Titel: Reynolds's verbesserte Eisenbahnen.
Autor: Reynolds, John
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. XVI. (S. 85–89)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/ar061016

XVI. Verbesserungen an den Eisenbahnen, worauf sich John Reynolds, Eisenmeister von Oakwood bei Neath in der Grafschaft Glamorgan, am 5. Mai 1835 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Mai 1836, S. 285.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Meine Erfindung besteht in gewissen Methoden, den Schienen oder Platten, auf denen die Räder laufen sollen, in allen ihren Längentheilen eine gleiche Unterstüzung zu geben, damit sie nicht allenfalls durch ein auf ihnen lastendes Gewicht an einem Punkte mehr eingebogen werden können, als an einem anderen. Ich bezweke dieß auf zweierlei Weise; und zwar 1) durch gußeiserne Träger, welche endwärts zusammengefügt, in und auf den vorher gehörig consolidirten Boden gelegt werden, eine solche Breite und Stärke haben, daß sie nirgendwo in einem merklichen oder nachtheiligen Grade durch die darüber rollenden Wagen in den Boden eingedrükt werden können, und endlich so an einander befestigt sind, daß keiner derselben für sich allein und von den benachbarten Schienen unabhängig irgend eine senkrechte oder seitliche Bewegung machen kann. Die Schienen oder Platten, auf denen die Wagenräder zu laufen haben, können entweder mit den Trägern aus einem Stüke gegossen seyn, oder sie können auch aus davon getrennten guß- oder schmiedeisernen Stüken bestehen, welche von einem Ende zum anderen auf oder in den Trägern befestigt sind, so zwar, daß sie entweder ihrer ganzen Länge nach oder in kleinen Zwischenräumen auf diesen aufruhen. Dasselbe bezweke ich 2) durch Träger, welche aus natürlichen oder künstlichen Steinblöken bestehen, die anderwärts zusammengefügt, auf den Boden gelegt oder in denselben eingebettet werden, und eine solche Breite und Tiefe besizen, daß sie unmöglich tiefer in den vorher gehörig consolidirten Boden eingedrükt werden können. Diese Träger werden auf die Kante gelegt, und solcher Maßen mit einander verbunden, daß keiner für sich allein und von seinen Nachbarn unabhängig irgend eine Bewegung machen kann. Die Schienen oder Platten, worauf die Räder zu laufen haben, werden dann auf solche Weise in oder auf der oberen Seite dieser Träger befestigt, daß sie entweder ihrer ganzen Länge nach oder in kurzen Zwischenräumen auf ihnen aufruhen.

Die Formen und Dimensionen, welche ich für die gußeisernen Träger, die Schienen mögen an sie gegossen seyn oder nicht, am |86| zwekmäßigsten halte, so wie die nach meiner Ansicht geeignetsten Methoden die gußeisernen oder steinernen Träger an einander zu befestigen, und die Befestigungsweise der Schienen auf den Trägern, so wie jene Formen und Dimensionen, welche ich für die Schienen am zuträglichsten halte, ersieht man aus den Zeichnungen, zu deren Beschreibung ich nunmehr sogleich übergehen will.

Fig. 62 ist eine seitliche Ansicht und Fig. 63, Nr. 1 und 2, sind zwei Grundrisse der beiden Enden eines gußeisernen Trägers, auf den die Schiene a gegossen ist.

Fig. 64 ist ein Querdurchschnitt durch den zwischen den beiden Enden oder Gefügen befindlichen Theil, woran a die Spur für die Räder ist. Diese Träger können von beliebiger Länge gegossen werden.

Fig. 65 zeigt das Ende A in das Ende B gelegt; der zwischen e und dem Vorsprunge d befindliche Raum ist zur Aufnahme eines Keiles bestimmt, wodurch die beiden Enden so mit einander verbunden werden, daß das eine nicht ohne das andere niedergedrükt werden kann. Zwischen die beiden Enden kann ein Bleiblech, Filz, Pappendekel oder irgend eine andere entsprechende Fütterung gelegt werden. Jene Theile von A, die mit dieser Fütterung und mit den Keilen in Berührung kommen, müssen glatt gemacht werden, damit die durch die Ausdehnung und Zusammenziehung des Eisens bedingte Bewegung leichter von Statten gehen kann. Wenn man will, kann man auch beiden Enden der Träger die bei A ersichtliche Form geben, und sie dann in einem eigenen Verbindungsstüke oder Sattel, woran das Ende B die eine Hälfte darstellt, zusammentreffen lassen.

In Fig. 63, Nr. 2, sieht man die Verbindungstheile oder Gefüge A, B verlängert. Das Ende B hat vier Vorsprünge d, d, d, d, welche zur Aufnahme von zwei Paaren zur Befestigung der beiden Enden dienender Keile bestimmt sind, im Falle man dem Gefüge besondere Festigkeit geben will. Wenn diese Träger gehörig gelegt und endwärts an einander befestigt worden sind, so werden unter sie und an deren Seiten Kies, Steingeröll, Asche und andere derlei Substanzen fest eingerammt und eingestampft, so daß der Boden mit den mit c bezeichneten Rändern beinahe in einer und derselben Fläche liegt.

Fig. 66 ist ein Querdurchschnitt eines gußeisernen Trägers mit einer auf ihm ruhenden, guß- oder schmiedeisernen Schiene a. Zwischen der Schiene und der Rippe q befindet sich ein Raum, in welchen entweder der ganzen Länge nach oder in Zwischenräumen Keile und eine Fütterung gebracht werden. Die an der unteren Fläche der Schiene befindliche Aushöhlung ist angebracht, theils um an Metall zu ersparen, theils auch um derselben einen geringen Grad von seitlichem |87| Spielraume zu geben. x ist eine am Boden laufende Rippe oder Flosse, die man da anbringen kann, wo eine bedeutende Stärke nach der Länge und Seite erforderlich ist.

Fig. 67 ist ein Durchschnitt und Fig. 68 ein Grundriß einer anderen Methode die Schienen an den Trägern zu befestigen. h, h sind Nägel oder Bolzen mit großen Köpfen, welche so zugeschnitten sind, daß sie den Seiten der Schienen entsprechen, und welche an den gegenüberliegenden Seiten der Schienen bis dicht an dieselben eingetrieben werden, so daß hiedurch alle seitliche Bewegung der lezteren verhütet wird. In die Träger sind zur Aufnahme der Nägel oder Bolzen Löcher gegossen, welche entweder diesen angepaßt sind, oder zugleich auch noch zur Aufnahme einer Fütterung aus Blei, Holz oder anderer Art dienen.

Die Nägel oder Bolzen können in Entfernungen von 2 bis 3 Fuß oder in anderen entsprechenden Entfernungen von einander angebracht werden; die Köpfe derjenigen, die sich an der Seite befinden, an welcher die vorspringenden Ränder der Räder zu laufen haben, müssen so eingesenkt seyn, daß sie nicht damit in Berührung kommen.

Fig. 69 ist ein Durchschnitt, woraus man die Befestigungsmethode der schmiedeisernen Schienen an den Trägern ersieht. Die Schienen werden, nachdem sie in der Form a ausgewalzt worden sind, auf die schräg zugeschnittene Rippe oder Flosse q des Trägers gelegt, worauf man dann die Vorsprünge n, n so nach Einwärts treibt, daß sie an der Flosse q anliegen. Auf diese Weise kann man sich solcher Schienen, die mit den Trägern aus einem Stüke gegossen sind, so lange bedienen, bis deren Oberfläche abgenüzt ist, und sie dann noch mit schmiedeisernen Schienen bedeken.

Wollte man die in den Trägern befindliche Aushöhlung zur Leitung von Gas, von Wasser oder irgend einer anderen Flüssigkeit benuzen, so müßte unter der Schiene und rings um die äußersten Enden der Röhren herum ein kleiner Raum gelassen werden, so daß sie hiedurch einen hervorspringenden Rand bekämen. Dieser Raum würde zur Aufnahme eines metallenen Ringes oder einer elastischen Liederung, welche die an einander stoßenden Röhrenenden umfaßt, dienen; man ersieht dieß aus Fig. 70, wo derselbe Theil, der in Fig. 65 im Querdurchschnitte abgebildet wurde, im Längendurchschnitte dargestellt ist. Der Träger B ist mit der Schiene als aus einem Stüke gegossen, oder mit einer auf ihm ruhenden Schiene abgebildet. p und r ist der über und unter den Röhrenenden befindliche Raum, welcher auch rings um sie herum fortläuft; man kann der Außenseite von B eine etwas größere Dike geben als Ersaz für das, was ihr innen zur |88| Erzeugung des für die Liederung nöthigen Raumes genommen werden mußte. Ich bemerke übrigens, daß ich die Idee, hohle Schienen zur Leitung von Flüssigkeiten zu benuzen, keineswegs als neu erkläre, sondern nur die Verbindung dieser hohlen Träger.

In Fig. 70 sieht man die Schiene auf einer mittleren senkrechten Rippe oder Flosse, von welcher in kurzen Entfernungen von einander Winkelbänder l, l auslaufen, ruhen. Die Verbindungsweise ist übrigens ganz so wie da, wo die Schienen auf hohlen Trägern ruhen.

Fig. 72 ist ein Querdurchschnitt eines Trägers, der der ganzen Länge nach mit einer aus einem Stüke gegossenen Sicherheitsleiste t versehen ist. Durch diese soll nicht nur Sicherheit gegen das Ablaufen der Räder von den Schienen geschafft werden; sondern man kann vermöge derselben die Reifen der Räder auch cylindrisch und ohne vorstehende Ränder verfertigen, während man ihnen bisher eine etwas kegelförmige Gestalt geben mußte. Man müßte hiebei an geeigneten Stellen des Gestelles des Wagens kleine horizontale Räder oder Walzen anbringen, und zwar auf solche Weise, daß sie mit dem Vorsprunge der Leiste t in Berührung kämen, so oft die Walzen von ihrer wahren Bahn abweichen zu wollen Miene machten. An dem einen Ende eines jeden der Träger müßte sich gleichwie bei B in Fig. 63 ein Verbindungsstük oder ein Sattel befinden; während das andere Ende, wie dieß durch punktirte Linien u angedeutet ist, mit einem Ausschnitte, der zur Aufnahme des Vorsprunges und des unter diesen getriebenen Keiles diente, versehen seyn sollte. Der an der äußeren Seite des Trägers befindliche Erdboden kann mit dem Scheitel der Sicherheitsleiste gleich hoch gemacht werden.

Fig. 73 ist ein Längendurchschnitt von steinernen Trägern, auf denen eine Schiene liegt. Man sieht bei A und B zwei verschiedene Methoden, die Blöke mit einander zu verbinden; durch die punktirten Linien bei i, i ist angedeutet, wo an der äußeren Seite ein Schlüssel aus Eisen oder aus einem harten Steine eingetrieben werden kann. Bei K sieht man an dem Gefüge B einen eisernen Bolzen, welcher in runde Löcher, die an correspondirenden Stellen in den Stein gebohrt sind, eingelassen ist. Gibt man diesem Bolzen mehrere Seitenflächen, so wird er um so leichter ziehen, indem die Winkel um so mehr in den Stein eingreifen.

Fig. 74 und 75 sind Querdurchschnitte, und Fig. 76 ist ein ebensolcher in vier Mal größerem Maaßstabe, woraus gleichfalls eine Befestigungsmethode der Schienen an den Trägern ersichtlich ist. h, h sind Nägel oder Bolzen ähnlich den bei Fig. 67 und 68 beschriebenen, von denen der eine mit Blei oder Kitt eingelassen ist, während der andere in einen hölzernen, in den Träger eingesenkten |89| Pflok eingetrieben wird. Unter die Schiene wird Bleiblech oder eine andere Fütterung gelegt. Mittelst eines in die Träger geschnittenen Falzes kann auch hier die in Fig. 66 beschriebene Befestigungsmethode angewendet werden. Wenn man den Steinen 20 Zoll Dike gibt, so erhält man eine sehr feste Bahn; übrigens muß sich die Größe der Steine nach den zu Gebot stehenden Steinbrüchen und nach der Festigkeit des Bodens, worauf die Bahn gelegt werden soll, richten. Auch die Dimensionen der gußeisernen Träger können je nach der Festigkeit des unterliegenden Bodens verschieden modificirt werden.

Fig. 77 zeigt eine Sicherheitsleiste t für steinerne Träger; sie besteht aus schmiedeisernen Stäben, welche von eisernen Bolzen oder Klammern, die in gewissen Entfernungen von einander in den Steinblöken festgemacht sind, getragen werden, und die auch hier zur Verhütung des Abweichens der Wagenräder von den Schienen dienen sollen.

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