Titel: Ueber Heathcoat's Dampfpflug.
Autor: Handley, Henry
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. LXIV. (S. 295–298)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/ar061064

LXIV. Ueber die Anwendung des Dampfes zu landwirthschaftlichen Zweken, und namentlich über den Dampfpflug des Hrn. Heathcoat, Parliaments-Mitgliedes. Von Hrn. Henry Handley.

Aus dem Morning Chronicle im Mechanics' Magazine, No. 673.

Die Anwendung einer leblosen Kraft auf den Feldbau muß von den Praktikern als eine Aufgabe, gegen welche unübersteigliche Hindernisse vorlagen, betrachtet worden seyn; denn sonst würde man sich schon längst des Dampfes anstatt der Pferde und Ochsen als Triebkraft für verschiedene Akerbaugeräthe bedient haben. Mehrere leichte Verrichtungen, die mit einer fixirten Maschine vollbracht werden konnten, wie z.B. das Dreschen, Buttern, Häkselschneiden u. dergl., beschäftigten allerdings bereits mannigfach den Erfindungsgeist der Mechaniker; und an einigen Orten benuzt man wirklich mit mehr |296| oder weniger Vortheil zu den angedeuteten Zweken Maschinen, welche von Wasser, Wind oder kleinen Dampfmaschinen in Bewegung gesezt werden. Die Idee einer Dampflandwirthschaft hingegen, d.h. einer mit Dampf anstatt mit thierischer Kraft betriebenen Oekonomie, ward bisher von Jedermann, mit Ausnahme einiger weniger Individuen und einer oder zwei landwirthschaftlicher Gesellschaften, für absurd oder für ein Hirngespinst gehalten.58)

Dessen ungeachtet wurde die Aufgabe endlich gelöst, und zwar von dem Parliamentsmitgliede für Tiverton, Hr. Heathcoat, dem berühmten Erfinder der Tull- oder Bobbinnetmaschinen, der sich hiedurch einen neuen Triumph und neue Verdienste um sein Vaterland erwarb. Die vielen im Wege stehenden Hindernisse wurden endlich nach mehrjährigen kostspieligen Versuchen durch den Unternehmungsgeist und die Liberalität dieses Mannes, dem Hr. Josiah Parker, Civilingenieur, mit seinem mechanischen Scharfsinne und seiner Ausdauer beistand, glüklich beseitigt. Die erste Maschine ward eigens für die Urbarmachung von Moorgründen erbaut, und seit einigen Monaten auf dem sogenannten Red-Moß bei Bolton-le-Moors in Lancashire auch wirklich mir Erfolg praktisch angewendet.

Eine aus Parliamentsmitgliedern und bekannten Mechanikern (worunter James Smith von Deanston, B. Hick und P. Rothwell) bestehende Versammlung, welche mehreren Versuchen mit der neuen Maschine beiwohnte, und unter der sich auch der Berichterstatter befand, war einstimmig der Ansicht, daß in dieser Erfindung der Keim zu ausgedehnten Verbesserungen in der Landwirthschaft gelegen sey, und daß sie bereits jezt schon zu dem Zweke, zu welchem man sich ihrer zuerst bediente, höchst passend und vorteilhaft erscheine. Von den zwei verschieden gebauten Pflügen, welche man vor der Versammlung in Bewegung sezte, erregten beide das allgemeine Erstaunen, besonders der eine, der doppeltwirkend und mit zwei in einer Fläche befindlichen Scharen ausgestaltet ist, so daß er am Ende eines jeden Ganges ohne Zeitverlust umkehrt und eine neue Furche beginnt. Die Vollkommenheit des Mechanismus des Pfluges, die Kraft, womit die Schneidinstrumente jede in dem Moorgrunde enthaltene Faser durchschnitten, die Breite und Tiefe der umgebrochenen Furchen, die Anwendung eines neuen und bewundernswerthen Zugmittels anstatt |297| der Ketten und Strike überraschten Jedermann. Die Geschwindigkeit, mit der sich der Pflug bewegte, betrug 2 1/2, engl. Meilen in der Stunde, wobei Furchen von 18 Zoll Breite und 9 Zoll Tiefe gezogen und das Erdreich vollkommen umgelegt wurde. Jede Furche von 220 Yards Länge ward in etwas weniger als drei Minuten vollendet, so daß diese einzige Maschine mit zwei Pflügen in 12 Stunden 10 Acres Marschland umbricht.

Die Maschine, auf der sich die Dampfmaschine befindet, ist eine Locomotivmaschine; da sich die Pflüge jedoch unter rechten Winkeln mit deren Bahn bewegen und nicht hinter ihr nachgezogen werden, so braucht sich die Maschine nur um die Breite einer Furche, nämlich um 18 Zoll, vorwärts zu bewegen, während die Pflüge eine Viertelmeile durchlaufen; d.h. die Maschine bewegt sich durch 11 Yards, während die Pflüge 5 1/2 engl. Meilen zurüklegen und einen Acre Land umgebrochen haben. Durch diese Einrichtung zeichnet sich die Maschine hauptsächlich aus, auf ihr beruht besonders die Anwendbarkeit des Dampfes auf die Landwirthschaft, und in ihr beurkundet sich das Genie des Erfinders am mächtigsten; denn müßte sich die Maschine mit der Geschwindigkeit der Pflüge bewegen und dieselben nachziehen, so würde ein großer Theil der Kraft der Maschine nuzlos verbraucht werden.

Eine weitere sehr schäzbare Eigenschaft der Maschine ist, daß für sie keine Bahn auf dem Moorgrunde hergestellt zu werden braucht, sondern daß es genügt, wenn zu ihren beiden Seiten ein Abzuggraben gezogen wird. Wer die Moorgründe kennt, wird sich gewiß wundern, daß eine Maschine von solchen Dimensionen und solcher Kraft gebaut werden konnte, und die dennoch geeignet war auf dem rohen Moorboden zu laufen. Die Irländer, welche bei den Versuchen zugegen waren, versicherten, daß die meisten irländischen Moorgründe dieselben Eigenschaften besaßen wie das rothe faserige Moor von Red-Moß, und daß die Maschine daher in ihrem Vaterlande auf keine größeren Schwierigkeiten stoßen dürfte, als sie auf dem Red-Moß zu überwinden vermochte. Die Maschinen können mit einer bis auf 50 Pferdekräfte reichenden Kraft betrieben werden; allein die nach dem Umbrechen oder Pflügen nöthigen Arbeiten erfordern im Vergleiche mit jener Kraft, welche nöthig ist, um die Mooroberfläche mit der angegebenen Geschwindigkeit bis auf eine Tiefe von 9 Zoll umzubrechen, nur eine unbedeutende Kraft. Die von jedem Pfluge verbrauchte Kraft wird auf 12 Pferdekräfte angeschlagen; das Gewicht der Scholle, welche der Pflug von der Spize bis zu seiner Ferse aufreißt, auf nicht weniger als 300 Pfund. Der Kessel ist für eine Locomotivmaschine von ungewöhnlicher Größe gebaut, und zwar |298| deßhalb, damit er mit Torf geheizt werden kann. Die Urbarmachung des Moores geschieht also durch ein Product, welches bei dessen Trokenlegung gewonnen ward. Zur Handhabung der Maschine und der beiden Pflüge waren 8 Personen nöthig, wonach also auf jeden Acre beinahe ein Arbeiter kommt; doch muß bemerkt werden, daß eine solche Anzahl bloß bei der ersten schweren Arbeit, keineswegs aber bei den späteren Operationen, und eben so wenig bei der Anwendung der Maschine auf die Bebauung von festem Erdreich erforderlich ist.

Die Versammlung drillte Hrn. Heathcoat das Vergnügen, welches sie über die Leistungen seiner Maschine empfand, so wie auch die Wünsche aus, daß es ihm gelingen möge seine Erfindung auch auf schwerem Thonboden anwendbar zu machen; besonders war sie der Ansicht, daß der Dampfpflug auch wesentlich dazu geeignet seyn dürfte, die neuerlich vorgeschlagene Kultur des Unterbodens, und die von Hrn. Smith in Deanston erfundene Methode Gründe troken zu legen, wobei ein großer Aufwand an Kraft nöthig ist, in Ausführung zu bringen.

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Unter den Zeitschriften, welche sich am kräftigsten für die Einführung der Dampfpflüge ausgesprochen haben, erwähnen wir vorzüglich die Flandre agricole. Dieselbe enthielt erst im Laufe Februars d. J. einen Artikel hierüber, worin sie namentlich auf die Erfindungen des Hrn. Thomas Gibbs und des Hrn. J. Upton aufmerksam macht. Der Dampfpflug des lezteren soll einen sehe geringen Raum einnehmen und selbst von dem Ungeübtesten mit Leichtigkeit geführt werden können. A. d. R.

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