Titel: d'Arcet's Apparat Maulbeerblätter zu troknen.
Autor: d'Arcet, Jean Pierre Joseph
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. IX. (S. 33–40)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/ar061009

IX. Beschreibung eines Apparates, womit man in den Seidenzüchtereien die naß gepflükten Maulbeerblätter troknen kann. Von Hrn. d'Arcet, Mitglied der Akademie der Wissenschaften.

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. Februar 1836, S. 61.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Die in freier Luft auf Maulbeerbäumen, welche dem Thaue und dem Regen ausgesezt sind, lebenden Seidenraupen haben allerdings nur nasse Blätter zu fressen, und scheinen auch im Zustande der freien Natur wegen der großen Ventilation, die unter diesen Umständen Statt findet, keine Nachtheile dadurch zu erleiden. Anders verhält sich die Sache jedoch in den gewöhnlichen Seidenzüchtereien oder Magnanerien, in welchen das Füttern der Raupen mit nassen Blättern einer langen Erfahrung gemäß als den Thieren nachteilig und den Ertrag bedeutend beeinträchtigend befunden ward. Es ist wahrscheinlich, daß der Nachtheil der Fütterung mit feuchten Blättern in gut ventilirten Anstalten viel geringer seyn oder wohl auch gar nicht Statt finden dürfte.2) Ich habe jedoch die Frage aufgenommen, so |34| wie sie ist, und will hier gleichsam als Anhang zu meiner früheren Abhandlung die Mittel angeben, womit man die naß gepflükten Maulbeerblätter jeder Zeit so troknen kann, als wären sie unter den günstigsten atmosphärischen Verhältnissen gesammelt worden. Der Apparat, den ich zu diesem Behufe ausgemittelt habe, und den ich, hier beschreiben will, ist ziemlich einfach, wohlfeil, leicht zu dirigiren, und vorzüglich in solchen Gegenden, wo die Regenschauer häufig sind, für die Seidenzucht sehr vortheilhaft. Er besteht aus einem Ofen, womit man die Temperatur des Luftzuges, wenn es nöthig ist, um einige Grade erhöhen kann; aus einem hölzernen oder besser blechenen nach Art der Puzmühlen gebauten Windfange, womit sich dem Luftzuge der gehörige Inpuls mittheilen läßt; und aus einem langen hölzernen Behälter, in welchem die Blätter durch den starken Luftzug, dem sie von allen Seiten her ausgesezt sind, getroknet werden. Die Blätter werden demnach in diesem Apparate gerade so getroknet, wie dieß an den Bäumen durch die auf sie wirkenden Winde geschieht.

Fig. 7 ist ein Längendurchschnitt des Ofens nach der Linie A, B in Fig. 9, welche einen Grundriß des Ofens unter dem Roste vorstellt. Der leere bei r bemerkliche Raum ist ein Grundriß des Aschenloches des Ofens.

Fig. 8 gibt einen horizontalen Durchschnitt des Ofens nach der Linie C, D in Fig. 9. Hier ist h die Eintrittsöffnung für den Luftstrom, welcher erwärmt werden soll; i eine gußeiserne Kuppel, womit der Heerd bedekt ist, und welche den Ofen bildet; l ist die Austrittsöffnung für die erwärmte Luft. s stellt den Rost vor, der, wie man sowohl hier als in Fig. 9 ersieht, aus beweglichen Stangen besteht. |35| Das vordere Ende dieser Stangen ragt über das Ofenthürchen hinaus; bei dieser Einrichtung können sich die Stangen frei ausdehnen ohne sich zu verbiegen; auch ist der Rost leicht zu reinigen. t ist ein Grundriß der vier gemauerten Pfeiler, welche, wie Fig. 9 und 10 zeigen, die gußeiserne Platte v tragen. u sind Scheidewände, die bis zur Hälfte der Feuerzüge emporsteigen, und welche den bei h eintretenden Luftzug zwingen sich vor seinem Austritte bei l mit der ganzen Oberfläche der gußeisernen Kuppel i in Berührung zu sezen.

Fig. 9 zeigt einen senkrechten Durchschnitt des Ofens nach der in Fig. 7 und 8 angedeuteten Linie G, H. Hier ist i die den Herd bedekende gußeiserne Kuppel; v das Aschenloch; s der Rost, dessen Stangen frei sind, und nach Vorne bloß auf einer gußeisernen Platte, nach Rükwärts hingegen auf einem einfachen Balken ruhen. t, t sind zwei der gemauerten Pfeiler, welche die den Heerd bedekende gußeiserne Platte v tragen. u, u die bereits oben erwähnten Scheidewände. v eine gußeiserne Platte, welche dazu dient die aus dem Heerde emporsteigende Flamme nach allen Seiten gegen die innere Wand und gegen die Basis der gußeisernen Kuppel i zu dirigiren. Bei der Beweglichkeit dieser Platte ist das Innere des Ofens und der Röhre x sehr leicht zu reinigen. x ist die Ofenröhre, und y ein in dieser angebrachtes Ventil, womit der Luftzug nach Belieben regulirt werden kann, je nachdem man das Feuer auf dem Heerde bethätigen, oder nach dem Auslöschen dieses Feuers die Hize im Ofen erhalten will. z ist das Ofenthürchen.

Fig. 10 zeigt einen senkrechten Durchschnitt des Ofens nach der Linie E, F, in Fig. 7 und 8 von dem Punkte H aus gesehen. Dieselben Gegenstände sind hier mit denselben Buchstaben bezeichnet.3)

Fig. 11 ist ein Hauptgrundriß des Apparates. a ist der Ofen; b der Windfang; c der Kasten, in welchen die nassen Blätter, die man troknen will, gebracht werden; d eine Röhre, durch die der Luftstrom, der durch den Kasten gegangen, und sich in diesem mit Feuchtigkeit beladen hat, wieder austritt. e ein hölzerner Antritt, auf welchen der Arbeiter hinaufsteigt, um die nassen Blätter in den Kasten c zu bringen, sie darin umzukehren, und nach dem Troknen wieder herauszuschaffen. f eine hölzerne Stiege, um auf diesen Antritt hinaufsteigen zu können.

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Die in dem Ofen a erwärmte Luft dringt demnach mittelst des Gehäuses g durch die Mittelpunkte der Seitenwände in den Windfang b. Der Dekel des Kastens c besteht aus mehreren Theilen, um nicht den ganzen Kasten auf ein Mal öffnen zu müssen; hauptsächlich aber damit das Oeffnen und Schließen des Dekels ohne großen Kraftaufwand und ohne Schwierigkeit geschehen könne. Die Dekel müssen, wenn der Apparat gute Dienste leisten soll, genau schließen, und deßhalb sollen die Ränder des Kastens, auf denen die Dekel ruhen, mit Tuchenden oder mit Leder überzogen werden, während man die vorderen Ränder der Dekel mittelst eiserner Schließhaken und hölzerner Zapfen an dem Kasten befestigt. Jeder der Zapfen soll mit einer Schnur oberhalb seinem Schließhaken festgemacht seyn, damit man sie immer schnell bei der Hand hat.

Fig. 12 ist ein Hauptdurchschnitt des Apparates nach der Linie E, F in Fig. 7, woran zur Bezeichnung der einzelnen Gegenstände dieselben Buchstaben gewählt sind, wie in Fig. 11, und woraus das Innere des Ofens, des Windfanges und des Kastens, in welchen die feuchten Blätter gebracht werden, ersichtlich ist.

Wenn man das Feuer auf dem Heerde anzündet, und wenn man den Windfang spielen läßt, so dringt die äußere atmosphärische Luft durch die Oeffnung h in den Ofen, um auf ihrem Durchgange durch denselben bei ihrem Hinziehen über die Oberfläche der Kuppel i erwärmt zu werden, erwärmt durch den Canal l in den Windfang zu gelangen, und aus diesem durch die Oeffnung m in das Innere des Kastens c getrieben zu werden. Ein Theil des warmen Luftstromes gelangt, wie man bei n sieht, in den unteren Theil des Kastens und unter das Nez oder den Rost o, worauf die nassen Blätter in dünnen Schichten ausgebreitet sind; der andere Theil hingegen tritt bei p in den oberen Theil des Kastens und kommt daselbst mit den Blättern in Berührung. Nachdem beide Luftströme der ganzen Länge des Kastens nach über und unter den Blättern hingezogen sind, vereinigen sie sich bei q, um daselbst durch die fortgesezte Wirkung des Windfanges aus dem Apparate und durch die Röhre in die atmosphärische Luft getrieben zu werden.

Man wird von selbst einsehen, daß die in den Kasten eingetriebene Luft nicht immer vorher erwärmt zu werden braucht; sondern daß, wenn die äußere Luft nicht zu feucht ist, die Thätigkeit des Windfanges allein zum Troknen der Blätter hinreicht. Ist man jedoch zur Heizung des Ofens gezwungen, so genügt es, wenn die eingetriebene Luft nur um ein Paar Grade erwärmt wird, um die Blätter schnell in so weit zu troknen, als dieß an den Bäumen durch einen schwachen Wind zu geschehen pflegt. Das Troknen soll sogar |37| immer bei der möglich niedrigsten Temperatur geschehen, damit man nicht Gefahr läuft die Blätter welk zu machen, oder sie stärker zu troknen, als es gut ist. Es handelt sich demnach hier nicht um die Anwendung einer bedeutend erwärmten Luft, sondern um die Anwendung einer großen Menge Luft von unbedeutend erhöhter Temperatur. Die Erfahrung wird auch hier bald lehren: wenn der Luftzug erwärmt zu werden braucht; um wie viele Grade die Temperatur erhöht werden soll; welche Geschwindigkeit dem Windfange, und welche Dike der Blätterschichte zu geben ist; wie die Blätter in dem Kasten umgewendet werden müssen; wie viel Kilogramm Blätter man in einer Stunde per Quadratmeter des Rostes troknen kann; und endlich welche Vorsichtsmaßregeln nöthig sind, um die Operation zu einem guten Ende zu führen.

Fig. 13 zeigt die vordere Seite des Windfanges, von dem Punkte F in Fig. 7 aus gesehen. Man sieht hier bei g, g das hölzerne Gehäuse, in welchem die in dem Ofen erwärmte Luft an die Mittelpunkte der beiden kreisrunden Seitenwände des Windfanges gebracht wird.4)

Fig. 14 ist ein Querdurchschnitt des Apparates nach der Linie I, K, Fig. 11, von dem Punkte F aus gesehen. Es erhellt hieraus die Einrichtung der Stiege, so wie jene des Antrittes e und der äußeren und inneren Details des Kastens c. Man ersieht hieraus auch, wie die Kastendekel offen erhalten werden können, theils indem man sie gegen die Mauer, an der der Kasten angebracht ist, lehnt; theils indem man sie mit Schnüren, Rollen und Gegengewichten auf der erforderlichen Höhe erhält. Das bereits oben Gesagte ist jedoch zur Erläuterung dieser Figuren vollkommen genügend, so daß nunmehr nur noch gezeigt werden muß, wie man sich dieses Apparates zu bedienen hat, und wie derselbe arbeitet.

Ich habe bereits oben gesagt, daß der Luftstrom je nach dem Grade der Feuchtigkeit der Luft erwärmt werden muß oder nicht. Wir wollen jedoch hier annehmen, man habe das Troknen unter den ungünstigsten Umständen, d.h. bei Regenwetter und höchst feuchter Luft vorzunehmen, um zu zeigen, wie man hiebei zu verfahren hat.

Man schüttelt die Blätter, nachdem sie gepflükt, um sie mechanisch von der möglich größten Menge des ihnen anhängenden Wassers zu befreien, und macht während dieß geschieht, in dem Ofen ein Feuer |38| von solcher Stärke an, als eben nöthig ist, um die Temperatur des Luftzuges um 5 bis 6° des hundertgrädigen Thermometers zu erhöhen. Dann breitet man die Blätter gleichmäßig auf der Oberfläche des Gitters oder Nezes o aus, ohne sie dabei zusammenzudrüken und ohne die Schichte zu dik zu machen, worauf man die Dekel schließt und alsogleich den Windfang spielen läßt. Ein Thermometer, dessen Kugel man bei dem Austritte des Canales g aus dem Ofen, oder bei m da einsenkt, wo die Luft aus dem Windfange austritt, um in den Kasten c zu gelangen, dient zur Regulirung des Feuers im Ofen. Mit dem in der Röhre x angebrachten Ventile kann man nämlich die auf dem Roste vor sich gehende Verbrennung genau in dem durch den Gang des Thermometers angedeuteten Verhältnisse reguliren.

Ist diese Regulirung geschehen, so fährt man fort dem Windfange jene Geschwindigkeit zu geben, bei der er das möglich größte Volumen Luft abgibt. Man untersucht dabei von Zeit zu Zeit die Blätter, die sich zunächst an dem Windfange in dem Kasten befinden, und erneuert so oft es nöthig ist, deren Oberfläche. Sollten die in der Nähe der Eintrittsstelle der Luft befindlichen Blätter merklich schneller troknen, als jene, die sich an dem anderen Ende befinden, so könnte diesem Uebelstande dadurch abgeholfen werden, daß man oben auf die trokenen Blätter einige feuchte Blätter aufstreut; oder daß man die Blätterschichte da, wo sie bereits troken geworden, mit einem Tuche bedekt.5)

Haben die Blätter sammt und sonders den für passend erachteten Grad von Trokenheit erlangt, so schafft man sie aus dem Kasten heraus und bringt sie an einem kühlen und selbst etwas feuchten Orte in Haufen, damit sich der Grad ihrer Feuchtigkeit vollkommen ausgleiche. Man verfüttert sie dann in diesem Zustande an die Seidenraupen gleichsam als wären sie unter den günstigsten atmosphärischen Verhältnissen gepflükt worden. Der geleerte Kasten wird sogleich wieder mit feuchten Blättern gefüllt, und auf diese Weise wird so lange fortgefahren, als man noch Blätter zu troknen hat.

Aus dem Gesagten geht hervor, daß man bei der Anwendung |39| des hier beschriebenen Apparates alle Wahrscheinlichkeit für einen günstigen Erfolg hat, und daß man nicht ein Mal eines gewandten Arbeiters bedarf, um allen möglichen Nuzen aus demselben zu ziehen; denn die Erfahrung lehrt in Kürze, was man Alles zu wissen braucht, um seinen Zwek vollkommen zu erreichen.

Die Bedienung des Kastens c läßt sich bedeutend vereinfachen, wenn man den Ofen und den Windfang um so vieles tiefer anbringt, daß sich der Dekel des Kastens nur so hoch über dem Boden befindet, als nöthig ist, damit der Arbeiter die Blätter leicht in den Kasten hinein- und wieder herausschaffen kann; denn dann wäre das Hinaufsteigen auf der Treppe und auf den Antritt unnöthig. Da der Apparat bei dieser Anordnung überdieß auch noch wohlfeiler zu stehen käme, so soll man diese überall, wo es das Local zuläßt, befolgen.

Ich schließe hier meine Beschreibung noch mit der Bemerkung, daß der von mir in Vorschlag gebrachte Apparat, nachdem man sich seiner während der Seidenraupenzucht zum Troknen der Maulbeerblätter bedient hat, auch noch zum Erstiken der Cocons und zu mannigfachen anderen, bei großen Wirthschaften beständig sich ergebenden Operationen mit Vortheil benuzt werden kann. So z.B. zum Troknen von Bohnen, Erbsen und Linsen, welche vor der vollkommenen Reife geerntet werden; zum Troknen der zur Aussaat bestimmten Samen; zur Zubereitung von Zwetschgen und Rosinen; zum Troknen von Schwämmen, Käsen, nasser Wäsche, kurz zu allen jenen Trokenprocessen, die in Haus- und Landwirthschaften so häufig vorkommen, und zu denen es gewöhnlich an geeigneten Vorrichtungen fehlt. Ich glaube daher, daß diese Betrachtungen wesentlich dazu beitragen dürften meinem Apparate bei allen Seidenzüchtern, und namentlich in den nördlicheren Gegenden, in welchen es während der zur Raupenzucht bestimmten Zeit so häufig regnet, Eingang zu verschaffen.

Man hat mir seit der Bekanntmachung meiner ersten Abhandlung6) den Vorwurf gemacht, daß die von mir in Vorschlag gebrachten Mittel und Vorrichtungen zu kostspielig und zu complicirt seyen; ich glaube, daß auch der hier beschriebene Apparat seine Gegner finden, und den mir gemachten Vorwurf hie und da noch bestärken wird. Dagegen ermuntert mich aber das vollkommene Gelingen aller meiner Vorschläge in der Seidenzüchterei des Hrn. Camille Beauvais während des Jahres 1835, und die Gewißheit, die ich als ein alter Techniker habe, daß ich nur sehr leicht ausführbare und sehr leicht zu dirigirende Methoden empfohlen habe. Erwägt man |40| ferner, daß sich der Geschmak an der Landwirthschaft gegenwärtig immer mehr und mehr unter der reicheren Classe verbreitet, daß demnächst allen landwirthschaftlichen Unternehmungen größere Capitalien zugewendet werden dürften, und daß die Wissenschaften diesen glüklichen Impuls nur erhöhen können, so darf man glauben, daß nunmehr allerdings auch der Augenblik gekommen ist, in welchem die Seidenraupenzucht aus dem Zustande der Kindheit gerissen werden kann und soll, in welchem sie seit ihrer Verpflanzung nach Europa fortwährend verblieb. Uebrigens will ich damit keineswegs sagen, daß man zur Erzeugung einer Waare, welche für niedrigen Preis verkauft wird, großen Kostenaufwand machen soll. Eine gut eingerichtete Seidenzüchterei wird auch nicht um den fünften Theil mehr kosten, als eine schlecht eingerichtete, wie man sie gegenwärtig hat. Die Leitung der Arbeiten wird allerdings mehr Sorgfalt erfordern; allein dieß dürfte unter unseren gegenwärtigen Zeitumständen, wo die Industrie so große Fortschritte gemacht hat, nur für diejenigen als ein Hinderniß erscheinen, die nicht mit dem Zeitgeist fortschreiten wollen. Und was die Erhöhung der täglichen Kosten während der Zeit der Seidenraupenzucht betrifft, so kann diese gewiß keinen Einwurf bedingen, wenn man dagegen die Zunahme der Quantität und des Werthes der Producte in Anschlag bringt. Man wird sich hievon überzeugen, wenn man bedenkt, daß die Seidenraupenzüchter in Europa aus einer Unze Eier oder Samen im Durchschnitte nur 50 Pfd. Cocons erziehen; daß sich dieser Ertrag in einer gut geleiteten Anstalt verdreifachen läßt; daß die Rohseide im Durchschnitte zu 60 Fr. per Kilogramm verkauft wird; und daß Frankreich für mehr dann 40 Mill. Fr. Seide aus dem Auslande bezieht, während es leicht seinen eigenen Bedarf erzeugen und überdieß auch noch seinen Ueberschuß leicht in England, Rußland und überhaupt im ganzen Norden, wo die Seidenweberei große Fortschritte machte, obschon die Erzeugung des Rohstoffes daselbst nicht thunlich ist, verwerthen ließe. Betrachtungen dieser Art werden hoffentlich die gegen mich erhobenen Einwürfe in Kürze beseitigen, und die größeren Güterbesizer veranlassen die Seidenzucht als einen Industriezweig zu betrachten, der in Verbindung mit der Landwirthschaft, der Runkelrübenzuker-Fabrication, und der Erzeugung vieler anderer Produkte, welche die Chemie auf eine Stufe brachte, wie man vor 50 Jahren noch kaum ahnte, ganz geeignet ist die Agrikultur aus dem schmachtenden Zustande zu reißen, in welchem sie sich so lange Zeit über befand.

|33|

Herr Huzard Sohn machte in dieser Hinsicht in dem Vortrage, den er vor der Société d'encouragement über die in Frankreich für Förderung der Seidenraupenzucht zu ertheilenden Preise hielt, folgende interessante Bemerkungen. „Der d'Arcet'sche Trokenapparat ist gewiß unter allen bisher bekannten Vorrichtungen und Methoden der beste, indem man mit dessen Hülfe eine große Masse Blätter weit leichter und weit wohlfeiler troknen kann, als dieß durch das bisher übliche Troknen (fanage) möglich ist. Aus diesem Grunde allein sind die während der Seidenraupenzucht fallenden Regen nicht, wie man glauben machen wollte, als ein so großes Hinderniß zu betrachten, daß man sich dadurch von der Einführung dieser Zucht in solchen Gegenden, wo sie bisher noch nicht bestand, abschreken lassen darf. Folgende Betrachtungen dürften dieß noch mehr bekräftigen. Wir erinnern zuerst, obwohl nur im Vorbeigehen, da die Erfahrung noch nicht über die Zwekmäßigkeit dieser Methode abgesprochen hat, an die Maulbeerbaumzucht in Heken und Linien, bei welcher sich jedes Mal die für den nächstfolgenden Tag zur Fütterung nöthige Menge von Bäumen im Voraus durch Rahmen, welche mit Zeug überzogen sind, und welche auf Rollen laufen, oder die auch bloß mit Stangen in dem Boden befestigt werden könnten, gegen Regen schüzen ließen. Durch die Erfahrung ist dagegen fest begründet, daß die Fütterung der Seidenraupen mit nassen oder schlecht getrokneten Blättern schädliche Wirkungen hervorbringt. Rührt dieß aber von den nassen Blättern an und für sich, oder nicht vielmehr davon her, daß durch die Nässe der Blätter eine raschere Gährung in dem Raupenkothe erzeugt wird, eine Gährung, die bekanntlich die Hauptursache der großen Sterblichkeit unter den Raupen ist? Meinungen und Thatsachen scheinen sich bereits dahin auszusprechen, daß die Raupen nicht sowohl durch die Nässe der Blätter, sondern lediglich durch die daraus entwikelte Gährung leiden. Dieser lezteren läßt sich jedoch durch die tägliche Beseitigung des Unrathes, die bekanntlich mittelst der Neze sehr leicht, mit geringen Kosten und ohne Nachtheil für die Raupen geschehen kann, vorbeugen. – Alle Schwierigkeiten beseitigt jedoch endlich folgende Betrachtung. Bekanntlich macht man in China mehrere Seidenraupenernten |34| nach einander; und alle Versuche, welche man in Italien und Frankreich mit dieser Methode anstellte, sind gleichfalls gelungen, da die Zeitepoche, zu der man die Raupen während der günstigen Jahreszeit erzieht und das Alter der Blätter, wenn es nicht gar zu groß ist, keinen merklichen Einfluß aus das Gedeihen der Thiere üben. Der Vortheil, den man hat, je nachdem man eine oder zwei Ernten macht, scheint daher lediglich von der Quantität der Blätter, über die man verfügen kann, von dem Locale und von der Zahl der zu Dienst stehenden Arme abzuhängen. Es geht hieraus hervor, daß man den Zeitpunkt des Ausfallens der Eier nach Belieben wählen, und verspäten oder vorrüken kann, je nachdem die Witterung mehr oder minder günstig ist. Da es nun in Frankreich wenige Gegenden gibt, in welchen die Frühlingsregen nicht einen ziemlich regelmäßigen Gang nehmen, d.h. in welchen sich der Eintritt und die Dauer der Regenzeit nicht mit Wahrscheinlichkeit bestimmen ließe, so läßt sich der für das Ausfallen der Eier günstigste Zeitpunkt leicht berechnen. Ich gelangte nach allen diesen Betrachtungen zu folgenden Schlüssen: da wo die Seidenraupenzucht nur unter fortwährendem Regenwetter von Statten gehen könnte, wäre es unklug sie zu unternehmen; allein in unserem Klima sind die Frühlingsregen gewiß kein Hinderniß, wenn man für einen guten Trokenapparat (namentlich für jenen des Herrn d'Arcet) sorgt; wenn man den Raupenkoth mittelst Anwendung der Neze schnell beseitigt, und wenn man das Ausfallen der Eier je nach dem Eintritte der Regenzeit vorrükt oder verspätet.“ A. d. R.

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Der hier beschriebene Ofen eignet sich für eine große Anstalt, in kleineren Anstalten genügt es, wenn man in einer Eke eine kleine Kammer von 3 bis 4 Kubikmeter Rauminhalt anbringt, und wenn man in diese einen gewöhnlichen Windofen oder einen gußeisernen Ofen sezt. Es braucht dann nichts weiter, als in diese Kammer die nöthige Quantität Luft einzuführen, sie darin auf den gehörigen Grad zu erwärmen, und das Innere dieser Trokenstube mit dem Windfange in Verbindung zu bringen. A. d. O.

|37|

Da der Luftstrom in dem Ofen höchstens nur um einige Grade erwärmt wird, so schadet dieß dem hölzernen Windfange auch nicht im Geringsten. Zu aller Vorsicht kann man übrigens auch sowohl den Windfang als sein Gehäuse g aus Eisenblech verfertigen lassen; oder man kann das Gehäuse allein aus Blech bauen, und den hölzernen Windfang mit einer diken Schichte einer aus Leim, Alaun und Oker zusammengesezten Farbe überstreichen. A. d. O.

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Sollte sich diese Unannehmlichkeit in höherem Grade kund geben, so kann man in den vorderen Theil des Kastens die nässeren Blätter bringen, oder hier eine dikere Blattschichte eintragen, als an dem anderen Ende. Endlich kann man, wie ich dieß bereits in meiner früheren Abhandlung angegeben habe, anstatt des Rostes o auch ein endloses Tuch in dem Kasten c anbringen, und dieses über bewegliche Walzen laufen lassen. Würde man dieses Tuch von Zeit zu Zeit von der Rechten zur Linken bewegen, so könnte man die dem Windfange zunächst gelegenen und früher getrokneten Blätter immer herausnehmen und dafür an dem entgegengesezten Ende feuchte Blätter hineinbringen, wodurch die Arbeit erleichtert und auch regelmäßiger gemacht würde. A. d. O.

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Siehe Polyt. Journal Bd. LIX. S. 241. A. d. R.

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