Titel: Miszellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. XXIX. (S. 152–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/ar061029

XXIX.  Miszellen.

Carter's Chronometer.

Bei der am 1. April l. J. geschlossenen Preisebewerbung, welche jährlich an dem königl. Observatorium in Greenwich unter den Chronometern verschiedener Künstler Start fand, wurde abermals ein Chronometer des Hrn. John Carter in London 207 Tooley-Street, und zwar jenes, welches die Nr. 160 trägt, mit dem Preise beehrt. Von 64 Chronometern, welche im März 1835 auf das Observatorium gebracht wurden, war im Januar 1836 nur mehr jenes des Hrn. Carter übrig, da alle übrigen bereits besiegt waren. Der größte Irrthum, der sich an diesem innerhalb 12 Monaten zeigte, betrug 1,47 Secunden! Die Regierung hat für die Zukunft alle weiteren Chronometerproben eingestellt. (Mechanics' Magazine, No. 662.)

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Capital, Ertrag und Verkehr an den vorzüglichsten Eisenbahnen in England.

Das Mechanics' Magazine enthält in dieser Hinsicht in seiner No. 670 folgende Zusammenstellung, welche aus den Untersuchungen, die von den Parliaments-Commissionen in dieser Beziehung angestellt wurden, entnommen sind.

Textabbildung Bd. 61, S. 153
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Ueber die Eisenbahnen in den Vereinigten Staaten.

Nach glaubwürdigen Angaben, schreibt das American Railroad Journal, haben die gegenwärtig in den Vereinigten Staaten im Baue oder in der Ausmessung befindlichen Eisenbahnen zusammen eine Länge von 3000 engl. Meilen. Jeder Yard der hiezu erforderlichen Schienen wiegt 62 1/2 Pfd.; da eine Meile 1760 Yards hat, so braucht man. für jede Meile einer doppelten Schienenbahn 238 Tonnen Eisen, abgesehen von den Ketten, Schrauben, Bolzen etc. Man kann daher füglich 250 Tonnen Eisen auf jede englische Meile rechnen, wonach also auf obige 3000 Meilen 750,000 Tonnen Eisen kommen. Die Nachfrage nach Schieneneisen für Amerika ist deßhalb in England auch so außerordentlich gestiegen, daß dasselbe Stabeisen, welches vor einem Jahre an den Eisenwerken in Wallis zu 6 Pfd. 10 Schill. bezahlt wurde, gegenwärtig zu 9 Pfd. 10 Schill. notirt wird! Nach New-Yorker Blättern haben amerikanische Häuser in England bereits wirklich über die Lieferung von 400,000 Tonnen Schieneneisen contrahirt. Rechnet man die Tonne Schieneneisen, welches theurer ist als das Stabeisen, zu 50 Dollars, so hat sich also das amerikanische Volk durch diese Contracte verbindlich gemacht an England nicht weniger als 20 Millionen Dollars für Schieneneisen zu bezahlen. Würden vollends alle unsere projectirten Eisenbahnen mit englischen Schienen gebaut werden, so würde Nordamerika in 7 Jahren, denn so lange kann der Bau dauern, einen Tribut von 50 Millionen Dollars an England bezahlen, und dieß für ein Material, welches in den Bergen der Vereinigten Staaten zugleich mit der besten Kohle in solcher Menge zu finden ist, daß der Bedarf der ganzen Welt damit gedekt werden könnte!! (Mechanics' Magazine, No. 670.)

John Macneill's Wegmesser.

Hr. John Macneill Esq., der unseren Lesern bereits mehrfach bekannt ist, schreibt in einem an den Herausgeber des Magazine of Popular Science gerichteten Briefe, daß er an dem Instrumente, welches er vor einigen Jahren erfand, und welches den Zustand der Oberfläche der Straßen, so wie auch die Zugkraft, die auf jedem einzelnen Theile derselben nothwendig war, andeutet, einige Verbesserungen angebracht habe. Das neue Instrument wird mit großer Genauigkeit den Gesammtbetrag der Impulse, weiche die Pferde mit ihren Schultern auf das Kummet ausübten, angeben; es wird nicht nur mittelst eines Zeigers den an jeder Stelle der Straße gemachten Kraftaufwand andeuten, sondern zugleich auch die Zahl der Stöße registriren; am Ende einer Tagreise wird man aus ihm abnehmen können, welche Gesammtkraft nöthig war, um den Wagen fortzuschaffen, und welche Kraft an jedem einzelnen Theile der durchfahrenen Straße erforderlich gewesen ist. Eben so wird es endlich die zurükgelegten Anhöhen oder Abhänge andeuten, so daß man sich auf diese Weise einen genauen Durchschnitt einer jeden Straße verschaffen kann. Hr. Macneill verspricht eine Zeichnung seines Instrumentes, welches er einen Road-Indicator nennt, demnächst bekannt zu machen.

Ein Beispiel der Wirkung von Windstößen auf Kettenbrüken.

Der Sturm, welcher am 23. Februar l. J. an der Meerenge von Menai wüthete, war wahrscheinlich der heftigste seit der Erbauung der über diese Enge führenden Kettenbrüke. Der Wind, welcher aus SW tobte, schien gleichsam von Oben auf die Brüke herab zu kommen, und erzeugte, obschon er keine seitliche Bewegung hervorbrachte, der ganzen Länge der zwischen den Tragpyramiden befindlichen Streke nach, eine Undulirung, welche nicht weniger als 16 Fuß senkrechte Höhe hatte: d.h. der eine Theil befand sich um 8 Fuß über und der andere zu gleicher Zeit um 8 Fuß unter der horizontalen Linie. Die höchsten und tiefsten Punkte dieser Art von Woge befanden sich beiläufig in der Mitte zwischen den Tragpyramiden und dem Mittelpunkte der Spannung. Die Undulirung hatte ruhig und gleichmäßig Statt, quer gegen die Straße war jedoch die Gewalt ungleich, so daß bald die eine, bald die andere Seite höher stand. Wegen dieser lezteren Unregelmäßigkeit kam die Verkleidung an einigen Stellen in Unordnung; auch brachen einige der senkrechten Aufhängstangen und einige der kleinen Bänder, |155| wodurch die Hängeketten mit einander verbunden sind. Die Sättel auf dem Scheitel der Pyramiden, welche die mittleren Hängeketten mit den an die beiden Ufer laufenden Ketten verbinden, hatten jedoch nicht den geringsten Schaden, gelitten. Kaum hatte der Wind aufgehört, so hörten auch alle Undulationen auf, und Fuhrwerk passirte wie früher über die Brüke. Die nöthigen Reparaturen dürften sich im Ganzen nicht höher als auf 20 bis 30 Schill. erheben. Um die Gewalt des Windes, der diesem herrlichen Baue des unsterblichen Telford eine so unvermuthete Probe bereitete, vollkommen würdigen zu können, ist zu bemerken, daß die Tragpyramiden 173 Fuß über dem niederen Wasserstande betragen; daß sie 552 Fuß von einander entfernt sind, und daß sich zwischen ihnen eine Last von wenigstens 650 Tonnen schwingt! (Aus dem Magazine of Popular Science, No. 2.)

Ueber die mechanischen Wirkungen der durch Reibung entwikelten Elektricität in den Baumwollspinnereien und Tapetenfabriken.

Hr. Colladon besuchte bei trokener kalter Witterung die Baumwollspinnerei der HH. Blech, Fries u. Comp. in Mülhausen, und war erstaunt sämmtliche Vorsprünge der Maschinen mit zahlreichen kleinen Baumwollfaserchen bedekt zu sehen. Die an den Kanten angesammelten Fasern schienen einander stark abzustoßen, und divergirten wie die Büschel, die man sonst zuweilen an den Elektrisirmaschinen anzubringen pflegt. Näherte man diesen Fasern die Hand, so wendeten sie sich sogleich auf die entgegengesezte Seite; zog man die Hand zurük, so standen sie sogleich wieder auf. Diese Erscheinung erklärt sich leicht dadurch, daß die Baumwolle beim Spinnen zusammengedrükt, ausgezogen und gedreht wird, hiebei mit metallischen Oberflächen in Berührung kommt, und viele Elektricität entwikelt. Die Baumwollfäden nehmen die negative, die Maschinen hingegen die positive Elektricität auf; ist die Luft feucht, so werden die Fäden zu Leitern, so daß sich beide Elektricitäten beinahe unmittelbar vereinigen und unbemerkbar werden; ist die Luft hingegen sehr troken, so wird die Leitung beeinträchtigt, die Faden behalten ihre elektrische Spannung länger und ihre Elektricität pflanzt sich an die Luft mit. Dieser Spannungszustand, der die Trennung, der Fasern von einander begünstigt, ist offenbar der Spinnerei nachtheilig, indem er ein häufigeres Blechen der Fäden veranlaßt. In Manchester unterläßt man daher auch das Spinnen sehr feiner Nummern wenn Nordost weht; und in mehreren Spinnereien wird, wenn der Hygrometer eine sehr trokene Luft andeutet, ein Dampfstrahl in die Spinnsäle eingelassen. Man erklärte dieß bisher allgemein durch die Trokenheit der Luft, dieß mag zum Theil richtig seyn; aber offenbar spielt hier die Elektricität eine noch weit wichtigere Rolle. – Ein zweites Beispiel dieser Art beobachtete Hr. Colladon in der Tapetenfabrik des Hrn. Zuber. Bei der Fabrication der rauhen oder sammetartigen Tapeten wird nämlich zuerst mit Modeln Leim auf jene Stellen des Papieres gedrukt, auf denen man den Wollstaub fixiren will. Nachdem dieß geschehen ist, läßt man das Papier durch zwei in den Seitenwänden angebrachte Oeffnungen in den oberen Theil einer großen Kiste laufen. Der Boden dieser Kiste ist ein Paar Zoll hoch mit Wollstaub gefüllt, der durch elastische Schnüre fortwährend nach allen Richtungen umher geschnellt wird, so daß der ganze leere Raum der Kiste beständig mit dichtem Staube erfüllt ist, der sich dann an die beleimten Stellen ansezt. Hr. Zuber versuchte mehrere Male auf dieselbe Weise auch Seidenstaub aufzutragen, was jedoch immer mißlang. Die Ursache hievon liegt, wie Hr. Zuber glaubt, in dem Einflusse der durch Reibung der Seidenfasern entwikelten Elektricität, in Folge deren sich die Fasern nie gleichmäßig an das Papier ansezen, wohl aber gleich nach wenigen Augenbliken die Wände der Kiste, besonders an den Kanten und Vorsprängen derselben überziehen. (Bibliothèque universelle, Februar 1836.)

Ueber den Mechanismus der menschlichen Stimme.

Hr. Cagniard-Latour, Präsident der philomatischen Gesellschaft in Paris, legte dieser Gesellschaft in einer Anfangs Junius gehaltenen Sizung zwei künstliche, aus Kautschuk verfertigte, menschliche Stimmrizen vor, um zu beweisen, |156| daß die Stimme ein Mundstükton (son d'anche) sey. Die sogenannte künstliche Stimmrize besteht aus einer kurzen Kautschukröhre, welche unten in einem Ringe aus Schilf von beiläufig 6 Linien im Durchmesser stekt, während sie sich oben in eine 15zollige Abplattung, die die Lippen der Stimmrize vorstellen, endigt. Bläst man bei der unteren Oeffnung in diese Vorrichtung, und hält man die oberen Ränder mit den Fingern gespannt, so hat man einige Mühe einen Ton herauszubringen; legt man hingegen die Finger 7 bis 8 Linien unter dem Rande so an, daß hiedurch zwei andere gespannte Linien entstehen, welche die unteren Bänder oder die unteren Lippen der Stimmrize vorstellen, so kann der Ton, sehr leicht hervorgebracht und sogar modulirt werden. Es scheint demnach während des Durchganges der Luft zwischen den unteren Bändern eine vorbereitende Schwingung zu entstehen. Hr. Cagniard-Latour glaubt, daß namentlich der Falsett durch die Wirkung dieser unteren Bänder hervorgebracht werde, (Hermes, No. 12)

Mignard-Billinge's kupferne Röhren ohne Löthung.

In vielfachen Fällen, namentlich aber bei dem Baue hydraulischer Pressen, fühlte man schon lange das Bedürfniß nach kupfernen Röhren, welche einen großen Widerstand zu leisten im Stande sind und sich zugleich nach allen Richtungen centriren lassen. Die geschweißten Röhren lassen oft aus und zwar gewöhnlich an den Löthungen und an den Stellen, welche gebogen werden müssen; überdieß dringt das Loth nicht selten auch in das Innere der Röhren, wodurch deren Canal verengert wird, so daß man gezwungen ist, den Röhren zur Vorsorge einen etwas größeren Durchmesser zu geben, als es eigentlich nothwendig wäre. Alle diese Mängel sind an den ausgezogenen Kupferröhren, welche Hr. Mignard-Billinge in Paris verfertigt, und worüber Hr. Saulnier der Société d'encouragement Bericht erstattete, beseitigt. Nach den vor einer Commission angestellten Versuchen halten derlei Röhren von 8 Millimeter im Lichten und 3 1/2 Millimeter in der Dike, wie man sie zu hydraulischen Pressen braucht, einen größeren Druk aus, als man zu erzeugen vermochte: einen Druk, den man auf mehr als 500 Atmosphären schäzte. Andere derlei Röhren, die man absichtlich verdünnt hatte, gaben einem Druke von beiläufig 200 Atmosphären nach, eine derselben hatte 10 Millimeter im Durchmesser und 1 1/4 Millimeter Dike; eine andere hatte 12 1/2 Millimeter im Durchmesser und 1/2 Millim. Dike. Der Bruch erfolgte nach der Längenrichtung, und bot das Eigenthümliche, daß der Sprung bereits bis zur Hälfte der Kupferdike bestand, so daß nur die eine Hälfte den Widerstand geleistet hatte. Hr. Mignard-Billinge hat bereits zwei goldene Medaillen von Seite der Gesellschaft erhalten, und zeigt sich ihrer durch seine neuen, Anstrengungen fortwährend würdig. (Aus dem Bulletin de la Société d'encouragement. März 1836.)

Ueber den Ursprung und die Bestandtheile des Gummigutts

trugen die DD. Christian und Graham kürzlich vor der Royal Society in Edinburgh eine Abhandlung vor, in welcher lezterer bewies, daß das Ceylanische Gummigutt weder von Linne's Garcinia Gambogia, noch wie Murray und König behaupteten, von Stalagmites gambogioides, noch wie Dr. Wight und Arnott meinten, von Xanthochymus ovalifolius, sondern von Lamarck's und Gartner's Garcinia oder Mangostana morella gewonnen wird. Das Siamesische Röhrengummigutt enthält nach Christison in 100 Theilen: 72,2 Harz, 23,0 Gummi, 4,8 Feuchtigkeit. Das Siamesische Gummigutt in Kuchen enthält 64,8 Harz, 20,2 Gummi, 5,6 Sazmehl, 5,3 Holzfaser, 4,1 Feuchtigkeit. Das Ceylanische Gummigutt von Oberst Walker eingesandt, besteht in 400 Theilen aus: 70,2 Harz. 19,6 Gummi, 5,6 Holzfaser, 4,6 Feuchtigkeit. Ceylanisches Gummigutt von David Blair enthielt: 75,5 Harz, 18,3 Gummi, 0,7 Kirschengummi, 4,8 Feuchtigkeit. Das Verhältniß des Gummi zum Harze wechselte in sämmtlichen Sorten, der Unterschied betrug jedoch nie über 2 Proc. – Hr. Christison schließt aus seinen Untersuchungen, daß das Siamesische Kuchengummigutt kein Naturproduct, sondern ein Fabrikat ist; und |157| daß das Ceylanische Gummigutt nach Entfernung der Holzfaser dem Siamesischen vollkommen gleichkommt, (Repertory of Patent-Inventions. Mai 1836, S. 317.)

Laurence's Macerationsproceß für die Runkelrübenzuker-Fabrication.

Das Journal des connaissances usuelles schreibt in seinem Maihefte S. 232, daß das doppelte Macerationsverfahren, welches Hr. Laurence, Zukerfabrikant in Gracedieu im Dept. de la Charente-Inferieure schon seit dem Jahre 1832 erfunden, gegenwärtig einen solchen Grad von Vollkommenheit erlangt habe, daß man davon eine gänzliche Umwandlung der Zukerfabrication erwarten darf. 1000 Pfd. Runkelrübenbrei geben 992 Pfd. Saft zu 5° und 444 zu 2,5°. Man braucht keine Pressen, keine Säke, keine Geflechte, und kann mit einem Materiale, welches 200 Fr. kostet, in 24 Stunden je 400 Hectoliter Saft gewinnen. Der Saft geräth selbst nach 24 Stunden nicht in Gährung; die Arbeit ist einfach, fabrikmäßig, und erfordert weniger Menschenhände, als die älteren Methoden; die Läuterung und das Versieden geschieht mit größter Leichtigkeit über freiem Feuer. Das rükständige Mark gibt noch ein sehr gutes Viehfutter und kann lange Zeit aufbewahrt werden. Hr. Laurence verspricht sich außerdem auch noch andere Vortheile, namentlich den: selbst bei Anwendung der gewöhnlichen Menge thierischer Kohle auf den ersten Guß schönen Zuker in Broden zu erzielen. Hr. Laurence verspricht über sein Verfahren billig mit den Fabrikanten unterhandeln zu wollen, und bemerkt, daß sich seine Apparate nach einfacher Zeichnung herstellen lassen. In zwei Stunden soll Jedermann den ganzen Gang des Verfahrens kennen lernen.

Recept zur Bereitung eines Johannisbeerenweines.

Das Journal des connaissances usuelles gibt folgende Vorschrift zur Bereitung des sogenannten Johannisbeerenweines. Man preßt die reifen Johannisbeeren durch ein Tuch, und sezt auf 6 Pfd. des trüben Saftes 3 Pfd. gutschmekenden Franzbranntwein, 1 1/4 Pfd. weißen Zuker und 6 Pfd. Wasser zu. Das Gemenge wird in ein luftdicht verschlossenes irdenes Gefäß gebracht und von Zeit zu Zeit aufgeschüttelt, wo der Zuker dann in 7 bis 8 Tagen aufgelöst seyn wird. Nach dieser Zeit kann man die Flüssigkeit abgießen, und in gut verschlossenen Gefäßen aufbewahren; sie gibt nach einiger Zeit ein sehr gutes Getränk, welches beinahe an den Constantiawein erinnert! So schreibt man in einem Weinlande!

Bird's verbesserte Drukerschwärze und Anstreichfarbe.

Hr. John Wird, Gentleman von Birmingham, erhielt am 15. Okt. 1835 ein Patent auf eine verbesserte Drukerschwärze und Anstreichfarbe, welches im Repertory of Patent-Inventions, Junius 1836, S. 363 folgender Maßen beschrieben wird. „Ich nehme eine gewisse Menge einer mineralischen Substanz, welche sich auf meinem Besizthume in Dinas Mowddwy in Merionethshire im Nordwallis und anderwärts häufig findet, reinige sie durch Waschen von allen schieferigen und sonstigen fremdartigen Substanzen, und trokne sie. Diese Masse, welche ein röchst feines, zwischen den Fingern kaum fühlbares Pulver bildet, ist eine natürliche Verbindung von beiläufig 46 Kieselerde, 42 Thonerde und 12 kohliger Substanz. Um aus ihr Buchdrukerschwärze zu bereiten, reibe ich sie mit dem gesottenen oder präparirten Oehle ab, welches man gewöhnlich zu dieser Schwärze nimmt. Zur Bereitung einer Schwärze für den Gebrauch der Kupferstichdrukereien nehme ich meine Masse anstatt der Frankfurter Schwärze, die man sonst gewöhnlich dazu nimmt. Eben so bereite ich aus meiner Masse mit verschiedenen Oehlen, Geistern etc. mehrere Anstriche, so wie auch Stiefelwichse. Ich beschränke mich hiebei auf keine bestimmten Verhältnisse, sondern nehme von allen Ingredienzien so viel als ich für geeignet finde.“ Dieß ist der wesentliche Inhalt dieser erbaulichen Patentbeschreibung!

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Belang der schweizerischen Baumwollenspinnerei.

Nach einer neulich von Hrn. Regierungsrath Bründli mit großer Sorgfalt vorgenommenen Zählung enthält dermalen der Kanton Zürich 87 Baumwollenspinnereien mit 292,960 Spindeln. Sehr wahrscheinlich kommt die Spindelnzahl in der übrigen Schweiz jener im Kanton Zürich nicht ganz, doch beinahe gleich; füglich lassen sich daher für die ganze Schweiz wenigstens 560,000 Spindeln rechnen.

Aus der Zahl der Spindeln läßt sich mit ziemlicher Zuverlässigkeit die jährliche Production an Garn ermitteln.

Nach der Baseler Zeitung ist diese per Spindel zu 30 Pfd. (engl.) anzunehmen; die Schweiz producirte demnach circa 17 Mill. Pfd. Garn, und verbrauchte dazu nahe an 19 Mill. Pfd. Baumwolle, und dieses Quantum stimmte wirklich ganz genau mit dem von Baines angegebenen Consum überein. Fast zu genau jedoch; denn da diese Angabe für 1851 gilt, so müßte der Consum dermalen bedeutend größer seyn. In der That glauben wir aber denselben auch etwas höher berechnen zu dürfen.

In England consumirt die Spindel freilich nur 30 Pfd. Baumwolle, und liefert nur 27 Pfd. Garn; in der Schweiz hingegen mag jede wohl um so mehr oder 36–38 Pfd. Baumwolle verspinnen. Denn 1) liefert unstreitig die Schweiz im Durchschnitte weit gröberes Garn, und wir können, da England troz seiner vielen Feinspinnereien Nr. 40 als durchschnittliche rechnet, diese für die Schweiz nur zu 30 oder 32 annehmen. 2) beträgt die wöchentliche Arbeitszeit dort nur 69, in der Schweiz an 80 Stunden. 5) führt hier jeder Spinner nur einen Stuhl. Zu jener Annahme halten wir uns übrigens um so mehr berechtigt, da uns bekannt ist, daß gewisse Schweizer Spinnereien schon 70 und mehr Pfd. Baumwolle jährlich per Spindel consumirt haben, und aus einem 1831 dem Congresse der Vereinigten Staaten vorgelegten Berichte sich ergibt, daß die dortigen Spinnereien, die allerdings noch weit niedrigere Nummern produciren, per Spindel 61 Pfd. Baumwolle verbrauchten. – So absurd also die in vielen Schweizerblättern wiederholte Angabe von 150 Pfd. Garn per Spindel ist, so halten wir doch die Annahme von 32–33 Pfd. Garn oder 36–38 Pfd. Baumwolle nicht für übertrieben, und berechnen demnach für sämmtliche 560,000 Spindeln in der Schweiz den Verbrauch an Baumwolle aus 20 1/2 – 21 Mill. Pfd. (engl.) und die Production an Garn auf 18 Mill. Pfd. (Nimmt man an, daß 1 Pfd. Baumwolle 1 Fr. Fracht koste, und daß der Werth durch die gesammte Fabrikation nur auf das 3fache erhöht werde (in England rechnet man das 4fache, und in Frankreich das 6fache), so ergibt sich, daß ohne die Verarbeitung des eingeführten engl. Garns in Anschlag zu bringen, die Baumwollen-Fabrikation jährlich einen Werth von wenigstens 41 Mill. Fr. erzeugt.) Stellen wir nun noch einige Vergleichungen an.

Großbritannien (mit 25 Mill. Einwohnern) verbrauchte nach Baines 1833 282 Mill. Pfd. Baumwolle mit 9 1/3 Mill. Spindeln.

England allein (mit 14 1/2 Mill. Einw.) 250 Mill. Pfd. Baumwolle mit 8 Mill. Spindeln.

Frankreich (mit 32 1/2 Mill. Einw.) circa 80 Mill. Pfd. Baumwolle mit 3 Mill. Spindeln.

Die Bereinigten Staaten (13 Mill. Einw.) 1851 in 791 Spinnereien mit 1 l/4 Mill. Spindeln 77 Mill. Pfd. Baumwolle.

Die Schweiz (mit 2 1/4 Mill. Einw.) mit 560,000 Spindeln 20 1/2 Mill. Pfd. Baumwolle.

Es kommen hiemit

in England auf 1000 Einw. 550 Spindeln, und auf 1 Einw. 17 1/4 Pfd. Bw.
in Großbr. 373 – 11 1/4
in der Schweiz 248 – 9
in den Ver. St. 96 – 6
in Frankreich 93 – 2 1/2

Bekanntlich ist die Maschinenspinnerei in der Schweiz und in Frankreich zu gleicher Zeit ungefähr eingeführt worden, und bekanntlich ist sie dort von Anfang an bis auf diesen Tag der engl. Concurrenz fortwährend bloßgestellt gewesen, während in Frankreich fast ununterbrochen das strengste Prohibitivsystem angewendet wurde, um sie zu schüzen und emporzubringen. Aus dem Obigen ergibt |159| sich, wie sehr nichts desto weniger die schweizerische Fabrication der französischen verhältnißmäßig vorangeeilt ist, wie sehr diese zurükblieb troz alles Zwanges, der der Nation auferlegt wurde, und der ihr innerhalb 25 Jahren weit übel 1000 Mill. kostete; und wie wenig sogar das feindselige Princip Frankreichs die natürliche Entwikelung des kleinen Nachbarstaates zu hemmen vermochte.

Es ergibt sich endlich aus diesen Notizen, daß, obgleich die mechanische Spinnerei vornehmlich den Betrieb der Industrie in möglichst großen Factoreien herbeiführte, solche durchaus nicht zum gedeihlichen Fortgange derselben unerläßlich sind. Nach der Enquête kommen im Elsasser Reviere (wo ihrer 56 sind) auf 1 Spinnerei durchschnittlich 12,500 Spindeln; im Rouenrevier (wo 240 Spinnereien) und dem von Lille (wo 450 Spinnereien) auf 1 circa 4000 Spindeln, in Glasgow (wo 44) auf 1 an 14,500 Spindeln – im Kanton Zürich hingegen ist die durchschnittliche Spindelzahl nur 5000, und in den Bereinigten Skaten gar nur 1560.

Actiengesellschaftenwesen in England.

Im Laufe des Jahres 1835 wurden in England nicht weniger als 121 Actiengesellschaften, zusammen mit einem Capitale von 49,957,200 Pfd. Sterl. proponirt. Unter diesen Gesellschaften, deren Wirkungskreis sich beinahe auf alle Länder der Erde erstrekte, waren 37 Eisenbahn-Compagnien mit einem Capitale von 35,424,000 Pfd. St.; 41 Bergwerks-Compagnien mit einem Capitale von 3,006,200 Pfd. St.; 10 Dampfschifffahrts-Compagnien mit einem Capitale von 1,889,000 Pfd. St.; 3 Gasbeleuchtungs-Compagnien mit einem Capitale von 295,000 Pfd. St.; 2 Banken mit einem Capitale von 1,150,000, und 28 andere Gesellschaften zu mannigfachen Zweken mit einem Capitale von 8,193,000 Pfd. St. Nur das berühmte Speculationsjahr 1825 bot bisher ein Gleichniß hiezu. (Magazine of popular Science, No. 1)

Ueber den Ertrag der Posten in Frankreich und England.

Das Journal de Statistique universelle vom Jahre 1835 enthält folgende Daten über das Postwesen in Frankreich und England.

Frankreich.

Textabbildung Bd. 61, S. 159

England.

Textabbildung Bd. 61, S. 159

In Paris langen in weniger als 3 Stunden gegen 4000 Felleisen an, welche 30 bis 36,000 Briefe enthalten, die sogleich tarifirt, gestempelt und ausgetragen werden. Die Centralpostadministration in Paris arbeitet mit 3 Ober- und 519 Unterbeamten; jene in London nur mit 5 Ober- und 260 Unterbeamten, und doch ist der Dienst bei lezterer rascher. Im Durchschnitte hat die Post in Paris und in London täglich folgende Expeditionen:

Paris. London.
Vom Innern oder vom Auslande kommen an 35,000 33,000
Auf der kleinen Post 15,000 40,000
In das Innere oder in das Ausland gehen ab 70,000 45,000
Journale 85,000 90,000
––––––––––––––
205,000 208,000
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In Frankreich ist die Brieftaxe für 2 Meilen 20 Cent., für 10 Meilen 30 Cent., für 40 Meil. 40 Cent., und für 100 Meil. 70 Cent. In England beträgt sie für 3 Meil. 40 Cent., für 40 Meil. 60 Cent., für 40 Meil. 90 C., und für 100 Meil. 1 Fr. 25 Cent. In Frankreich ist also das Personal doppelt so stark und die Taxe um die Hälfte geringer.

Ein sehr inhaltreicher Spazierstok

wurde, wie Blätter von Newcastle erzählen, in jüngster Zeit dem Geometer Sopwith daselbst als Geschenk überreicht. Er enthält nämlich, obschon er nicht viel diker seyn soll, als die dermaligen fashionablen Stöke, zwei Tintenzeuge, Federn, ein Federmesser, einen Papierstreicher aus Elfenbein, Zündhölzchen, Siegellak, Oblaten, ein Petschaft, eine Wachskerze, mehrere Bogen Brief- und Kartenpapier, einen vollkommenen Apparat zum Zeichnen, Bleistifte, Haarpinsel, Kautschuk, Tusche, einen Thermometer und einen Compaß. Alles ist so eingerichtet, daß man jedes Instrument mit aller Bequemlichkeit benuzen kann. (Mechanics' Magazine, No. 170.)

Robert Gillespie's Verbesserungen an den Bruchbändern,

welche man im Repertory of Patent-Inventions, Junius 1836, S. 360 beschrieben findet, beschränken sich darauf, daß der Patentträger als Pellotte ein Stük weiches Holz, am besten Pappelholz anwendet, und diesem die Form eines unregelmäßigen, stumpfen, an der einen Seite flachen Kegels gibt. Um den Druk auf den Samenstrang zu vermeiden, bringt er in diesem Kegel manchmal eine zu dessen Aufnahme dienende Furche an. Nach seiner Ansicht läßt sich bei diesen Bruchbändern, die sich durch Wohlfeilheit und Festigkeit auszeichnen sollen, die Kraft der Feder mehr auf einen kleinen Umfang und auf die Stelle, bei welcher das Eingeweide austrat, concentriren. Wir unsererseits finden in dieser vermeintlichen Verbesserung nur einen Rükschritt zu einer uralten und längst aufgegebenen Art von Bandagenstük, welches höchstens in eine alte Rüstkammer gehören dürfte.

Mittel gegen die Wanzen.

Hr. Cheval. Beraud zeigte in einem Schreiben an die Akademie in Paris an, daß es ihm gelungen sey sein Schloß in Chaumont, welches reichlich mit Wanzen besezt gewesen war, dadurch von dieser Plage zu befreien, daß er sämmtliche Gemächer mit frischem Heu anfüllen ließ. Mehrere Möbels, in denen sich Wanzen in Menge befanden, wurden gleichfalls vollkommen rein, nachdem sie einige Zeit in frisches Heu eingegraben waren, (Hermes, No. 7.)

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Hiebei ist noch nicht in Anschlag gebracht, um wie viel der Verkehr höher steigen würde, wenn in Harwich und Yarmouth wieder Paketbootstationen errichtet würden.

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Die Dividenden dieser Compagnie sind durch eine Parliamentsakte auf 10 Proc. beschränkt.

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