Titel: Ueber die Baumwollwaaren-Fabrication in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. XXVIII. (S. 142–152)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/ar061028

XXVIII. Ueber die Baumwollwaaren-Fabrication in Frankreich.

(Fortsezung von Bd. LIX. S. 299.)

§. 1. Baumwollspinnerei.

6. Auszüge aus den Aussagen des Hrn. Sanson Davillier, Fabrikanten von Gisors und Abgeordneter der Handelskammer in Paris.

Unser Haus besizt zwei hydraulische Spinnereien, welche zusammen mit 50 bis 60 Pferdekräften und mit 28 bis 30,000 Spindeln arbeiten. Ihr Werth läßt sich auf 1 1/2 Millionen Franken schäzen, wovon die eine Hälfte für Grund und Boden, Wasserkraft und Bauten, die andere hingegen für die Maschinerien etc. in Anschlag zu bringen ist. In England kommt ein ähnliches Etablissement im Ganzen nur auf 726,000 Fr. zu stehen. Ein guter Spinner führt bei uns mit einem Stükler 400 Spindeln; die allerbesten führen ihrer mit 2 Stiklern 800. Ein guter Spinner spinnt mit 400 Spindeln täglich 11 bis 12 Kil. Gespinnst von Nr. 30/33, und verdient 2 Fr. 50 Cent. bis 3 Fr. 50 C., während der Stikler 75 bis 90 Cent. bezieht. Ein schlechter Spinner liefert um den dritten Theil weniger. Ein guter englischer Spinner führt 7 bis 800 Spindeln, und erzeugt damit 30 bis 33 Kil. Gespinnst von Nr. 40; er verdient 5 Schill. 3 D. bis 5 Schill. 6 D. – Gisors beschäftigt 460 bis 480 Arbeiter; in einer englischen Fabrik von gleichem Umfang genügen ihrer 400. In Frankreich rechnet man das Capital zu 5 bis 6 Proc. Interessen, in England zu 4 bis 5. In Gisors zählen wir auf eine jährliche Capitaltilgung von 10 Proc. an den Maschinen; die Engländer rechnen auf 5 Proc. an Gebäuden und 10 Proc. an Maschinen. – Das Betriebskapital für eine Fabrik wie die fragliche beträgt in Frankreich und England 5 bis 600,000 Fr., bei schlechtem Verkaufe auch 800,000 Fr. – Nr. 40 gilt gegenwärtig in Manchester 4 Fr. 5 Cent. das Kilogr.; in Gisors gilt unser dieser Nummer entsprechendes Garn von Nr. 30/33 5 Fr. bis 5 Fr. 20 Cent. per Kilogr. Es kommt uns selbst auf 4 Fr. 80 Cent. zu stehen; und da die Engländer bei ihrem Preise doch gewiß auch einen Vortheil haben, so ergibt sich, daß sie uns bei jedem Kilogramm um mehr dann 80 Cent. voraus sind. – In England spinnt man alle Baumwollen zu gutem Gespinnste; die schlechtesten, kürzesten und unreinsten Sorten werden gereinigt, mit anderen vermengt und so behandelt, daß sie gutes Gespinnst liefern. In Frankreich hingegen gelingt es gewöhnlich nur aus guter Baumwolle gutes Gespinnst zu erzielen; und mit einigen wenigen Ausnahmen weiß man schlechtere Baumwolle nicht gehörig zu benuzen. Wir haben zwar einige nach den Modellen von Manchester gebaute Maschinen zum Zurichten der Baumwolle; allein sie liefern uns noch keineswegs dieselben Resultate, die sie den Engländern gewähren. Wir spinnen die kurzen amerikanischen Wollen bis zu Nr. 40 und 50 gut; und die Nachfrage nach den damit erzeugten Gespinnsten für mechanische Webereien sowohl, als für Färbereien beweist uns, daß sie wirklich von guter Qualität sind. Dessen ungeachtet müssen wir gestehen, daß das gute englische Garn eine Reinheit, eine Stärke und eine Glätte besizt, die in Frankreich noch nicht erreicht wurde; auch übertreffen die englischen Spulen |143| die unserigen an Regelmäßigkeit und Festigkeit. Uebrigens hat unsere Spinnerei fortwährend große Fortschritte gemacht, Fortschritte, die noch rascher gewesen seyn würden, wenn wir nicht gegen die Gewohnheiten unserer ganzen Bevölkerung anzukämpfen gehabt hätten. Folgende Tabelle mag einen Beleg für diese Fortschritte geben.

Textabbildung Bd. 61, S. 143

Ich habe eine zu gute Idee von unserem Vaterlande, als daß ich nicht glauben sollte, daß wir es mit der Zeit mit den Engländern aufnehmen können; allein dazu ist nothwendig, daß der Zoll auf den Rohstoff aufgehoben, daß der Preis des Eisens herabgedrükt, und daß die Communicationsmittel möglichst erleichtert werden. In 10 Jahren, wenn Friede bleibt, dürften wir unter diesen Bedingungen vielleicht der fremden Concurrenz gewachsen seyn; doch dürfen die Fabrikanten durch nichts gehindert werden ihren Gewinn fortwährend auf Verbesserungen ihrer Fabriken zu verwenden. Ich bemerke nur noch, daß die Engländer in den lezten 10 Jahren keine bedeutenden Verbesserungen in der Spinnerei machten; daß wir es hingegen in den lezten 16 Jahren dahin brachten, daß wir unseren Arbeitern nur mehr 80 Cent. anstatt 1 Fr. 80 Cent. per Kilogramm bezahlen, und daß diese dessen ungeachtet eben so viel verdienen als früher.

7. Auszüge aus den Angaben des Hrn. Ernest Feray vom Hause Feray und Comp. in Essonne und Rouval.

Wir beschäftigen in unseren beiden Spinnereien in Chantemerle bei Essonne und Rouval 1000 Arbeiter, und machen mit einem Betriebscapitale von beiläufig einer Million Franken jährlich für 1,800,000 Fr. Geschäfte. In Rouval spinnen wir Kettengarn von Nr. 24 bis 40 und Eintraggarn von Nr. 24 bis 50; in Chantemerle Kettengarn von Nr. 40 bis 70 und Eintraggarn von Nr. 50 bis 100. Die Spinnerei des Kettengarnes von Nr. 40 bis 70 hat bei uns solche Fortschritte gemacht, daß es der Qualität nach dem englischen Garne gleichkommt; hätten wir eben so wohlfeiles Brennmaterial, wie die Engländer, und wäre das Material zu den Maschinen billiger, so würden wir den englischen Fabrikanten eben so in Hinsicht |144| auf den Preis nicht nachstehen. Die Engländer verdanken die Möglichkeit besser und wohlfeiler zu fabriciren überdieß großen Theils ihren Baumwoll-Zurichtmaschinen, die sie fortwährend jährlich verbessern und deren Ausfuhr sie so sorgfältig verhindern, daß mir eine solche Maschine, die in Manchester nur 3000 Fr. kostete, auf das Doppelte zu stehen kam. Unsere Mechaniker geben sich zwar allerdings alle Mühe gleiche Maschinen herzustellen, allein sie haben so wie wir selbst später angefangen, als unsere Inselnachbarn, und die ganze Zeit unter dem Nachtheile theuerer Rohstoffe und theuren Brennmateriales gearbeitet. – Wir spinnen gegenwärtig mit gleicher Baum: wolle in Nr. 40 und 60 Kettengarn, wie die Engländer; unser Garn kommt auch dem englischen an Güte gleich, nur ist es aus den angeführten Ursachen theuerer, und zwar im Vergleiche mit den Preisen von Manchester um 20 Proc. Dessen ungeachtet glaube ich, daß die Einfuhrerlaubniß selbst bei einem Zolle von 30 Proc. den französischen Spinnereien gefährlich werden würde, indem dieser Zoll vielfach umgangen werden könnte. Man sehe nur wie die Einfuhrerlaubniß der höheren Nummern alle unsere Spinnereien, die in diesen Nummern arbeiteten, erdrükte; und wenn sich allerdings nicht läugnen läßt, daß diese Maßregel noch zu neu ist, als daß ihre Wirkungen vollkommen ausgesprochen seyn könnten, so darf man andererseits nicht vergessen, daß sie gerade in eine den französischen Feinspinnern sehr günstige Zeit fiel. Denn die englischen Feingespinnste waren Anfangs des Jahres 1834 so gesucht, und der Absaz war so rasch, daß die Magazine der Fabrikanten in Manchester beinahe immer leer waren. Was wäre demnach erst die Folge gewesen, wenn die englischen Spinnereien sich im Zustande einer ähnlichen Krisis wie im Jahre 1825 und 26 befunden hätten, in welcher sie ihrer Fabrikate beinahe zu jedem Preise los zu werden suchten? Man hat gesagt in England bestünden nur 3 Spinnereien, welche mit Vortheil Garn über Nr. 143m/m spinnen; aber in Manchester allein befinden sich ihrer 13, und unter diesen zählt jene des Hrn. Mac-Connel 180,000 Spindeln! Dieß mag genügen um zu zeigen, daß die Engländer in Fällen der Krise ihre Gespinnste um jeden Preis bei uns losschlagen würden, so lange Frankreich nur noch etwas davon aufzunehmen im Stande ist. – Will man jedoch von Zeiten der Krise Umgang nehmen, so zeigt folgende vergleichende Zusammenstellung die Verhältnisse, unter denen eine Spinnerei von 25,000 Spindeln in gewöhnlichen Zeiten in Essonne und in Manchester arbeitet.

In Essonne.

Anschaffungskosten der Gebäude und Maschinen 800,000 Fr.
Jährliche Verminderung des Werthes zu 7 1/2 Proc 60,000 –
Interessen des Capitals zu 5 Proc 40,000 –
Brennmaterial für die Triebkraft für 300 Tage 33,750 –
Brennmaterial zum Heizen 8,000 –
Beleuchtung mit Oehl 8,000 –
Zoll für 172,500 Kilogr. Baumwolle zu 22 Fr. 57,950 –
Ankaufspreis der Baumwolle mit Zuschlag der
Transportkosten bis zur Fabrik

574,425 –
Assecuranz 5,000 –
–––––––––
Summa 787,725 Fr.
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In Manchester.

Anschaffungskosten der Gebäude und Maschinen 500,000 Fr.
Jährliche Verminderung des Werthes zu 7 1/2 Proc. 37,500 –
Interessen des Capitales zu 4 Proc. 20,000 –
Brennmaterial für die Triebkraft für 300 Tage 4,875 –
Brennmaterial zum Heizen 1,200 –
Beleuchtung mit Gas 2,000 –
Zoll für eine gleiche Quantität Baumwolle 6,000 –
Ankaufspreis der Baumwolle 517,500 –
Assecuranz 2,500 –
–––––––––
Summa 604,075 Fr.

Hieraus ergibt sich zum Nachtheile der französischen Fabrik ein Unterschieb von 183,650 Fr., oder ein Nachtheil von 20 Proc. den Preis des Kilogramms Gespinnst zu 6 Fr. gerechnet. Ich habe hier in dieser Berechnung den Arbeitslohn nicht in Anschlag gebracht, indem er nach den lezten Tarifen, die ich sah, in Manchester beinahe eben so hoch steht, wie in Essonne. Die Engländer haben aber noch einen anderen Vortheil, und dieser erwächst daraus, daß in einer Spinnerei gewöhnlich nur eine Reihe von Nummern, wie z.B. Nr. 40 bis 50 gesponnen wird; daß sie demnach den Maschinen die diesen Nummern entsprechendsten Einrichtungen geben können; und daß sie folglich mit ihren Maschinen das Maximum des besten Fabrikates erzielen können. In Frankreich ist dieß nicht der Fall; denn hier spinnt eine Fabrik bei dem weniger ausgedehnten Markte, der ihr zu Gebot steht, gewöhnlich alle Nummern von 20 bis zu 100. – Ich bin nach Erwägung aller Umstände der Ueberzeugung, daß gegenwärtig kein Schuzzoll, wie hoch er auch seyn mag, uns hinreichend schüzen würde; bin jedoch weit entfernt zu glauben, daß dieß mit der Zeit nicht anders kommen wird und muß.

8. Auszüge aus den Angaben des Hrn. Anquetil, Abgeordneten der Handelskammer in Paris.

Bei den Verbesserungen, welche seit einigen Jahren in den französischen Fabriken vorgenommen worden sind, sind die Gespinnste derselben bis auf Nr. 100 eben so gut, wie die englischen; da die englischen Fabriken jedoch größer sind, als die unseligen, so können sie schon deßhalb wohlfeiler arbeiten. Im Elsaß wird bei uns am besten gesponnen, dann zu Lille, Saint-Quentin und Paris. Manche Spinnereien spinnen nicht so gut, und daher kommt es, daß wenn englisches Garn nach Frankreich kommt, diesem im Allgemeinen der Vorzug vor dem unseligen eingeräumt wird. Unsere Arbeiter vervollkommnen sich sehr, und zwischen den Produkten eines Spinners der im ersten und jenen eines Spinners, der im vierten Jahre arbeitet, besteht ein Unterschied von 7 bis 8 Proc. In einigen Spinnereien führt ein Spinner 432 Spindeln; gewöhnlich ist deren Anzahl jedoch geringer. In England führt ein guter Spinner 800 bis 1000 Spindeln; dahin dürfte es jedoch bei uns nie kommen, weil unsere Arbeiter nicht so kräftig sind, als die englischen. – Seit dem Jahre 1828 hat sich die Production unserer Spinnereien beinahe verdoppelt, nachdem im Jahre 1826 und 27 die Krisen dieselbe bedeutend vermindert hatten. – Was den Schmuggelhandel betrifft, so ist mir nicht bekannt, daß unter Nr. 80 Gespinnst geschmuggelt wird; auch ist dieß nicht wohl möglich. Ueber dieser |146| Nummer hingegen wird allerdings geschmuggelt; doch glaube ich, daß unsere Fabrication bald solche Fortschritte gemacht haben wird, daß unter Nr. 120 keine Schmuggelei mehr füglich möglich seyn wird. Von den höheren Nummern werden seit Aufhebung des Einfuhrverbotes bedeutende Quantitäten geschmuggelt; und zwar um einen Fr. per Kilogramm niedriger, als die Summe des Schuzzolles ist. Gegenwärtig würde nach meiner Ueberzeugung aus der Aufhebung des Einfuhrverbotes ein großer Nachtheil erwachsen, da die Engländer nur 2 bis 3 Jahre lang Opfer zu bringen hätten, um unsere Fabriken zu erdrüken.

9. Auszug, aus den Angaben des Hrn. Pihet, Maschinen-Fabrikanten in Paris.

Der Preis des englischen Mulejennys wechselt zwischen 4 und 9 Schill. die Spindel; ich verkaufe sie je nach der Qualität zu 7 bis 9 Fr.; in Belgien stehen die Preise beinahe eben so wie in Frankreich. Vor dem Jahre 1830 lieferten wir für das Ausland eben so viele Maschinen wie für Frankreich selbst; wir machten vorzüglich Versendungen nach Belgien, Rußland, Preußen und Spanien. Gegenwärtig bestehen in Gent Werkstätten, die mit uns rivalisiren, obschon Unsere Maschinen der Transportkosten ungeachtet immer noch vorgezogen werden. – Die Fabrication ist bei uns im Zunehmen, und im Jahre 1833 habe ich für nicht weniger als 2,256,665 Fr. 88 Cent. Maschinen an die Fabrikanten abgeliefert, wie meine Bücher ausweisen. Ich habe englische Maschinen gesehen, und besize deren selbst, und kann versichern, daß in Hinsicht auf Vollkommenheit kein Unterschied zwischen diesen und den unserigen besteht.

Etwas wohlfeiler arbeiten die Engländer aber allerdings, besonders was das Gußeisen betrifft. Ich kann demnach die Regierung nur bitten, uns das Gußeisen, das schwedische Eisen und die Steinkohlen wohlfeiler zu verschaffen.

§. 2. Fabrication von Baumwolltull.

Die Tullfabrication datirt sich in Frankreich erst vom Jahre 1820 her; und doch bestanden in Frankreich im Jahre 1833 nach den Aussagen des Hrn. Robert Belin bereits 1500 Tullwebestühle: nämlich 600 in Calais, 450 in Saint-Quentin und in der Umgegend, 100 in Lyon, Sedan, Paris, Rouen und Caën, und 350 in Lille, Roubair und Douai. Von den Aussagen der 7 Deputirten, welche die Tullfabrikanten bei den lezten Handelsuntersuchungen vertraten, ist Folgendes das Wesentlichste.

1. Auszüge aus den Aussagen des Hrn. Mimerel, Abgeordneten der Tullfabrikanten von Roubaix.

Frankreich zählt beiläufig 1500 Tullstühle, und da man auf jeden Stuhl ein Capital von 5000 Fr. rechnen kann, so steken 7 1/2 Mill. in diesen Stühlen. Es ist jedoch zu bemerken, daß dieß nicht der Ankaufspreis ist; denn viele Stühle haben so sehr an Werth verloren, daß sie, obschon sie früher 10,000 Fr. kosteten, gegenwärtig nur mehr 4, 3 und 2000 Fr. gelten. Das Betriebcapital läßt sich ungefähr eben so hoch anschlagen wie das liegende Capital, so wie es der Hälfte der Production gleichkommt. Mit Einschluß der Stikereien beschäftigt die Fabrication gegen 50,000 Personen.

Vor der Aufhebung des Einfuhrverbotes der feinen Baumwollgespinnste arbeiteten beinahe 2/3 der Stühle mit geschmuggeltem Garne. Seit der Aufhebung |147| des Verbotes Werden gegen 12,000 Kilogr. Garn vermauthet und dieses Quantum ist das, was unsere Fabrikanten in einem Monate verarbeiten können. Da die Schmuggelei diese Einfuhr bedeutend überstieg, so folgte hieraus ein solches Sinken der Preise, daß unsere Spinnereien die feineren Nummern aufgeben mußten.

Die Tullfabrication dürfte wahrscheinlich abnehmen, indem die Mode eine andere Richtung zu nehmen scheint. Wir führen keinen Tull aus, im Gegentheile wird englischer bei uns eingeführt; ich glaube auch, daß unsere Fabrikanten das Einfuhrverbot der fremden Tulle unter keinerlei Umständen entbehren können. Vergebens wendet man dagegen ein, daß, indem englischer Tull eingeschmuggelt wird, es besser wäre, das Verbot in einen Schuzzoll umzuwandeln. Denn der Schmuggelei ungeachtet finden die Fabrikate unserer 1500 Stühle dennoch Absaz; ja die Zahl der Stühle ist vom Jahre 1827 bis zum Jahre 1833, ungeachtet fremdes Garn geschmuggelt werden mußte, von 400 auf 1500 gestiegen.

Was die Gestehungspreise der französischen und englischen Fabrikate betrifft, so kommt dasselbe Stük glatter ordinärer Tull von 10 Ellen und 6/4 Breite, welches dem englischen Fabrikanten 19 Fr. 30 Cent. kostet, dem französischen auf 30 Fr. 60 Cent. zu stehen. Es ergibt sich also ein Unterschied von 11 Fr. 30 Cent. oder von 58 1/2 Proc., wovon der größte Theil auf Rechnung des höheren Preises, den wir für die Baumwolle zahlen, zu sezen ist. Jedes Mal nun, wo bei einem so leichten Artikel, wie der Tull ist, ein Unterschied von 58 1/2 Proc. Statt findet, wird es der Mauth nie gelingen, die Schmuggelei zu unterdrüken. Gegenwärtig ist dieselbe überdieß auch noch deßhalb sehr bedeutend, weil die Engländer große Tullvorräthe aufgehäuft haben, und sie auf jede mögliche Weise, selbst mit Verlust, loszubringen suchen müssen. Die Lage der französischen Fabrikanten hat sich hiedurch in lezter Zeit auch wesentlich verschlimmert. Wollte man das Einfuhrverbot durch einen Schuzzoll von 30 Proc. ersezen, so hieße dieß die französischen Tullfabrikanten, die, wie gesagt, um 58 1/2 Proc. theurer arbeiten, vernichten. Selbst wenn man die Garneinfuhr ganz freigeben wollte, was ich übrigens für unmöglich halte, würde zum Nachtheils der französischen Fabrication noch ein Unterschied von mehr als 30 Proc. bestehen; und dieser Unterschied würde durch den Zoll nicht ausgeglichen werden, da der englische Tull mit einer Assecuranzprämie von 15–20 Proc. eingeschmuggelt wird. Die französischen Tullfabrikanten würden daher im äußersten Falle lieber in Erneuerung des Einfuhrverbotes der feinen Baumwollgarne, als in Umwandlung des Einfuhrverbotes der englischen Tulls in einen Schuzzoll willigen. Was endlich die Anwendung einer Marke zur Verhütung der Schmuggelei betrifft, so muß ich bemerken, daß dieß unmöglich ist, indem der Tull streifenweise verkauft wird, und indem jede Breite mehr als 100 Streifen enthält.

2. Auszüge aus den Aussagen des Hrn. Robert Belin, Abgeordneten der Tullfabrikanten in Saint-Quentin.

Unsere Fabrication hat innerhalb 15 Jahren große Fortschritte gemacht, so daß wir gegenwärtig für 75 Cent. herstellen, was wir im Jahre 1823 zu 6 Fr. 50 Cent. verkauften, und daß wir die Façon, die damals 3 Fr. galt, jezt zu 3 Sous bezahlen. Obwohl das Material in den lezten Jahren 75 Proc. an Werth verlor; und obschon die Fabrikate selbst seit 6 Monaten |148| um 40 Proc. fielen, so zweifle ich doch nicht, daß, wenn die Regierung uns beherzigt, wir einer günstigen Zukunft entgegensehen dürfen. Folgende Tabelle gibt eine Zusammenstellung des allmählichen Sinkens der Preise.

Textabbildung Bd. 61, S. 148

Das in unseren Tullfabriken stekende Capital kann zu 31 1/2 Mill. Fr. angenommen werden, wovon 15 Mill. auf das Material, 1 1/2 Mill. auf den Werth der Gebäude, und 15 Mill. auf Betriebscapital kommen. Unsere Arbeiter verdienen täglich 1 1/2 – 3 Fr., die Weiber 1 – 1 1/2 Fr., und die Kinder 50–75 Cent.

Die Reduction des Preises der Façon rührt großen Theils davon her, daß unsere Maschinen bedeutend verbessert wurden, und daß der Arbeiter daher weit mehr erzeugt; zugleich ist aber auch der Arbeitslohn bedeutend gefallen. Im Jahre 1823 verdiente ein Arbeiter des Tages oft 15 bis 20 Fr.; ja wir mußten manchen englischen Mechanikern 50 Fr. des Tages bezahlen. Wir zahlen 3 Fr. für den Rack und dergleichen vollendete der Arbeiter 7–8; gegenwärtig erzeugt er ihrer 15–20.

Unsere 1500 Stühle können 13 Mill. Racks rohen Tull erzeugen, welche zu 75 Cent. gerechnet, eine Summe von 9,750,000 Fr. vorstellen. Rechnet man hiezu das Stiken mit 20 Mill. Fr. und das Appretiren etc. mit 10 Proc. oder mit 2,975,000 Fr., so gibt dieß im Ganzen eine Summe von 32,725,000 Fr. Wir verwenden dazu 390,000 halbe Kilogr. gedrehtes Garn von Nr. 180 bis 200, und eine geringe Menge von Nr. 120 zu Säumen etc.

In Saint-Quentin und in der Umgegend, wo 12 Hauptfabriken (von denen drei mit Triebkräften arbeiten) und viele kleine zu 4 Stühlen und darunter bestehen, zählt man 450 Stühle, welche 4 1/2 Mill. Fr. kosteten; der Werth der Gebäude läßt sich auf 450,000, jener von drei Appretirfabriken auf 300,000; das Betriebscapital auf 5 Mill. Fr. anschlagen. Damit werden 4 Mill. Racks roher Tull zu 75 Cent., also im Werthe von 3 Mill. erzeugt; rechnet man hiezu noch die Stikerei mit 4 Mill., und das Bleichen und Appretiren mit 700,000 Fr., so gibt dieß einen Werth von 7,700,000 Fr. Der Verbrauch an Baumwolle beläuft sich auf 117,000 halbe Kilogr. Das Personal besteht aus 800 Tullisten, 160 Helfern, 150 Bleichern und Appretirern, 15,000 Stikerinnen etc., im Ganzen aus 16,100 Arbeitern.

Was den Unterschied zwischen den englischen und französischen Gestehungspreisen betrifft, so beträgt dieser bei der Baumwolle, Nr. 180 als Mittel angenommen, 5 Fr. 48 Cent. oder 42 Proc.; bei dem Tull hingegen, einen Rack zu 76/11 als Mittel genommen, 19 Cent. oder 35 Proc. Würde der auf das Baumwollgespinnst gelegte Zoll aufgehoben, so würden wir nur mehr um 10 Proc. theurer fabriciren als die Engländer, und zugleich wäre der Schmuggelei der Todesstoß gegeben, da die englischen |149| Tulls nur mit 33 Proc. Kosten und Prämie auf unseren Markt gelangen können. Meine Angaben, welche ganz genau sind, weichen deßhalb von jenen der Fabrikanten in Lille ab, weil diese von Gespinnst Nr. 170 ausgingen, wobei allerdings der Unterschied bis auf 50 Proc. steigt. Der meiste Tull wird jedoch aus Nr. 180 erzeugt.

Obschon der auf die höheren Baumwollgespinnste gelegte Zoll noch immer zu hoch ist, so halte ich es doch für eine großherzige Maßregel, daß die Regierung das Einfuhrverbot für die über Nr. 143 steigenden Nummern auf, hob. Nirgendwo zeigte sich auch diese Notwendigkeit schlagender, als hierin; denn eine 18jährige Erfahrung offenbarte hier die Absurdität des absoluten Verfahrens, indem die Tullfabrication immer 11/12 ihres Bedarfes an Gespinnst aus England bezog. Durch diese Wohlthat wurde die Schmuggelei bedeutend vermindert, indem die Preise um Vieles sanken. Ich weiche hierin von mehreren meiner Vorgänger, namentlich von Hrn. Abiet ab, der behauptet, die Schmuggelei sey nie größer gewesen, als in den lezten 6 Monaten. Der Tull muß auch wirklich gegenwärtig in geringerer Menge eingeschmuggelt werben, als früher, weil die englische Waare durch die Prämie und die übrigen Kosten um 33 Proc. theurer wird, und also der unserigen gleich, wo nicht höher zu stehen kommt. Anders verhält sich dieß mit den Baumwollgespinnsten, welche bei dem Zolle von 42 Fr., den sie noch immer zahlen, immer mit Vortheil geschmuggelt werden. Ich verlange daher Herabsezung des Zolles auf die feinen Gespinnste; denn dann könnten wir wohlfeiler fabriciren, und dann könnten wir unsere Kräfte mit mehr Erfolg gegen die fremde Concurrenz richten.

Ich nehme lebhaften Antheil an unserer Baumwollspinnerei; allein ich habe ihr auch jederzeit bewiesen, daß sie für die Tullfabrication nur wenig lieferte, und daß ihr Fabrikat so schlecht ist, daß wir das englische lieber um 10 bis 15 Proc. theurer bezahlen, als das ihrige. Das Baumwollgespinnst beträgt beinahe zwei Dritttheile des Gestehungspreises der Tull.

Die Ausfuhr unserer Tullfabrikanten beschrankt sich auf einige Stikereien von Metz, Nancy und Saint-Quentin; einige 50 Stühle ungefähr erzeugen schwarzen Seidentull für Spanien.

Die Vorzüge, welche die englische Fabrication vor der unseligen voraus hat, beruhen auf den niedrigeren Baumwollpreisen, auf der größeren Gewandtheit der Arbeiter und auf der größeren Güte der Maschinen. Was unsere Maschinen betrifft, so sind die Gerippe französische Arbeit, während wir einige der inneren Theile aus England kommen lassen; doch sind die Schwierigkeiten und Kosten hiebei so groß, daß man sich oft lieber mit französischen, wenn auch minder vollkommenen Maschinen begnügt. Unsere Mechaniker haben zwar die englischen Systeme nachgeahmt, allein sie sind immer noch etwas hinterdrein. Wie weit übrigens die Vervollkommnung der Maschinen gediehen, ergibt sich daraus, daß man früher des Tages nur 8–10 Racks Tull auf einem Stuhle erzeugte, während gegenwärtig zwei Arbeiter 30 bis 40 und selbst 50 Racks liefern.

Französischer appretirter Tull ist in den niedrigeren Sorten von dem englischen nicht zu unterscheiden; in den höheren Sorten gibt es zuweilen einige leichte Unterschiede, die auf den Ursprung führen können. Leichter ist der Ursprung zu entdeken, wenn die Waare noch roh ist. Die belgische Concurrenz haben wir wenig zu fürchten; denn nur in Gent und Antwerpen sind |150| mir einige Tullfabriken bekannt; diese beziehen das Gespinnst aus England gegen einen Zoll von 3 Proc.

Ich glaube, daß die Aufhebung des Einfuhrverbotes der französischen Weberei, besonders aber der Tullfabrication sehr nachtheilig werden müßte. Leztere ist nämlich noch nicht weit fortgeschritten, von ziemlich neuem Ursprünge, und entbehrte oft des zu ihrem Betriebe nöthigen Materiales, oder konnte sich dasselbe nur um 42 Proc. theurer verschaffen, als die Eng-linder. Ein Schuzzoll ließe sich bei einem so leichten Artikel, wie der Tull, nicht ausführen; denn alle Marken etc. sind hier unthunlich oder unzureichend. Unsere Tullfabrikanten verlangen daher Beibehaltung des Verbotes; Aufhebung der Zölle, die auf die Gespinnste über Nr. 143 gelegt sind, oder wenigstens Verminderung derselben um 3/4; größere Wachsamkeit an der Gränze; Aufrechterhaltung der Verordnungen, und Revision der Geseze über die Jury, welche über verbotene Waaren zu entscheiden hat.

3. Auszüge aus den Aussagen des Hrn. Smith, Abgeordneten der Tullfabrikanten in Calais.

In Calais und in der Umgegend bestehen gegenwärtig 600 Tullstühle; eine größere Anzahl zählte man nie. Ein kleiner Theil dieser Stühle gehört den Arbeitern; der größere Theil ist Eigenthum von Capitalisten. In den Maschinen mögen 3 1/2 Mill. Fr. steken; auf jeden Stuhl kann man ein Betriebscapital von 1000 Fr. rechnen. Wir zahlen den Arbeitern 42 Cent. per Elle für die Façon, womit sie jedoch kaum leben können; ginge die Fabrication besser, so würden wir 69 Cent. zahlen, und dann könnte jeder Arbeiter des Tages 50 Sous verdienen. Auf unsere 600 Stühle kommen 1200 Arbeiter, und außerdem noch 3600 Weiber und Kinder. Calais mag wöchentlich 900 Stük Tull zu 33 Ellen erzeugen.

Unsere Maschinen kosteten uns anfänglich bis gegen 20,000 Fr.; seit sie in Calais verfertigt werden, kommen sie auf 5000 Fr.; die Maschinen mit Rotation gelten noch 10 bis 11,000 Fr. Von England beziehen wir zum Theil noch das Innere der Maschinen, wofür wir jedoch in England die Schmuggelprämie und bei uns 15 Proc. Einfuhrzoll bezahlen müssen.

Wir verarbeiten nur wenig Garn von Nr. 170; meistens Nr. 180 oder 190; je wohlfeiler der Tull wurde, um so höhere Nummern nahm man, so daß wir gegenwärtig selbst Nr. 219 und 220 verarbeiten. Vor Aufhebung des Einfuhrverbotes kamen diese hohen Nummern beinahe nie in Anwendung, indem wir unsere ordinären Tulls gut verkauften, während die feinen, mit denen wir nicht Concurrenz halten konnten, eingeschmuggelt wurden. Wir verarbeiteten vor Aufhebung des Verbotes der englischen Gespinnste dennoch solche, die jedoch für französische ausgegeben wurden. Die Assecuranzprämie der Schmuggler betrug früher 25–30 Proc.; gegenwärtig, wo die Schmuggelei organisirt ist, ist sie auf 10 Proc. gesunken. Die meisten Schmuggeleien geschehen im Einverständnisse mit einigen gewonnenen Individuen von der Mauth; so zwar, daß man gegenwärtig das Paket englischen Gespinnstes innerhalb der ersten Mauthlinie für 2 Fr. 50 Cent. haben kann. Die französischen Spinnereien verloren hiebei nichts; denn sie verkauften keine so feinen Nummern. Ihre feinen Gespinnste taugen auch nicht für eine gangbare Waare, da die französischen Baumwollen kurz, ungleich gesponnen und ungleich gedreht sind.

Die feineren Gespinnste sollen unserer Ansicht nach zollfrei eingeführt |151| werden dürfen, indem wir sonst zu fabriciren aufhören müssen. Gegenwärtig stehen bereits 300 unserer Stühle, und die übrigen erzeugen kaum die Hälfte von dem, was sie erzeugen könnten. Paris ist nur geschmuggelten Tulls überführt; Lyon erhalt sie über die Schweiz aus England, und Calais, welches früher beide Orte versorgte, erhält keine Aufträge mehr. Seit einem Jahre werden die Tulls von Nottingham mit 92 Proc. Rabbat, d.h. von dem Preise, wo das Sinken begann, verkauft. Die Assecuranzprämie bei der Tullschmuggelei ist beinahe dieselbe, wie jene bei der Gespinnstschmuggelei. Der rohe Tull wird zum Behufe des Schmuggelns so zusammengepreßt, daß ein Stük von 100 Racks kaum ein größeres Paket ausmacht als eines von 2 Pfd. Garn.

Das einzige Mittel gegen die Schmuggelei ist Freigeben der Einfuhr der Garne über Nr. 180, wodurch auch der französischen Spinnerei kein Nachtheil erwüchse, da die angeblich französischen Gespinnste von höheren Nummern sämmtlich aus England kamen und in Frankreich nur schlecht gedreht wurden. Allein selbst bei diesem Freigeben des Materiales müßte das Verbot der fremden Tulls noch mehrere Jahre beibehalten werden, damit wir uns von den seit 3 Jahren erlittenen Verlusten erholen könnten. Fünf Jahre vom Datum der Freigebung an dürften vielleicht genügen. Können wir unser Gespinnst ohne Zoll beziehen, so sinkt der Unterschied zwischen den englischen und unseren Fabrikaten auf 22 bis 23 Proc. herab; und rechnet man die Schmuggelassecuranz zu 15 Proc., so bleibt nur mehr ein Gewinn von 8 Proc., der nicht sehr zur Schmuggelei ermuntert. Gegenwärtig können wir uns unmöglich mit einem Schuzzoll von 23 Proc. begnügen; denn wir verlieren gegenwärtig 10 Proc. an den Erzeugnissen unserer Stühle, und 75 Proc. an dem in unsere Fabrikation gestekten Materiale.

4. Auszüge aus den Aussagen des Hrn. Vaillant, Abgeordneten der Fabrikanten von Calais.

Ich stimme meinem Collegen Hrn. Smith bei, und verlange für die Tullfabrikanten Aufhebung oder bedeutende Herabsezung des Zolles der englischen Feingespinnste und kräftigere Unterdrükung der Schmuggelei, wo dann vielleicht nach einiger Zeit das Einsuhrverbot fremder Tulls aufgehoben werden kann. Gegenwärtig ist unsere Fabrication in einem sehr traurigen Zustande; denn sie hat sich um 2/3 vermindert und Alles ist gesunken. Vor 14 Tagen (Oktober 1834) bot man einem Lyoner Kaufmann 4 Tullstühle, die wenigstens 20,000 Fr gekostet hatten, zu 5000 Fr. an, und er fand sie noch zu theuer!

Den ersten Tullstuhl brachte ein Engländer nach Calais, wo er sich niederließ. Dieser Stuhl diente für die übrigen als Muster. Seither befinden sich in Calais mehrere englische Fabrikanten, die jedoch größten Theils mit dem ersten Stuhle als einfache Arbeiter zu uns kamen. Als die Fabrication emporkam, verwendeten einige unserer Fabrikanten zur Kette Garn von Nr. 160, welches in Lille gesponnen ward, einen ziemlich gleichen Faden zeigte, und in Hinsicht auf den Preis einige Vortheile darbot, indem damals die Schmuggelprämie auf englisches Garn sehr hoch stand. So wie aber die Einfuhr höherer Nummern gestattet wurde, verlangte die Mode schönere Tulls; wir nahmen daher Nr. 170 und stiegen bald zu höheren, so daß wir jezt nur mehr halb und ganz feine Tulls fabriciren. Selbst wenn aber die Mode wieder gröbere Tulls verlangte, würden wir statt des Liller Gespinnstes |152| von Nr. 160 lieber englisches von Nr. 170 anwenden, indem dieses in Bezug auf Feinheit und Stärke einen Vortheil von wenigstens 5 Proc. gewährt. Der englische Faden aus den besseren Fabriken von Manchester ist viel besser gedreht als der französische.

Selbst bei freier Einfuhr des feinen Gespinnstes müßte für unsere Fabriken das Verbot der fremden Tulls wenigstens noch 5 Jahre aufrecht erhalten werden; denn sonst würden sich in Paris, wo man jezt wenigstens offen keinen englischen Tull zu verkaufen wagt, gleich englische Niederlassungen bilden, die die bei uns eingerissene Anglomanie zu unserem Nachtheile ausbeuten würden, obschon der Tull von Calais dem englischen nicht nachsteht.

Unsere Fabrication ist seit der Juliusrevolution fortwährend gesunken; vor dieser verkauften wir unsere Waare leicht und mit einigem Vortheile; seither aber scheint in England eine Krise eingetreten zu seyn, oder England hat vielleicht einen seiner Absazwege in Spanien und Portugal verloren, so daß Frankreich dafür mit geschmuggelten englischen Tulls überschwemmt ist. In Frankreich hat der Verbrauch an Tull unter der wohlhabenden Classe abunter der mittleren zugenommen; er ist jedoch bisher noch nicht bis dahin gedrungen, wohin er dringen könnte, und wo er angelangt unserem Industriezweige großen Aufschwung geben würde.

Das Freigeben der Einfuhr feinerer Gespinnste würde unseren Spinnereien nicht schaden; denn sie spannen des Verbotes ungeachtet höchstens nur so viel als nöthig war, um die Schmuggelei, die sie mit den feinen englischen Gespinnsten trieben, und bei der sie 10–20 Proc. Gewinn machten, zu bemänteln. Sie konnten übrigens auch keine so guten feinen Gespinnste liefern, wie die Engländer; denn die hiezu nöthige Georgia-Baumwolle wird von den Engländern an Ort und Stelle aufgekauft, so daß nur die zweite, von diesen ausgeschossene Qualität nach Lille kommt. Uebrigens muß auch ich bemerken, daß gegenwärtig, wo das Verbot aufgehoben, der Zoll aber noch zu hoch ist, die Schmuggelei der englischen Feingespinnste mit Einverständniß von Mauthbeamten so organisirt ist, daß man in Dünkirchen und Bergues englisches Garn, Nr. 180, welches in Dover 25 Fr. kostet, zu 27–27 1/2 Fr. in Menge haben kann. Die Schmuggelei geschieht über Belgien, und hat seit der Trennung Belgiens von Holland sehr zugenommen, so daß die Prämie von 30 auf 10 Proc. herabfiel.

(Fortsezung folgt.)

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