Titel: Anleitung zur Fabrication des Runkelrübenzukers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. XXVI. (S. 126–136)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/ar061026

XXVI. Anleitung zur Fabrication des Runkelrübenzukers in kleinem Maaßstabe, bekannt gemacht von der Société royale et centrale d'agriculture.

Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. Mai 1836, S. 174.

Gerätschaften. Reibemaschinen. Sie bestehen aus Trommeln, welche mit sägeartig gezähnten Messern besezt sind, die die vorgeworfenen Rüben fassen und sie vermöge der großen Geschwindigkeit, |127| womit sie sich umdrehen, zwischen der eng anliegenden Deke zerreißen.

Pressen. Man wendet hölzerne Pressen mit eiserner Schraube an; es lassen sich sogar die Weinpressen benuzen, wenn man die Größe der Preßplatte auf zwei Fuß im Quadrat reducirt. Man preßt eine etwa drei Fuß hohe Schichte von Preßbeuteln auf ein Mal ab, indem man dieselben paarweise über einander auf die Preßplatte auflagert, welche einen Dekel aus Flechtwerk trägt, damit der abgepreßte Saft sich sammeln und vermittelst angebrachter Dillen abfließen kann; die Preßbeutelpaare werden kreuzweise übereinander gelegt, und jede Schichte wird durch eine Horde von Flechtwerk von der anderen getrennt.

Preßbeutel. Es genügt, das Mark auf ein vierekiges Stük fester, aber weit gewobener Leinwand zu bringen, und sie um dasselbe herumzuschlagen. Dieß geschieht auf einem gewöhnlichen Tische mit kleinen Randleisten, der gegen die eine Seite, wo die Randleiste fehlt, schwach geneigt ist. Mittelst einer Walze, wie sie die Pastetenbäker anwenden, wird dann das in die Leinwand eingehüllte Mark geebnet; ein vor dem Tische befindlicher Trog nimmt den durch die Walze ausgepreßten Saft auf.

Horden von Weidenruthen oder Latten. Man kann diese flachen Horden, welche etwas breiter seyn müssen, als die geebneten Säke, welche das Mark enthalten, aus gewöhnlichen Weidenruthen flechten oder noch besser aus Latten zusammensezen, welche man sechs Linien von einander entfernt und durch eiserne oder messingene Drahte mit einander verbindet; wenn man alle ihre Enden mit einem Stük Weißblech umfängt, so lassen sie sich noch mehr befestigen.

Kübel oder Zuber. Sie werden dauerhafter und bequemer, wenn man sie nicht, wie es gewöhnlich geschieht, mit hölzernen, sondern mit eisernen Reifen binden läßt.

Kessel. Mit einem großen Kessel reicht man aus; er muß in einen Ofen eingesezt werden können, worin er sich sehr schnell erhizen läßt. Auch muß er mit einem Hahn versehen seyn, wodurch man ihn entleeren kann.

Filter. Ein kleiner Zuber, welcher einen Zoll über dem gewöhnlichen Boden noch mit einem anderen durchlöcherten hölzernen Boden versehen ist, läßt sich sehr gut zu diesem Zwek anwenden: man legt ein befeuchtetes Seihetuch auf den zweiten Boden und füllt ihn dann auf 5 oder 8 Mal bis auf 12 oder 15 Zoll Höhe mit angefeuchteter körniger Knochenkohle (von dem Korn des Jagdpulvers) an, die man schichtenweise schwach eindrükt; endlich bedekt |128| man leztere mit einem befeuchteten Seihetuch, welches man mittelst eines durchlöcherten Bodens an seiner Stelle erhält. Das Filtriren geschieht gerade so wie bei Bereitung der Seifensiederlauge.

Schalen zum Abdampfen und Einkochen. Diese Schalen müssen flach und mit Henkeln versehen seyn, damit man ihren Inhalt leicht ausgießen kann; sie dienen um den Saft während der Dauer der Läuterung auf ein Viertel seiner Höhe abzudampfen.

Schaumlöffel. Er muß aus Weißblech oder Kupfer verfertigt und zwei oder drei Mal so groß seyn, wie die in den Haushaltungen gebräuchlichen.

Eimer. Man kann die gewöhnlichen hölzernen Eimer anwenden, die kupfernen sind aber bequemer und dauerhafter.

Schöpflöffel. Derselbe soll eine oder zwei Maaß (2 bis 4 Pfund) Flüssigkeit fassen.

Brenntopf zum Wiederbeleben der thierischen Kohle. Ein weiter und nicht hoher gußeiserner Topf, in welchem man mittelst eines krummen Stabes, der durch das Loch des Dekels gehl, umrührt, läßt sich zu diesem Zwek anwenden.

Hölzerne Formen. Diese Gefäße werden aus hölzernen Dauben verfertigt und mit hölzernen oder eisernen Reifen gebunden. Man kann sich sogar kleiner Fäßchen dazu bedienen, die an einem Ende offen sind und deren Boden mit kleinen Löchern versehen ist. Sie kommen auf Gestellen über die Töpfe oder Schüsseln zu stehen, in welchen man die Abtropfsyrupe oder Melassen sammelt.

Varietäten. Man zieht zur Zukerfabrication allen Varietäten von Runkelrüben die weiße schlesische vor. Ihr Saft ist der reinste und läßt sich daher auch leichter behandeln.

Abblättern. Wenn man den Rüben zum lezten Mal durch Behaken einen neuen Aufwurf von Erde gibt, thut man gut die Blätter zunächst am Boden wegzunehmen, weil sie vollkommen verderben würden und ein gutes Futter liefern.

Rübenernte. Man erntet die Rüben zur Zeit ihrer Reife und sogar schon einige Tage früher mit dem Spaten. Man sticht die unteren Wurzeln ab, schneidet den oberen Theil der Wurzel bis an die Blattstiele mit einem Messer weg31), auch wo möglich die Wurzelfasern, befreit die Wurzel von anhängender Erde und läßt die wunden Stellen zuheilen, ehe man die Rüben in die Vorrathsbehälter |129| bringt, die weggeschnittenen Theile werden als Viehfutter benuzt und wenn man sie hiezu nicht ganz verwenden kann, gräbt man sie an Ort und Stelle ein, wo sie dann einen sehr guten Dünger für den Boden liefern.

Aufbewahrung. Man kann die Rüben, welche sich vor Eintritt eines starken Frostes verarbeiten lassen, in kleinen Haufen in Scheunen und, wenn man sie mit einer acht Zoll diken Schichte Erde bedekt, selbst auf freiem Felde aufbewahren. Der Rest wird in 3 bis 6 Fuß breite und eben so hohe Gruben von beliebiger Länge gebracht; es ist gut in Zwischenräumen von 12 Fuß darin eine Scheidewand von Erde zu lassen.

Man muß die Rüben mit einiger Vorsicht in diese Gruben bringen, damit sie möglichst wenig gequetscht werden; wenn die Grube ganz damit angefüllt ist, bedekt man sie 12 bis 18 Zoll hoch mit geschlagener Erde, die man in Gestalt eines schiefen Daches aufhäuft. In Entfernungen von 5 bis 6 Fuß bringt man Faschinen oder Reisbündel mitten in die Grube und läßt dieselben einige Zoll über die Deke von Erde hinausragen. An einem Ende läßt man die Grube offen und nimmt daselbst jeden Tag die zu behandelnde Quantität Rüben heraus.

Reinigen oder Waschen der Rüben. Diese Operation ist sehr einfach; man braucht die Rüben nur in einem zur Hälfte mit Wasser gefüllten Troge mit einem alten Besen gegen einander zu reiben oder sie in einem Korbe, der in Wasser getaucht ist, zu schütteln.

Bei einem nicht zu festen Boden ist das Abpuzen schon hinreichend, indem dadurch der größte Theil der Erde und der anhängenden Steinchen32) entfernt wird. In einem leichten und nicht steinigen Boden sind die Rüben oft schon rein genug, um ohne Puzen zerrieben werden zu können.

Zerreiben der Rüben. Hiezu sind zwei Personen nöthig; die eine dreht die Kurbel und die andere treibt die Rüben allmählich gegen den Reibecylinder, entweder mit der Hand oder mit einem Leitholz. Wenn man den Reibecylinder durch einen Pferde- oder Ochsengöpel in Bewegung sezen kann, erfordert diese Operation natürlich nur einen einzigen Arbeiter.

Auspressen der Rüben. Wenn das Mark in die Zeuge eingeschlagen ist, zieht man ein wenig Saft aus, indem man die |130| hölzerne Walze über das so eingewikelte Mark hinfährt und schichtet die Säke dann auf die oben bei Beschreibung der Presse angegebene Art auf die Preßplatte auf. Die Presse muß anfangs sehr schwach und dann immer mehr angezogen werden, bis endlich kein Saft mehr austritt: dann schraubt man die Presse auf und fängt wieder eine neue Operation an. Die erhaltene Flüssigkeit wird sogleich der Läuterung unterworfen. Das ausgepreßte Mark läßt sich nicht nur sehr gut als Futter für die Schafe, Ochsen und besonders für die Melkkühe benuzen, sondern auch leicht im Vorrath aufbewahren, wenn man es auf einer Darre oder in einem Bakofen austroknet. Das ausgetroknete Mark kann nämlich in Säken oder Fässern beliebig lange aufbewahrt werden: ehe man es den Thieren zu fressen gibt, befeuchtet man es mit ein wenig Wasser.33)

Man kann auch das täglich erhaltene Mark in einer Cisterne oder einer ausgemauerten Grube anhäufen und mit einer Strohlage bedeken.

Läuterung mit Kalk. Wenn man den Saft so stark erhizt, daß man den Finger nicht mehr darin halten kann, ihn hierauf mit der geeigneten Menge Kalk versezt und dann bis zum anfangenden Sieden erhizt, so gibt er einen starken Schaum und hinterläßt nach einigen Minuten Ruhe die Flüssigkeit klar, aber ohne daß sie den brennenden und urinartigen Kalkgeschmak zu deutlich zeigt; es ist zwekmäßig zuvor durch einen Versuch im Kleinen hienach das geeignete Verhältnis von Kalk auszumitteln; gewöhnlich nimmt man von Ende September bis zum November 6 bis 7 Pfund Kalk auf 1000 Maaß Saft.34)

Man löscht diese Quantität gebrannten Kalks nach und nach mit heißem Wasser ab, so daß man einen ganz gleichförmigen Brei ohne Klumpen erhält und sezt dann noch so viel Wasser (ungefähr das achtfache Gewicht des Kalks) zu, als nöthig ist, um eine dünne Milch zu bilden. Der auf angegebene Weise erhizte Saft wird umgerührt, dann die Kalkmilch zugesezt, hierauf wieder drei oder vier Secunden stark gerührt, worauf man das Gemisch, ohne umzurühren, noch so lange sich erhizen läßt, bis es anfangt aufzuwallen; |131| nun muß man aber sogleich das Feuer zudeken und den Kessel vom Ofen wegnehmen. Man läßt ihn 6 oder 8 Minuten lang stehen und zieht hierauf die klare Flüssigkeit ab.

Behandlung des geläuterten Saftes. Die klare Flüssigkeit wird, indem man den Kessel neigt, in einen Bottich oder einen Behälter abgezogen; aus diesem gießt man sie nach und nach mit dem Schöpflöffel auf das Filter.

Den Schaum und den Niederschlag läßt man auf Leinwand abtropfen, oder noch besser, man schüttet sie beide in Leinwandsäke, preßt sie allmählich mit einer hölzernen Hebelpresse aus und verwendet sie später als Dünger, indem man sie mit Kalkpulver austroknet und dann auf dem Felde ausbreitet.

Erstes Filtriren. Nachdem die Flüssigkeit wie eine Lauge über die gekörnte Kohle filtrirt worden ist, gießt man sie nach und nach in die Schale und dampft sie darin möglichst schnell ab. Man kann hiebei die feine Kohle zusezen, welche sich bei der Wiederbelebung der körnigen von dieser abgesondert hat; ein Theil davon wird sich im Schaum ansammeln und diesen sezt man bei einer zweiten Läuterung zu.

Abdampfen. Man fährt mit dem Sieden fort, indem man mit dem Schaumlöffel umrührt, und beschleunigt es möglichst durch ein starkes Feuer, bis drei Viertel der Flüssigkeit verdampft sind; alsdann gießt man den Syrup in einen Bottich, von welchem aus man ihn in ein zweites Filter, das wie das erste vorgerichtet ist, laufen läßt. Die Abdampfschale wird unterdessen mit dem Saft einer zweiten Läuterung gespeist.

Zweites Filtriren. Dieses zweite Filtriren geschieht wie das erste; wenn es aber beendigt ist, läßt man durch dasselbe Filter den Saft einer anderen Läuterung laufen, worauf man dann so viel Wasser aufgießen muß, daß fast alle zukerhaltige Flüssigkeit aus der Kohle verdrängt wird.

Verkochen. Der eingedampfte Syrup, welcher zum zweiten Mal filtrirt worden ist, kann einige Stunden aufbewahrt werden, ohne daß er sich bedeutend verändert; doch ist es besser, ihn sogleich vollends einzudampfen: dieses lezte Sieden nun nennt man das Verkochen.

Es ist nicht sehr schwer zu leiten, wenn die Läuterung und die beiden Filtrationen gut ausgeführt worden sind und genug thierische Kohle angewandt wurde. Da diese Kohle nicht kostspielig ist, weil man ihr durch Ausglühen ihre wirksamen Eigenschaften wieder ertheilen kann, so nimmt man am besten in jedes Filter 6 Pfd. davon |132| auf 100 Pfd. Saft. Die Reinigung des Syrups, welche sie bewirkt, erleichtert alle Operationen.

Das Verkochen geht in einer runden oder vierekigen sehr flachen Schale leicht und schnell von Statten: man bringt in dieselbe eine bloß zwei Zoll hohe Schichte Syrup und siedet ihn bei lebhaftem Feuer, indem man mit einem kleinen Schaumlöffel umrührt;35) wenn während des Kochens die Menge des Dampfes abzunehmen scheint, ist der Syrup dem Verkochungsgrade nahe; man ist dem rechten Concentrationspunkt schon sehr nahe, wenn die Flüssigkeit vom Schaumlöffel sehr syrupartig abläuft. Ob der Syrup die gehörige Concentration wirklich besizt, erfahrt man dann durch die Fingerprobe; man nimmt nämlich mit dem Fingerende einen Tropfen desselben vom Schaumlöffel und drükt ihn mit dem Daumen und Zeigefinger zusammen; wenn man nun diese beiden Finger von einander entfernt, muß der gebildete Zukerfaden beim Brechen sich krümmen.

Man nimmt nun sogleich die Schale vom Feuer und gießt allen Syrup in einen mit Kupferblech bereiften Trog oder auch in einen großen Kessel, der in einem Kübel steht; in lezterem Falle muß aber der Zwischenraum zwischen beiden mit Lumpen oder Stroh ausgefüllt werden, damit der Syrup nicht zu schnell erkaltet.

Man bringt die Schale hierauf wieder auf das Feuer, gießt sogleich Syrup hinein, dampft denselben eben so wie die erste Portion auf den gehörigen Grad ein und sezt ihn dann jenem in demselben Kühlgefäß zu.

So fährt man fort, bis man in dem Kühlgefäß das Product von vier- oder fünfmaligem Verkochen beisammen hat.

Man kann alsdann, nachdem die ganze Masse schwach umgerührt worden ist, eine oder mehrere Formen oder das Krystallisationsfäßchen damit füllen.

Krystallisation. Um die Bildung der Krystalle zu erleichtern, ist es gut die Formen oder Fäßchen in ein gut geschlossenes Zimmer zu stellen und darin eine gelinde Wärme zu unterhalten, wenigstens für die ersten Krystallisationen; denn wenn man täglich verkochten Syrup in das Kühlgefäß und in die Formen gießt, erhält sich die Temperatur darin von selbst auf dem geeigneten Grade. Jedes Zimmer, welches regelmäßig geheizt wird, eignet sich zu dieser Krystallisation.

Abtropfen. Wenn die ganze Masse gut krystallisirt ist, nimmt man den Pfropf aus der Formöffnung, damit die Melassen |133| auslaufen können. Man hat dabei nur die Vorsicht zu beobachten, daß man die Temperatur beiläufig auf dem Grade derjenigen der Treibhäuser erhalt, damit das Abtropfen nicht zu langsam vor sich geht.

Ist der Rohzuker hinreichend abgetropft, wozu acht bis zwölf Tage erforderlich sind (bisweilen ist dieß jedoch an der Spize bis auf ein Viertel oder ein Fünftel von der Höhe der Form nicht der Fall), so kann man ihn in die Raffinerien liefern oder vorher noch in 2 bis 3 Zoll diken Schichten auf Brettern an einem trokenen und warmen Orte ausbreiten.

Wenn das Abtropfen in einem etwas feuchten Speisekeller lange genug dauert, kann der obere Theil des Brodes sich natürlich reinigen und weiß werden; denn die Feuchtigkeit, welche er nach und nach anzieht, reißt die Salze und auflöslichen fremdartigen Körper mit sich. Man kann also die ganze so gereinigte Schichte auf ein Mal oder mehrere Male wegnehmen, sie troknen und geradezu in der Haushaltung verwenden.

Verkochen der Melassen. Alle Melassen müssen in der flachen Schale wieder verkocht werden und zwar mit noch größerer Vorsicht als der Syrup, weil sie leichter anbrennen: wenn sie von sehr guter Qualität sind, bringt man sie nach dem Verkochen in Formen, um dann auf die unten angegebene Weise den krystallisirten Zuker mit Klärsel zu reinigen; enthalten sie aber wenig Zuker, so mischt man alle beim Verkochen erhaltenen Products in steinernen Krügen, gußeisernen Kesseln, oder auch gut bereiften Fässern zusammen. Nach mehr oder weniger langer Zeit findet eine zweite langsame Krystallisation Statt; man gießt nun die Melasse ab, nimmt die Krystalle mit dem Schaumlöffel heraus und läßt sie in einer Form oder in einem Bottich, dessen durchlöcherter Boden mit einem Seihtuch belegt ist, abtropfen. Wenn dieser Zuker gut abgetropft ist, kann man ihn wie den ersten behandeln, obgleich er nicht so schön ist.

Man kann auch die zweite Melasse noch ein Mal verkochen und daraus eine dritte Krystallisation erhalten, wenn man sie ein Jahr lang in großen Gefäßen stehen läßt. Die auf den Krystallen, welche sich dann absezen, schwimmende Flüssigkeit ist nun als die lezte Melasse zu betrachten und zum Füttern der Pferde, Kühe und Ochsen zu verwenden, indem man sie mit acht Theilen Wasser verdünnt und mit Häkerling von Stroh oder Heu zwölf Stunden, ehe man leztere diesen Thieren zu fressen gibt, vermengt.36)

|134|

Reinigen des Rohzukers mit Klärsel. Diese Methode den Rohzuker zu reinigen, ist leicht auszuführen: es gehört dazu aber ein gut krystallisirter Zuker, und um solchen zu erhalten, muß man den verkochten Syrup in eine Form gießen, sobald man genug davon hat, um sie zu füllen, und dann die Krystallisation ruhig vorschreiten und sich beendigen lassen.

Alsdann bereitet man einen Syrup, das sogenannte Klärsel, indem man gut abgetropften Rohzuker oder auch angefeuchteten und stark gepreßten Melassezuker im dritten Theile seines Gewichts Wasser mit Beihülfe der Wärme auflöst; wenn die Flüssigkeit nahe am Kochen ist, wirft man auf 100 Pfd. Rohzuker ungefähr 3 Pfd. fein gepulverte Knochenkohle hinein; man rührt gut um und sezt dann, indem man nochmals einige Secunden sehr stark umrührt, von zwei Eiern, welche in zwei Maaß Wasser gut abgeschlagen wurden, das Weiß, Gelb und die Schalen zu oder anstatt derselben 1/4 Maaß Blut, das mit 2 Maaß Wasser angerührt ist; man läßt hierauf ohne umzurühren, die Flüssigkeit bis zum Kochen kommen und erhalt sie einige Minuten darin.

Alsdann zieht man die Flüssigkeit klar ab und gießt sie auf ein Filter, welches 8 bis 10 Pfund körnige Knochenkohle enthält; zuerst filtrirt nur Wasser durch, womit diese Kohle angefeuchtet war; man gießt dieses weg und sobald die folgenden Portionen süß ablaufen, sammelt man sie besonders auf, wartet aber bis sie ganz syrupartig sind, um sie als Klärsel aufzubewahren: lezteres bildet also die dritte Flüssigkeit, welche durchfiltrirte.

Mit der zweiten, welche zukerhaltig ist, ohne Syrupconsistenz zu haben, fängt man das Auswaschen des Filters an, welches man mit heißem Wasser beendigt. Das Product, welches man beim Aussüßen des Filters erhalt, benuzt man dann, um neuerdings Zuker zur Klärselbereitung aufzulösen.

Das auf angegebene Weise erhaltene Klärsel dient nach dem Erkalten zum Reinigen gut krystallisirten und abgetropften Zukers. Man ebnet die Oberfläche des Brodes, indem man die am Rande befindlichen Krystalle abkrazt und bedekt sie mit einem Stük Wollentuch, welches vorher in Wasser eingeweicht und stark gestrekt wurde.

Man gießt auf ein Mal nur ein halbes Maaß Klärsel auf ein großes Brod von 55 bis 65 Pfund und wiederholt diesen Klärselzusaz, indem man die Oberfläche vorher jedes Mal ebnet, zwei Tage lang täglich vier Mal; man läßt gut abtropfen und die Operation ist beendigt.

Es wird nun die Spize von den Zukerbroden beseitigt, worauf man dieselben troknet und wie den Rohzuker verpakt. Man kann |135| sich auch der ersten durch Kohle filtrirten und hinreichend eingedampften Syrupe gerade so wie des Klärsels zum Reinigen des Rohzukers bedienen.

Alle unvollständig abgetropften Theile bringt man zusammen in eine einzige Form, worin man sie ganz abtropfen läßt; man kann noch 1 1/2 oder 2 Maaß Syrup aufgießen.

Die ersten Abtropfsyrupe, welche man beim Reinigen oder Deken mit Klärsel erhält, kann man noch über anderen Zuker bringen, der zum Klärseln bereit ist, wodurch sich die Hälfte des für lezteren erforderlichen Klärsels ersparen läßt.

Die ersten unreinen Syrupe von diesem zweiten Klärseln müssen verkocht werden, um daraus Rohzuker zu erhalten.

Die lezten Aussüßwasser der Filter werden endlich, wenn man leinen Zuker zur Klärselbereitung mehr aufzulösen hat, für sich oder mit dem geläuterten Rübensaft eingedampft.

Wiederbelebung der körnigen Knochenkohle. Um die gebrauchte Kohle wieder zu beleben, d.h. wieder wirksam zu machen, muß man sie mehrmals mit Wasser auswaschen; man bringt nämlich die aus den Filtern genommene Kohle in ein oben offenes und zur Hälfte mit Wasser gefülltes Faß und bewegt sie mit einem stumpfen Besen stark in dem Wasser; man läßt die gröbsten Kohlenkörner sich absezen und gießt das trübe Wasser ab; hierauf rührt man sie nochmals in klares Wasser ein und verfährt auf dieselbe Art; dann nimmt man die ausgewaschene körnige Kohle aus dem Fasse und läßt sie in Masse abtropfen. Es ist gut, wenn man sie an der Luft ausgebreitet oder in einem Bakofen, nachdem das Brod herausgenommen ist, troknen läßt; nachdem sie troken ist, erhizt man sie in einem Rösttopf, bis sie in allen ihren Theilen ziemlich braunroth ist oder keine stark riechenden Dämpfe mehr ausgibt; man schüttelt sie dann noch heiß auf einem feinen Siebe, um sie von allem Staub zu säubern; lezterer geht nicht verloren, sondern wird beim ersten Eindampfen des Saftes, wie oben bemerkt wurde, zugesezt.

Ehe man die so behandelte Kohle anwendet, ist es gut, sie noch ein Mal auf dieselbe Art auszuwaschen. Der nach dieser Methode wiederbelebten Kohle braucht man nicht mehr als ein Zwanzigstel neuer körniger Knochenkohle bei jeder Operation zuzusezen.

Wir haben noch zu bemerken, daß es unumgänglich nöthig ist, alle Operationen vom Zerreiben bis zum lezten Abdampfen und sogar bis der Zuker in die Formen kommt, zu beschleunigen; denn |136| wenn man schwach concentrirten Saft oder Syrup stehen ließe, so würde er bald verderben und könnte nicht mehr so reichlich krystallisiren; er würde sogar nach kurzer Zeit nur mehr Melasse anstatt krystallisirten Zukers liefern.

|128|

Man kann den oberen Theil der Wurzel durch drei oder vier Schnitte spizig zuschneiden, so daß die härteren Theile, woran sich die Blattstiele befinden und welche viel weniger Zuker enthalten, beseitigt werden. Diese verwendet man dann mit den kleinen Wurzeln, die man ausschießt, und mit dem ausgepreßten Fleisch als Viehfutter. A. d. O.

|129|

Wenn die Runkelrüben gabelicht sind, ist es besser die kleinen Wurzeln gar nicht zur Zukerfabrication zu verwenden, weil zwischen denselben Steinchen zurükbleiben könnten, welche das gezahnte Messer der Reibemaschine beschädigen würden. A. d. O.

|130|

Man kann auch einen Theil dieses Marks zur Bereitung eines dem Cichorienkaffee ähnlichen Products verwenden; man braucht es nämlich bloß wie Kaffee in einer thönernen Pfanne zu rösten und dann zu mahlen. Man macht es noch angenehmer schmekend, wenn man es nach dem Erkalten in eine Pfanne bringt, worin sich ungefähr ein Viertel seines Gewichts Kaffee befindet, den man zu brennen angefangen hat, die Pfanne verschließt und das Ganze vom Feuer weg gut vermengt; endlich das Gemenge auf einer gewöhnlichen Mühle mahlt.

A. d. O.

|130|

Wir nehmen an, daß die Maaß 2 Pfund Wasser saßt. A. d. R.

|132|

Wenn der Syrup zu stark aufsteigen sollte, müßte man ein Stükchen Butter hineinwerfen, wodurch er sogleich wieder fällt. A. d. O.

|133|

Dieser zulezt bleibende, nicht mehr krystallisirende Syrup, welcher braun und schmierig ist, widrig schmekt und viel salzsauren Kalk enthält, läßt sich vortheilhaft auch zur Branntwein- und Essigfabrication benuzen. A. d. R.

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