wegen, auf 6'' Länge nicht mehr als 4 □'' im Querdurchschnitt halten. Es reicht hin, den Torf an der Luft auszutroknen, da er die Feuchtigkeit seiner Natur nach weit weniger hartnäkig zurükhält als das Holz. Der Zug der hier in Betracht kommenden Oefen ist eigentlich zu stark, als daß sich Asche auf der Sohle anhäufen und an das Eisen anhängen könnte, was übrigens nur beim eigentlichen Puddeln etwas schaden könnte, wenn die Asche viel schwefelsaure und phosphorsaure Salze enthielte. Bei der Blechfabrikation kommen jedoch öfters sehr schwach ziehende Oefen vor, und hier, wo das Anhängen der Asche nachtheilig seyn kann, muß man daher die am wenigsten erdige Theile enthaltenden Torfarten verwenden. Die Oefen können für Torf im Allgemeinen ganz dieselben Dimensionen behalten wie für Steinkohlen; in Bezug auf den Feuerungsraum ist jedoch Folgendes zu bemerken: Die freie Oberfläche des Rostes, d.h. die Summe der Zwischenräume zwischen den Roststäben muß dieselbe bleiben, wenn die Thätigkeit des Ofens nicht durch die zu große Menge unzersezt durchgehender Luft leiden soll; nur wo zu viel Asche oder zu viel Feuchtigkeit im Torfe es nöthig |472| machen, kann eine Vergrößerung Statt finden. Auch die ganze Oberfläche des Rostes und die Capacität des Feuerraums muß je nach der Dichtigkeit des Torfs vergrößert werden. Dabei darf jedoch die ganze Oberfläche des Rostes nicht mehr als das Vierfache der freien Oberfläche übersteigen. Der Abstand des Rostes von der Feuerbrüke muß sich ebenfalls nach dem Torfe richten, bei leichterem größer, bei schwererem geringer seyn. Bei Anwendung dieser Vorsichtsregeln kann man von 2 Th. Torf denselben Effect erwarten wie von 1 Th. Steinkohle; in demselben Verhältnisse stehen aber die Hizkräfte beider Brennstoffe. – Im Uebrigen muß sich das Urtheil über die Anwendbarkeit des Torfs natürlich nach den lokalen Verhältnissen richten. (Polyt. Centralblatt 1836, Nr. 6.)

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