Titel: d'Arcet's Anleitung zum Baue der Unschlitt- oder Talgschmelzereien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. XIII. (S. 62–69)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/ar061013

XIII. Anleitung zum Baue der Unschlitt- oder Talgschmelzereien, um die Nachbarschaft gegen die von ihnen herrührenden Unannehmlichkeiten zu schüzen. Abgefaßt von Hrn. F. d'Arcet.19)

Aus dem Recueil industriel, März 1836, S. 148.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Das thierische Fett mit dem Zellgewebe, welches dasselbe umgibt, und mit den benachbarten häutigen Theilen ist im Handel unter dem Namen rohes Unschlitt (suif en branches) bekannt. Um aus diesem das reine Unschlitt zu gewinnen, muß man suchen die Zellchen des Zellgewebes zum Bersten zu bringen und das Unschlitt von den damit vermengten Häuten zu scheiden. Man bedient sich zu diesem Zweke verschiedener Verfahrungsweisen.

Erstes Verfahren. Das älteste und am allgemeinsten befolgte Verfahren besteht darin, daß man das rohe, in kleine Stüke geschnittene Unschlitt einer erhöhten Temperatur aussezt, um die Fettzellen |63| oder Säke bersten und die Häute so zusammenschrumpfen zu machen, daß das geschmolzene Fett aus denselben tritt, und daß man dann aus dem Zellgewebe die möglich größte Menge Fett austreibt, indem man dasselbe in eine Presse bringt, und es in dieser in sogenannte Grieben oder Talgnester (pains de creton) verwandelt. – Bei dieser Methode färbt sich das Fett in Folge der hohen Temperatur, der es ausgesezt wird; es löst sogar einige häutige Theile auf, und es bleibt dennoch viel Fett in den Grieben zurük. Ueberdieß veranlaßt dieses Verfahren sehr unangenehme Ausdünstungen, so wie es denn auch feuersgefährlich ist.

Zweites Verfahren. Das rohe Unschlitt wird hienach, nachdem es in kleine Stüke geschnitten worden ist, auf reinem Wasser oder besser auf einer Salzauflösung geschmolzen. Hiebet bersten die Fettzellen jedoch nicht vollkommen genug; es bleibt zu viel Fett im Zellgewebe zurük, und das gewonnene reine Unschlitt muß überdieß noch ein Mal auf 105 bis 110° Celsius (84 bis 88° Réaumur) erhizt werden, um alles Wasser, welches sich während des Schmelzprocesses damit vermengte, auszutreiben. Uebrigens Ist dieses Verfahren offenbar weniger ungesund und weniger gefährlich, als das erste.

Drittes Verfahren. Das rohe Unschlitt wird durch Dampf geschmolzen, und zwar indem man diesen als Heizmittel, oder auch so anwendet, wie es beim Ausziehen der Knochengallerte geschieht. Man erhält hier wie beim zweiten Verfahren reineres und weißeres Unschlitt, als wenn man über freiem Feuer arbeitet; allein in den Grieben bleibt auch hier zu viel Fett zurük, und man ist gleichfalls gezwungen das in dem Unschlitt enthaltene Wasser auszutreiben, bevor man es in den Handel bringen kann. Dieses Verfahren gewährt daher dieselben Vortheile und Nachtheile, die oben beim zweiten angedeutet worden sind.

Viertes Verfahren. Das rohe Unschlitt wird auf reinem oder mit Salzen geschwängerten Wasser oder auch mit Dampf geschmolzen, und wenn man hiedurch die möglich größte Menge reinen weißen Unschlittes erhalten hat, so werden die Grieben über freiem Feuer noch ein Mal auf dieselbe Weise, wie bei dem ersten Verfahren behandelt, so daß in den Grieben nur so viel Fett zurükbleibt, als man nach der alten Methode darin ließ. In Bezug auf die Ungesundheit und Feuergefährlichkeit steht dieses Verfahren offenbar über dem ersten, aber unter dem zweiten und dritten.

Fünftes Verfahren. Bei dieser Methode, die erst seit 10 Jahren bekannt ist, und welche bisher nur selten im Großen angewendet wurde, geschieht die Schmelzung auf eine von den vorhergehenden |64| sehr verschiedene Methode. Das Zellgewebe und die Häute, die sich in dem rohen Unschlitt befinden, werden hier nämlich mit siedendem Wasser, welches mit Schwefelsäure gesäuert worden ist, aufgelöst; das auf der Oberfläche der Flüssigkeit schwimmende reine Unschlitt wird dann gesammelt, mit heißem Wasser ausgewaschen, und endlich zur Abscheidung des Wassers bei einer Temperatur von 105 bis 110° des hundertgrädigen Thermometers geschmolzen. Man erhält hier mehr Unschlitt als bei den vier vorhergehenden Methoden; allein dafür erhält man keine Grieben, und die in der sauren, auf dem Boden des Kessels zurükbleibenden Flüssigkeit enthaltenen häutigen Theile gehen verloren.20) Der bei diesen Operationen emporsteigende Dampf verbreitet nur wenig Geruch, weil keine Entwiklung von Ammoniak Statt findet. Der einzige Vorwurf, den man diesem Verfahren machen kann, besteht darin, daß man das Abwaschwasser des geschmolzenen Unschlittes, und das im Kessel zurükbleibende, mit thierischen Substanzen geschwängerte, gesäuerte Wasser nicht alt werden und nicht auf die Straße laufen lassen darf.21)

Von diesen fünf Methoden ist unstreitig die erste die ungesundeste, die für die Nachbarschaft lästigste und auch die feuergefährlichste; die vierte ist dieß in einem etwas geringeren Grade; die zweite, dritte und fünfte sind es am wenigsten: auch besteht zwischen ihnen in den angedeuteten Beziehungen nur ein sehr unbedeutender Unterschied.

Wir wollen, nachdem wir diesen Ueberblik über die gebräuchlichen Verfahrungsweisen vorausgeschikt haben, nunmehr untersuchen, welche Verordnungen getroffen werden könnten, um diesen Industriezweig so wenig nachtheilig und unangenehm als möglich zu machen. Die zu Gebot stehenden Mittel zerfallen in allgemeine Vorsichtsmaßregeln und in entsprechende Apparate.

Was erstere betrifft, so soll um die Unschlittschmelzereien weniger ungesund zu machen, den Fabrikanten befohlen werden, keine großen Vorräthe von rohem Unschlitt anzuhäufen, sich keines faulen und bereits von den Würmern angegangenen Unschlittes zu bedienen, die |65| Rükstände ihrer Operationen und die Waschwasser weder zu lange aufzubewahren, noch auf die Straßen abfließen zu lassen, ihre Anstalten rein zu halten, und endlich jede Feuersgefahr sorgfältig zu vermeiden.

In Hinsicht auf die anzuwendenden Apparate muß, wie uns scheint, je nachdem diese oder jene der fünf angedeuteten Methoden befolgt wird, ein Unterschied gemacht werden.

Will man das erste und fünfte Verfahren, bei welchem alles oder ein großer Theil des rohen Unschlittes einer Temperatur ausgesezt wird, bei der die Zellen des Zellgewebes bersten und zusammenschrumpfen, gesünder machen, so muß man die aus dem Kessel emporsteigenden Dämpfe durch dessen Heizstelle leiten, damit sie hiedurch gereinigt oder desinficirt werden, bevor sie durch den Rauchfang entweichen.

Da wo es sich um die zweite, dritte und fünfte Methode handelt, wobei der Talg nur einer Temperatur von 105 bis 110° des hundertgrädigen Thermometers ausgesezt wird, dürfte es dagegen genügen, die aus dem Kessel entwikelten Dämpfe unmittelbar in den Rauchfang zu leiten, und diesem eine solche Höhe zu geben, daß der mit den Dämpfen vermengte Rauch durch Stoßwinde nicht auf die benachbarten Häuser niedergeschlagen werden kann. Unter schwierigen Umständen könnte man jedoch sogar auch hier diese Dämpfe durch die Heizstelle leiten, damit die Nachbarschaft ja keinen Grund zu Klagen haben kann.22)

Hieraus ergibt sich, daß wir keine kostspieligen und complicirten Apparate zu empfehlen haben werden; sondern, daß wir nur einige leichte Modificationen in dem Baue der gegenwärtig gebräuchlichen Oefen anzugeben haben, so daß die Unschlittschmelzer dem fraglichen Zwek ohne merkliche Kostenvermehrung entsprechen können.

Fig. 1 zeigt einen Frontaufriß eines Ofens, an welchem die während des Unschlittschmelzens erzeugten Dämpfe vor ihrem Eintritte in den Rauchfang durch die Heizstelle geleitet werden. Fig. 2 gibt einen senkrechten Durchschnitt desselben nach der im Grundrisse Fig. 3 angedeuteten Linie C, D.

a ist ein kupferner Kessel, der die gewöhnliche Form und eine der Anstalt entsprechende Größe haben kann. b ist der Fenerheerd, |66| c das Aschenloch; d das Thürchen des Heerdes; e die beweglichen Roststangen; f das Thürchen des Aschenloches, welches aus starkem Eisenbleche verfertigt und in einem guten Rahmen aufgezogen seyn muß, damit es diese Oeffnung genau verschließe.

g ist ein kreisrunder Gürtel, der den Kessel gegen die Mitte seiner Höhe horizontal umgibt, und der den Hauptfeuerzug in zwei gleiche Theile abtheilt. Es sind, wie man aus dem Grundrisse Fig. 6 sieht, ungleiche Oeffnungen in demselben angebracht, und die ganze Einrichtung ist so getroffen, daß sich die von dem Heerde aus emporsteigende Flamme symmetrisch rings um den Kessel herum verbreitet, und diesen von allen Seiten gleichmäßig erwärmt. Die Summe der Oeffnungen des Gürtels g muß wenigstens dem Durchschnitte des Rauchfanges gleichkommen.

h ist ein blechener Dekel, der 3 oder 4 Centimeter (1 bis 1 1/2 Zoll) über dem Dekel in horizontaler Richtung angebracht ist, und dessen vorderer Theil i emporgehoben werden kann, wie aus der Zeichnung ersichtlich ist. Dieser Theil i ruht, wenn er geöffnet ist, auf der eisernen Stüze k; er dreht sich beim Oeffnen in dem Charniergelenke l.

m sind Unterlagen aus Mauerwerk, worauf der Dekel zur Rechten und zur Linken des Ofens befestigt ist. n ist eine ähnliche Unterlage, welche dem hinteren Theile des Dekels h als Stüzpunkt dient.

o ist die Umkleidung des oberen Theiles des Kessels. p ist ein in dem Mauerwerke untergebrachtes Röhrensystem, welches, wie aus Fig. 3 ersichtlich ist, rechts und links vom Kessel von der Deke des Ofens ausläuft, in dem Mauerwerke, wie in Fig. 1 durch punktirte Linien angedeutet ist, senkrecht herabsteigt und mit dem Canale v, x communicirt, der selbst wieder bei q in den Boden des Aschenloches mündet.23) Die Summe der Durchschnitte der Canäle oder Röhren p, p muß der Summe der Durchschnitte der Canäle v und x, so wie auch der Mündung, mit der diese Canäle in das Aschenloch münden, gleichkommen. Ueberdieß muß die Summe der Durchschnitte der Röhren q, q, so wie jene der Canäle v, x und die Mündung q beinahe einen doppelt so großen Flächenraum darbieten, als die Oeffnung, welche sich an dem vorderen und oberen Theile des Ofens befindet, wenn der Theil i des Dekels h niedergelassen ist, und auf den Unterlagen m, m ruht.

q ist eine Mündung, durch die der aus dem Kessel emporsteigende |67| Dampf in den Aschenheerd des Ofens gelangt. r ein Feuerzug, durch den der aus dem oberen Theile des Ofens austretende Rauch in den Rauchfang s zieht. t ein Ventil zur Regulirung des Zuges im Feuerheerde und zur Ventilirung des über dem Dekel befindlichen Raumes. Die unter dem Rauchfange angebrachte Oeffnung u endlich dient zur Reinigung des Feuerzuges r und des Rauchfanges s; sie muß genau geschlossen seyn, wenn man sich des Ofens bedienen will.

Fig. 3 zeigt einen Grundriß des Ofens nach Abnahme des blechenen Dekels h, und nach der Linie A, B in Fig. 2 genommen. Man sieht hieraus die Einrichtung der Unterlagen m und n und die Mündungen der Canäle p, p. Die übrigen Theile sind mit denselben Buchstaben bezeichnet.

Dieser Apparat arbeitet auf folgende Weise. Das rohe in kleine Stüke zerschnittene Unschlitt24) wird in den Kessel gebracht, um in demselben nach einer der oben beschriebenen 5 Methoden geschmolzen zu werden. Man zündet zu diesem Behufe auf dem Heerde ein Feuer an, senkt den beweglichen Theil des blechenen Dekels herab, schließt das Thürchen des Aschenloches und beginnt dann die Operation. Das im Voraus angezündete Feuer stellt den Zug in dem Rauchfange her, und dadurch wird die äußere Luft veranlaßt bei der vorderen Oeffnung unter den Dekel des Kessels einzutreten, über die Oberfläche des in Fluß befindlichen Unschlittes wegzuziehen, alle aus dem Kessel emporsteigenden Dämpfe mit sich fortzureißen, und endlich durch die Canäle p, p, v, x und q in das Aschenloch des Ofens zu gelangen. Von hier aus treten diese Dämpfe durch den mit brennenden Kohlen oder anderem Brennmateriale beladenen Rost, um hiedurch gereinigt und von allen in ihnen enthaltenen organischen Stoffen befreit zu werden und um endlich mit der auf dem Heerde verbrannten Luft geruchlos in den Rauchfang zu gelangen.

Man wird hienach die beschriebene Desinfectionsmethode leicht begreifen, und einsehen, wie nothwendig es zu deren vollkommenem Gelingen ist, daß das Thürchen des Aschenloches vollkommen schließe, daß der bewegliche Theil des Kesseldekels während der Schmelzung herabgesenkt werde, daß man in dem Rauchfange immer einen stärkeren Zug herstellen könne, als er in gewöhnlichen Fällen zur Unterhaltung |68| eines guten Zuges im Ofen nöthig ist.25) Was die im Kessel zu verrichtenden Arbeiten betrifft, so kann der Arbeiter zu deren Verrichtung von Zeit zu Zeit den beweglichen Dekel aufheben, um das Unschlitt umrühren oder um das geschmolzene Unschlitt herausnehmen zu können. Will man den Kessel nach Beendigung der Operation reinigen, so braucht man den Dekel nur ganz abzuheben.26)

Aus der oben gegebenen Beschreibung wird man leicht auch die Einrichtung des in Fig. 4, 5 und 6 abgebildeten Apparates, an welchem die aus dem Kessel emporsteigenden Dämpfe unmittelbar in den Rauchfang übergehen, begreifen, so daß wir uns hier kürzer fassen können.

Die Canäle p, p, v, x und q sind hier weggelassen und durch den Canal p ersezt, der unter dem Dekel eine directe Verbindung zwischen dem oberen Theile des Kessels und der Basis des Rauchfanges herstellt. Das Aschenloch braucht hier bei diesem Ventilationssysteme nicht geschlossen zu seyn. Der Dekel h wird auf dieselbe Weise gehandhabt, wie es oben bei Fig. 2 beschrieben worden ist. Die Unterlage n, auf welcher der hintere Theil ruht, braucht nur in ihrer ganzen Breite die Oeffnung p frei zu lassen.

An diesem Apparate vermengen sich die aus dem Kessel emporsteigenden Dämpfe mit der Luft, welche bei der vorderen Oeffnung des Kessels eintritt, um dann mit dieser vermengt durch den Zug des Ofens in die Rauchfangröhre getrieben zu werden, ohne dabei durch den Feuerheerd selbst zu ziehen. Dieser Ofen wirkt weniger desinficirend als ersterer, und es wäre in dieser Hinsicht vielleicht besser gewesen seiner gar nicht zu erwähnen. Wir fanden uns jedoch dessen ungeachtet hiezu veranlaßt, indem dieser Apparat einfacher ist als ersterer, und indem er bei der fünften Methode oder bei der Behandlung des Unschlittes mit Schwefelsäure und vielleicht in allen jenen Fällen genügen dürfte, in welchen die Fabriken von Wohngebäuden etwas weiter entfernt sind, und in welchen man den Rauchängen |69| bedeutende Höhe geben kann. Wir wollten diesen einfachen und wohlfeilen Apparat um so mehr zur allgemeinen Kenntniß bringen, als er für sich allein hinreicht, um das Innere der Fabriken von den unangenehmen Dämpfen zu befreien, die sich fortwährend aus den Schmelzkesseln entwikeln, und als wir die Arbeiter einer lästigen und ihrer Gesundheit nachtheiligen Atmosphäre entledigen wollten.27)

Die hier beschriebenen Apparate gewähren nicht nur den Vortheil, daß sie den Unschlittschmelzereien und vielen anderen Werkstätten, in denen man sich ihrer bedienen will, das Ungesunde benehmen, sondern sie vermindern eben so sehr auch die Feuersgefahren. Sollte nämlich das in dem Kessel befindliche Unschlitt Feuer fangen, so brauchte man nur die vordere Oeffnung des Dekels mit nassen Tüchern zu verstopfen, den oberen Theil des Dekels fortwährend zu befeuchten und das Ventil des Rauchfanges langsam zu schließen, um sowohl das brennende Unschlitt als das Feuer auf dem Feuerheerde auszulöschen.

Der Zwek, den die Verwaltung beabsichtigte, als sie dem Sanitätscollegium gegenwärtige Instruction abverlangte, war nicht bloß Befreiung der Nachbarschaft von den nachtheiligen Wirkungen, welche die Ausdünstungen der gewöhnlichen Unschlittschmelzereien ausüben, sondern auch Verminderung der Feuersgefahr und Entfernung der der Gesundheit nachtheiligen Schädlichkeiten in diesen Anstalten selbst. Sie wird diesen Zwek möglichst erreichen, wenn sie auf genaue Befolgung der in dieser Instruction gegebenen allgemeinen Maßregeln und auf Einführung des in Fig. 1, 2 und 3 abgebildeten Ofens dringt. Der in Fig. 4, 5 und 6 abgebildete Apparat soll nur in den günstigsten Verhältnissen gestattet werden; dafür soll man sich seiner in jenen Werkstätten, in denen das Unschlitt nur umgeschmolzen wird und in den Kerzenfabriken bedienen, um auch diese Industriezweige so gesund und so wenig lästig als möglich zu machen.

Die vortreffliche Instruction, die wir hier geben, wurde von dem Sanitätscollegium in Paris auf Verlangen, der Polizeibehörde durch den Berichterstatter, den hochverdienten d'Arcet, entworfen, und wird in Paris bereits seit dem Beginne des Jahres 1835 mit Strenge gehandhabt. Wir wünschen sehr diese einfache Maßregel auch bei uns eingeführt zu sehen; denn unsere Seifen- und Lichterfabriken gehören leider größten Theils zu jenen, die ganze Straßen in Gestank einhüllen, und die in jeder Hinsicht noch auf einer sehr niederen Stufe der Ausbildung stehen. A. d. R.

|64|

Bis jezt wurde diese Flüssigkeit unbenuzt gelassen; man könnte sie jedoch mit Kalkhydrat, d.h. mit gelöschtem Kalke, sättigen, und dann mit Vortheil unter die Düngermassen mengen. A. d. O.

|64|

Ein Mitglied der Commission hat dieses Verfahren im Großen befolgt, und dabei auf 1500 Theile rohen Unschlittes 750 Theile Wasser und 24 Theile Schwefelsäure von 66° genommen. 100 Theile rohen Unschlittes gaben dabei 92 bis 96 Theile reines. Weitere Details hierüber findet man in einem Berichte, den die Sanitätscommission in Nantes im Jahre 1827 erstattete; in einem Werke, welches Hr. Ch. Lefebure im Jahre 1829 über die Unschlittschmelzerei bekannt machte, im Dictionnaire technologique unter dem Artikel Suif. A. d. O.

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Das Sanitätscollegium in Nantes läßt das rohe Unschlitt in einem geschlossenen Gefäße schmelzen, aus welchem die Dämpfe in einen gehörig eingerichteten Kühlapparat geleitet werden. Das Gelingen dieses Verfahrens unterliegt keinem Zweifel, es scheint uns aber zu complicirt und zu lästig, als daß wir es hier in unserer Instruction anrathen möchten. Weitere Aufschlüsse hierüber findet man in dem bereits oben erwähnten Berichte des genannten Collegiums.

A. d. O.

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Der Canal v, x, Fig. 1 geht durch das ganze Mauerwerk des Ofens; die beiden gegenüberliegenden Mündungen dienen zur Reinigung dieses Canales sowohl als der beiden Röhren oder Canäle p, p; sie müssen genau verschlossen seyn, wenn man sich des Apparates nicht bedient. A. d. O.

|67|

Wenn das rohe Unschlitt zerschnitten worden ist, so ist es gut dasselbe ein oder mehrere Male mit kaltem Wasser auszuwaschen, indem man dann ein weißeres und reineres Unschlitt erhält, als dieß sonst der Fall ist. Wäre das Unschlitt von Würmern angegangen, oder besäße es einen üblen Geruch, so müßte es, bevor man es mit Wasser abwäscht, mit einer schwachen Chlorkalkauflösung desinficirt werden. A. d. O.

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Zur Herstellung eines gehörigen Zuges genügt es dem Rauchfange 8 bis 10 Meter Höhe, und allen Canälen für den Rauch so viel Mal 11 Quadratdecimeter Flächenraum zu geben, als man in einer Stunde 30 Kilogramm Steinkohle zu verbrennen im Sinne hat. Bei einem so starken Zuge kann man den beweglichen Theil i des Dekels ohne Nachtheil mehr oder weniger öffnen, wenn dieß nöthig ist. A. d. O.

|68|

Sollte man zu befürchten haben, daß ein sorgloser Arbeiter den beweglichen Theil des Dekels während des Schmelzens offen stehen läßt, so könnte man auch ein Vorhängschloß anbringen. Man könnte den Kessel auch mit einem falschen beweglichen Boden versehen, um das Umrühren während des Schmelzens zu vermeiden; oder dieses Umrühren könnte mit einem gebogenen Stabe, dessen Griff durch die äußere Oeffnung des Dekels austräte, oder mit einem kreisrunden im Kessel angebrachten und von Oben bewegbaren Agitator bewerkstelligt werden.

A. d. O.

|69|

Zu den Gewerben, welche großen Vortheil aus diesen Apparaten ziehen können, gehören jene, welche das Fett aus den Knochen, den Rinds-, Hammel- und Pferdeklauen gewinnen, die Talgseifen-, Firniß-, Lak- und viele andere Fabriken.

A. d. O.

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