Titel: Bourdon, über die die Seidenraupenzucht und deren Erträgnisse.
Autor: Bourdon, Henri
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. X. (S. 41–54)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/ar061010

X. Ueber die Seidenraupenzucht und deren Erträgnisse. Von Hrn. Henri Bourdon.7)

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. März 1836, S. 95.

Unter gegenwärtigen Zeitverhältnissen, wo man in Frankreich einerseits der Zahlung eines jährlichen Tributes von 40 Mill. Fr. an das Ausland müde, und andererseits durch den Kostenaufwand erschrekt ist, womit England die Seidenfabrication in einigen seiner Colonien zu gründen und zu heben trachtet, glaube ich dem mir bezeugten Verlangen und auch meiner inneren Ueberzeugung nachgeben zu müssen, um durch meine Beobachtungen, meine Forschungen, meine mit Praktikern gepflogenen Besprechungen und durch positive Berechnungen zu beweisen, daß mit dem Gelingen dieses Industriezweiges ein wesentlicher Gewinn verbunden ist, und daß, wenn dieser Gewinn selbst in den Händen Unwissender schon bedeutend ist, die Seidenraupenzucht nothwendig für das Land und die Menschen, die sich damit befassen, eine wahre Quelle von Reichthümern werden muß. Da jedoch die Daten, welche sämmtlich in Erwägung zu ziehen sind, aus verschiedenen Elementen von wandelbarer Art bestehen, so glaube ich zuerst die hauptsächlichsten jener Umstände, welche bisher noch keine auf feste Basen begründete und unwiderlegbare Berechnungen zuließen, erläutern zu müssen.

Die die Erzeugung des Rohstoffes oder der Rohseide umfassende Industrie kann in drei sehr verschiedene Zweige abgetheilt werden; nämlich: 1) in die Kultur des Maulbeerbaumes; 2) in die Seidenraupenzucht; und 3) in das Abhaspeln der gewonnenen Cocons. Alle diese Zweige lassen sich entweder einzeln oder gemeinschaftlich betreiben; |42| wer sie sämmtlich umfaßt, muß natürlich am meisten gewinnen, doch kommt jedem derselben sein eigener Gewinn zu, der berechnet werden muß.

1. Von der Kultur des Maulbeerbaumes.

Der Maulbeerbaum kann in Heken oder Spalieren, in Wiesenform, hochstämmig oder zwergartig gezogen werden. Hienach ergeben sich wesentliche Verschiedenheiten, die durch folgende Umstände bedingt sind: durch Eingriffe in die übrigen Kulturzweige; durch die Kosten der Zubereitung des Erdreiches und des Ankaufes der Bäume; durch das Warten bis zur ersten Ernte; durch den Ertrag an Blättern von jedem Baume, oder besser von einer bestimmten Bodenstreke, indem die zwischen den Bäumen gelassenen Räume je nach der Kulturmethode verschieden sind; durch die nöthige Qualität und folglich durch den Preis des Bodens, durch die Wirkung der Frühlingsfröste, und endlich durch die Dauer der Bäume. Dieß genügt um zu zeigen, daß die Pflanzer, abgesehen von den von ihnen und den Localverhältnissen abhängigen Ursachen, zu sehr verschiedenen Berechnungen gelangen können, je nachdem sie diese oder jene Kulturmethode einschlagen.

2. Von der Seidenraupenzucht.

In dieser Hinsicht kommen die Anschaffungskosten der Gebäude und der Geräthe, die Kosten der Beheizung, jene des Pflükens der Blätter, das Gewicht der verfütterten Blätter, der Arbeitslohn der im Inneren der Anstalt beschäftigten Individuen, das Gewicht der per Unze Samen oder Eier erzielten Cocons, die Qualität der Cocons, und die an ihnen befindliche Quantität Seide in Anschlag. Beinahe alle diese Elemente variiren nach der Verschiedenheit der Localitäten und gewisser von den einzelnen Seidenzüchtern unabhängiger Umstände; sie bieten aber überdieß auch noch Verschiedenheiten nach der in den Seidenzüchtereien verwendeten Sorgfalt, nach der größeren oder geringeren Leichtigkeit, womit die Maulbeerblätter gepflükt werden können; nach der Quantität Nahrungsstoff und Seide, die sie liefern, je nachdem sie wild oder veredelt sind; und nach der in den Anstalten unterhaltenen Temperatur, welche auf die Dauer der Zucht so wie auf die Qualität und Feinheit der Cocons großen Einfluß übt.

3. Von dem Abhaspeln der Cocons.

Was das Abhaspeln betrifft, so gibt es, abgesehen davon, daß die Kosten der Anschaffung der Apparate, der Heizung und des Arbeitslohnes in verschiedenen Gegenden verschieden sind, noch mancherlei |43| Umstände, die eine strenge Abschäzung des Ertrages von einem bestimmten Gewichte abgehaspelter Cocons verhindern. Denn es kommt hier, die Geschiklichkeit und Sorgfalt der Spinnerin gar nicht zu erwähnen, die Natur der Cocons in Betracht, nach welcher sie mehr oder weniger Seide geben, beim Abhaspeln mehr oder weniger heißes Wasser erfordern, mehr oder weniger Brennmaterial verbrauchen, mehr oder weniger Abfälle geben, mehr oder minder schnell und regelmäßig gesponnen werden können, und nach welcher sie mit Einem Worte eine mehr oder minder gangbare Waare liefern.

Aus allem diesem scheint mir hervorzugehen, daß es hier unmöglich ist genaue Gestehungsberechnungen, aus denen Jeder die von ihm erzielten Resultate entnehmen kann, herzustellen; allein man kann dennoch die verschiedenen, von den Seidenzüchtern gelieferten Documente einzeln studiren, hiebei auf die obwaltenden Umstände so viel als möglich Rüksicht nehmen, sich innerhalb der Gränzen des höchsten Kostenaufwandes und des niedrigsten Ertrages halten, die Wahrscheinlichkeit zufälliger Verluste im Auge behalten, und aus allen diesen Elementen ihrer verschiedenen Natur ungeachtet ein homogenes, aus den mittleren Durchschnitten gezogenes Ganzes ziehen, um Jedermann klar zu zeigen, wie groß der Ertrag der Seidenzucht selbst unter den ungünstigsten Verhältnissen ist, wenn sie mit Sachkenntniß betrieben und den Localverhältnissen angepaßt wird. Hierauf gestüzt gehe ich nun zu folgenden Berechnungen über.

1. Kultur des Maulbeerbaumes. Die Kosten der Anpflanzung und Unterhaltung der Bäume, die Menge, welche davon auf eine Hectare gehen, die Zahl der Jahre, welche bis zur ersten Blätterernte verfließen: alles dieß ist je nach der eingeschlagenen Pflanzungsmethode sehr verschieden. Allein wenn einerseits die Kosten sich höher belaufen, so kommt man andererseits schneller zu einem Ertrage; und wenn die Zahl der Bäume bei der einen Methode geringer ist, so liefert dafür jeder der Bäume nach Ablauf einer bestimmten Zeit eine größere Menge Blätter, so daß hieraus füglich eine vollkommene oder theilweise Compensirung erfolgt. An diese Ausgleichung oder Compensirung will ich mich hier auch halten, um nicht in unendliche Distinctionen eingehen zu müssen, und um dennoch gehörige approximative mittlere Durchschnitte zu erhalten.

Nimmt man hienach ein mittelmäßig günstiges Jahr, so berechnen sich die Kosten und der Rohertrag einer Hectare8) folgender Maßen.

|44|
Zins des Bodens 60 Fr.
Unterhaltungskosten (Umwenden des Bodens,
Beschneiden, Auspuzen, Düngen und Nachpflanzen
der Bäume)


200 –
Interessen der Pflanzungs-, Bodenzins- und
Unterhaltungskosten, nach Abzug der Rohproducte,
welche durch frühere Ernten erzielt worden sind


100 –
Unvorhergesehene Ausgaben 40 –
––––––
Summa der jährlichen Kosten mit Einschluß der Interessen 400 Fr.9)

Der Ertrag, den eine Hectare Landes an Blättern abwirft, läßt sich wenigstens auf 12,500 Kilogr. annehmen; und zieht man hievon 1/5 oder 2500 Kilogr. für den Verlust durch Fröste, für den Ausfall, der durch erschöpfte Bäume bedingt ist, etc. ab, so bleiben netto 10,000 Kilogr. Blätter, welche nach obiger Berechnung auf 400 Fr. zu stehen kommen, wonach für 2 Fr. 50 Kilogr. Blätter erzeugt werden. Der Maulbeerbaum-Besizer, der nicht zugleich Seidenzüchter ist, verkauft seine Blätter gewöhnlich zu 3 1/2 – 5 Fr. die 50 Kilogr.10) Bringt man hienach den Nettoertrag an Blättern, den eine Hectare liefert, in Anschlag, so berechnet sich hieraus leicht der Gewinn bei der Maulbeerbaumzucht.

Bemerkungen. Eine mit gepfropften Zwergmaulbeerbäumen bepflanzte Hectare kann deren 1000 Stük fassen. Der Ankauf und die Pflanzungskosten kommen mit Einschluß des Rigolens in der Nähe von Paris auf 8–900 Fr. Die wilden Maulbeerbäume können viel dichter gepflanzt werden, so daß ihrer gegen 6000 auf die Hectare gehen. Hochstämmige Bäume hingegen gehen je nach der Güte des Bodens 150 bis 200 auf die Hectare.

2. Seidenraupenzucht. Es läßt sich hier keine Schäzung der Producte erlangen, wenn man absolut nach der Unze Samen, den man ausfallen ließ, rechnet; denn die Ausgaben und die Einnahmen werden nothwendig je nach der Sorgfalt, die man auf die Raupen verwendet, und je nach der Quantität und Qualität der aus jeder Unze gewonnenen Cocons verschieden seyn. In den meisten südlichen Seidenzüchtereien gewinnt man nur 25 bis 28 Kilogr. Cocons per Unze Samen11); in einigen bis an 50. In Piemont erzielt |45| man in den sogenannten Dandolieren gegen 55 Kilogr., während Hr. Camille Beauvais bei seiner großen Achtsamkeit und mit Hülfe des d'Arcet'schen Ventilirapparates den Ertrag bis auf 68,50 Kilogr. Cocons per Unze Samens brachte. Ja es ist sogar wahrscheinlich, daß man es noch bis auf 75 Kilogr. bringt. Es versteht sich übrigens von selbst, daß von diesen verschiedenen Resultaten vorausgesezt ist, daß sie, wenn auch nicht einer und derselben Art von Samen, so doch Cocons entsprechen, welche unter gleichen Spinnverhältnissen beinahe eine gleiche Rohseide geben.

Ich will jedoch, um mich innerhalb engerer Gränzen zu halten, annehmen, daß eine Unze Samen bei einer mit 10 Unzen unternommenen Raupenzucht 50, und bei einer mit 100 Unzen unternommenen Zucht nur 45 Kilogr. Cocons gebe.12) Wenn sich bei dieser Annahme wirkliche Vortheile ergeben, und wenn diese Vortheile selbst bedeutender sind, als sie sich da herauswerfen, wo man nur 25 bis 30 Kilogr. Cocons aus einer Unze Samen erzieht, so wird man dann leicht ermessen können, welche Vortheile aus der Vervollkommnung der Seidenraupenzucht erwachsen müssen.

Dieß vorausgesezt, will ich nun mit Rüksicht auf die Gesammtzahl der Flechtwerke, welche die Raupen allmählich einnehmen, und mit Rüksicht auf das Blätterquantum, welches sie zu verschiedenen Zeiten ihres Alters verzehren, beiläufig zu bestimmen suchen: nicht wie viele Individuen bei jedem Alter der Raupen zur Bedienung nöthig sind, da deren Anzahl mit jedem Tage wechselt, sondern die Gesammtzahl der Arbeitstage, welche in jedem einzelnen Alter sowohl für den inneren Dienst der Seidenzüchterei, als zum Pflüken und zum Transporte der Blätter nöthig sind. Die erste Tabelle, die ich hierüber anfüge, ist für eine Zucht von 10 Unzen Samen berechnet.

Textabbildung Bd. 61, S. 45

Die Taglöhne sind hiebei zu 2, zu 1 1/4 und zu 1 Fr. angesezt. Für eine Seidenzucht mit 100 Unzen Samen berechnet sich diese Tabelle dagegen folgender Maßen.

|46|
Textabbildung Bd. 61, S. 46

Es wurde bei der lezten Tabelle angenommen, daß man die 100 Unzen Samen auf ein Mal ausfallen ließ, obwohl man nie auf diese Weise verfährt; übrigens hat dieß auch auf die Gesammtzahl der Arbeitstage keinen wesentlichen Einfluß.

Was die Dauer der Zucht betrifft, so will ich diese auf keine positive Weise bestimmen, da sie von verschiedenen Umständen und namentlich von der Temperatur abhängt, welche man in der Anstalt unterhält. Ich bemerke nur, daß die Dauer von 25 bis zu 45 Tagen wechselt, je nachdem die Temperatur von 30 bis zu 14° C. (24 bis 12° R.) variirt.13) Die Dauer eines jeden einzelnen Alters wechselt selbst wieder auf ähnliche Weise; doch läßt sich im Allgemeinen sagen, daß das zweite um einen Tag kürzer ist als das erste, welches selbst wieder um einen Tag kürzer ist als das dritte und vierte, die beide von gleicher Dauer sind; daß das fünfte um 4–5 Tage länger dauert als die beiden ihm zunächst vorausgehenden, und daß das sechste Alter, die Zeit des Aufkriechens, höchstens 8 bis 10 Tage zu währen hat.

Ich habe bei der Zusammensezung obiger Tabellen den Taglohn am höchsten, so wie er in der Gegend von Paris zur Zeit der Ernte steht, angenommen, und überdieß habe ich angenommen, daß das Pflüken der Blätter per Tag bezahlt wird, was in den südlichen Provinzen gewöhnlich nicht der Fall ist. Ich schäzte die Zahl der zum Pflüken verwendeten Arbeitstage nach der Arbeit, welche jedes Individuum zu leisten im Stande ist. Da übrigens die Summe, welche man nach dem Gedinge bezahlt, in jedem Lande mit dem üblichen Taglohne im Verhältnisse stehen muß, so wird, auf welche Weise das Pflüken auch geschieht, die oben hiefür angesezte Summe ziemlich genau jenem Lande entsprechen, in welchem der Arbeitslohn am höchsten steht: abgesehen jedoch von der Gewandtheit, welche die Arbeiter in der fraglichen Arbeit besizen. Befinden sich die Seidenzüchter |47| unter günstigeren Umständen, so ist es um so besser für sie; ich für meinen Theil glaube übrigens, daß wenn ein Ort in manchen Beziehungen Vortheile gewährt, er in anderen wieder seine Nachtheile mit sich bringt. Ob aber hiedurch eine wirkliche Ausgleichung zu Stande kommt, darüber getraue ich mich gegenwärtig noch nicht abzusprechen; auch ist diese Betrachtung gegenwärtig, wo Frankreich noch jährlich für 40 Mill. Fr. Seide aus dem Auslande bezieht, und wo also um so weniger eine Concurrenz zu fürchten ist, als der Verbrauch fortwährend im Zunehmen ist, noch von keiner Wichtigkeit.

Wenn nun gleich die in den beiden obigen Tabellen enthaltenen Daten auf keine mathematische und strenge Genauigkeit Anspruch machen können, so geben sie doch eine der Wirklichkeit sehr nahe kommende Idee von den durch den Arbeitslohn bedingten Kosten. Man wird sich hienach leicht überzeugen, daß selbst wenn man diese Zahlen verdoppeln wollte, der bei der Seidenzucht sich ergebende Gewinn dadurch doch noch keinen großen Stoß erleiden würde; und daß demnach die Einwendung, welche man gegen den Betrieb der Seidenzucht in der Gegend von Paris macht, und die sich hauptsächlich auf den hohen Stand des Arbeitslohnes fußt, nichtig ist.

Was die Quantität der verfütterten Blätter betrifft, so finde ich, daß man, wenn die Fütterung ökonomisch und verständig geschieht, zur Erziehung von 10 Unzen Samen durch alle 5 Alter höchstens 7500 Kilogr. Blätter braucht, welche, die 50 Kilogr. zu 2 Fr. angeschlagen, dem Seidenzüchter, der zugleich Maulbeerbaum-Pflanzer ist, auf 300 Fr. zu stehen kommen; und daß zu einer Seidenzucht von 100 Unzen Samen höchstens 75,000 Kilogr., welche 3000 Fr. kosten, erforderlich sind. Stellt man diese beiden Resultate mit den entsprechenden Kosten an Arbeitslohn zusammen, und rechnet man dazu in ersterem Falle noch 250, in lezterem hingegen 3000 Fr. für Interessen des aufgewendeten Capitals und für Heizungs-, Beleuchtungs- und Unterhaltungskosten, so ergibt sich als Totalsumme der Ausgaben: 1) für 500 Kilogr. Cocons ein Betrag von 815 Fr.; und 2) für 4500 Kilogr. Cocons ein Betrag von 4500 Fr.

Das Kilogramm Cocons kommt demnach bei einer Seidenzucht von 10 Unzen auf 1 Fr. 63 Cent., und bei einer Seidenzucht von 100 Unzen auf 1 Fr. 66 Cent. zu stehen, während es gewöhnlich zu 3 Fr. bis zu 3 Fr. 50 Cent. bezahlt wird.

Erinnert man sich ferner, welche Blättermasse eine Hectare Maulbeerpflanzung gibt, so wird man finden, daß zur Erziehung von 500 Kilogr. Cocons weniger als eine, und zur Erziehung von 4500 Kilogr. weniger als 10 Hectaren Landes erforderlich sind.

|48|

Besizt der Seidenzüchter nicht selbst Maulbeerbaum-Pflanzungen, und muß er seinen Blätterbedarf von dem Pflanzer erkaufen, der sie, wie oben gesagt, zu 3 1/2 bis 5 Fr. die 50 Kilogr. verkauft, so wird ihm, wenn wir den Mittelpreis zu 4 Fr. annehmen wollen, das Kilogr. Cocons bei einer Seidenzucht von 10 Unzen Samen auf 2 Fr. 22 Cent., und bei einer Seidenzucht von 100 Unzen Samen auf 2 Fr. 33 Cent, zu stehen kommen.

Wenn ich nun diese Resultate meiner Berechnungen mit dem vergleiche, was ich von mehreren südlichen Seidenzüchtern, und namentlich von einem in der Nähe von Toulon etablirten erfuhr, so fürchte ich den Gewinn viel zu sehr erniedrigt zu haben. Lezterer Seidenzüchter, der zugleich auch Pflanzer ist, versicherte mich nämlich, daß der Preis der Grundstüke und jener des Arbeitslohnes in seiner Gegend beinahe eben so hoch stehe, wie in der Umgegend von Paris; daß er im Durchschnitte nur 25 Kilogr. Cocons aus der Unze Samens erzieht; daß er, indem er nicht selbst Spinner ist, das Kilogr. Cocons im Durchschnitte zu 3 Fr. 25 Cent, verkaufe; und daß er jährlich durch seine Seidenzucht einen reinen Ertrag von 600 Fr. einnehme. Dieser Mann will nun eine nach dem d'Arcet'schen Plane gebaute Seidenzüchterei errichten, und verspricht sich durch eine wohl verstandene Direction dieser Anstalt seinen Gewinn in Kürze verdoppelt zu sehen.

Bemerkungen. Die Dimensionen einer Seidenzüchterei wechseln je nach den inneren Einrichtungen derselben; ich stelle daher als Princip nur so viel auf, daß auf einem Flächenraume von beiläufig 220 Quadratfuß 50 Kilogr. Cocons erzogen werden müssen. Es bleibt dabei jedem Seidenzüchter überlassen, die ihm zu Gebot stehende Localität auf die zur Erzeugung der bestimmten Quantität Cocons geeignetste und möglich wohlfeilste Weise einzurichten. Um eine Seidenzucht mit 100 Unzen Samen zu unternehmen, halte ich es für geeigneter, drei getrennte Ateliers zu errichten. Der Oekonom, der sein Geld nur in dem Maaße auslegen soll, in welchem es sich verzinsen kann, wird gut thun, wenn er seine Anstalten nach und nach und in dem Maaße erweitert, als er durch die Zunahme des Blätterertrages seiner Maulbeerbäume hiezu veranlaßt wird. Es versteht sich übrigens von selbst, daß hiebei die Vorsorge getroffen werden muß, daß jeder ältere Bau auch wieder zu einem neueren dienen kann.

3. Abhaspeln der Cocons. In dieser Hinsicht lassen sich nur wenige Details geben. Die Quantität der von einem bestimmten Gewichte Cocons gewonnenen Seide wechselt je nach der Beschaffenheit der Cocons so sehr, daß man zur Gewinnung von einem Kilogr. |49| Seide 8 bis 15 Kilogr. Cocons braucht. Hr. Camille Beauvais erhielt von beiläufig 11,20 Kilogr. Cocons ein Kilogr. Seide; ich selbst brauchte hiezu nur 10,80 Kilogr. Cocons. Rechnen wir demnach im Durchschnitte auf 12 Kilogr. Cocons ein Kilogr. Seide14), und zieht man von den 500 Kilogr. Cocons, welche eine mit 10 Unzen Samen unternommene Seidenzucht liefert, 5 Kilogr. als zur Erzeugung von neuem Samen nöthig, ab, so geben die übrig bleibenden 495 Kilogr. Cocons 41 Kilogr. 250 Gr. Seide. Rechnet man von den 4500 Kilogr. Cocons, die eine mit 100 Unzen Samen vollbrachte Zucht liefert, 50 Kilogr. für die Fortpflanzung ab, so bleiben 4450 Kilogr. Cocons, die gesponnen 370 Kilogr. 833 Gr. Seide liefern.

Zählt man zu den oben angedeuteten Gestehungskosten der Cocons noch die täglichen Kosten der Spinnerei, so wie die Interessen der Anschaffungskosten, so kommen die 41 Kilogr. 250 Gr. Seide auf 1115, die 370 Kilogr. 833 Gr. Seide hingegen auf 10,000 Fr. zu stehen. Hienach berechnet sich also bei einer Seidenzucht mit 10 Unzen Samen das Kilogr. Rohseide zu 27 Fr., während es sich bei einer mit 100 Unzen Samen betriebenen Zucht zu 26 Fr. 95 C. herauswirft.

Den Verkaufspreis des Kilogr. Rohseide will ich hier nicht angeben, weil er mannigfachen Handelsconjecturen unterworfen ist, und weil er überdieß von der Natur und Farbe der Seide und hauptsächlich von der Regelmäßigkeit des Abhaspelns abhängt. Jedermann kann die Preiscourante der verschiedenen Jahrgänge einsehen und sie mit den Gestehungspreisen vergleichen. Gegenwärtig steht der mittlere Preis gewöhnlicher gut gesponnener Seiden auf 70 bis 80 Fr. das Kilogr. mit einem Scontro von 12 bis 13 Proc. Schöne weiße, sehr gut gesponnene Seide hingegen wird viel theurer bezahlt.

Wenn man von 5 Kilogr. Cocons ein halbes Kilogr. Seide gewinnen kann, so kostet die Erzeugung von 1 Kilogr. Cocons bei einer Seidenzucht mit 10 Unzen Samen 22 Fr. 53 Cent., bei einer Seidenzucht mit 100 Unzen Samen hingegen 22 Fr. 47 Cent. Dabei darf nicht vergessen werden, daß das cultivirte Grundstük in ersterem Falle, wo die erzeugte Seide = 41 Kilogr. 250 Gr. ist, unter einer Hectare beträgt; während es im zweiten Falle, wo die erzeugte Seide = 370 Kilogr. 833 Gr. ist, unter 10 Hectaren beträgt.

|50|

Hr. Amans Carrier, Präfecturrath in Rodez, welcher alle die drei hier erwähnten Industriezweige zugleich betreibt, gibt in einem Berichte, den er in den Annales de l'Agriculture française über die Seidenzucht, die er im Jahre 1833 betrieb, erstattete, an, daß er mit einem Grundstüke von höchstens einer halben Hectare 464 Kilogr. Cocons erzeugte, die ihm einen reinen Gewinn von 1548 Fr. 95 Cent. abwarfen.

Was denjenigen betrifft, der nur Spinner allein ist, und der nur 5000 Kilogr. Cocons verspinnt, wozu er 50 bis 60 Tage lang 18 Haspel unterhalten muß, so kommt ihm, wenn 12 Kilogr. Cocons ein Kilogr. Seide geben, das Kilogr. Rohseide auf 46 Fr. 20 Cent, zu stehen, während es ihm, wenn 10 Kilogr. Cocons auf ein Kilogr. Seide gehen, nur 38 Fr. 50 Cent. kostet. Dabei sind die Cocons zu 3 Fr. 25 Cent. gerechnet; während die Kosten der Spinnerei dieselben bleiben, so wie sie früher angedeutet wurden.

Ich habe die Resultate, wie ich sie von verschiedenen Seidenzüchtern erhob, zusammengestellt, und glaube hiebei jedenfalls sicher zu seyn, daß man mich keiner Uebertreibung beschuldigen wird. Ich befürchte bloß, daß einige Seidenzüchter, denen die Resultate meiner Berechnungen zu Gesicht kommen, behaupten möchten, daß sie, ohne sich irgend eine Mühe zu geben, einen eben so großen und vielleicht selbst größeren Nettogewinn realisiren, und daß daher kein Vortheil daraus erwächst, wenn man aus einer Unze Samen eine größere Menge Cocons erzieht, indem mit dieser größeren Menge auch der Arbeitslohn, der Verbrauch an Blättern etc. wächst. Wollen sich diese Seidenzüchter jedoch wirklich belehren, so mögen sie die Berechnungen, die zu diesen Resultaten führten, prüfen; vielleicht werden sie sich dann überzeugen, daß der Blätterertrag einer Hectare Landes sehr niedrig angeschlagen wurde, während der Blätterbedarf etwas zu hoch angesezt seyn dürfte; daß die Interessen sämmtlicher Vorauslagen in Rechnung gebracht wurden; daß zwischen der Zunahme der Arbeit und des Gewichtes der Blätter und der Zunahme des Ertrages an Cocons kein Verhältniß besteht, indem sie eine große Menge von Seidenraupen verlieren, nachdem sie bereits mehrere Centner Futter verzehrt haben. Ueberdieß werden sie dann auch im Stande seyn, den Werth von 50 Kilogr. Cocons und den Preis der zu ihrer Erzeugung aufgewendeten Blätter abzuschäzen, gleichwie sie auch darauf bedacht seyn werden, daß die die Sterblichkeit der Raupen in den Seidenzüchtereien bedingenden Ursachen nothwendig auch auf die Gesundheit der spinnenden Raupen einwirken müssen, so daß, je mehr Raupen man rettet, d.h. je mehr Cocons man aus einer Unze Samen gewinnt, um so schöner auch die Cocons seyn werden. Erwägt man alles dieß, so wird man sich überzeugen, daß wenn in |51| den hier vorgelegten Zahlen ja eine Inferiorität zu bemerken ist, dieß keineswegs einer schädlichen Folge der vorgenommenen Verbesserungen, sondern lediglich einer zu hohen Schäzung der Kosten zur Last gelegt werden darf. Wer sich daher immer durch unsere Schlußfolgerungen und Berechnungen zur Seidenzucht, als zu etwas seiner Berüksichtigung Würdigem und Vortheilhaftem bringen läßt, wird seine Hoffnungen gewiß auf eine sehr angenehme Weise übertroffen finden.

Wenn man diese Berechnungen als in der Absicht angestellt betrachtet, um eine Idee von dem ungeheuren jährlichen Verluste an Seide und von dem Vortheile zu bekommen, der sich für die Fabrication ergeben müßte, wenn statt des gewöhnlichen Durchschnittsertrages der von uns angenommene erzielt würde, so ergibt sich Folgendes.

Jede Unze Samen enthält wenigstens 40,000 Raupen; man gewinnt hieraus in den für ziemlich gut gehaltenen Seidenzüchtereien 25 Kilogr. Cocons. Diese Cocons entsprechen aber, wenn man annimmt, daß 280 Cocons im Durchschnitte 500 Gramme wiegen, nur 14,000 Raupen, so daß also wenigstens 26,000 Raupen zu Grunde gegangen seyn mußten. Es ist demnach die Bestimmung dieser kostbaren Insecten, daß abgesehen von jenen durch Unvorsichtigkeit erzeugten Katastrophen, bei denen oft ganze Zuchten unterliegen, wenigstens zwei Drittheile derselben jährlich zu Grunde gehen, bevor sie noch im Stande waren, ihre Arbeit zu vollbringen! Zur Erzeugung dieser 14,000 Cocons werden ferner 500 Kilogr. Blätter verwendet, während bei einem Ertrage von 50 Kilogr. Cocons per Unze Samen mit 750 Kilogr. Blättern eine doppelt so große Anzahl oder 28,000 Cocons erzielt werden können; so daß also einerseits die Zahl der erzeugten Cocons verdoppelt wird, während das Gewicht der Blätter nur um den dritten Theil steigt. Dabei darf überdieß auch nicht vergessen werden, daß die Qualität der Cocons in einer Anstalt, in welcher eine größere Sterblichkeit herrschte, nothwendig auf niedrigerer Stufe stehen muß.

Alle unsere Berechnungen würden jedoch ungeachtet all der Vortheile, die sie versprechen, nur sehr geringen Werth haben, wenn sie sich bloß auf die Theorie fußen würden, und wenn wir zu deren Unterstüzung nicht die lange fortgesezte Erfahrung aufgeklärter Seidenzüchter anführen könnten. Wir haben nichts behauptet, was sich nicht bewähren läßt, wenn man aus dem vorigen Jahrhunderte die einfachen und vortrefflichen Schriften der Abbés Boissier de Sauvages und Rozier, und aus unserem gegenwärtigen Jahrhunderte die Werke Dandolo's und Bonafon's, die der Seidenzucht einen regelmäßigen und systematischen Gang gaben, ohne den sie gewiß |52| keine Fortschritte gemacht haben würde, lesen will. Erstaunt über die geringe Menge der erzielten Cocons im Vergleiche zu der großen Menge Eier, welche man ausfallen ließ; erstaunt über die Krankheiten, welche jährlich ganze Zuchten austilgten, suchten diese Männer die Grundursachen hievon zu erforschen. Sie kamen hiebei durch ihre eigene Erfahrung zu dem Schlusse, daß alles dieß nur den fehlerhaften Methoden, welche die meisten Seidenzüchter in sämmtlichen Phasen der Existenz der Seidenraupe befolgen, zuzuschreiben ist; sie erkannten die Gefahren des Ausbrütens durch Maceration, so wie auch die durch Unachtsamkeit beim Eierlegen der Schmetterlinge und beim Ueberwintern der Eier erwachsenden Gefahren; sie überzeugten sich von der Unzulänglichkeit und selbst von den nachtheiligen Einflüssen der verschiedenen Mittel, welche man in Anwendung brachte, um die Seidenzüchtereien gesünder zu machen: wie z.B. des Aufsprizens von Wasser, Wein, Chlorkalk etc., wodurch die Seidenraupen, wie man sagte, aufgewekt werden sollten; des Verbrennens aromatischer Kräuter, wodurch die aus dem Raupenkothe sich entwikelnden schädlichen Gerüche nicht zerstört, sondern im Gegentheile die Luft nur noch mehr verdorben wurde, indem ihr zur Verbrennung ein Theil ihres Sauerstoffes entzogen wurde. Sie fühlten sämmtlich, wie nothwendig es ist, eine Menge der durch die Unwissenheit ausgesonnenen Gebräuche aus den Seidenzüchtereien zu verbannen, und dafür die Insecten in diesen Anstalten ihrem natürlichen Zustande so nahe als möglich zu bringen, ihnen so zu sagen ein künstliches Klima zu schaffen. Sie studirten, um zu diesem Zweke zu gelangen, die zur Gesundheit der Raupen nöthigen Bedingungen, und versicherten sich hiebei gar bald, daß, um mit dem möglich geringsten Aufwande an Blättern die größte Menge schöner Cocons zu erzielen, in den Anstalten eine fortwährende, gelinde Circulation der Luft, eine gleichmäßige Temperatur und ein gleicher Grad von Feuchtigkeit unterhalten werden müsse. Von diesen Principien ausgegangen entstanden die sogenannten Dandolieren, in denen sorgfältige und verständige Seidenzüchter ihre Seidenernten auf das Doppelte steigen sahen. Dessen ungeachtet war aber auch noch das System Dandolo's mangelhaft; indem sich die Feuerheerde in den Seidenzüchtereien selbst befanden; indem die unmittelbare Einwirkung der aus dem Feuer entwikelten Hize und die durch die Verbrennung entstehenden Dämpfe den Raupen nachtheilig waren; und indem man bei schwerer Gewitterluft, wo die Luft schwer circulirt, mit diesen Mitteln nicht ausreichte. Erst als sich Hr. d'Arcet der fraglichen Aufgabe bemächtigte, verschwanden die schädlichen äußeren Einflüsse gänzlich; denn ihm gelang; es mittelst eines einfachen und wohlfeilen Apparates so |53| viel als möglich die oben erwähnten zum Gelingen der Seidenzucht nöthigen Bedingungen herzustellen.

Die Arbeiten der oben erwähnten ausgezeichneten Männer und der geringen Anzahl derjenigen, die sie nachahmten, blieben jedoch leider von geringem Erfolg; denn man dachte zu wenig an Belebung des Eifers dieser Nachahmer, und man that zu wenig für die Verbreitung einer gehörigen Belehrung unter der ganzen Masse, so daß die Aufklärung immer nur auf einen kleinen Kreis beschränkt bleiben mußte. Daher ist der Schlendrian noch immer Herr und Meister der Seidenzüchterei; und daher ist zu fürchten, daß er auch noch über die Leistungen d'Arcet's und einiger großmüthiger Seidenzüchter lange Zeit seine Herrschaft ausüben dürfte, wenn sich nicht starke und kräftige Hände um diesen Industriezweig annehmen; denn die Seidenzucht kann ihrer eigenthümlichen Natur nach nur dann ihre ganze Entwikelung und Vervollkommnung erlangen, wenn sie in einer großen Gesellschaft, in deren Mittelpunkt sich die Arbeiten aufgeklärter und eifriger Männer vereinigen, einen gehörigen Stüzpunkt findet.

Wenn man die Schriftsteller, welche über die Seidenzucht geschrieben haben, nachliest, so wird man sich überzeugen, welche große Fortschritte dieser Industriezweig erst noch zu machen hat, in welchem Grade er einer Aufmunterung und Unterstüzung bedarf, und wie unwirksam selbst diese Aufmunterungen sind, so lange sie partiell und nur die Resultate einzelner bleiben. Man wird finden, von welchem Nuzen es seyn müßte, wenn man für eine Art von Statistik sorgte, worin die jährlich in verschiedenen Gegenden angestellten Versuche und erzielten Resultate zusammengestellt würden; man wird einsehen, welche interessante Versuche noch über den im Inneren der Anstalten zu unterhaltenden Temperaturgrad, über die zur Fütterung der Raupen und zur Erzeugung des Seidenstoffes günstigste Art von Maulbeerbaum, über die Auswahl der zur Fortpflanzung bestimmten Cocons und über die hiedurch bedingte Veredlung der Racen, über die Vortheile, die für die Schönheit der Producte daraus erwachsen dürften, wenn man bloß die zuerst gelegten Eier zur Nachzucht verwendete, über die besten Seidenraupenracen, über die Mittel, um beim Spinnen aus einer bestimmten Quantität Cocons den größten Ertrag an Seide zu erhalten, und über dergleichen mehr anzustellen wären. Alle diese Erfahrungen müßten übrigens, wenn sie ja einen Werth haben sollten, oft und von mehreren Seidenzüchtern zugleich wiederholt werden, weil es eine Menge von Umständen gibt, deren Einfluß man noch nicht gehörig zu schäzen vermag; und |54| weil gerade hier ein Vereinigungspunkt für sämmtliche Arbeiten aufgeklärter und eifriger Männer dringend nothwendig ist.

Wenn nun aus Allem hervorgeht, wie vortheilhaft es wäre, wenn der mittlere und nördliche Theil Frankreichs eben so gut wie der südliche zur Erweiterung und Vervollkommnung der für uns so wichtigen Seidenfabrication beitragen könnten, so bleiben nur noch die Glänzen zu bestimmen, innerhalb welcher die Seidenzucht mit Wahrscheinlichkeit des Gelingens und des Gewinnes möglich ist. In dieser Hinsicht mag es genügen, die Erfahrungen jener ehrenwerthen Oekonomen15) zu Rathe zu ziehen, welche ihre methodischen und wohlüberdachten Anstrengungen den schlecht geleiteten Bemühungen derjenigen entgegensezen, deren unfruchtbare Versuche leider häufig als Beweise angerufen werden. Durchgeht man überdieß noch sämmtliche numerische Daten, sämmtliche für das Gedeihen der drei Zweige dieser Industrie nöthige Bedingungen, vergleicht man die Bedürfnisse des Pflanzers, des Seidenzüchters und des Spinners mit den jeweiligen Localbedürfnissen, so wird man sich überzeugen, daß alle die Demarkationslinien, in welche man die Seidenzucht bisher einschränken zu müssen glaubte, verschwinden; und daß die einzige agricole Schranke gegen dieselbe nur mehr darin bestehen könnte, wenn die der Landwirthschaft ergebene Bevölkerung während der kurzen, zur Seidenzucht erforderlichen Zeit nicht disponibel wäre. Die Natur dieser Art von Gränze wird jeden mit der Sache Vertrauten über die Gefahren beruhigen, die einige aus der größeren Entwikelung der Seidenzucht für die übrigen Kulturzweige erwachsen zu sehen befürchteten.

Diese Abhandlung bildet einen trefflichen Anhang zu dem vorhergehenden und dem bereits früher mitgetheilten Aufsaze d'Arcet's. Wir empfehlen dieselbe um so mehr, als man bei uns noch zu wenig durch numerische Daten nachgewiesen hat, welche financiellen Vortheile die Seidenzucht gewährt; und als die gegenwärtig gelieferten Berechnungen aus Erfahrungen abgeleitet wurden, welche man in der Nähe von Paris, also in einer Gegend, die in Hinsicht auf Klima nicht gar zu sehr von unseren Ortsverhältnissen abweicht, sammelte. Immer mehr ergibt sich hieraus, wie wünschenswerth es ist, daß die Seidenzucht kräftige Wurzeln bei uns fasse, und daß die Bemühungen einiger Vereine sowohl als einzelner Privaten allgemeine Theilnahme, Unterstüzung und Dank finden möchten. Es ist sogar nicht unwahrscheinlich, daß die Seidenzucht bei uns schneller auf eine hohe Stufe von Vollkommenheit gelangen könnte, als in Frankreich; indem es bekanntlich leichter ist den Widerwillen gegen neue Dinge zu besiegen, als das Festhängen am alten Schlendrian auszumerzen. Wenn man bei uns anfangen will, die Seidenzucht nach den d'Arcet'schen Grundsäzen zu betreiben, so wird man es gewiß schneller weiter bringen, als im südlichen Frankreich, wo die Seidenzüchter von so zahlreichen schädlichen Vorurtheilen befangen sind. A. d. R.

|43|

Die Hectare enthält 94,830 Quadratfuß, macht also ungefähr zwei Morgen aus. A. d. R.

|44|

In den Cevennen berechnen sich die jährlichen Kulturkosten, die Interessen nicht mitgerechnet, auf 1 Fr., höchstens 1 Fr. 30 Cent, für 50 Kilogr. Blätter. A. d. O.

|44|

Nur ausnahmsweise, und wenn Noth herrscht, steigt der Preis der Blätter zuweilen auf 10 bis 15 Fr. A. d. O.

|44|

Diese Seidenzüchtereien gelten für ziemlich gut gehalten; denn es gibt welche, in denen man aus der Unze Samen nur 8, 10 und 15 Kilogr. Cocons erzieht. A. d. O.

|45|

Ich mache hiebei eine Concession, welche mir einige erfahrene Seidenzüchter wahrscheinlich zum Vorwurfe machen dürften. A. d. O.

|46|

Die Temperatur soll während eines jeden Alters gleichbleiben; sie ist aber von einem Alter zum anderen eine verschiedene, weßhalb denn auch jeder Seidenzüchter für jedes Alter jene Temperatur annimmt, die er für die geeignetste hält. Gewöhnlich vollbringt man die Zucht bei einer Temperatur von 17 bis 20° C. (13 bis 16° R.), wo sie dann beiläufig 35 Tage dauert. A. d. O.

|49|

Wir sezen bei Aufstellung dieses Verhältnisses voraus, daß man einerseits den durch die doppelten Cocons sich ergebenden Abfall, und andererseits die Flok- und Floretseide, so wie die übrigen bei der Spinnerei bleibenden Rückstände, welche eigens verkauft werden, in Rechnung bringt. A. d. O.

|54|

Wir erwähnen hier unter anderen nur der HH. Beauvais, welche auf den königl. Schäfereien seit 8 Jahren die Maulbeerbaumzucht versuchten, und die, durch ihre günstigen Resultate ermuntert, nunmehr schon 10 Hectaren mit Maulbeerbäumen bepflanzt haben. Sie haben durch ihre Sorgfalt und durch fortwährende Verbesserungen den Ertrag aus einer Unze Samen bereits von 34 bis auf 68 Kilogr. Cocons gesteigert. Im Jahre 1835, wo sie sich des d'Arcet'schen Ventilirapparates bedienten, erzeugten sie aus 8 Unzen Samen mit 4800 Kilogr. Blätter, welche sie auf einer 7 bis 8jährigen, unter einer Hectare fassenden Maulbeerbaum-Pflanzung sammelten, 550 Kilogr. Cocons, die ihnen mit Einschluß der Zwillinge 47,50 Kilogr. Rohseide lieferten. Im südlichen Frankreich rechnen die Spinner bekanntlich 5,50 bis 7,50 Kilogr. Cocons auf 0,50 Kilogr. Seide. A. d. O.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: